Archive for Juni, 2010

30.06.2010 von Christian Ihle
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Entscheidungshilfe für die Bundespräsidentenwahl

von Christian Ihle

Sollte noch jemand schwanken, wem er all seine Sympathien zu Füßen legen möchte, halfen die beiden Bundespräsidentschaftskandidaten vorgestern mittels ihrer popkulturellen Interessen in der ARD-Sendung “Die Kandidaten: Der Kampf um das Präsidentenamt” mehr als deutlich nach:

In welchem Kinofilm waren Sie zuletzt?

Christian Wulff: “Ich war zuletzt in… Keinohrhasen ist der erste und Zweiohrküken ist der zweite, nicht?
Das ist natürlich Kult!
*wissendes Lächeln, popkulturell informiertes Nicken*

…und das sind großartige Schauspieler!”

Joachim Gauck: “Das war ein Film – nicht mit Menschen, sondern mit Animationen – der beschrieb die Gefühle eines israelischen Soldaten, der gegen die Palästinenser kämpft. Das war ein selbstkritischer Rückblick mit einer interessanten filmischen Umsetzung.”

Der Präsidentenshowdown lässt sich also darauf verkürzen: lieber jemand der homophoben Massenschund Kult findet (und allen Ernstes Til Schweiger für einen großartigen Schauspieler hält!)

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….oder jemand, der gerne in einen der brillantesten, originellsten und… weiter lesen

29.06.2010 von Christian Ihle
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Album des Monats Mai / Platz 1: LCD Soundsystem – This Is Happening

von Christian Ihle

James Murphy, Songwriter & Sänger bei LCD Soundsystem hat angekündigt, zumindest unter diesem Projektnamen nicht mehr auftreten zu wollen und mit „This Is Happening“ als Album Nummer Drei auch den Veröffentlichungsreigen zu beschließen.

Ein Verlust, aber auch verständlich. Trat Murphy einst mit der Nationalhymne von Nerdland, „Losing My Edge“, … weiter lesen

28.06.2010 von Christian Ihle
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Album des Monats Mai / Platz 2: Gary – One Last Hurrah For The Lost Beards Of Pompeji

von Christian Ihle

„Let’s lie beneath a tree / and listen to twee / let’s pretend it’s 1995 and dance to Teenage Fanclub / keep ‚Sparky’s Dream’ alive!” sangen Mikrofisch vor zwei Jahren und haben damit im Grunde die liner notes zum neuen Album von Gary geschrieben.

Die Band, bestehend unter anderem aus dem ehemaligen Jungschauspielstar Robert Stadlober und Rasmus Engler von Herrenmagazin wie Bierbeben, haben nun nach langer Entstehungsphase, nach sagenhaften acht Jahren ihr neues Album „One Last Hurrah For The Lost Beards Of Pompeji“ veröffentlicht. Auch wenn die Album- und Songtitel größten Quatsch vermuten lassen, ist Stadlober und Co. mit ihrem letzten Hurra ein hervorragendes Album gelungen.

Neben Teenage Fanclub sind es vor allem die Lemonheads, … weiter lesen

25.06.2010 von Christian Ihle
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My Favourite Records mit Bonaparte

von Christian Ihle

Die Berliner Partymonster Bonaparte reden mit uns anlässlich der Veröffentlichung ihres zweiten Albums “My Horse Likes You” über ihre Lieblingsplatten. Mit Monsieur Bonaparte, Cannonman, Murat Le Baumgärthè, Clea Cutthroat, Mad Kate & Lulu Rafano:

* Die drei besten Punksongs/-singles?

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Mad Kate:
** Identity (X Ray Spex),
** Sex And Violence (The Exploited),
** Beat My Guest (The Epoxies)

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24.06.2010 von Christian Ihle
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Der Live-Ticker als Kunstform

von Christian Ihle

Zugegeben, das Folgende hat praktisch nichts mit Popkultur zu tun, aber ich kann mir den Hinweis darauf nicht verkneifen, weil Xan Brooks, dem Journalist des Guardian, etwas Außergewöhnliches gelungen ist. Im nun wirklich undankbarsten Genre des Online-Journalismus, dem Liveticker eines Sportevents, durfte Brooks gestern arbeiten. Dabei hatte er das Glück, ein Match von derart epischen Dimensionen kommentieren zu dürfen, das Rekorde brach, die sich bereits jenseits jeglichen Verstehenkönnens befinden. Das Match zwischen John Isner und Nicolas Mahut dauert nun bereits neuneinhalb Stunden an und wurde gestern wegen Einbruchs der Dunkelheit beim Stand von 59:59 im fünften Satz abgebrochen. Allein jener epische fünfte Satz dauert nun bereits länger (7:04 Stunden) als das längste jemals gespielte Tennismatch.

Brooks kommentiert das Spiel anfangs mit leichter Fassungslosigkeit, zieht Vergleiche zu “Warten auf Godot”, baut später Referenzen zu “Herz der Finsternis” von Joseph Conrad ein, versteigt sich zu Zombie-Fantasien, die George A. Romero stolz machen würden und lässt uns Mitleser einen immer weiter aufsteigenden Wahnsinn spüren, der aus dem Beobachten eines fast zehnstündigen Tennismatches resultiert. Das spotjournalistische Meisterwerk des Jahres:

4.05pm: The Isner-Mahut battle is a bizarre mix of the gripping and the deadly dull. It’s tennis’s equivalent of Waiting For Godot, in which two lowly journeymen comedians are forced to remain on an outside court until hell freezes over and the sun falls from the sky. Isner and Mahut are dying a thousand deaths out there on Court 18 and yet nobody cares, because they’re watching the football. So the players stand out on their baseline and belt aces past each-other in a fifth set that has already crawled past two hours. They are now tied at 18-games apiece.

On and on they go. Soon they will sprout beards and their hair will grow down their backs, and their tennis whites will yellow and then rot off their bodies. And still they will stand out there on Court 18, belting aces and listening as the umpire calls the score. Finally, I suppose, one of them will die.

4.25pm: But none of this means a thing to the Everlasting Zombie Tennis Players on Court 18. They hear nothing but the thud of the ball off their racket and the sonorous tones of their Zombie Umpire. They can think of nothing beyond their next trudge to the chair for a short sit down before the ordeal begins again anew. They have forgotten all about Wimbledon and the world beyond the backstop.

John Isner’s serving arm has fallen off. Nicolas Mahut’s head is loose and rolling bonelessly on his neck. And yet still they play on. The score is now 21-21 in the fifth and final set. This is now, officially, the longest final set in Wimbledon history. … weiter lesen

23.06.2010 von Christian Ihle
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That’s what happens when you fuck with England

von Christian Ihle

Die Wunder des Internet: kur vor WM-Beginn hatte ich hier einen kurzen Text über englische WM-Songs geschrieben und dabei vor allem auf einen Song einer kleinen englischen Band namens Hyperbowl aufmerksam gemacht, die wunderbar pavementesquen Alt.Country-Rock zu selbstironischstolzem Text spielen. Nachdem mich der Sänger daraufhin angeschrieben hat und mir den Song auch noch als mp3 zusandte, wollte ich das der werten Leserschaft nicht vorenthalten. Erstaunlich prophetisch nehmen sich übrigens einige Textstellen aus: “We’ve still got a shit goalie” und “They are a bunch of total pricks / Unlike in 1966″ fallen dabei besonders auf. Gerade deshalb muss spätestens wenn Deutschland in der K.O.-Runde gegen England spielt, alle eh den Text eh memoriert haben: “One nil to England! / One all to Germany / We know they’re going to win on penalties”

MP3-Download: Hyperbowl – England!

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22.06.2010 von Christian Ihle
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Jetzt! & Blumfeld – Kommst du mit in den Alltag

von Christian Ihle

Download-Link: Jetzt! – “Kommst Du Mit In Den Alltag”

Es war eine Sensation als vor etlichen Monaten unter den Fanatikern der vergessenen Band Jetzt! ein Link die Runde machte, der das für alle Zeiten verschollen geglaubte Tape „Liebe in GROSSEN Städten“ zugänglich machte.

Die deutsche Musik ist tot

Warum Freudenschreie durch die entlegenen Winkel des Netzes hallten, wird vielleicht klar, wenn wir einen kleinen Blick zurück auf die Band und ihr Umfeld werfen. Es ist Mitte der 80er Jahre und nachdem die deutsche Popmusik Ende der 70er, Anfang der 80er in Düsseldorf, Berlin und Hannover eine eigene Sprache und die wilde Lust am Experiment gefunden hatte, wartet man vergeblich auf Nachfahren der Fehlfarben und anderer großer Bands.

Das Dorf am Ende der Welt

Die nächste Generation findet sich ausgerechnet in dem kleinen Örtchen Bad Salzuflen unter dem Dach des Fast Weltweit Labels zusammen. Fast Weltweit veröffentlichte Kassettensampler und Bandtapes von Künstlern, die das folgende Jahrzehnt beeinflussen sollten wie niemand sonst: eine frühe Inkarnation der Sterne um Frank Spilker, Bernadette La Hengst, Bernd Begemann und Jochen Distelmeyers Blumfeld-Vorgänger-Band Die Bienenjäger haben alle bei Fast Weltweit eine Heimat gefunden. Später stehen sie exemplarisch für die Hamburger Schule, die zum ersten Mal seit der Düsseldorfer Ratinger Hof Szene wieder in deutscher Sprache Politik und Liebe besingen wird.

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Liebe in kleinen Städten

Doch trotz eines Spilker, Begemann oder Distelmeyer ist es die Stimme von Michael Girke, … weiter lesen

21.06.2010 von Christian Ihle
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Die besten Filme der Dekade: Platz 50 – 35

von Christian Ihle

Nachdem alle in hektischer Aufregung ihre Jahrzehntcharts zusammenstellten, zog sich das Popblog in ein einsames Programmkino zurück und tüftelte einige Monate an seiner definitiven “Die besten 50 Filme der letzten zehn Jahre” – Liste. Dabei wurde diesmal auch nicht der Egomanie Vorzug gegeben, sondern eine Jury einberufen. Katja Peglow (Missy Magazin u.a.), Robert Heldner (Sellfish Fanzine u.a.) und Silvia Weber (Vanity Fair Online u.a.) durften ihre Top-Filme nominieren und die der anderen bewerten, so dass wir eine ausgewogene, unbestechliche Top-50-Liste letzen Endes zusammen stellen konnten. Nominierbar waren alle Filme, die laut imdb in den Jahren 2000 – 2009 gedreht wurden bzw. innerhalb dieser Dekade ihre Erstaufführung in deutschen Kinos feierten:

Heute Teil 1, die Plätze 50 – 35:

35. There Will Be Blood (Regie: Paul Thomas Anderson, USA 2007)

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Viel ist über Paul Thomas Andersons Meisterwerk geschrieben und gesagt worden. Jene denkwürdige Oscar-Nacht ist noch ganz frisch in Erinnerung, als “There Will Be Blood” und “No Country For Old Men” zumindest vorübergehend eine neue Hollywood-Ära einläuteten. Heute schon gilt das wenig subtil kapitalismuskritische Mammutwerk als Filmklassiker – zu Recht, möchte man sagen. Daniel Day-Lewis gibt als Daniel Plainview eine wahre Meisterleistung ab. Wie er da nach Öl bohrt, sich durch die archaische Männerwelt am Rande der Zivilisation schlägt und am Ende mit manch zynischer Weisheit auftrumpft – da hat man in jeder Sekunde die Gewissheit, Zeuge eines Schauspielers zu sein, der sich auf dem Zenit seiner Karriere befindet. (RH)

36. Rushmore (Regie: Wes Anderson, USA 1998) … weiter lesen

20.06.2010 von Christian Ihle
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Schmähkritik (337): Italien und Daniele De Rossi

von Christian Ihle

“Volare, oho! De Rossi hat keine Chance, an den Ball zu kommen, hüpft dann durch den Strafraum, Elfmeter. Ja: Elfmeter. Ach, Italien. Macht das Spaß? Herzlichen Glückwunsch, De Rossi. Herzliches Beileid, Fußball.
Der Elfer noch mal in der Superzeitlupe. Man stelle sich vor, jemand bewegt sich über einen gut besuchten Weihnachtsmarkt, und jedes Mal wenn er berührt wird, lässt er sich fallen. Diesem Mann würde von einer Handvoll Institutionen auf verschiedenste Weise geholfen werden, damit es ihm recht bald wieder gut geht. Allen täte er leid. Nicht so De Rossi: Er wird gefeiert, gilt als clever, zumindest innerhalb Italiens, er verdient einen Haufen Kohle, er reibt sich mit Olivenöl ein und modelt für Dolce&Gabbana, er wird wahrscheinlich noch mal Weltmeister. Es ist alles ein entsetzlicher Schmerz. (…)
Italien würgt sich weiter durch die Hälfte der Neuseeländer. Unappetitlicher sah ein Sport nur beim Wimbledon-Finale 2003 Serena Williams gegen Venus Williams. (…)
Alles noch mal in der Wiederholung, es ist wie die Ziegenfolter im Mittelalter: Man muss lachen, obwohl man nicht will, und irgendwann ist man tot. Scholl erklärt die Schwalbe von De Rossi für »legitim«, dann noch mal der Fellatio-Hubel der Italiener. Wir gehen jetzt in die Eisdiele, kaufen alles auf und schmeißen es weg. Ciao, Ragazzi.”
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20.06.2010 von Christian Ihle
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Schmähkritik (336): Nicolas Anelka über Raymond Domenech

von Christian Ihle

Normalerweise zu profan, um in die Schmähkritik-Reihe aufgenommen zu werden, drücken wir ob des allgemeinen WM-Wahnsinns ein Auge zu & belohnen den französischen Stürmer (und “Enfant Terrible”, wie der SPIEGEL meint) für seinen Halbzeitwutausbruch gegen den eigenen Trainer und seine (nicht verkehrte) Taktikanweisung “nicht immer vorne stehen zu bleiben”:

“Lass dich in den Arsch ficken, du dreckiger Hurensohn!”

(französich: “Va te faire enculer, sale fils de pute”)
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