Archive for Juni, 2010
Oft reicht der Platz in der Zeitung nur für das Allernötigste. Ganze 80 Zeilen hatte ich vorgestern, um den Besuch von Präsident Luiz Inácio Lula da Silva in Altamira zu würdigen, bei dem er den Bau des Megastaudamms Belo Monte vehement verteidigte. Ein paar wichtige Details möchte ich hier nachtragen.
Es war eine Wahlkampfveranstaltung für seine Parteifreundin Ana Júlia Carepa (r.), die im Oktober als Gouverneurin des Amazonas-
Bundesstaats Pará wiedergewählt werden will. Ohne ein Bündnis mit der Zentrumspartei PMDB, deren Seilschaften wiederum den staatlichen Stromsektor dominieren, ist das allerdings undenkbar. Die Staudammgegner, die Lula in seiner kurzen Rede spöttisch attackierte, hatten am Vortag die Transamazônica-Landstraße blockiert. Ins Stadion, das mit Regierungsanhängern besetzt war, wurden die meisten erst gar nicht hineingelassen. Besonders empörte sie, dass ein “kooptierter” Xikrin-Indígena auf der Bühne so präsentiert wurde, als wären die Urvölker der Region für das Wasserkraftwerk.
Stunden später… weiter lesen
Welcher Spaßvogel auch immer sich diesen Vergleich ausgedacht hat (möglicherweise Chiles Staatssender TVN – die Quelle liegt im Dunkeln), das Spiel gegen die Schweiz am kommenden Montag wird mit Sicherheit eine kompliziertere Aufgabe für La Roja als die Partie gegen Honduras. Nicht verpassen!
Es ist selten, dass sich Venezuelas Präsident auf echte Interviews einlässt. Larry King (CNN) bekam letztes Jahr eins, und nun Stephen Sackur (BBC).
Hugo Chávez und Evo Morales in La Paz, Januar 2006
Erwartungsgemäß macht Chávez im zweiten, dem außenpolitischen Teil, eine viel bessere Figur als am Anfang, als es um Venezuelas Wirtschaft und Innenpolitik geht. Hier die vollständige, auf BBC World ausgestrahlte Version (leider nur mit spanischen Untertiteln).
Nachtrag 17.6. Aller guten Dinge sind drei: Soeben erhalte ich den Hinweis auf ein recht frisches Chávez-Interview auf CNN en español (¡Gracias, Carlos!). Hier ist es.
Jetzt wird’s heftig: nach dem Abgang des Botschafters in Argentinien, Miguel Otero, zeigen sich in Chile immer mehr Verwerfungen zwischen den ewiggestrigen Apologeten der Diktatur und den Vertretern einer halbwegs modernisierten Rechten, die in Wertefragen liberal argumentiert und nicht so gern mit Pinochet in einem Atemzug genannt werden möchte. Unangenehm für Präsident Sebastián Piñera ist die Tatsache, dass sich im allerneuesten Gerangel zwei ihm sehr nahestehende Politiker beharken: sein Innenminister Rodrigo Hinzpeter und sein älterer Bruder José Piñera.
Letzterer, einst Arbeitsminister unter Pinochet, hatte jetzt der argentinischen Zeitung Perfil gegenüber gesagt, der wahre Verantwortliche für das Militärregime sei Salvador Allende: Der sozialistische Präsident habe sich, obwohl demokratisch gewählt, zum Tyrannen gewandelt und die Demokratie gefährdet. Übrigens habe das vor Allende schon mal einer gemacht: Adolf Hitler (Merke: Nazivergleiche sind kein Alleinstellungsmerkmal deutscher Debatten.)
Wem das gar nicht gefiel, war Innenminister Hinzpeter. Im Nachrichtensender Radio Cooperativa… weiter lesen
In Havanna wurde am Wochenende der erste Häftling seit Beginn der Vermittlungsanstrengungen durch die Katholische Kirche freigelassen. Ein Signal Havannas ans Ausland. Für Guillermo Fariñas, der sich seit über 100 Tagen im Hungerstreik befindet, ist das nicht mehr als ein Anfang – er fordert weitere Gesten der Regierung in Havanna. … weiter lesen
Keine zwei Monate hat er sich auf seinem Posten gehalten: Miguel Otero, im April von Präsident Sebastián Piñera als Botschafter im Nachbarland Argentinien eingesetzt, hat am Dienstag sein Rücktrittsgesuch eingereicht, das von der Regierung in Santiago umgehend angenommen wurde. Gestolpert ist der fast 80-Jährige über seine stramm reaktionären Ansichten, insbesondere eine Apologie des Putsches und der Pinochet-Diktatur. Für Piñera bedeutet die Abdankung seines Parteifreunds eine weitere Blamage nach diversen unglücklichen Personalentscheidungen (wie zuletzt im Fall Iván Andrusco).
Was war passiert? Der Jurist Otero, renommierter Anwalt und in den Neunzigerjahren Senator für die rechte Partei Renovación Nacional, hatte sich geärgert, weil die argentinische Tageszeitung Clarín anlässlich seiner Ernennung eine recht ätzendes Porträt verröffentlicht hatte – das Porträt eines enthusiastischen Putschisten, der in leitender Funktion an der Universidad de Chile Razzien gegen linke Dozenten und Studenten mitverantwortete, später an der demokratisch nicht legitimierten Gesetzgebung der Militärjunta mitwirkte und sich… weiter lesen
Das hätten sich Llajtaymanta nicht träumen lassen: Anfang Mai brach eine Welle von wutschnaubenden chauvinistischen Kommentaren über eine der bekanntesten Folklore-Gruppe Boliviens herein. Eine auf Facebook gegründete Protestgruppe hat bereits über 13000 Mitglieder. Selbst die bolivianische Kulturministerin bestellte die Musiker ins Ministerium ein.
Was war passiert? Die Gruppe hatte zum Karneval einen Tanz für das Centro Cultural Andino komponiert und aufgenommen – was professionelle Musiker halt machen, um Geld zu verdienen. Der Titel heisst „Mi corazón está contigo“ und ist im Rhythmus des Caporales komponiert, einem traditionellen bolivianischen Tanz, der aus der afrobolivianischen Tradition entlehnt ist, und jedes Jahr von zahllosen Gruppen zum Karneval aufgeführt wird. Der Tanz symbolisiert die Unterdrückung der ArbeiterInnen während der Kolonialzeit: der Vortänzer („Caporal“) „motiviert“ die übrigen TänzerInnen, seine „Untergebenen“, mit Peitsche und Schellen zum immer schnelleren Tanz.
Der Text der Llajtaymanta-Auftragsarbeit scheint unauffällig:







