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vonChristian Ihle 15.01.2010

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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Nach unseren Kollegen aus der sogenannten Blogosphäre wollen wir auch die Herren und Damen aus dem Printbereich um Ihre Tipps bitten und haben so eine illustre Runde aus MissyMagazine, Business Punk und ViceMagazine versammelt:

Anja Rützel von Business Punk tippt:

Avi Buffalo (MySpace)

avibuffalo

Eine Band, deren Sänger Avigdor Zahner-Isenberg heißt, die aus milchbärtigen Bübchen (und einem huschigen Mädchen) besteht und mit adoleszent-pressiger Stimme Textzeilen singt wie „You are tiny and your lips are like little pieces of bacon“ – what’s not to love? Letztens veröffentlichen Avi Buffalo auf Sub Pop die angenehm quengelige Single „What’s it in for?“. „What’s it in for someone with nothing to do? What’s in it for me?“, heißt es da, und anderswo wurde schon plausibel darüber schwadroniert, warum die Band hier Pronomen und Präposition so grammatikalisch verquer vertauscht hat: Weil Avi Buffalo Hymnen für die gebeutelte Jugend schreibt, die nervlich und wirtschaftlich derart am Ende sind, dass sie nicht im Traum auf die Idee käme, ganz konventionell in irgendetwas zu investieren. In einen anderen Menschen schon gar nicht. Das einzige, was den irren 2010-Erfolg dieser Knaben stoppen kann, ist die lästige Restschulpflicht des Schlagzeugers. So eine Erdkäs-Hausi kann einen schon mal aus der Bahn werfen.

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=FjdxD9zvsG4[/youtube]
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Anhören:
* What’s It In For

Katja Peglow vom MissyMagazine und dem Jungsheft tippt:

Washed Out (MySpace / Indiepedia)

Die Musik von Washed Out (aka Ernest Greene) klingt so wie die Bilder von Ryan McGinley aussehen. Nach niemals enden wollenden, trägen Sommerabenden mit Freunden am See und ausgebleichten Polaroidaufnahmen aus dem letzten Tauchurlaub. Musik zum Chillen hätte man in den Neunzigern dazu gesagt, psychdelischer Synthpop schwärmt die Hypemaschine Pitchfork heute. Für Leute, die Ariel Pink zu anstrengend und Neon Indian zu verdrogt finden. Soll 2010 bitte schnell ein reguläres Album veröffentlichen, damit die astronomisch hohen Preise für die vergriffene EP auf Ebay endlich fallen… (Katja Peglow)

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=1PuCkZ1ALkI&feature=related[/youtube]
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Anhören:
* You’ll See It
* Belong

Anschauen:
Seinen tollen Blog

Felix Nicklas vom ViceMagazine tippt:

Herpes (MySpace)

herpes

Geschlechtskrankheiten sind im Grunde nichts Schlechtes. Sie können gar nichts Schlechtes sein, denn eigentlich bedeuten sie nur, dass man zuvor recht viel Geschlechtsverkehr hatte und das bedeutet Spaß. Ergo ist Herpes vollkommen Okay. Als Name einer Band, die sich in Tradition von 80er Punk und Postpunk sieht ist Herpes sogar noch besser. Und ach, was sage ich, Herpes ist wohl die beste Band, die ich seit zehn Jahren hören durfte. Textlich sind sie perfekt – von Aufrufen zu Gewalt (auch gegen Mädchen) bis hin zu fröhlichem Gepöbel gegen fette Mütter, während sie musikalisch das Beste von Hans-a-plast, Deutsch Amerikanische Freundschaft, Warsaw und der Berliner Technoszene zusammenführen und man sich live auch gerne vor der Bühne prügeln darf, bis man ins Bier blutet. Was ich also damit sagen will ist, dass es vollkommen Okay ist, viel durch die Gegend zu vögeln, dabei Herpes zu hören und das aus der Dreckstadt Berlin, mit dem Minimal Gesocks und den weichwaschkonsens Bands, auch mal wieder etwas Wut kommt. 2010 erscheint die neue E.P. von Herpes auf Tapete und ich kann nur empfehlen, sich Herpes zu holen.

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=vv0Yc-7gxNs[/youtube]
[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=m_KLyF1OFZA[/youtube]

Weitere Teile:
* 2010 – I Predict A Riot (Teil 1: Folk und Singer/Songwriter)
* 2010 – I Predict A Riot (Teil 2: Pop)
* 2010 – I Predict A Riot (Teil 2: Pop)
* 2010 – I Predict A Riot (Teil 3: US Indie)
* 2010 – I Predict A Riot (Teil 5: Gastautorentipps Netz)
* 2010 – I Predict A Riot (Teil 6: Gastautorentipps Print)

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kommentare

  • @Anja Rützel:

    check, check, one, two…

    Das Geschwurbel über Pronomen und Präposition erübrigt sich, wenn man das Lied hört, die youtube-Überschrift liest, den Schlussatz von Avigdor hört… Wie auch der Rest der Rezension. Musikjournalisten… *rolleyes*

    Das Lied ist nichtsdestotrotz toll. Danke für den Tipp.

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