Archive for Juli, 2010

31.07.2010 von Christian Ihle
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Schmähkritik (346): Bonaparte

von Christian Ihle

“Ein Traum wird wahr: nach fünf Jahren stets um Verständnis für die armen Künstler bemühter Rezensententätigkeit endlich einmal den Kulturpessimisten raushängen lassen und den Untergang des bescheuerten Abendlandes heraufbeschwören zu können. Die Berliner Zirkusclowns haben auf ihrem zweiten Album – immerhin konsequent – quasi keine gute Idee. Dieser auf Kunst getrimmte Vollschrott, “Dada” für die geistig Armen, die ganze Weirdness, die man gerne für sich in Anspruch nähme, verpufft in den ärmlichen Liedchen, die lieblos durch die gesamte Platte hopsen.

“Aber live sind die doch toll!” – Ja von wegen: Dass die Mädels sich dabei auf der Bühne bloß ausziehen und Getränke reichen, während die Boys mit Lampenschirm auf dem Kopp doof funky herummucken, passt aber so was von ins Bild. Und so schaffen Bonaparte dann doch noch eine kleine Sensation: … weiter lesen

30.07.2010 von Christian Ihle
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Believe The Hype: WU LYF.

von Christian Ihle

Wu Lyf 1

“The Lucifer Youth Foundation (World Unite) are kids that play heavy, lost brothers looking for a place to call home.”

wu lyf 2

Das Zeitalter des Internets, das Ende der Rocknroll-Mythen. Das weltweite Netz, ein Totengräber der heimlich getuschelten Information, ein Legendenzerstörer. Und wenn man denkt, keine Band könnte mehr dem ewigen, endlos überhitzten MySpace-Hypemachine-Pitchfork-Build’emup-Knock’emdown-Kreislauf entkommen, sehen wir ein Foto einer handvoll vermummter Jünglinge, die sich WU LYF nennen, keine Nachnamen besitzen und mehr oder minder unaufspürbar scheinen.

Deren MySpace mehr ein Musterbeispiel für Situationismus 2.0 darstellt als eine Musikhörundfankommunizier-Plattform ist. Die keinen Plattenvertrag unterzeichnen und keine Alben veröffentlichen. Die uns misstrauisch machen würden ob der perfekten Inszenierung ihrer selbst als Untergrundmythos. Die aber gleichzeitig die sensationellste Musik des neuen Jahres schreiben – eine so kaum zuvor gehörte Mixtur aus Pop und Underground, aus Hip-Hop-Vorlieben und Einmanngospelinszenierung. Die, kurz, Heavy Pop spielen.

YouTube Preview Image
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Denn als… weiter lesen

29.07.2010 von Christian Ihle
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Album des Monats Juli / Platz 2: Dan Sartain – Dan Sartain lives

von Christian Ihle

sartain

Selten hat ein Cover-Artwork so wenig zur darin steckenden Platte gepasst! Bei Album Nummer 1 präsentierte sich Dan Sartain noch mit einem Galgenstrick um den Hals, was durchaus mit dem ins Nichts blickenden, rauhen Garagenrock gut korrespondierte. Die countryesque zweite Platte zeigte ihn mit zum Kopfschuß angesetzter Pistole. Umso verwunderlicher, dass nun die Rückkehr zu den Rockwurzeln mit einem Hochglanzfoto verbunden wird.

Dabei ist der legitime Nachfahre der White-Trash-Ikone Hasil Adkins wieder in der Garage angelangt: Eine flache Produktion, schnelle, trockene Riffs, kein Vertuen, deutlich weniger Johnny-Cash-Songwriting als noch beim Vorgängerwerk. Die wenigen Ausflüge in andere Genres, wie der Gary-Glitter-Glamrock-Stampfer “Voo-Doo”, gelingen weit weniger gut als im klassischen Sartain-Soundgewand auftretende Garagenknaller der Marke “Walk Among The Cobras”, dessen “Pt. 4″ auch wieder auf das Debütalbum zurückverweist, auf dem die Cobra-Teile 1-3 erschienen waren. Ganz im Jürgen-Wegmann-Style erweist sich hier Sartain als… weiter lesen

28.07.2010 von Christian Ihle
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Schmähkritik (345): Foals über The Pains Of Being Pure At Heart

von Christian Ihle

“John Peel would have liked this (die neue Single “Say No To Love” von Pains…, Anm.) and that’s the only positive thing I can say about it, mostly out of politeness.
It’s really, really boring, and to even call it nostalgic would be a disservice to those hundreds of jangly indie-slop bands from 20 years ago that it sounds exactly like. They’d be giving “twee” a bad name if it didn’t already have the worst name. … weiter lesen

27.07.2010 von Christian Ihle
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Im Plattenregal im Juli (1): Missent To Denmark, Mexican Elvis

von Christian Ihle

Missent to Denmark – I Am Your Son

Zuerst wollten sie nie live auftreten, dann verschenkten sie ihre Musik gratis in diesem neuen Ding namens Internet. Jetzt –ein paar Jahre später- veröffentlichen sie ihr zweites Album für Geld und vor der Konzertbühne hinterlassen sie staunende Sympathisanten.
Gut, natürlich muss ich zugeben, dass ich ein klein wenig befangen bin. Ich kenne die Bandmitglieder der Deggendorfer / Münchner / Regensburger Band gut bis sehr gut. Und sie würden mir auch verzeihen, wenn ich jetzt ein krummes Haar an ihrem neuen Werk lasse.
Aber: Ich finde keines.

Im Wohnzimmer des MtD-Bassisten Robert Meier gab es … weiter lesen

26.07.2010 von Christian Ihle
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Album des Monats Juli / Platz 3: Tokyo Police Club – Champ

von Christian Ihle

Den Nimbus der Zuspätgekommenen werden Tokyo Police Club wohl leider nicht mehr so ganz ablegen können. Gegründet hat sich die kanadische Band im Jahr 2005 – und da war Bloc Party’s “Silent Alarm” bereits erschienen und hatte die Rockwelt nachhaltig beeinflusst. Dieses Standing werden sich die vier Twens unter Garantie nicht so schnell verdienen können, was aber auch vollkommen in Ordnung ist. Das Zweitwerk “Champ” macht nämlich durch die Bank so viel Spaß, dass man den Gedanken an Rock-Avantagarde und Pop-Revolutionen schnell vergisst.

TPC

Vier Jahre ist die “A Lesson in Crime”-EP nun schon alt, mit der die Bübchen auf sich aufmerksam machten. Die Hits von damals – … weiter lesen

24.07.2010 von Christian Ihle
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Schmähkritik (344): M.I.A.

von Christian Ihle

“The record is a shambling mess (…). Without compelling tunes, the obnoxious public antics, dubious political messages, and thin voice that had grated on her naysayers have become impossible for even dedicated fans to ignore. It’s as if everything that was great about M.I.A. has been stripped from this music, leaving behind only the most alienating aspects of her art and public persona. (…) Lead single “XXXO” sounds unfinished, as if everyone involved figured they may as well wait around for someone else to make a better remix. (…) This cacophony doesn’t signify much of anything, aside from perhaps a desire to seem confrontational and daring. There are moments of interesting noise, but in the absence of appealing grooves or memorable hooks, it barely matters.” … weiter lesen

23.07.2010 von Christian Ihle
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Die besten Filme der Dekade: Platz 34 – 21

von Christian Ihle

Der zweite Teil unserer definitiven Dekadenfilmliste, die Plätze 21 bis 34. (Teil 1: Plätze 35-50, Teil 3: Plätze 20 – 11, Teil 4: Plätze 10 – 1)

34. The Tracey Fragments (Regie: Bruce McDonald, Kanada 2007)

Die zwei Gesichter der Ellen Page: die Nachwuchs-Hoffnung pendelt seit einigen Jahren schon zwischen niveaulosen Blockbustern (“X-Men”), erfolgreichen Feel-Good-Indiefilmchen (“Juno”) und brutalen Arthouse-Movies (“Hard Candy”). “The Tracey Fragments” ist der letzteren Rubrik zuzuordnen und zeigt eine Ellen Page in teils bis zu 15 verschiedenen Splitscenes auf der Kinoleinwand. … weiter lesen

22.07.2010 von Christian Ihle
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Die Zukunft der Musikkritik VIII: We will never again agree on anything as we agreed on Elvis

von Christian Ihle

Mehr als der Facebook-Daumen

Blogs können für die Musikkritik das werden, was Punk für den Pop war: die Aufhebung der Schranken zwischen LeserInnen und SchreiberInnen.

Lester Bangs

Das seit gut zweieinhalb Jahren von mir betriebene Popblog “Monarchie und Alltag” auf taz.de lässt mich zwischen allen Stühlen Platz nehmen: zu meiner Rechten die etablierten Feuilletons und Musikmagazine, auf der anderen Seite privat betriebene Blogs. Zwar wird das taz-Popblog gänzlich autark, also ohne Rückkoppelung mit der Redaktion betrieben, andererseits ist die Außenwirkung wohl doch in erster Linie “taz” und nicht “blog”.

Daraus ergibt sich aber die schöne Möglichkeit, jenseits der Frontlinien Blog versus Presse-Establishment Position zu beziehen und die Grenzen auf der Konfliktlinie Online gegen Print deutlicher zu ziehen. Denn häufiger Fehler aller kulturpessimistischen Analysen über die Blogkultur ist die irreführende Annahme, es gäbe nur den einen Typus des Bloggers oder Blogs.

Was schon für Printredaktionen absurd wäre (oder wer setzt etwa gleiche Erwartungen in ein Süddeutsche-Feuilleton und den “Kultur”-Teil der Bild-Zeitung?), ist aufgrund der nicht vorhandenen Einstiegsschranken in das Bloggertum gänzlich abwegig. So viele Blogs wie Menschen!

Gerade hier bietet sich auch die Chance, den von Sonja Eismann in einer früheren Folge der Debatte zur Zukunft der Musikkritik postulierten Vorwurf zu entkräften, dass Popkritik hauptsächlich aus einer männlichen, weißen, heterosexuellen Perspektive geschrieben würde. Blogs können für die Musikkritik das werden, was Punk für den Pop war: die Aufhebung der Schranken zwischen LeserInnen und SchreiberInnen sowie der Bruch mit allen diktierten Geschmackskriterien.

Das tägliche Klick-und-Häppchentexttraining

Ein viel klareres Unterscheidungskriterium als das zwischen Bloggern und Redakteuren bieten die benutzten Medien an. Allein aufgrund des täglichen Klick-und-Häppchentexttrainings im Netz scheint es im Onlinebereich erheblich schwieriger zu sein, für lange Texte über Bands Leser zu finden. Während bei den Printmedien gute von Schrottpublikationen schon dadurch unterscheidbar sind, ob sie sich in ausreichender Tiefe mit einem Thema beschäftigen, diktiert das Netz Maximallängen. Außerdem ist im Internet durch die direkte Einbindung von Streams oder Downloads die sofortige Überprüfung der gerade gelesenen Kritik – zumindest scheinbar – möglich. Wobei nicht übersehen werden darf: Gerade das kursorische Anhören verhindert, dass komplexere Sounds überhaupt wahrgenommen werden. Ein Klick, ein Don’t-like – im Gegensatz zur ausgiebigen Beschäftigung mit Musik früherer Tage.

We will never again agree on anything as we agreed on Elvis

Der Musikkritik fällt es auf diese Weise im Onlinebereich immer schwerer, Allgemeingültigkeit zu erreichen, die über bloßes Abefeiern des nächsten großen Dings hinausgeht. “We will never again agree on anything as we agreed on Elvis”, schrieb Lester Bangs bereits 1977 und meinte damals noch, dass die Zeiten der alle Schranken übertretenden Künstler vorbei seien – heute liefern sich gerade Musikblogs einen grotesken Wettbewerb, die jeweils neueste Hypeband zu finden und abzufeiern, bis die Künstler schon bei der Veröffentlichung ihres Debütalbums nur noch eine Nachricht von gestern sind. … weiter lesen

21.07.2010 von Christian Ihle
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Schmähkritik (classic): Coldplay in der britischen TV-Serie Peep Show

von Christian Ihle

Ein schöner indirekter Coldplay-Diss aus der sehr zu empfehlenden britischen Comedy-Serie “Peep Show” (verantwortlich zum Beispiel für den großartigen Aphorismus: “Frosties are Cornflakes for people who can’t face reality.”)

Direkter Link, falls Einbetten nicht funktioniert…

Inhaltsverzeichnis:
* Die ersten 300 Folgen Schmähkritik
* Wer disst wen?