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vonChristian Ihle 18.12.2008

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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Kleine Freuden bereiten derzeit die Mitglieder der Strokes. Während mancherorts mehr oder minder sehnsüchtig auf ein neues Lebenszeichen der ehemaligen RocknRoll- und Lebensretter aus New York gewartet wird und bang der Blick zu Songwriter Julian Casablancas geht, ob es sich nur um die strokesimmanente Lazyness oder doch einen ausgewachsenen writer’s block handelt, wandeln die Bandmitglieder auf Solopfaden.
Little Joy

Gitarrist Albert Hammond Jr. hat seit dem letzten Strokes-Album bereits zwei (!) schöne Solo-Platten veröffentlicht und nun wagt sich Drummer Fabrizio Moretti ins Rampenlicht. Im Gegensatz zum Soloprojekt von Kollege Hammond Jr. hat sich Moretti mit seiner Freundin und dem Sänger von Los Hermanos eine kleine Dreimannkapelle zusammengestellt. In Kürze wird dann sogar das erste Album von Strokes-Bassist Nikloai Fraiture, dem Jar Jar Binks der Strokes-Bande, in den Plattenregalen stehen.

Doch zurück zu Drummer Moretti und das angenehmste gleich vorne weg: Eitelkeit scheint ihm fern zu liegen. Selten konnte man an ein derart entspanntes Nebenprojekt hören! Drumsoli? Endlich mal zeigen, was in einem steckt? Total verrückte Genres ausprobieren? ’n bisschen am Elektrotisch wühlen? Nicht mit Moretti & Co.!

Würden die Strokes ein Folk-Album aufnehmen, es klänge wohl exakt wie Little Joy. Verstärkt wird dieser Eindruck zwangsläufig durch die Ähnlichkeit der Vocals von Little Joy-Sänger Rodrigo Amarante mit Casablancas’ Stimme. Bei Little Joy rumpelt alles ein wenig mehr und die aggressive Coolness weicht einer zurückhaltenden „ja, mach‘ ruhig“-Atmosphäre. Wird dann doch einmal der elektrischen Gitarre wie in „Keep Me In Mind“ der Vorzug gegeben, sind die Ähnlichkeiten zur Moretti-Hauptband frappierend. Eine wunderbare zusätzliche Note bringen die von Binki Shapiro gesungenen Songs wie „Don’t Watch Me Dancing“ ein, die auf das angenehmste an das dritte Velvet–Underground-Album erinnern und dessen fragilen, verschrobenen Folk von „Pale Blues Eyes“ bis „After Hours“ ebenso in Erinnerung rufen wie Lou Reeds Kompositionen für Nicos Soloalbum.

Nachdem nun Hammond Jr. schon zweimal überzeugte und Moretti mit Little Joy ein mindestens ebenso beeindruckendes „Debüt“ vorlegte, sollte der gute Jules vielleicht einmal nachdenken, ob er den Rest der Strokes nicht in den Songwriting-Prozess mit einbeziehen möchte – vielleicht wird’s dann auch was mit Album Nummer 4? (Christian Ihle)

Anhören!
* Don’t Watch Me Dancing (hier)
* Brand New Start (hier)
* Keep Me In Mind
* How To Hang A Warhol

Im Netz:
* Indiepedia
* MySpace

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