Am Donnerstag verleiht der World Future Council, laut Eigendarstellung ein “globaler Rat aus weisen älteren Menschen, Denkern, Pionieren und jungen Führungsfiguren”, in Hamburg einen Preis an die brasilianische Großstadt Belo Horizonte.
Ausgezeichnet wird das Nahrungssicherheitsprogramm der Millionenstadt als “weltweit umfassendstes Gesetz zur Abschaffung von Hunger und zur Sicherung von bezahlbarer, gesunder Nahrung für alle Bürger”. Innerhalb von zehn Jahren, so die Organisatoren, sei die Kindersterblichkeit um 60 Prozent gesunken, die Zahl der Kinder unter fünf Jahren, die wegen Unterernährung ins Krankenhaus müssen, sogar um 75 Prozent. Film hier.
Entgegennehmen wird den Preis Patrus Ananias, brasilianischer Minister für soziale Entwicklung und Hungerbekämpfung. (Foto: Bruno Spada)
Schade. “Dawson – Isla 10″, Miguel Littíns Film über das Konzentrationslager, das Pinochets Junta für hochrangige Politiker der Unidad Popular auf einer patagonischen Insel einrichtete, enttäuscht die Erwartungen. Und die waren hoch, denn noch gibt es nicht allzu viele Filme, die die Ereignisse rund um den Putsch von 1973 erzählen. Außerdem ist Littín so etwas wie der Altmeister des chilenischen Films und ein einsamer dazu – zwischen ihm und den vielen Jungfilmern, die heute dank einer vergleichsweise generösen Förderung ein Debüt nach dem anderen abliefern, klafft eine große, leere Lücke.
Leider ist Littín, was Erzähltechniken und Experimentierfreude angeht, auch irgendwo in den Siebzigern hängen geblieben. “Dawson – Isla 10″, der auf dem autobiografischen Buch des ehemaligen Häftlings Sergio Bitar beruht, ist ein Film ohne jede Überraschung, eine Aneinanderreihung von Begebenheiten, die Bitar tagebuchartig aufgeschrieben hat, letztlich ein Kostümfilm, dessen Ende man schon vorher… weiter lesen
Kinder, nichts als Kinder braucht die kubanische Revolution, denn Kubas Bevölkerung ist am dem besten Weg zur ältesten der Region zu werden. Mit Förderprogrammen wollen Raúl und seine Tochter nun gegensteuern. Doch das wird nicht einfach.
Mariela Castro Espín legte bei ihrem derzeitigen Besuch in der Dominikanischen Republik den Finger in eine schwärende Wunde: die Fruchtbarkeit der Frauen in Kuba lasse zu wünschen übrig, so die kubanische Sexualexpertin. Die Tatsache, dass zu wenig Kinder in Kuba geboren würde, führe dazu, dass die Gesellschaft der größten der Antilleninsel älter und älter werde. Für die Tochter von Staatschef Raúl Castro durchaus besorgniserregend. Ohnehin ist es ein offenes Geheimnis in Havanna, dass sich auch auf höchsten politischen Ebenen darüber Gedanken gemacht wird wie man die Frauen animieren kann, wieder mehr Kinder in die revolutionäre Welt zu setzen. Kinderwagen sind überaus rar im Stadtbild von Havanna. Das liegt nicht nur daran, dass die Kaleschen… weiter lesen
Katholiken alle Länder, aufgehorcht: Chile kann bald einen Weltrekord vermelden – die größte Karol-Wojtyla-Statue aller Zeiten. Errichtet werden soll das 13,5 Meter hohe Ungetüm (7,5 Meter Bronze-Papst, 6 Meter Sockel) ausgerechnet am Rande von Bellavista, dem Künstler- und Bohemeviertel von Santiago . Seit die private Initiative vor wenigen Tagen publik wurde, regt sich freilich allenthalben Protest gegen den superpapa (so der Publizist Cristián Warnken im Blog des “Mercurio”).
Hintergrund des Aufstell-Papstes, der einem anderen religiösen Wahrzeichen Santiagos, der Marienstatue auf dem Gipfel des San-Cristóbal-Bergs, Konkurrenz machen wird, ist die Umstrukturierung des Viertels, in dem zwei private Hochschulen ihre Hauptquartiere beziehen werden. Die beiden Universitäten – die Universidad San Sebastián und die Universidad Andrés Bello – sollen zusammen mit der traditionsreichen Jurafakultät der Universidad de Chile, die hier seit vielen Jahrzehnten residiert, rund 7.000 Studenten anlocken und neben dem Barrio República ein weiteres Hochschulviertel in der… weiter lesen
…sollte auf jeden Fall am Samstag, den 19.09. ab 14.00 bei der Fiesta zum „Dieciocho“, dem chilenischen Nationalfeiertag, vorbeischauen. Im Statthaus Böcklerpark, Prinzenstraße 1, 10969 Berlin. Kinderprogramm gibt’s von 14 – 16 Uhr, abends spielt die Cumbiaton-Combo La Mula. Zwischendurch gibt’s bestimmt den ein oder anderen Pisco Sour. Wer ganz viel Glück hat, kann einen Flug nach Santiago gewinnen. Oder den Pokal beim Cueca-Tanzwettbewerb … aber unbedingt ein frisches Taschentuch mitbringen!
Miguel Littin soll sehr bedauert haben, dass der heutige 11. September, Jahrestag des Putsches von 1973, auf einen Freitag fällt. So konnte sein jüngster Film Dawson – Isla 10 nicht an diesem hochsymbolischen Datum anlaufen, denn auch in Chile wird das Kinoprogramm immer donnerstags erneuert. Bereits am Mittwoch freilich trat sich Chiles Politprominenz bei der Vorpremiere auf die Füße – inklusive Präsidentin Michelle Bachelet und ihrem Minister Sergio Bitar, der sich an diesem Abend selbst auf der Leinwand bewundern durfte. Verkörpert wird er in Littíns Film über das Gefangenenlager, das die Militärs für hochrangige Politiker der Unidad Popular auf der patagonischen Dawson-Insel eingerichtet hatten, von Benjamín Vicuña. Eine schlaue Besetzung, denn Vicuña ist der Shooting-Star des chilenischen Films, und so wird “Dawson – Isla 10″ trotz des sperrigen historischen Themas vermutlich auch viele junge Menschen in die Säle locken.
Begräbnis des Mapuche-Aktivisten Jaime Mendoza (Bild: dpa)
Wie leicht man in diverse Fallen tappt, wenn man versucht, den Mapuche-Konflikt in Chile in ein paar Absätzen zu beschreiben, zeigt ein jüngst im “Freitag” erschienener Bericht – an dem manches stimmt und manches leider gar nicht. Richtig ist, dass die Landbesetzungen in der Araucanía, dem historischen Haupt-Siedlungsgebiet der Mapuche, in diesem Jahr deutlich zugenommen haben. Allerdings schwelt der Konflikt schon seit Jahren, und seit Jahren kommt es auch immer wieder zu Brandanschlägen oder Baumfällungen auf Ländereien von Forstunternehmen oder privatem Großgrundbesitz. Nicht erst die Regierung von Michelle Bachelet hat damit begonnen, in der betroffenen Region polizeilich (das heißt in Chile: quasi-militärisch) aufzurüsten. Der am 12. August durch einen Schuss in den Rücken getötete Jaime Mendoza ist bereits das dritte Opfer von Polizeigewalt seit dem Jahr 2002. (Hier und hier ein anschaulicher Abriss der Auseinandersetzungen.)
Stone setzt darin dem weit verbreiteten Zerrbild über Südamerikas linke Präsidenten ein rundum positives Panorama entgegen.
Kritik an den Latino-Ikonen darf man darin wohl ebensowenig erwarten wie feine Nuancen in Michael Moores Capitalism: A Love Story, aber als unterhaltsames Gegengift gegen die allgegenwärtige mediale Vernebelung sind die Agitprop-Dokus der beiden US-Regisseure sicher gut geeignet.