vonoliverkrueger 02.10.2021

Zeitlupe

Notizen zu Gesellschaft, Medien und Religion von Oliver Krüger, Professor für Religionswissenschaft an der Universität Freiburg (Schweiz).

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Nachdem die Wähleranteile der Sozialdemokratie und der Linken in den vergangenen Jahren einen stetigen Abwärtstrend aufwiesen, ist eine Debatte über die Zukunft und Programmatik der politischen Linken mehr als überfällig. Für jeden, der dies noch nicht wahrhaben wollte, markiert die Bundestagswahl dabei einen Tiefpunkt. Denn auch der knappe Sieg von Olaf Scholz kann nicht über das strukturelle Problem der politischen Linken hinwegtäuschen. Von einem Siegesrausch sind die aktuellen 25,7 % der Sozialdemokratie weit entfernt.

Die Rolle, die Sahra Wagenknecht im Wahldebakel ihrer Partei spielte, sollte nicht überbewertet werden – das würde allzu schnell von den manifesten Problemen linker Identitätsfindung ablenken. Ich betrachte die Situation eher als eine vertane Chance. Tatsächlich hätte Sahra Wagenknecht in dieser Krise eine konstruktive Rolle übernehmen können. Leider verspielte sie diese Chance mit ihrem jüngsten Buch Die Selbstgerechten, das fünf Monate vor der Bundestagswahl veröffentlicht wurde.

Ambitioniert spricht sie alle aktuellen Politikfelder der Bundesrepublik und insbesondere der Sozial- und Wirtschaftspolitik an: die Migration, die Minderheitenpolitik, Europa, den Islamismus, die Klimakrise und Umweltpolitik, nationale und kulturelle Identitäten, den Lobbyismus, Fragen der direkten Demokratie, die Medienkonzentration, den Finanzkapitalismus, die digitale Wirtschaft und deren Monopole und die Veränderung der Mittelschicht.

Diese thematische Auseinandersetzung bettet Wagenknecht in einen Angriff auf die „Lifestyle-Linken“ ein, die linksliberale Ideen vertreten würden, allerdings räumt sie ein: „Genau besehen ist die so bezeichnete Strömung nämlich weder links noch liberal…“ (S. 12). Gleichzeitig zeichnet Wagenknecht geradezu karikaturenhaft ein Bild dieser Lifestylelinken, die heute meist gut betuchte Akademiker seien, bio einkaufen, sich um Gendersternchen sorgen und wohlmöglich noch einer urbanen LGTBQ oder zugewanderten Minderheit angehören. Sie verachten den Ballermanntourismus, unternehmen selbst aber „Bildungsreisen“ oder begeben sich auf Selbstfindung ins Ayurveda-Hotel. Aufgrund ihrer privilegierten Stellung sind sie laut Wagenknecht unfähig, echte linke Politik für die Unterprivilegierten zu betreiben.

Diese Einsichten verknüpft Wagenknecht mit einer Grunderzählung, die man sonst nur aus Rentnerrunden kennt: Früher war alles besser. Sie bemängelt beispielsweise dass die Aufstiegschancen in der Mittelschicht im Vergleich zu den Wirtschaftswunderjahren bis in die 1980er heute gekappt seien und sich ein akademischer Erbadel herausgebildet habe. Als Beleg für diese These führt sie dann Statistiken zu den veränderten Verdienstmöglichkeiten von Journalisten in Großbritannien an (S. 91).

Der Autorin scheint jedoch entgangen zu sein, dass sich die soziale Schichtung der deutschen Gesellschaft seit 1949 auch grundlegend gewandelt hat. Wenn es eine Erfolgsgeschichte gibt, dann ist es gerade der Bildungssektor. In der westdeutschen Nachkriegsgesellschaft betrug der Anteil der Schülerinnen und Schüler mit Hochschulreife gerade mal 5 bis 7 %, für Gymnasien (und auch Oberschulen in der DDR) wurde bis 1957/58 Schulgeld verlangt. Heute beträgt die Quote mehr als ca. 50% (ca. ein Viertel fällt auf das Fachabitur) und die Hälfte der Studierenden sind Frauen.

Ein Politikverständnis, das wie bei Wagenknecht (oder Jeremy Corbyn) auf Ideen von sozialen Klassenstrukturen und -interessen beruht, wie sie um 1900 geherrscht haben, läuft damit ins Leere. Es macht schlicht keinen Sinn, nahezu jeder und jedem die Legitimität für linkes politisches Engagement abzusprechen, wenn man zum Beispiel einen Aufstieg durch Bildung geschafft hat. Natürlich ändert sich, wie sich linke, sozial und ökologisch engagierte Politik definiert.

Ein gutes Beispiel, wie ihr der einigende Ruf misslingt, ist Wagenknechts Kampf gegen die Gendertheorie und die Anstrengungen für eine gendergerechte Sprache. An Stelle einer substantiellen Auseinandersetzung wiederholt sie hier polemische Narrative, die im rechtskonservativen und christlich-fundamentalistischen Milieu im Kriegszug gegen den so genannten „Genderismus“ präsent sind. Die Existenz eines biologischen Geschlechtes würde laut Wagenknecht (S. 31) in dieser Theorie grundweg geleugnet (was natürlich nicht stimmt: Der englische Begriff „gender“ dient theoretisch ja gerade dazu, um die soziale Konstruiertheit z.B. von „Frau“ oder „Mann“ im Gegensatz zur biologischen Körperlichkeit zu markieren, dem englischen „sex“).

Man könne als Mann auch kein nett gemeintes Kompliment an eine Frau loswerden, ohne einen Sexismus-Vorwurf zu riskieren (S. 31). Mehr Stammtisch ist kaum noch möglich … oder gibt es für diese Behauptung irgendwelche Belege? Und mal ehrlich, Frau Wagenknecht, würde ein Verehrer Ihnen nur unentwegt Komplimente für Ihr Aussehen machen, wären Sie sicher nach wenigen Minuten ähnlich wie die geistreiche Roxane aus Cyrano de Bergerac von ihrem einfallslosen Bewunderer zu Tode gelangweilt.

Und bitte, wenn man oder frau sich mit Gender-Theorie auseinandersetzt, sollte immer das Bemühen bestehen, exakt zu zitieren, kontextualisieren und nicht plakativ zu polemisieren. So wird (mit Bezug auf schlechte Sekundärliteratur) von Sahra Wagenknecht behauptet, Judith Butler würde die Burka als Symbol weiblicher, familienverbundener Werte „bejubeln“ (S. 120). In dem entsprechenden Interview von 2003, das im Kontext des Irak- und Afghanistan-Krieges unter Präsident George W. Bush stand, gab Butler lediglich zu bedenken, dass das Ablegen der Burka nicht einfach gleichgesetzt werden kann mit einem Akt der Befreiung (aus westlicher Sicht). Sie bezieht sich explizit auf die Forschungen der Anthropologin Lila Abu-Lughod in Ägypten, die aufzeigen, was die Burka für viele Frauen in ihrer Kultur bedeutet. Hier nun eine Verbindung zwischen Islamismus, Feminismus und Gendertheorie zu konstruieren, ist abenteuerlich.

Aus feministischer Sicht ist die Kopftuchfrage auch kaum mit einem eindeutigen „Ja“ oder „Nein“ zu lösen, stehen sich doch Positionen kultureller weiblicher Selbstbestimmung und ein westlich-feministischer Freiheitsbegriff gegenüber. Den „Linksliberalen“ wirft Wagenknecht vor, sich heutzutage aus Hang zum Multikulturalismus für die Verschleierung der Frau einzusetzen. Aus ökonomischer und emanzipatorischer Perspektive jedoch müsste Sahra Wagenknecht selbst eigentlich zu dem Schluss kommen, dass eine gesellschaftliche Toleranz gegenüber dem Kopftuch muslimischen Frauen in Deutschland eine solide, gar verbeamtete Berufsperspektive bieten würde, die viele von ihnen aus Gründen ihrer persönlichen Überzeugungen andernfalls niemals wahrnehmen könnten. Diese ökonomische Emanzipation hätte dann zweifellos weitere Folgen für das Rollenverhältnis von Männern und Frauen. Das Kopftuch andererseits für eine identitätspolitische Debatte zu instrumentalisieren, wäre genau das, was Wagenknecht den Lifestyle-Linken unentwegt vorwirft: Symbolpolitik.

Wenn die Linken-Politikerin in dieser Gender-Debatte letztlich darauf hinaus will, dass wir nicht die realen sozialen Problemlagen von Frauen aus dem Blick verlieren dürfen, dann würde dieses vollkommen berechtigte Argument sicherlich breite Unterstützung (der gescholtenen Lifestyle-Linken) finden. Nur geht es bedauerlicherweise in dem Rundumschlag gegen die Gendertheorie unter.

Das ist eine Auseinandersetzung bestenfalls auf Talkshow-Niveau.

Vielleicht sollte man in der Politik einen Vorschlag aus der Paartherapie beherzigen. Glückliche Liebesbeziehungen zeichnen sich dadurch aus, dass Lob und Kritik im Verhältnis 5:1 stehen. Wer einmal kritisiert, der sollte dann fünfmal seine Wertschätzung ausdrücken. Im Politischen würde dies bedeuten, gemeinsame Ziele – common ground – zu suchen und auch gegenseitige Anerkennung für das gemeinsame Streiten auszudrücken. Wer soll denn mit Sahra Wagenknecht für ihre Vision einer politischen Erneuerung der Linken kämpfen, wenn sie allen alliierten politischen Kräften die Legitimität abspricht?

Schon der Buchtitel „Die Selbstgerechten. Mein Gegenprogramm – für Gemeinsinn und Zusammenhalt“ erweist sich als Oxymoron: Es ist ein politischer Angriff auf weite Teile ihrer genuinen politischen Verbündeten und kein Einigungsversuch. Denn Lifestyle-Linker ist nach Wagenknecht schließlich fast jeder und jede, die ihr Konsumverhalten reflektiert, sich „fröhlich, bunt und gut gelaunt“ auf die Unteilbar-Demos gegen Rassismus begeben hat und wahrscheinlich auch all diejenigen, die über genügend Zeit und einem intellektuellen Interesse verfügen, Bücher von Sahra Wagenknecht zu lesen. Das Buch ist eigentlich nur noch eine Abrechnung von der saarländischen Seitenlinie aus, es ist kein Gegenprogramm sondern ein Gegenschlag – denn auf der programmatischen Ebene fällt es dünn aus und verliert sich häufig auf schwammigen Allgemeinplätzen.

Dabei wäre es ein Leichtes, mit spezifischen programmatischen Ideen alte und neue Mitstreiterinnen zu finden. Wie wäre es mit der Forderung, ein Prozent mehr des Bruttoinlandsproduktes für Bildung auszugeben, anstatt eine unsinnige Steigerung im Verteidigungshaushalt zu erreichen. Im Bereicht der Bildung befindet sich Deutschland nämlich mit 4,2 % nur auf Platz 27 unter den 36 OECD-Staaten (laut den aktuellsten, verfügbaren Daten von 2017).

Das wäre doch mal ein konkreter Vorschlag, der fraglos viel Unterstützung im linken und mittleren politischen Spektrum finden würde. Ach so, das sind ja alles nur Lifestyle-Linke, mit denen man keine echte Politik mehr machen kann …

 

Bildnachweis:

Sahra Wagenknecht, Bundesparteitag Die Linke 2018 in Leipzig, Sandro Halank, Wikimedia Commons

https://de.wikipedia.org/wiki/Sahra_Wagenknecht#/media/Datei:2018-06-09_Bundesparteitag_Die_Linke_2018_in_Leipzig_by_Sandro_Halank%E2%80%93126.jpg

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https://blogs.taz.de/zeitlupe/2021/10/02/die-selbstgerechte/

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kommentare

  • Mittlerweile bin ich zur Überzeugung gelangt, dass Frau W. völlig falsch eingeordnet und überschetzt wird. Schaut man sich Ihre Veröffentlichungen auf Youtube an, wird es im kontext der hier geäußerten Kritik richtig gruselig. Frau W. liefert der unsäglichen Hufeisentheorie eine Daseinsberechtigung weil sie meint, man könne das National in Nationalsozialismus klein schreiben und wäre dann links. Und damit nicht genug, lassen ihre weiteren Ausführungen zur Pandemie den geneigten Betrachter fassungslos zurück. Ihre verschwörerischen Ansätze vermitteln den Eindruck, dass sie entweder noch einfacher gestrickt ist, als zu vermuten wäre oder sie das Geschäftsmodel der Verschwörungsunternehmer für sich entdeckt hat. Letzteres wäre ja eine Entwicklung die in jüngster Zeit häufig zu betrachten ist, wenn sich Ikonen einer bestimmten Blase vernachlässigt oder in ihrer vermeintlichen Kernkompetenz nicht mehr ausreichend bestätigt fühlen und sich einem leicht zu überzeugenden und sehr spendablem Puplikum zuwenden, dass auch immer wieder mediale Schützenhilfe bei der Ermächtigung seiner Propheten erhält.

  • Der Gegenschlag „Die Selbstgerechten“ Sahra Wagenknechts ist als Fingerzeig gegen Lyfestyle Linke angelegt, weist aber Bundespräsidenten Gustav Heinemann (1899-1976) SPD richtig verstanden, mit 3 Fingern auf sich selber zurück. Wobei es S. W. mehr um das Zurück denn um Linkenschelte geht?, nämlich in zugespitzter Weltlage in eine Wagenburg Knechtschaft der eschatologisch letzten Gerechten zurückzukehren, umzingelt von potenziellen Feinden, die selbst in eigenen Reihen lauern, der Selbstgerechten Lyfestyle Mentalität zu verfallen.
    In stalinistischen Zeiten wäre das jetzt aus so prominentem Munde verkündet das autorisierte Fanal zu Säuberungsprogrammen in eigenen Reihen, egal wie viele Unschuldige dann gefährdet am Pranger stehen, Aktionismus ist alles in Zeiten, wo politischer Wille zu Erneuerung, Neuem vom Grunde her durch frei flotierende Angst, die als neue alte globale Weltwährung, aufgefächert nach Anlagesegmenten institutioneller Anleger*nnen in regionale, lokale Finanzprodukte, computergesteuert, hochfrequent im 100 sec Takt an Börsenplätzen gehandelt wird, bis der Notarzt vom mobilen Rettungsdienst kommt, außer er kommt zu spät, weil er im Stau steht, Hubschrauber wg Stumrböen nicht starten können?
    Kurzum, Sahra Wagenknecht legt mit ihrem Buch „Die Selbstgerechten“ Zeugnis ab, dass sie selber Opfer dieser frei flotierenden Angst Weltwährung geworden scheint, ohne das kenntlich machen zu wollen oder auch nur zu können?, wenn ja, warum?, weil sie ängstlich eigentlichen Gegenschlag Adressaten AfD, Teile der Union nicht durch gesteigerte Aufmerksamkeit im öffentlichen Raum aufwerten will, es mit Jesus hält, um überschießende Reaktionen der Mächtigen zu unterlaufen, der dazu aufrief, die Schuld der Welt auf sich selber gerichtet zu übernehmen, ohne diese zu adressieren, damit überhaupt Begriffe von Schuld in der Welt entstehen, gleichzeitig für die Mächtigen unanfechtbar zu gelten, weil Jesus von Nazareth wie Sahra Wagenknecht zum Selbstschutz von Schuld in einem Reich spricht, das nicht von dieser Welt scheint? Bei Jesus ging es um ein Reich fern des Römischen. In Sahra Wagenknechts Sprachduktus „Der Selbstgerechten“ ist es das Reich der Linken, das nicht von dieser Welt ist

  • Sehr geehrte Taz Team,

    ich wähle jetzt seit viele Jahren für die Linke, aber ich erinnere mich immer daran, wie sehr ich früher frustriert und angewidert war, dass sie nie ein wirklich konkretes Programm für das Klima oder die Umwelt hatten, ja, dass sie sogar das Ende des Kohlebergbaus ein lächerlich weit entfernten Termin angegeben haben.

    Das waren noch Zeiten – auch nicht lange her – als Sahra Wagenknecht und Katja Kipping in Führungspositionen war. Seit Susanne Hennig-Wellsow und Janine Wissler an der Spitze stehen, sehe ich positive Schritte in Richtung einer echten Klimapolitik.

    Ich wünschte, die Medien (vor allem das Fernsehen) würden aufhören, oder es zumindest weniger tun, Wagenknecht automatisch nach ihrer Meinung zu Angelegenheiten zu fragen, und anfangen, andere aus der Partei einzuladen. Sie spricht nicht für mich, und ich fürchte, dass ihre Ausbrüche den Chancen schaden junger Menschen , sich in der Partei zu Hause zu fühlen. Ernsthaft, wie kann man behaupten, intellektuell zu sein, und die Klimakrise nicht ernst zu nehmen? Wenn sie sagt, dass dies die Wähler abschreckt, ist sie sowohl eine Klimaleugnerin als auch extrem arrogant, weil sie den Wähler für dumm hält. Und was geht es sie an, dass manche Menschen sich nicht als Mann oder Frau sehen? Glaubt sie, dass sie das Recht hat, andere zu verletzen – Menschen, die die Linke wählen könnten und sich stattdessen mittig-orentierte Parteien wie die Grünen oder FDP zuwenden.

    Früher habe ich sie wirklich bewundert, aber jetzt finde ich ihren Mangel an Logik verblüffend. Sie kritisiert die Technologie von Elektroautos als Umweltschädlich, erkennt an, dass fossile Brennstoffe ein Problem sind, hat aber keine Antwort auf Alternativen. Auf ihrem YouTube-Kanal gibt es keine Quellen, die ihre Argumente untermauern, die an Verschwörungstheorien oder rechtsextreme Ansichten grenzen.

    Ihre „Lifestyle-Linken“ Begriff ist nur eine weitere typische unsinnige Tirade von ihr. Was soll das überhaupt bedeuten? Ich kaufe in Bioläden ein, bin gut ausgebildet – aber ich verdiene nicht viel Geld. Ich komme gerade so über die Runden. Bin ich ein „Lifestyle-Linke“? Was ist denn ihre Antwort – die Unterstützung umweltschädlicher landwirtschaftlicher Praktiken?

    Mein Wunsch ist es, dass die Medien mehr neue, frischere – oder besser gesagt das relevante Stimmen aus die Linke Parie mehr zu Wort kommen lassen. Wir brauchen relevante Stimmen, keine konservative, altmodische Bla-Bla-Rhetorik wie die ihre.

    Was Jeremy Corbyn betrifft – er hat sich für einen grünen New Deal (lang bevor die Linke überhaupt daran gedacht haben), soziale Gerechtigkeit und einen verantwortungsvollen und respektvollen Umgang mit geschlechtsspezifischen Fragen – auch LGTBQ – eingesetzt. Er kann nicht im Geringsten mit ihr verglichen werden.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Mark
    Ps. Ganz nebenbei, ich wünsche mir, dass eines Tages eine muslimische Mutter ihre Stimme erhebt und sagt, dass die Souveränität über die Geschlechtsteile ihres Sohnes wichtiger ist als die Frage, ob sie ein Tuch trägt oder nicht. Ich lebe in Frankfurt, habe mit vielen Urologen gesprochen und ihre Selbstgefälligkeit darüber, wie sehr sie von diesem Geschäft finanziell profitieren, ist schockierend. Wenn es keine medizinische Notwendigkeit gibt (und die gibt es fast nie), dann ist das logischerweise keine Operation, sondern eine Verstümmelung. Ob diese nun schlecht oder „perfekt“ durchgeführt wird, ist dabei unerheblich. Nur ein informierter Erwachsener hat das Recht, eine solche Entscheidung über sich selbst zu treffen. Aber von solchen mutigen öffentlichen Kampagnen sind wir noch Lichtjahre entfernt.

      • In wie fern? Wussten Sie, dass Wagenknecht im youtube sogenannte „Wissenschaftler“ wie Clemens Arvay und Winfried Stöcker unterstützt, die den Corona-Impfstoff in Frage gestellt haben – mitten in einer Pandemie? Und dann schimpft sie darüber, wie diese beiden Menschen behandelt werden, als seien sie arme Opfer, die von der akademischen Gemeinschaft nicht verstanden werden. Reine Verschwörungstheorien.

  • „… dass eine gesellschaftliche Toleranz gegenüber dem Kopftuch muslimischen Frauen in Deutschland eine solide, gar verbeamtete Berufsperspektive bieten würde, die viele von ihnen aus Gründen ihrer persönlichen Überzeugungen andernfalls niemals wahrnehmen könnten.“
    Und andersherum, warum ist es nicht zumutbar, in diesem Kontext auf das Tragen den muslimischen Kopftuchs zu verzichten? Es ist ja mehr als ein Zeichen der Religiösität seiner Trägerin. Es ist auch Ausdruck der Stellung von Frauen in patriarchalen Geselschaftsordnungen, bei der es um die Kontrolle des Sexualtät der Frau geht, d. h. auch um die Sicherstellung der biologischen Vaterschaft. Dazu gehören die Segragation der Frau und entsprechende Kleidergebote, z. B. die Verschleierung, d. h. auch das Tragen eine Koptuchs. Für mich ist das große Verständns für das Kopftuch ein Rätsel.

    • Ja, Frau Frank, Sie haben Recht und Ihr Beitrag zeigt, dass hier zwei verschiedene Freiheitswerte aufeinandertreffen. Ich halte an dieser Stelle nicht viel von einer globalen Debatte und habe mich hier ganz konkret auf die Situation in Deutschland bezogen. Denn wir um die Emanzipation von Frauen ringen, dann ist das im Kern eine ökonomische Frage, also welche Ausbildungen, Berufsperspektiven und Aufstiegschancen gibt es für Frauen? Wer segregiert, wenn wir sagen, dass Kopftücher in bestimmten Berufen verboten sind? Meiner Ansicht nach – das kann man ntürlich bestreiten – werden sich erst durch eine wirtschaftliche Autonomie auch eine Emanzipation in anderen Lebenssphären durchsetzen (Rollen in der Familie, Bildung, Kultur…). Je stärker wir also Möglichkeiten der Berufstätigkeit fördern, desto eher ist eine tatsächliche Emanzipation realisierbar.

      • Es ist freundlich, dass Sie auf meinen Kommentar geantwortet haben. Wenn ich Sie richtig verstanden habe, ist die unabdingbare Toleranz des „Kopftuchs“ zu fordern und auch durchzusetzten. So soll die berufliche Integration von Frauen, zu deren identität das Tragen des muslimischen Kopftuchs gehört, ermöglicht werden und somit deren Emanzipation zu befördern werden. Das kann so sein. Was ist dagegen mit den Rechten von Menschen auf bestimmte „religionsneutrale“ Bereiche. Wie kommt es zu solchen Gewissheiten über muslimische Frauen in Deutschland? Ich sehe jedenfalls nicht, dass es eine Debatte über „unterschiedliche Freiheitswerte“ gibt, eher einen lagerkampf.

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