31.01.2007 von Christian Ihle & Horst Motor
Als John Harris vor einigen Jahren das Buch „The Last Party – Britpop, Blair and the demise of British Rock“ schrieb, war Blurs Damon Albarn neben Jarvis Cocker und den Gallaghers selbstverständlich die zentrale Figur. Zwar entwickelte sich Albarn wieder einmal nicht zu einem Sympathieträger in den Interviewfetzen und Anektödchen, doch konstatierte Harris in seinem Resumee, dass Albarn das Genie der Brit-Pop-Generation sei, dessen Songwriting-Künste Bestand haben werden.
Harris wusste damals noch nichts von „Gorillaz“ und „The Good, The Bad & The Queen“ konnte er nicht einmal erahnen. Doch jetzt, nachdem Albarn neben seiner immer noch überaus experimentierfreudigen Hauptband eine noch erfolgreichere Popmaschine („Gorillaz“) und eine Supergroup namens „The Good, The Bad & The Queen“ als weitere Projekte anschob, erscheinen Harris Worte nur noch prophetischer. … weiter lesen
30.01.2007 von Horst Motor
„This Atom Heart Of Ours” ist eine Platte ohne Hits, eine Platte ohne Singles, die den Weg in irgendwelche Charts oder in die Heavy-Rotation eines Tanzbuden-DJs finden werden. Aber sie ist ein unglaublich stimmiges Album, das nicht mehr durch die extreme Zerrissenheit des Vorgängers „Songs For The Exhausted” gekennzeichnet ist. Sang dort noch ein verzweifelter, körperlich wie psychisch am Ende stehender Oliver Welter von und für die Erschöpften, so keimt direkt Hoffnung auf dem neusten Werk von Naked Lunch aus Klagenfurt auf.
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29.01.2007 von Christian Ihle & Horst Motor
Die britischen Single-Charts sind eine nationale Institution. Der Ausgang des Nummer-1-Zweikampf im sogenannten „Great Chart Showdown“ zwischen Blur und Oasis wurde 1995 die Topmeldung in den BBC-Nachrichten und jedes Jahr aufs Neue werden höchst professionell Wetten auf die Weihnachts-Nummer-1 von den heimischen Buchmachern angenommen.
Im letzten Jahr machten die britischen Charts den Weg frei für Download-Singles, die allerdings immer noch an einen späteren „physischen“ Release gebunden waren, also an eine tatsächliche Single, die in einem wirklichen Laden mit den eigenen Händen angefasst werden konnte. Die Regel war, dass Downloads exakt eine Woche vor der physischen Veröffentlichung zu zählen begannen. Der erste Song, der ausschließlich über Downloads die Spitze der Charts erklomm, war Gnarls Barkleys „Crazy“. Dass „Crazy“ im Folgenden zur erfolgreichsten Single der letzten Dekade wurde und gleich ob Download oder „echte“ Single sich wie geschnitten Brot verkaufte, war eine nette Fußnote dieser Geschichte.
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28.01.2007 von Christian Ihle & Horst Motor
Eigentlich weiß man von den wenigsten Musikern, dass sie Cineasten sind. Die meisten Künstler halten sich ja ohnehin bedeckt mit ihren Vorlieben. Und wenn dann doch mal geschwärmt wird, sind es meist die großen Schriftsteller, die da als Referenz genannt werden. Bob Dylan und Jack Kerouac sind ein prominentes Beispiel. Ganz anders sieht es da bei Benjy Ferree aus. Der nämlich ist Cineast mit ganzem Herzen. Darauf angesprochen gerät er förmlich ins Schwärmen. Die europäische Filmszene habe es ihm angetan: Fritz Lang, Francois Truffaut, Ozon, von Trier. Er denkt in Bildern, er singt von Bildern. Das Debüt “Leaving the Nest” ist dafür ein ganz hervorragendes Beispiel. Jedes Bild glänzt vor Metaphorik, hat kleine Falltüren und generell eine windschiefe Konstruktion.
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24.01.2007 von Christian Ihle & Horst Motor
In einem guten Monat findet die Verleihung der kleinen goldenen Statuen statt, das Popblog kommentiert die Nominierungen und wagt erste Prognosen ob der Siegchancen.
Bester Film
Nominiert:
Babel, Little Miss Sunshine, The Departed, The Queen, Letters From Iwo Jima
Die Überraschungen:
Die größte Überraschung ist die Nichtnominierung des Golden-Globe-Gewinners Dreamgirls, der allenthalben als Geheimfavorit auf den Sieg angesehen wurde. Dreamgirls darf sich trösten mit acht Nominierungen der meistnominierte Film dieser Verleihung zu sein, eingesammelt allerdings allesamt in unbedeutenden Kategorien (allein drei in der Kategorie „bester Song“). Enttäuschte Gesichter dürfte es auch im „Bobby“-Lager geben: 80er-Jahre-Schauspielikone Emilio Estevez kehrte mit dem Film über den ermordeten Robert Kennedy erstmals nach 10 Jahren wieder auf den Regiestuhl zurück und erntete dafür in den USA begeisterte Kritikerstimmen – für eine Nominierung der Academy reichte es jedoch nicht. Clint Eastwood darf sich mit der Nominierung des anspruchsvolleren und komplett in japanisch gedrehten Kriegsfilm „Letters From Iwo Jima“ trösten, dass der eigentlich als Favorit geltende, aber in Kritikerkreisen nicht allzu freundlich aufgenommene „Flag Of Our Fathers“ (der die gleiche Geschichte aus US-Perspektive erzählt) nicht genannt wurde.
Mehr oder minder erwartungsgemäß übergangen wurden die Komödien „Der Teufel trägt Prada“ und „Borat“.
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23.01.2007 von Christian Ihle & Horst Motor
1. Match Point (USA, Regie: Woody Allen)
Es ist wohl nicht übertrieben, bezeichnet man Match Point als die Wiedergeburt des Nischenphänomens Woody Allen. Jahr für Jahr fertigt Allen mindestens einen Film und selten sind wirkliche Enttäuschungen darunter, doch gelang es ihm kaum noch vor anderen als der schon bekehrten Woody-Gemeinde zu predigen. Mit „Match Point“ änderte sich alles: London statt New York, Thriller/Drama statt Komödie und Aufsehen in der Presse statt Nerdgespräche am Tresen. Der sehr stark an Dostojewskijs klassische Themen von Verbrechen, Strafe, Schuld und Sühne angelehnte, subtile Klassenkampfthriller Match Point vereinte Allens Talent brillante Dialoge zu schreiben mit der neu entdeckten Fähigkeit, diese in eine genuin spannende Geschichte einzubetten und dabei die großen Fragen des Daseins zu verhandeln. Geschadet hat es überdies nicht, dass er seit Sofia Coppola der erste war, der das Talent Hollywoods schlechthin, Scarlett Johansson richtig einzusetzen verstand und eine Eleganz… weiter lesen
22.01.2007 von Christian Ihle & Horst Motor
Am heutigen Montag verkünden Blumfeld auf ihrer Homepage die Auflösung der wohl wichtigsten deutschsprachigen Band der letzten zwei Jahrzehnte:
“Ein Kreis schließt sich. Nach sechzehn Jahren Blumfeld hat Autor, Sänger und Gitarrist Jochen Distelmeyer in Absprache mit den übrigen Bandmitgliedern Andre Rattay (Schlagzeug), Vredeber Albrecht (Keyboards) und Lars Precht (Bass) beschlossen, die Band aufzulösen.
Die zur Veröffentlichung von Ein Lied mehr – The Anthology Archives Vol.1 angekündigte Tournee im April/Mai wird somit die letzte Blumfeld-Tour sein.
Hiermit möchten sich Blumfeld bei allen Fans und Freunden für die gemeinsamen Jahre bedanken.”
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16.01.2007 von Christian Ihle & Horst Motor
In der gestrigen Nacht fand die Verleihung der Golden Globes statt, die von der Auslandspresse vergeben werden und als wichtigster Indikator für die Ende Februar stattfindende Oscarverleihung gelten.
Unterschied Academy Awards und Golden Globes
Ein wichtiger Unterschied zu den Academy Awards ist allerdings, dass die meisten der Hauptkategorien wie „Beste/r Schauspieler/in“ oder „Bester Film“ sowohl in einer Sparte „Drama“ wie „Comedy/Musical“ vergeben werden und sich demnach also doppelt so viele Nominierungen (eben zweimal fünf) und doppelt so viele Sieger wie bei der Oscarverleihung ergeben.
Lediglich Bestes Drehbuch, Beste Regie und die besten Nebendarstellerrollen werden in einer vereinten Kategorie vergeben und sind deshalb härter umkämpft und damit interessanter.
Golden Globes 2007: Eine Bilanz
Die Golden Globes 2007 ergeben ein sehr uneinheitliches Bild und keinen wirklich dominanten Sieger: „Babel“ gewann zwar die begehrteste Trophäe „Bester Film Drama“, verlor aber bei Drehbuch (ging an „The Queen“), Regie („The Departed“) und in den Schauspielerkategorien.
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15.01.2007 von Christian Ihle & Horst Motor
The Horrors
Oh mein Gott, Goth ist zurück? Lange nicht mehr gesehen, alter Freund. Nun, The Horrors werden polarisieren wie vielleicht nur die Klaxons, denn diese Frisuren, die Bono und dem Ozonloch unter Garantie nicht gefallen, wie die vollkommene Außenseiter-Stilisierung provoziert genauso potentielle Verachtung wie die Tatsache, dass die Horrors genauso früh in Stil- wie in Musikmagazine zu finden waren. Bisher produzieren The Horrors geschickt eine Hypeschicht auf der nächsten: die EPs sind streng limitiert, die Konzerte in heillos überfüllten Miniclubs (enden standesgemäß in kleinem Aufruhr) und als Wirbel-Meisterwerk konnten sie für ihr Debütvideo „Sheena Is A Parasite“ den Cliphelden Chris Cunningham (Aphex Twin!) nach sieben Jahren aus dem Video-Ruhestand zurückholen, der auch noch gleich die mehrfach oscarnominierte, beste Schauspielerin ihrer Generation, Samantha Morton mitbrachte.
Ach ja, Musik, ja die gibt’s auch noch: das Angenehme, Unerwartete ist, dass The Horrors kompromisslosen 60er Jahre Garagen-Rock spielen. Harte, schnelle, kurze Stücke, die hauptsächlich von Drums und Orgel getragen werden und über die Sänger Farris Rotter unverständliche Texte intoniert. Die Referenzen sind offensichtlich eine bis zum Exzess durchgehörte Nuggets-Compilation, die Ramones. die Cramps und Velvet Undergrounds „Sister Ray“.
Man muss nur über die oben genannten Widrigkeiten hinwegsehen können und findet eine sich mit Liebe und Hingabe gezielt in einer kleinen Nische befindende Band. Viel besser, als alle oberflächlichen Hypeskeptiker glauben machen wollen. Ob es auch für mehr als zwei, drei gute Singles reicht, das muss die Zeit zeigen.
Hören: Death At The Chapel, Sheena Is A Parasite
Schauen: http://www.thehorrors.co.uk/
The Bishops
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12.01.2007 von Christian Ihle & Horst Motor
Nachdem sich die Presse in den letzten Wochen scheinbar ausschließlich mit Dani Levys Versuch einer Komödie über Hitler, “Mein Führer”, beschäftigte, kommt das Popblog natürlich nicht umhin, sich selbst eine Meinung zu bilden.
Es ist ein gänzliches Rätsel, warum das Feuilleton nach Ansicht dieses Films diskutierte, ob man denn “über Hitler lachen” dürfe, denn “Mein Führer” stellt diese Frage bestenfalls hypothetisch.
Das schon nicht sonderlich scharf geschriebenes Drehbuch wird von Levy mit einem derart schlechten Timing umgesetzt, dass er wirklich aufhören sollte, Komödien jeglicher Art zu drehen. Helge Schneider ist dabei sicherlich nicht das Problem, da er tatsächlich aus der Helge-Rolle und in die Hitler-Rolle schlüpft und dem ganzen einen verdient absurden, surrealen Anstrich verpasst. Aber wenn das Buch darüber hinaus keinerlei Dialogwitz bereithält, was soll er auch machen?
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