Archive for Februar, 2011

28.02.2011 von Helmut Höge
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Der Kairo-Virus – Chronik seiner Ausbreitung/Eindämmung (20)

von Helmut Höge

Tahrir-Platz. “Unsere Führer sind die Fünfjährigen!” Photo: haz.de

“Die Erhebung einer ganzen Gesellschaft hat den Bürgerkrieg erstickt” (der nur ein anderes Wort für Klassenkampf ist). “In der Geschichte eines Volkes ist nichts bedeutsamer als die seltenen Augenblicke, in denen es sich erhebt, um ein nicht mehr erträgliches Regime zu stürzen. Erhebungen gehören zur Geschichte, aber in gewisser Weise entgehen sie der Geschichte. Für den Menschen, der sich erhebt, gibt es letztliche keine Erklärung. Weil Erhebungen gleichermaßen in der Geschichte und ‘außerhalb der Geschichte’ stehen und weil es für alle um Leben und Tod geht, wird verständlich, warum sie ihren Ausdruck so oft in religiösen Formen finden. Einem Menschen, der sein Leben gegen eine Macht setzt, kann man keine Vorschriften machen.” (Michel Foucault, “Kritik des Regierens”)

Es ist zum Kotzen: laufend melden die Nachrichtenagenturen, dass diese ganzen komischen… weiter lesen

26.02.2011 von Helmut Höge
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Der Kairo-Virus – Chronik seiner Ausbreitung/Eindämmung (19)

von Helmut Höge

Solidaritäts-Demonstration in Tokio. Photo: flickr user: jetalone

Auf Youtube wird auf dem “Egyptian Revolution Theme Song” eingeblendet:

“Share with others now Worldwide Revolution 2011″


Denn es ist noch lange nicht zu Ende:

“Bis zur Weltrevolution, die diese ganzen Obamas, Putins und wie sie alle heißen, hinwegfegen wird, ist es noch ein weiter Weg,” meint mein ägyptischer Gewährsmann in der Wrangelstrasse.

Als wir 1990 mit einem riesigen Pfeifkonzert auf dem Platz vor dem Schöneberger Rathaus das Singen der Deutschlandhymne von Kohl, Brandt und Momper stoppten, freute ich mich: Dass ich das noch erleben durfte! (Ich meine das natürlich als Schlußpfiff des ganzen Drumherums 1989 bis zum sogenannten “Mauerfall”.) Ähnliches hatte ich zuvor schon in Bremen 1967, in Berlin 1969f, in Lissabon 1974 und in Djakarta 1999 gedacht, gefühlt. Aber jetzt ist dieses Gefühl noch viel größer. Diese Revolution ist auch viel größer!

Es geht dabei aber gar… weiter lesen

25.02.2011 von Helmut Höge
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Der Kairo-Virus – Chronik seiner Ausbreitung/Eindämmung (18)

von Helmut Höge

Libyen. Photo: Reuters


Immanuel Kant spürte es schon 1789 im fernen Königsberg:

“Die Revolution eines geistreichen Volks, die wir in unseren Tagen haben vor sich gehen sehen, mag gelingen oder scheitern; sie mag mit Elend und Greuelthaten dermaßen angefüllt sein, dass ein wohldenkender Mensch sie, wenn er sie zum zweiten Male unternehmend glücklich auszuführen hoffend könnte, doch das Experiment auf solche Kosten zu machen nie beschließen würde, – diese Revolution, sage ich, findet doch in den Gemüthern aller Zuschauer (die nicht selbst in diesem Spiel mit verwickelt sind) eine Theilnehmung dem Wunsche nach, die nahe an Enthusiasmus grenzt, und deren Äußerung selbst in Gefahr verbunden war, die also keine andere als eine moralische Anlage im Menschengeschlecht zur Ursache haben kann.”

Auf dieses Zitat lief quasi das Referat über die Frage “Was bedeutet uns der Tahrir-Platz?” im “Autonomen Seminar” der Humboldt-Universität gestern abend  hinaus. Es begann mit… weiter lesen

24.02.2011 von Helmut Höge
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Der Kairo-Virus – Chronik seiner Ausbreitung/Eindämmung (17)

von Helmut Höge

Stuttgart 21 – Modell. Photo: stuttgarter-nachrichten.de


In einer Prenzlauer Berg Diskussion über die “Arabische Revolution” berief man sich heute Nacht im Wesentlichen auf vier Aufstands-Anekdoten:

1. Den letzten Videoschnipsel-Vortrag von Kuttner und Meier in der Volksbühne, der aus quasi aktuellem Anlaß den Okzidentalismus thematisiert hatte – und das bereits mit der Endlosschleife am Anfang: Sie bestand aus einem DDR-Fernsehbeitrag, der zeigte, wie der Ministerpräsident Otto Grotewohl in Ägypten begrüßt wurde: Ein Ägypter läuft die Cheops-Pyramide runter – auf die DDR-Delegation zu und freut sich, als er darin Otto Grotewohl entdeckt, noch im Laufen zieht er eine Deutschlandfahne aus der Hosentasche und winkt ihm damit zu. Leider war es keine DDR-Fahne. Unterlegt wurde dieser Schnipsel mit der “Deutschen Nationalhymne 2015″ der anonymen türkischen Band “Grup Tekkan” (http://www.bittekunst.de/deutsche-nationalhymne-2015-trkischer-pop-macht-kultur).

2. Einen FAZ-Text von Mark Siemons aus Peking, in dem er behauptet, die Aufrufe im Internet zu einer chinesischen “Jasmin-Revolution” hätten… weiter lesen

23.02.2011 von Helmut Höge
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Der Kairo-Virus – Chronik seiner Ausbreitung/Eindämmung (16/2)

von Helmut Höge

Die Medien konzentrieren sich heute auf Libyen, wo die Kämpfe langsam zu Gunsten der Aufständischen auszugehen scheinen. Ostlibyen feiert laut Spiegel bereits die “Befreiung von Gaddafi”. Und Al Dschasira titelt: “Gaddafi loses more Lybian Cities”. An anderer Stelle heißt es: “Major General Suleiman Mahmoud, a commander in Libyan army in Tobruk, is now on the side of the Libyan people. He called Gaddafi “a tyrant” and told Al Jazeera “the people in the army are steadfast” in the city. Libyan protesters claim to have taken over Misurata, which would be the largest city in the western half in the country to fall into their hands, news agency AP reports. There are reports that six people were killed and 200 were injured in fighting there.


Zivilisten haben eine von Militärs verlassene Basis bei Tobruk eingenommen. Photo: dpad


Focus meldete um 15 Uhr 36:

“In Libyen… weiter lesen

23.02.2011 von Helmut Höge
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Der Kairo-Virus – Chronik seiner Ausbreitung/Eindämmung (16)

von Helmut Höge

3 Fellachen (Charles Gleyre, 1835). Photo: wikipedia.org


Ägyptische Bauern demonstrieren. Die Proteste auf dem Land werden von den auf den Tahrir-Platz fixierten Medien jedoch kaum wahrgenommen, aber es gibt sie – wie Reuters meldete:

“Die Proteste in Ägypten weiten sich aus, der Ruf nach Wandel wird lauter: Weit entfernt vom Tahrir-Platz in Kairo und jenseits der Stadtgrenzen der Millionen-Metropole fordert auch die Landbevölkerung das Ende des Herrschaftssystems von Husni Mubarak.

“Die Revolution ist gut”, sagt etwa Landwirt Fausi Abdel Wahab, der zusammen mit seiner Frau auf einem Feld im Nildelta nahe der Stadt Tanta steht.

Obwohl die Armut besonders in den ländlichen Gebieten groß ist, galt die Bevölkerung dort lange Zeit als Verfechter des Status Quo und damit als Anhänger von Mubarak. Doch dies scheint sich nun zu ändern.

“Die von der Jugend vorgebrachten Forderungen drücken die Wünsche alle Ägypter aus, auch der Bauern und der Menschen… weiter lesen

22.02.2011 von Helmut Höge
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Der Kairo-Virus – Chronik seiner Ausbreitung/Eindämmung (15)

von Helmut Höge

“Orientalistische Vision” (E.Said). Photo: schockwellenreiter.de


“Im Zeitalter von Ludwig XIV war man hellenistisch, heute ist man orientalistisch gestimmt.” (Victor Hugo, 1829)

Der Spiegel titelte vor einigen Tagen: “Wir sind alle Ägypter”

Und heute – nach einer Protestdemonstration von 80.000 Gewerkschaftsmitgliedern in den USA: “Kairo in Wisconsin”.

Die Berliner Zeitung zog nach und titelte über diese anhaltenden Proteste auf dem zentralen Platz in Madison gegen die Erhöhung der Kranken- und Alterssicherung: “Tahrir in Wisconsin”.

Während die FAZ vom “Kairos des Fertigmachens” sprach – in bezug auf die deutsche “Opposition” gegen Guttenberg. Wobei der Kairos jedoch keine verbummfiedelte Beziehung zur ägyptischen Opposition auf dem Tahrir-Platz hersrtellen sollte, sondern bildungsbürgerlich den “günstigsten Zeitpunkt für eine Entscheidung” (Wikipedia) bedeutete.  Aber in diesen Tagen und Wochen liest man ein solches Wort in einer Überschrift erst einmal anders.

Auch die Neonazis haben Kairo im Kopf. Der Tagesspiegel berichtet heute, dass nachweiter lesen

21.02.2011 von Helmut Höge
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Der Kairo-Virus – Chronik seiner Ausbreitung/Eindämmung (14)

von Helmut Höge

Denkmal zur Erinnerung an die Französische Revolution, Detail. Photo: flickr.com


Das Elend der amerikanischen Orientalistik – Araberforschung – am Beispiel des “hanebüchenen Unsinns” (Edward Said) der Autorin Sania Hamady in ihrer Studie “Temperament and Character of the Arabs”:

“Die Araber haben sich bisher immer als unfähig erwiesen, Disziplin und Einheit zu wahren. Zwar erleben sie kollektive Begeisterungsausbrüche, schaffen es aber nicht, geduldig kollektive Ziele zu verfolgen, zu denen sie sich gewöhnlich nur halbherzig bekennen. Was Organisation und Planung betrifft, so fehlt ihnen eine harmonische Koordination, und überhaupt scheint ihnen Kooperation sehr fern zu liegen. Jedes kollektive Handeln zum gemeinsamen Nutzen ist ihnen fremd.”

Lenin-Denkmal zur Erinnerung an die Russische Revolution. Photo: bild.de


AFP kommt heute um 16 Uhr 22 zu der Einschätzung:

“Kein Ende der Gewalt bei Protesten in arabischen Staaten in Sicht.” Erwähnt wird im Einzelnen:

“In der libyschen Hauptstadt Tripolis zündeten Demonstranten… weiter lesen

20.02.2011 von Helmut Höge
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Der Kairo-Virus – Chronik seiner Ausbreitung/Eindämmung (13)

von Helmut Höge

Hochzeit im Epizentrum des Aufstands. Photo: taz.de

“Der ‘Wahnsinn am Nil’ geht unterdessen weiter – die Revolution formiert sich direkt unter dem Fenster unseres Korrespondenten Karim-El-Gahary, wie hier zu sehen, in seinem aktuellen Handy-Video.” schrieb ein taz-Mitarbeiter in der taz-blog-Übersicht.

Der Kairo-Korrespondent hatte am Samstag berichtet, dass der Touristenausfall in Ägypten bereits 10 Milliarden Dollar betrage und dass die Demonstranten am Freitag daraufhin auf dem Tahrir-Platz eine Kampagne  “Visit Egypt” starteten. “Viele trugen T-Shirts mit der Aufschrift ‘Unterstützt die Freiheit – Besucht Ägypten!’”

Der ägyptische Altertümer-Minister Zahi  Hawass will weiterhin von Deutschland die Rückgabe der weltberühmten Nofretete-Büste an Ägypten fordern. “Ja, das werde ich. Dieser Kampf geht weiter”, sagte er dem Nachrichtenmagazin “Der Spiegel”. Die taz wird ihn mit einer Kampagne zur Rückführung der Nofretete-Büste unterstützen.

Die Nachrichtenagenturen melden heute nichts vom Nil, sondern vom Sinai:

“Maskierte Bewaffnete haben nach Behördenangaben am Sonntag an der Grenze zu… weiter lesen

19.02.2011 von Helmut Höge
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Kairo-Virus – Chronik seiner Ausbreitung/Eindämmung (12/2)

von Helmut Höge

Gestern Abend fand in der Prenzlauer Berg Dichterkneipe “Rumbalotte” mit einer russischen Aktions-Performance unter der Leitung von Alexander Brener und Barbara Schurz die Präsentation der neuesten Ausgabe der Zeitschrift “Konnektör/Drecksack” statt. Letztere wird von Florian Günther redaktionell betreut. Diesmal finden sich darin zwei Artikel – von seiner Tochter Amira Neila Jehia und von ihm – über Arabien:


Aufstand in Kairo. Photo: zib21.com


Kairo. Mein Kairo. Amira Neila Jehia schreibt:

“Als ich mich im Sommer 2008 dazu entschloß, nach Kairo zu ziehen, war mir nicht bewußt, was mich erwartete. Trotz mehrmaliger Besuche meiner Familie hatte ich keine Vorstellung, davon wie es sein würde, in dieser 20-Millionen-Metropole zu leben. Zwar ist Berlin auch nicht gerade klein, im Vergleich zu Kairo jedoch geradezu dörflich. Nun möchte man meinen, in einer solch gigantischen, lauten, hektischen, belebten Metropole käme man nicht zur Ruhe. Doch weit gefehlt! Kairo wurde zu meinem… weiter lesen