vonmaggie 15.04.2026

Widerhaken

Literaturkritiken. Oder: ein Versuch, nicht den Kopf zu verlieren, zwischen all den Worten die so herumirren in unserer wundervollen Welt.

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Inhalt

Wolfsblut wird in der Wildnis geboren und lernt früh das Schema „Fressen oder gefressen werden“. Durch seine Mutter kommt er dennoch in Kontakt mit Menschen, bei denen er aus Bequemlichkeit bleibt, auch wenn er Gewalt und Härte erfährt. Seine körperliche Konstitution und sein Aufwachsen in der Wildnis machen ihn zu einem „idealen“ Kampfhund. Und das zieht gierige Besitzer mit Wettgewinnen im Kopf an. Seine Realität ist brutal und schmerzerfüllt, doch ohne sein Wissen liegt das sonnige Kalifornien in der Zukunft.

 

Zum Autor

Jack London wurde 1876 in San Francisco geboren und wuchs in ärmlichen und instabilen Verhältnissen auf. Durch diese Erfahrungen setzte er sich später stark gegen Kinderarbeit und für Sozialismus ein. Auf der anderen Seite reproduzierten seine Schriften (sprachlich und teilweise inhaltlich) den Rassismus der damaligen Zeit. Er verstand das Leben als Überlebenskampf, wie sich in zahlreichen seiner Werke zeigt. Während die Natur für ihn einerseits der unbarmherzige Kontrahent ist, ist sie anderseits auch Sehnsuchtsort und zuhause. Zeit seines Lebens reiste er viel und war der meistgelesene Autor der Welt.

 

Hintergrund

Ein zentrales Element im Roman Wolfsblut sind Hundekämpfe. Sie verändern das Wesen von Wolfsblut zu einer grausamen Kampfmaschine, ermöglichen ihm aber schlussendlich auch ein besseres Leben. Hundekämpfe und Tierkämpfe allgemein hatten lange Zeit einen hohen Unterhaltungswert – im alten römischen Reich gab es in großen Arenen Gladiatorenspiele, in denen teilweise hunderte Tiere gegeneinander oder gegen Menschen antreten mussten. Doch es gibt auch ältere Erwähnungen. Es gibt verschiedenste Formen der Tierkämpfe, mit unterschiedlichen Beteiligten und Abläufen. Eine besonders brutale Form was das sogenannte „Hetzen“ welches im viktorianischen England aber auch in Deutschland verbreitet war. Dabei ging es darum, angebundene und verteidigungslos gemachte Tiere von Hunden totbeißen zu lassen. Besonders umstritten sind auch die noch immer stattfindenden Stierkämpfe in Spanien, Portugal und Teilen Südfrankreichs, welche für die Regionen teilweise von großer wirtschaftlicher Bedeutung sind. Bei einem Stierkampf wird der Stier zunächst tagelang getriezt, und dann in einem längeren rituellen Kampf immer wieder unterschiedlich verletzt und schließlich getötet. Die Kämpfe dienen allein der Unterhaltung und werde als kulturelles Erbe gerechtfertigt.

Tierkämpfe sind brutal und aus guten Grund in den meisten Teilen der Welt verboten. Das liegt teilweise daran, dass bei Tierkämpfen die Gewalt an Tieren besonders sichtbar wird. Doch außerhalb des gesellschaftlichen Bewusstseins leiden weiterhin Millionen Tiere in Massentierhaltung, welche ein würdevolles und angenehmes Leben unmöglich macht und sie ausschließlich zur Ware werden lässt. Hier Sichtbarkeit zu schaffen, könnte ein erster Schritt zu einem gesellschaftlichen Umdenken sein.


ISBN: 978-3-423-14239-7

Mehr Informationen zur Massentierhaltung in Deutschland gibt es hier  

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