Archive for Februar, 2010

25.02.2010 von Helmut Höge
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Andere Länder – andere Parkplatzfreihalte-Sitten

von Helmut Höge

Baltimore

In Baltimore stellen die Anwohner, nachdem sie sich einen Parkplatz schneefrei geschaufelt haben, Gartengeräte mit der Funktion verkehrsabweisender Poller auf – um den Platz damit für andere Autofahrer zu blockieren. Das ist zwar illegal, wird aber, da es massenhaft geschieht, toleriert. Die Baltimore Sun berichtete darüber mehrmals. Es ähnelt der Berliner Inbesitznahme der Baumscheiben durch Anwohner, um sie zu bepflanzen und einzuzäunen. Auch diese von unten massenhaft erfolgende Privatisierung (städtischen) Gemeindeeigentums wird von oben klammheimlich geduldet und höchstens “fachgerecht begleitet”. Heute meldet die Baltimore Times – mit Bild (3):

“The mayor says it’s time for residents to take the lawn chairs off Baltimore’s streets.” Photos by Kim Hairston

Istanbul

Auch hier kommen mehr oder weniger spontan entwickelte Parkplatzfreihalter in den Straßen zum Einsatz:  1. Der Schlosserpoller – er steht direkt vor einem Antiquitätengeschäft, hinten sieht man ein weiteres Möbelgeschäft und ein Café. 2. Eimer Stein Haufen… weiter lesen

25.02.2010 von Helmut Höge
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Von der Redundanz zum Rauschen

von Helmut Höge

“Klettern ,klettern,klettern, um dem höhenpoller die hand aufzulegen…,” merkte der norddeutsche Pollerphotograph Peter Grosse zu diesem Bild an.


Der taz-Afrika-Redakteur Dominic Johnson hat ein besonderes Gespür für Papiermagie, eben leitete er diese Meldung an uns weiter:

“Von großer Bedeutung für die verbesserte Behandlung von Menschen mit
seltenen Erkrankungen ist auch die Entwicklung eines nationalen
Aktionsplanes zur Verbesserung der Versorgung von Menschen mit seltenen
Erkrankungen.”
(Aus der Presseerklärung zum Internationalen Tag der Seltenen Erkrankungen)

wird fortgesetzt…

22.02.2010 von Helmut Höge
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Ökologie der Ziegen

von Helmut Höge

Wer jemals Ziegen besessen hat, weiß, sie fressen so gut wie alles und mit Vorliebe das, was sie nicht sollen. Dafür geben sie Milch, sind gewitzter als Schafe und weil sie alles fressen, findet man immer irgendwas für sie. Die Ziege ist die Kuh des kleinen Mannes. Wenn man in Emden das Stadtbürgerrecht erwerben wollte, mußte man Nutztiere besitzen, mindestens eine Ziege. Um sich eine leisten zu können, gab einem die Emder Sparkasse einen “Ziegenkredit”. In Polen hatte die Akademie für Landwirtschaft vor einigen Jahren eine ähnliche Idee: Weil es wegen der Auflösung der staatlichen Güter in der Gegend um Wrozlaw besonders viele Arbeitslose gab, startete die Akademie dort ein Pilotprojekt: Ziegen anstelle von Sozialhilfe – unter wissenschaftlicher und filmischer Begleitung. Und so lebten  dann einige der neuen Landarmen fortan mit Ziegen. Einer nahm seine sogar mit in die Kneipe.

Auch in Kenia hat sich dieses Prinzip “Ware statt Geld”… weiter lesen

18.02.2010 von Helmut Höge
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Öko-Utopie

von Helmut Höge

Den Wald vor lauter Pollern nicht sehen…

Kürzlich wurde das Buch von Bruno Latour “Das Parlament der Dinge” neu aufgelegt. Damit konnte sich die Münchner Geisteselite schon mal mit dessen “politische Ökologie” vertraut machen, mit der er und eine Reihe von Mitstreitern sich anheischig machen, die Theorie der Umweltschutzbewegung auf die Höhe ihrer Praxis zu befördern. Das Ganze nennt sich  “Akteur-Netzwerk-Theorie” (ANT). Sie  ist in die unterschiedlichsten “Think-Tanks” und “Konflikt-Kommissionen” im In- und Ausland eingesickert. Die ANT besticht in ihren konkreten Analysen von Problemen, die allgemeinen Schlußfolgerungen sind jedoch in einem gewöhnungsbedürftigen Stil verfaßt. Dieser hat aber den Charme des Neuen.

Am 8. Februar bekam der französische Wissenschaftssoziologe Bruno Latour in München den “Kulturpreis” der Universitätsgesellschaft”, weil er “zu den einflußreichsten und gleichzeitig populärsten Vertretern der Wissenschaftsforschung (Science Studies) gehört”. Eine seltsam amerikanische Begründung, aber sei es drum, der so Ausgepreiste stellte daraufhin  in der Münchner Uni sein “Kompositionistisches… weiter lesen

17.02.2010 von Helmut Höge
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Afghanistan/Tschetschenien/Somalia

von Helmut Höge

Wie kann man die Bösen (Partisanen) von den Guten (friedliche Bevölkerung) trennen? Diese Frage stellte sich den Franzosen in Algerien, den Engländern in Malaysia, den Amis in Vietnam und nun den Alliierten in Afghanistan. Sie alle scheiterten bisher bei ihrer (soziochirurgischen) Trennungsarbeit daran, dass die Guerilla im Laufe ihres Kampfes mit dem Volk nahezu identisch wurde.

Aber nach wie vor wird weiter daran gearbeitet und geforscht. Nun auch vermehrt an deutschen Hochschulen. In der Jungen Welt schreibt Peer Heinelt:

Mit Aufstandsbekämpfung befassen sich u.a. auch die an etlichen deutschen Universitäten aktiven »Außen- und sicherheitspolitischen Studienkreise« (ASS). Der eingetragene Verein versammelt nach eigenen Angaben Politikwissenschaftler, Historiker, Islamwissenschaftler und »Geopolitiker« mit dem Ziel, »politischen, gesellschaftlichen und militärischen Kompetenzträger (n)« das »Handwerkszeug« für den Umgang mit Widerstandskämpfern, Partisanen und »Terroristen« zu liefern. Jüngstes Ergebnis der Expertenberatungen ist die Publikation »Asymmetrische Konflikte im Spiegel der Zeit«; hier wird unter anderem erklärt, daß sowohl dieweiter lesen

14.02.2010 von Helmut Höge
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Hammerhart/Haiforschung

von Helmut Höge

Auch der Seifenblasenmann kommt nicht ohne Poller aus, schreibt Peter Grosse zu diesem Photo.

Man konnte sie schon bald nicht mehr sehen, all die Unterwasserfilme von Haien, einer gefährlicher als der andere, zu schweigen von “haiwelt.de” dann auch noch.2005 gipfelte dies Bemühen in einen Haifilm auf 3D:

Bei der Europremiere des 45 Minuten langen Unterwasserfilms “Sharks 3D” im Imax am Potsdamer Platz wurden die Zuschauerreihen mit verlosten Karten aufgefüllt. Der anschließende Applaus fiel dennoch mäßig aus: “Zu wenig action!”, wurde bemängelt. Da ist der Kinobesitzer “Discovery Channel” selbst schuld, denn sein Programm ist ansonsten voll mit blutrünstigen Haifilmen, in denen die Kameramänner ständig neue Haischutzvorrichtungen testen. “Sharks 3D” wurde dagegen ohne Taucherkäfige gedreht; er will “das schlechte Image dieser Tiger der Meere korrigieren”, wie die Filmemacher Jean-Jacques Mantello und Jean-Michel Cousteau vorab erklärten. Mit dem 3D-Verfahren präsentierten sie uns diese Fische nun erstmalig zum Greifen nahe. Die Haie wurden… weiter lesen

09.02.2010 von Helmut Höge
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Postkommunistisches Vakuum statt bessere Gesellschaft

von Helmut Höge

“Die ‘unsichtbare Hand’ funktioniert nur mit der ‘eisernen Faust’ des Militärs hinter sich.” (Thomas Friedman, Chefkolumnist der New York Times)

Im Sozialismus wurde nicht wie im Westen nach dem Krieg wiederaufgebaut, sondern er wurde aufgebaut. Ganz wörtlich, durch kollektive industrielle Arbeit – die Sphäre der materiellen Produktion war der Ausgangspunkt. So wie wir heute arbeiten, werden wir morgen leben. Es ging um eine neue Gesellschaft, um einen neuen Menschen als gesellschaftliches Wesen. Dementsprechend wurde “die  Wende” von vielen als “Gesellschaftsverlust” empfunden, so der jugoslawische Philosoph Boris Buden. Auf den “Sturz der realsozialistischen Regime” folgten sogleich Versuche einer “identitären Neugründung”. Doch diese mußten bereits im “Postsozialen” stattfinden: die “Epoche der hohen Sozialität” war auch im Westen “zum Stillstand” gekommen, wie die Soziologin Karin Knorr Cetina meint.

Anders gesagt: die “Gesellschaft” war am Ende. “Wo Gesellschaft war, sind Zonen geworden,” präzisiert Boris Buden. In ihrem “Requiem for Communism” kommt die Kulturwissenschaftlerin Charity… weiter lesen

08.02.2010 von Helmut Höge
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Marek Edelman/Die zwei Warschauer Aufstände

von Helmut Höge

“Ich heiße Marek Edelman. Ich war der stellvertretende Kommandant der jüdischen Kampforganisation, einer der Anführer des Aufstands im Warschauer Ghetto…Wir waren allein in unserem Kampf, dennoch gelang es der mächtigen Armee des Feindes nicht, diese schlecht bewaffneten 200 jungen Männer und Frauen zu bezwingen. In Warschau kämpften wir über mehrere Wochen, später im Wald und beim Warschauer Aufstand. Dennoch ist noch keiner Stadtguerilla auf der Welt ein Sieg gelungen, und den gegen sie kämpfenden Armeen ebenso wenig. Auch dieser Krieg kann keine Lösung bringen. Es wird vergebens Blut fließen und Menschen werden auf beiden Seiten sterben. Wir selbst haben mit dem Leben nie leichtsinnig gespielt. Wir haben nie unsere Soldaten in den sicheren Tod geschickt. Denn es gibt nur ein Leben für alle Ewigkeit. Das darf niemandem leichtfertig genommen werden. Es ist an der Zeit, dass das jeder versteht.”

Diesen Appell richtete Marek Edelman im August 2002 “an alleweiter lesen

04.02.2010 von Helmut Höge
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Ernst Moritz Arndt

von Helmut Höge

Die vorpommersche Universität Greifswald, 1456 gegründet, wurde 1933 von den Nazis in  Ernst-Moritz-Arndt-Universität umbenannt. Arndt war ein Publizist und Historiker, der in Greifswald eine zeitlang lehrte. Die “Zeit” schreibt: “Die Nazis liebten Arndt über alles, denn er war ein fanatischer Nationalist und hatte eifrig gegen alles gehetzt, was nicht ‘deutsch’ war. Auch gegen die Juden, dieses ‘Ungeziefer’, dieses ‘entartete und verdorbene Volk’, und das gefiel den Nazis noch besser. So wurden im ‘Dritten Reich’ neben der Greifswalder Uni einige Traditionsgymnasien nach Arndt umbenannt, wie in Bonn, Krefeld oder Remscheid. In Berlin-Zehlendorf gibt es sogar heute noch eine evangelische Kirche, die in der Nazizeit nach Arndt benannt wurde.”

2009 gründete sich in Greifswald eine studentische Initiative, die sich “Uni ohne Arndt” nannte. Sie wollte den Namen loswerden.

Kürzlich gaben 23 Prozent der rund 12.300 Köpfe zählenden Greifswalder Studentenschaft in der ersten Urabstimmung der Greifswalder Uni-Geschichte ihr Votum ab. 1216 Studierende antworteten… weiter lesen

04.02.2010 von Helmut Höge
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“Schafft zwei, drei viele Vietnam!”/ Erich Wulff

von Helmut Höge

Am 31. Januar starb Erich Wulff. Der 1926 in Tallin geborene Psychiater wurde nach dem Krieg vom Existentialismus beeinflußt:

“Früh zog es ihn auch nach Paris, wo er in die Atmosphäre des linken, engagierten Existentialismus eintauchte, die sich um Sartre, André Gorz und die Zeitschrift ‘Les Temps Modernes’ gebildet hatte. Das hatte praktische Folgen für sein Leben. Er ging 1961 nach Vietnam, wo er einen Lehrauftrag an der Universität von Hué wahrnahm und Gründungsdirektor der dortigen psychiatrischen Klinik wurde,” schreibt die FAZ heute in ihrem Nachruf auf ihn.

Durch seine Kontakte mit dem Westberliner “Argument”-Arbeitskreis um das Ehepaar Haug kam es in deren Verlag zur Publikation seiner “Vietnamesischen Lehrjahre”, die unter dem Pseudonym Georg W. Alsheimer erscheinen. Das war noch während des Vietnahm-Krieges – seine “Lehrjahre” wurden eines der wichtigsten Bücher in der Auseinandersetzung um diesen Krieg. Erich Wulff engagierte sich auch nach seiner Rückkehr nach Deutschland noch weiter für… weiter lesen