“Sich als sogenannter Musikkritiker über den Geiger David Garrett aufzuregen, ist ja in etwa so, als schnallte man einen besonders enervierenden Spatz auf eine Zielscheibe und schösse aus einem Meter Abstand mit der sprichwörtlichen Kanone auf ihn. Allerdings könnte ich tatsächlich Rachegefühle hegen, denn ich verdanke David Garrett einen der schlimmsten Abende der letzten Jahre. (…) Denn Garrett tut drei Dinge, die man dringend bleiben lassen sollte: 1. Er spielt Klassikstücke im Rockgewand. 2. Er spielt Rockstücke im Klassikgewand. 3. Er bezeichnet das Ganze allen Ernstes und ohne sich zu übergeben als „Crossover”. Und so geigte und geigte Garrett an jenem Abend unablässig grinsend alles in Grund und Boden. Er geigte … weiter lesen
Archive for August, 2010
What Became Of The Likely Lads? Bericht aus den Frontreihen der Libertines-Reunion-Gigs
von Christian Ihle
Let’s say goodbye with a smile, dear,
Just for a while, dear, we must part.
Don’t let the parting upset you,
I’ll not forget you, sweetheart.We’ll meet again, don’t know where, don’t know when,
But I know we’ll meet again, some sunny day.
Keep smiling through, just like you always do,
‘Til the blue skies drive the dark clouds far away.

Als ich 2002 oder 2003 die Libertines das erste Mal in Originalbesetzung sah, wusste ich noch nicht, dass es auch das eigentlich letzte Mal sein würde. Aber auch so hatte der damalige Gig eine Bedeutung wie kein zweiter, hatte ich noch nie zuvor (und leider auch nie mehr danach) soviel Mensch gewordene Energie gesehen, ein so raues, pures, wildes, energetisches Spiel. Selbst wenn die Libertines damals zwei Stunden zu spät auf die Bühne kamen und nur etwas über eine halbe Stunde spielten, war das Erlebnis dermaßen überwältigend, dass ich – als mit 77s-Punkrock sozialisierter Indiejunge – das Gefühl bekam, dass sich so womöglich damals die Punk-Gigs angefühlt haben mögen, die ersten Auftritte von The Clash, der Pistols, der Ramones.
Die Band erst nach acht langen Jahre später wieder zu sehen ist unter diesen Voraussetzungen natürlich durchaus schwierig. Und um es vorwegzunehmen: nein, es ist nicht mehr das Gleiche. Barat und Doherty sind acht Jahre älter geworden, all ihre Geschichte hat Spuren hinterlassen. Die in den Himmel reichenden, unmöglich zu erfüllenden Erwartungen schienen ihnen schwer auf den Schultern zu liegen, beinah eine gewisse Schüchternheit durchzuschimmern. Auf der anderen Seite hat die Band selten tighter, konsequenter geklungen, musikalisch sicherlich um ein vielfaches versierter als in den frühen Jahren. Pete strahlt zwar nur noch selten jenes unwerfende Charisma aus, das uns Dohertyans ihm immer all den Scheiß hat verzeihen lassen, aber dafür sieht er so gesund und sauber aus wie seit vielen Jahren nicht mehr.
But I know that we’ll meet again…

Der erste Auftritt der Libertines, eine Art „secret gig“, findet in der wunderschönen 2000-Mann-Location „Forum“ in Kentish Town, London, statt. Einige Verrenkungen waren nötig um sich letztendlich doch Zutritt zu verschaffen, aber, oh Boy, hat sich das gelohnt! Dank einer äußerst strikten Kartenvergabe-Politik (das … weiter lesen
Schon etwas älter, aber immer noch ein wunderbarer kleiner Clip!
Während sich Rentner, Journalisten und Politiker die Köpfe zerbrechen, was alles schlechtes passieren kann, wenn Google anfängt Straßen und Häuser zu fotografieren, denkt wieder keiner an die armen Kerle, die tatsächlich all diese Straßen und Häuser fotografieren müssen.
Ein wenig erinnert das Ganze übrigens an den brillanten österreichischen Film “Indien” mit Josef Hader, bei dem zwei ungleiche Restauranttester zusammen auf Reisen sind: … weiter lesen
The Loved Ones

1. Der Film in einem Satz:
Pretty in Blood… die DIY – Prom Night: Hammer, Bohrer, Märchenprinz! … weiter lesen
“Er hat sehr viel dazu beigetragen, dass es manchmal nicht so gut gelaufen ist. Er ist ein ausgezeichneter Spieler, aber er will nicht laufen. Bei Atletico Madrid hat er es einfacher, da kann er mit der Krawatte spielen. Den Schlendrian und die Fehler, die er in den vergangenen Jahren gemacht hat – mein lieber Mann, da waren schon einige dabei.”
(Franz Beckenbauer bei SKY ueber die Wechselgeruechte von Bayern-Abwehrspieler Martin Demichelis zu Atletico Madrid)
Centurion

1. Der Film in einem Satz:
Die sieben Gladiatoren saving Private Rome.
2. Darum geht‘s:
Die Römer plagen sich mit den Eingeborenen im heutigen Nordbritannien herum. Guerillataktiken zermürben die römische Armee bis sich Rom entschließt, einen letzten Großangriff zu wagen, der in die Katastrophe führt und bei dem der römische General gefangen genommen wird. Die überlebenden Sieben aus Dreitausend begeben sich behind enemy lines um ihren General aus den Händen der Barbaren zu befreien.
Ein römisches Schlachtenepos in Nordbritannien als Hochglanz-B-Movie! Der Brite Neil Marshall hakt also … weiter lesen
Monsters

1. Der Film in einem Satz:
Tarkovsky stalkt das Monster von Cloverfield im District 9.
2. Darum geht‘s:
Vor sechs Jahren ist dank eines Unfalls mit einer NASA-Raumsonde außerirdisches Leben auf der Erde gelandet. Die Armee der USA versucht, die riesigen Kreaturen in einem Sperr-Gebiet zwischen Texas und Mexiko in Quarantäne zu halten. Sam (Beruf: reiche Tochter) und Andrew (Beruf: Fotograf für eine Zeitung des Tochtervaters) müssen von Mexiko nach Amerika reisen und sind gezwungen, einen Weg durch die infizierte Zone zu wählen, weil alle sicheren Wege aufgrund unglücklicher Umstände nicht zur Verfügung stehen…
Der Brite Gareth Edwards, Autor und Regisseur dieses Debütfilms, versucht etwas ganz Erstaunliches: ein kontemplatives Monster-Movie zu drehen. Niemand schreit, keiner rennt. Sechs lange Jahre leben die Mexikaner mit der täglichen Bedrohung von Kreaturangriff und Luftattackenantwort der US-Armee. Resignation und sich in diesem Leben einrichten, ist ihre einzige Möglichkeit, der Verzweiflung zu entgehen.
Sam und Andrew reisen durch ein verwundetes Land, immer tiefer, immer weiter. Die Wunden werden größer, das Staunen über eine Gegend, in der die Zivilisation auf dem Rückmarsch ist, ebenso.
An der Schwelle zum gelobten Land Amerika angekommen blicken sie auf eine Mauer unvorstellbaren Ausmaßes, den Stein gewordenen Versuch Amerikas, sich von den Gefahren da draußen abzuschotten.
Bei aller Ruhe und Gelassenheit: die Kritik an der amerikanischen Immigrations- wie Interventionspolitik schwingt nicht nur im Subtext mit.
Kann man sich auf die Ruhe des Films einlassen, auf die Entschleunigung, auf die Echtheit (ja!), dann bietet “Monsters” ein erstaunliches, minimalistisches, in Teilen ergreifend schönes Filmerlebnis. Edwards gelingt vor allem in dem mittleren, zivilisationsfernen Teil das Kino eines Werner Herzog aufleben zu lassen.
Das wahrscheinlich erste Monster-Movie puren Arthouse-Zuschnitts!
3. Der beste Moment:
Mit Sicherheit nicht der Trailer, der kaum irreführender sein könnte.
Ein leiser, ein zarter Film über das Leben und das Arrangieren mit dem allgegenwärtigen Tod.
4. Diese Menschen mögen diesen Film:
Wer District 9 einen gelungenen Versuch fand, das Alien-Genre neu zu definieren – die Sozialkritik aber gerne subtiler formuliert gesehen hätte.
* Regie: Gareth Edwards
* imdb
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Four Lions
1. Der Film in einem Satz:
Warum es so wenige erfolgreiche Terroranschläge gibt? Weil die meisten Selbstmordattentäter Idioten vor dem Herrn sind. … weiter lesen
In Best Coast hatten wir uns Hals über Kopf verliebt. Wie auch nicht, wenn man “When I’m With You” das erste Mal gehört hat? Sicherlich schon jetzt eine der ewigen, großen Singles der 2009/2010er Jahre:
* Your three favourite Punk singles/songs?
** The Cramps – Garbage Man
** D.R.I. – Dirty Rotten EP
** The Misfits – 3 hits from Hell
* A record that will make you dance?
I don’t dance but “Say You’ll Be There” by the Spice Girls
* Your favourite song lyrics?
Either “Boris” by Melvins or “Motown” by Harvey Milk
* The most overrated band?
Where do i begin…
* Your favourite album cover?

Genesis “Live”
* Your favourite girl-group-song?
“Be My Baby” – The Ronettes
* The best “new” band right now? … weiter lesen
The Pack

1. Der Film in einem Satz:
French Chainsaw Massacre goes idiotische Plotwendung.
2. Darum geht‘s:
Die junge Charlotte liest am Wegesrand einen Anhalter (gespielt von Chanson-Sänger Benjamin Biolay) auf. Beide fahren zu einem verlassenen Rasthof, Max, der Anhalter, verschwindet, nachdem er sich auf Toilette verabschiedet hat.
So weit, so okay. Die tausendmal gesehene Prämisse ist also auch in The Pack am Start und würde mit seinem ersten Plottwist vielleicht noch für Spannung und Verwunderung sorgen, hätte sich Regisseur Frack Richard nicht rätselhafterweise dazu entschlossen, allen Figuren gnadenloses Overacting zu verordnen und semiwitzige Oneliner zu verpassen, womit er die mühsam aufgebaute, bedrohlich-rätselhafte Atmosphäre immer wieder mit dem Gummihammer zu Brei schlägt. Was aber noch einen leidlich mittelmäßigen Film ergäbe, würde die zweite Hälfte nicht in ein dermaßen absurdes, langweiliges und bemerkenswert hässliches Monster-Movie umschlagen! Ein sprunghaftes Drehbuch (nein, auch etwaige “Traum”-Auflösungen können nicht immer handwerkliche Buchmängel begründen!), Schauspieler, die entweder wie irr chargieren (Yolande Moreau, Philippe Nahon, die Rocker-Gruppe) oder sich dem Prinzip “Schauspiel” gänzlich verweigern (Benjamin Biolay), unschöne Kameraarbeit, hölzerne Charakterzeichnung… ich weiß gar nicht, wo ich aufhören soll!
Die zweite Hälfte fühlte sich an, als hätte man mich gezwungen, 10 TOOL-Videos am Stück anzusehen – so muss es also sein, wenn Satan Gast-VJ bei MTV wird! Gab es jemals einen schlechteren Eröffnungsfilm des Fantasy Film Festivals – ich möchte ihn nicht sehen.
3. Der beste Moment:
Als der Anhalter verschwindet und für einige Minuten tatsächlich Atmosphäre und Rätselraten einsetzt.
4. Diese Menschen mögen diesen Film: … weiter lesen











