vonMagdalena Schwarzwald 19.06.2022

Wiege, Bahre, Sex

Körper sein und Körper haben. Ein Blog über das Geboren werden, Sex und Sterben.

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Ein Ziel in meinem Leben: guter Sex. Wir sprachen darüber. Aber lasst uns doch generell über Ziele sprechen. Es gibt die verschiedensten Definitionen aus den verschiedensten Lebensbereichen für Ziele. Zumindest zeigt das ein kurzer Blick und ein kurzes Scrollen im Wikipedia Artikel „Ziel“. Aber es ist wohl grundlegend in den meisten Ziel-Definitionen so: hier gibt es die Gegenwart in der das Ziel noch nicht erreicht ist und im Bestfall aber in der Zukunft erreicht wird. Mit zielorientiertem Verhalten. Passt also auf, dass ihr nicht einmal aus Versehen ein Ziel erreicht, so ganz ohne zielorientiertem Verhalten.

Aber wie verhält es sich da mit dem Leben und dem Sterben, frage ich mich da ja. Also wir kommen auf die Welt und unser Ziel ist zumeist das Überleben, zumindest so lange als möglich. Weil das wissen wir nun mal – Sterbequote der Menschen die geboren werden: 100%.

Also ist das Leben doch nur eine lange Reise und das Sterben das Ziel? Oder ermöglicht vor allem erst das Sterben, dass wir uns Ziele im Leben setzen, die wir erreichen wollen bevor wird dann weg oder Next-Level sind, nach unserem Abtreten? Was macht im Leben den Unterschied wenn wir davon ausgehen der Tod ist das Ende, oder nur ein notwendiger Zwischenschritt um woanders weiterzumachen?

Und ist es nicht unglaublich tragisch, dass wir dazu verdammt sind, am Ende eh zu scheitern. Weil einfach niemand das Leben überlebt? Oder ist dieser Gedanke eine tolle Grundlage um Scheitern neu zu denken? Scheitern als das, was der Menschheit zu Grunde liegt.

Menschen die sich bewusst für den Tod entscheiden lassen uns oft fragend zurück. Oft entsteht ein Bild von gescheiterten Existenzen. Aber nehmen sie nicht einfach das vorweg, was nun einmal eh bevorsteht? Als „Kind“ einer Familie, der das Thema Suizid mehr bekannt als fremd ist, stelle ich mir diese Fragen vielleicht öfter, als Menschen, die Suizid vor allem mit prominenten Persönlichkeiten in Verbindung bringen.

Aber gut – es muss ja nicht gleich Suizid sein. Nehmen wir einfach an, der eigene Tod tritt so um die 80 Jahre ein, wie bei den meisten Menschen in Deutschland. Was machen wir mit dieser Information? Und was ist denn jetzt das Ziel?

Also ich hätte noch 50, im Bestfall „gute“ Jahre. Was damit tun? Klar. Ein Ziel bleibt guter Sex. Ich habe gehört und gelesen, dass es im Alter eh entspannter wird. Weitere aktive Ziele: Bestatterin werden und eine gute Work-Life-Balance. Irgendwie dazu beitragen das Klima und damit vor allem uns Menschen zu retten. Kein Arschloch sein. Irgendwann mehr Tage im Leben das Gefühl haben, erwachsen zu sein – als nicht-erwachsen zu sein. Herausfinden was erwachsen sein meint. Für immer unrasierte Beine haben. Vielleicht mit 80 bei einem Orgasmus glückselig sterben, weil Herzstillstand oder so. Besser aber beim Masturbieren. Ein weiteres Ziel ist: Niemals Sex zu haben bei dem eine andere Person dabei stirbt. Super gruselig.

Aber ganz ehrlich. Ich hatte auch das Ziel viel früher einen neuen Blog Artikel zu schreiben. Die eigene Nichtigkeit in einem unendlichen Universum anzuerkennen, scheint mir ein wirklich edles Ziel. Aber trotzdem schon auch zu wissen, dass am Ende vielleicht nicht alles egal ist und es durchaus möglich ist, die Welt zu einem besseren Ort zu machen.

Es bleibt kompliziert. Und am Ende doch so einfach. Wir kommen auf die Welt und wir werden sterben.

Alles dazwischen ist eben alles dazwischen.

In diesem Sinne, viel Erfolg beim Erreichen deiner und eurer Ziele. Mögen sie noch so klein und banal wirken oder völlig größenwahnsinnig. Go for it! Außer es ist irgendwas undemokratisches. Dann soll es scheitern.

Tschüss.

 

 

 

 

 

 

 

 

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