29.09.2009 von Helmut Höge
Auf Anregung einiger taz-Mitarbeiter genehmigte die Geschäftsführung heute die Einrichtung eines Hedge-Fonds.
Nach der Spendensammlung “Waffen für El Salvador”, der anhaltenden Acquise für die taz-Genossenschaft und der bisher ebenfalls erfolgreichen Einwerbung von Kapital für die taz-”Panter-Stiftung” gibt es nun also auch noch einen Hedge-Fonds für Spatzen. Die taz knüpft damit direkt an ihre anfängliche Guerilla-Unterstützung an, denn Spatzen sind Heckenschützen, d.h. sie brauchen Hecken (Hedges), um zu überleben, weil sie nur von da aus im Pulk immer wieder kleine blitzschnelle Überfälle starten – so wie die Partisanen, die aus dem Maquis (Buschwald) heraus angreifen. Und wie diesen geht es auch den Spatzen dabei erst mal um Verpflegung.
Lange Jahre hatte die taz mit Spatzen nicht viel zu tun (zwischen 1979 und 2009 gab es gerade mal 899 mal eine Verwendung des Begriffs “Spatzen”), aber dann richtete die taz in ihrem Berliner Hauptquartier an der Rudi-Dutschke-Straße ein taz-Café ein – mit… weiter lesen
29.09.2009 von Helmut Höge

Der erste gelbe Poller in Meiningen! Der Hausmeister der Dresdner Bank kann es noch gar nicht fassen, muß ihn anfassen – und prüfen, ob es sich dabei nicht doch wieder um eine bloße Papp-Requisite des berühmten Meininger Theaters von schräg gegenüber handelt. Meiningen befindet sich am Ostrand der Rhön in Südthüringen und nennt sich “Theaterstadt”. Wir besuchten sie auf dem Rückweg von der bayrischen Rhön – und blieben ein paar Tage, um uns ein Bild von ihr zu machen. An Hausmeisterpollern gibt die Stadt nicht mehr viel her – seit der Wende, aber an Geschichten noch immer – vornehmlich Hubschrauber-Geschichten…
Die DDR war nicht nur ein Leseland, sondern auch eine Autorenrepublik, meint der Wiener Erzähler Robert Menasse, weil so viele Menschen angehalten wurden, “zu recherchieren und dann alles in eine schriftliche Form zu bringen”. Davon profitiert die deutsche Literatur noch heute – und ganz speziell die Meininger.
So berichtet… weiter lesen
29.09.2009 von Helmut Höge
“Weiß man, dass das Wort Frieden (paix) von dem Wort für Grenzmarkierung stammt, vom Pfahl (pieu), von diesem bestellten Pagus (Feld)?” (Michel Serres)

1972 fanden in den USA Präsidentschaftswahlen statt. Ein kompliziertes und finanziell aufwendiges Verfahren, bei dem die Kandidaten, begleitet von ihrer Familie, ihren Beratern, Helfern und einem Journalistentroß, der sich gewaschen hat, durch das ganze Land jetten, Reden halten, Hände schütteln und Interviews geben. Wenn sie bei diesen Vorwahlen gut abschneiden, werden sie eventuell von ihrer Partei nominiert. Die Demokraten nominierten 1972 notgedrungen den “Anti-Politiker” George McGovern, nachdem Hubert Humphrey und Edmund Muskie ausgeschieden und der für die Rassentrennung kämpfende George Wallace angeschossen und dabei schwer verletzt worden war. McGovern trat daraufhin gegen den republikanischen Amtsinhaber Richard Nixon an.
Dieser hatte die Präsidentschaftswahl 1968 mit dem Versprechen gewonnen, den Vietnamkrieg zu beenden. Er ließ dann auch Truppenteile abziehen, gleichzeitig beschlossen er und sein Sicherheitsberater Henry Kissinger jedoch,… weiter lesen
23.09.2009 von Helmut Höge

Wer vor einiger Zeit durch Berlin-Mitte schlurfte, sah etwas Seltsames: Bälle, überall Bälle. Immer am Boden an Straßenpollern befestigt, so dass alles insgesamt eine leicht zu erkennende Form annahm: Werbung für den neuen Männerwäscheladen “balls” direkt neben dem Frauen-Dessous-Laden “blush”. Photo: Claudia Kleinert.
Nun zu “Terroristinnen – Bagdad77″: ein seltsamer Titel für ein Buch. Die Regisseurin Katrin Hentschel inszenierte 2007 am Theater Freiburg ein gleichnamiges Stück, aus dem nun in Zusammenarbeit mit der Freiburger Verlegerin Traute Hensch ein Buch wurde. Es handelt von den Frauen der RAF. Am Anfang des “Projekts” standen “Fragen, nichts als Fragen” – u.a.: “War der Terror der Versuch, nicht spießig zu werden?”, “Wer hat die illegalen Wohnungen geputzt?” “Hatten die Mädels im Knast mehr Post als die Männer?”, “War die RAF ein Vergnügen?” “Warum interessieren uns die Antworten?”
In ihrer “Doku-Fiktion” führen zunächst drei berühmte Terroristinnen, teilweise mit Zitaten aus RAF-Büchern, -Filmen und -Selbstdarstellungen,… weiter lesen
22.09.2009 von Helmut Höge
Die westdeutsche DDR-Forschung ist durchweg ekelhaft, aber die ostdeutsche kann einen mitunter begeistern! Über die Familie Fuchs z.B. ist schon viel geschrieben worden. Von Johannes R.Becher wurden ihre Mitglieder als die “Buddenbrocks von heute” bezeichnet. Kürzlich erschienen erneut über den “Atomspion” Klaus Fuchs drei Bücher, wie mir dessen Neffe Gerhard Fuchs-Kittowski mitteilte, der zwar seit 1998 in der Schweiz lebt, aber als Experte für jüdische Restitutionen nach wie vor in Berlin arbeitet, wo er mir 1995 seine ganze Familiengeschichte erzählte (sie erschien dann in dem Basisdruck-Buch “Berliner Ökonomie” unter dem Titel “Der Investitionsverzögerer”). Sein Vater, Informatiker an der Humboldt-Universität und davor Assistent von Ernst Bloch in Leipzig: Klaus Fuchs-Kittowski wurde 2002 mit einer Festschrift geehrt.
Inzwischen weiß ich auch einiges über die DDR-Familie Leo. Es ist immer ein Vergnügen, wenn man eine Familie oder Gruppe nach und nach und von mehreren Seiten kennenlernt. So wie z.B. das kleine Moskauer Arbeitslager… weiter lesen
20.09.2009 von Helmut Höge
“Es geht nicht darum, immer mehr zu verdienen, sondern darum, immer weniger zum Leben zu brauchen.” (Alexander Solschenizyn)
Am Samstag fand 1. Die alljährliche Generalversammlung der taz-Genossenschaft statt und 2. die Panterpreis-Verleihung:
1.
Der Vorsitzende des Zentralverbands deutscher Konsumgenossenschaften, Burchard Bösche, fand die Generalversammlung der taz-Verlagsgenossenschaft, die erneut im neuen Verwaltungsgebäude der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di stattfand, munterer als die meisten anderen Generalversammlungen, die er kennt.
Die taz ist genaugenommen eine Produktivgenossenschaft (von Zeitungsmachern) eingewickelt in eine Konsumgenossenschaft (ihrer Leser). Dazu gehört nun anscheinend auch der BILD-Chefredakteur Kai Diekmann, denn er trat i Frühjahr der taz-Genossenschaft bei und deswegen mußte der Aufsichtsratsvorsitzende der taz-Genossenschaft Hermann-Josef Tenhagen auf der Generalversammlung auch dem “Genossen Diekmann” das Wort erteilen – was unter den etwa 250 Anwesenden Heiterkeit auslöste. Der “Bascha-Mika-Fan” Diekmann behauptete dann, die höchste Auflage hätte die taz mit der “Feindes-taz” erzielt, deren einmalige Ausgabe er zu Bascha Mikas Zeiten chefredigiert hatte. Im übrigen… weiter lesen
17.09.2009 von Helmut Höge

Selbstgestrickte Eierwärmer in unserer Rhön-Pension in Weissbach
Die Welt-Lexika geben auf: Brockhaus und Meyer haben vor dem weniger von Leistung als von Leidenschaft beseelten Wikipedia-Wissen kapituliert. Der Brockhaus-Verlag setzt nach seinem Fastkonkurs nun ebenfalls laut taz auf ein “Internet-Lexikon”. Jetzt gibt es aber auch noch eine “Roman-Krise”: Schuld daran ist laut FAZ die von Habermas bereits 1985 konstatierte “neue Unübersichtlichkeit”, die trotz seiner Analyse nicht weniger, sondern im Gegenteil noch enorm zugenommen hat. Wie hängen diese beiden “Ereignisse” zusammen – und was tun die Autoren dagegen?
Sie schreiben statt Welt-Romane Provinz-Lexika! Als Vorbild dafür könnte das vielgelobte “Alphabet der polnischen Wunder” von Stefanie Peter (2007) gelten. Da wäre zum Einen die “Spurensuche in Mitteldeutschland” von Joachim Krause zu nennen, “Am Abend mancher Tage” betitelt, die alle von antikommunistischem Westschmäh benebelten Zuspätgeborenen mit DDR-Biographemen von “Aufbruch” (1953) über “Feindberührung”, “Flugblätter” und “Kartoffelkäfer” bis “Zeltplatzleben” und “Loslassen” (1999) informiert. Der Autor… weiter lesen
16.09.2009 von Helmut Höge

Das sind die beliebtesten (und preisgünstigsten) Poller – mindestens in der thüringischen Rhön – auf die wir uns in diesem Herbst, im Anschluß an die Lesungen auf der Kalten Buche im bayrischen Teil der Rhön, konzentrierten. Man sägt dazu einfach einen Alleebaum ab, wobei etwa 80 Zentimeter des Stammes stehenbleiben. Diesen Rest läßt man dann von einem der vielen Holzschnitzer in der Region zu einem “Rhön-Poller” zurichten. Er hat hernach Ähnlichkeit mit einem ins Gigantische mutierten Pilz. Der von Antonia Herrscher photographierte steht am Rand eines Dorfes, das sich in einem Google-Map-Loch befindet – in der Nähe der Dörfer Rosa und Roßdorf. Beide Dörfer sind durch ihre Pferdehöfe bekannt, einer heißt “Ponde Rosa”, er hat gerade ein Geschäftsführungsproblem.

In dem selben unbekannten Ort (vielleicht hieß er Wiesenthal?) befindet sich eine Art Freilufttheaterbühne für Antifa-Veranstaltungen, auf dem sich bis zur Wende auch noch ein kommunistisches Denkmal befand. Das versuchte… weiter lesen
15.09.2009 von Helmut Höge
Von hinten angefangen: In der Rhön – auf der Jungviehweide Kalte Buche – fand kürzlich wieder (wie alle zwei Jahre) eine dreitägige Lesung von etwa 20 Autoren statt. Eingeladen hatte der im Nachbardorf lebende Verleger und Buchhändler Peter Engstler. Am Beeindruckensten war dort wieder die Lesung des Heidelberger Hausmeisters, Musikers und Dichters Jörg Burkhard. Ich wollte anschließend für die Buchmessenbeilage der JW-Redakteurin Conny Lösch eine Rezension der bisherigen Bücher von Burkhard schreiben, sie sind fast alle im Peter-Engstler-Verlag erschienen:
Live in Zombombie 1990
Volumes of friendly fire 1992
Euroica / Kevin Limbos größter Fall 1996
Der grosse Roman 2000
Frozen City Finalized 2004
Die Welt ist schön 2006
Rheinmetall 2008
Da fiel mir ein, dass mir ausgerechnet das letzte – “Rheinmetall” – fehlte. Bis Peter Engstler es mir schickte, vergegenwärtigte ich mir noch einmal burghards “scene” und die auf der Kalten Buche, auf der… weiter lesen
15.09.2009 von Helmut Höge
“Die Jagd ist eine Kunst” – steht in der heute musealisierten Jagdhütte von Marschall Tito nahe Belgrad (1). Bereits 1827 schrieb Thomas de Quincey ein Buch über den “Mord als schöne Kunst betrachtet” (One of the Fine Arts). Zuletzt behauptete der US-Künstler Andy Warhol: “Good Business is the Finest Art”. Die Führungskräfte der Bundeswehr haben dagegen immer wieder – sogar vor Gericht – bestritten, dass Soldaten Mörder sind. Immerhin gesteht das Magazin des BundeswehrVerbandes “Die Bundeswehr” in seiner Jubiläumsausgabe 2006 ein, dass sich dahinter ein (Öffentlichkeits-)Problem verbirgt. In bezug auf die Bundeswehr-”Aktivitäten” in Afghanistan spricht der CDU-Verteidigungsminister Franz Josef Jung jedoch einstweilen lieber von einem “Stabilisierungseinsatz”. Sein SPD-Vorgänger meinte: “Deutschlands Sicherheit” werde “am Hindukusch verteidigt” – und das mittels “Operationen”. Von “Krieg” würden dabei nur die Talibankrieger sprechen und die seien keine Soldaten, sondern “Terroristen”. Im übrigen dürften die Bundeswehrsoldaten nur schießen, wenn auf sie geschossen wird. Alte texanische Sheriff-Ehre.… weiter lesen