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vonChristian Ihle 21.07.2011

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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Die Welt mag die neue Nummer 1 der deutschen Album-Charts nicht:

„Schon vor Erscheinen des Werks hieß es, er sei die Rettung des deutschen HipHop. Doch das ist ein großes Missverständnis. Casper ist nicht die Rettung, Casper markiert mit seiner moralisierenden Mischmasch-Musik vielmehr das Ende des Genres. Wenn Casper humorlos und voller Pathos über Tod und Liebe textet, ließe sich das als Emo-Rap bezeichnen, sein Erfolg wirft jedenfalls ein recht besorgniserregendes Licht auf die Jugend.

(…) ein Pädagogikstudent kann keinen Hip Hop machen. Hip Hop ist die Musik von Verlierern, die sich als Gewinner darstellen und nicht umgekehrt. Casper stilisiert sich als verletzlicher Außenseiter und ist sich nicht zu schade, die Scheidungskind-Karte zu spielen. Er macht HipHop für die Studi-VZ Fraktion, daher auch der Albumtitel „XOXO“, eine Abkürzung, die in der lustlosen Internet-Sprache für „Küsschen“ und „Umarmung“ steht. Casper ist einer, der „voll schön“ sagt, einer, der sich noch im Jahr 2011 wünscht, von American Apparel ausgestattet zu werden, der also Hipstermode von vorgestern bevorzugt. Der Inbegriff des Uncoolen. (…) Wenn Menschen behaupten, Textstellen wie „Sind Träume Worte, die der Mund nie zu denken wagt?“ seien so gut, dass man sie sich eintätowieren lassen müsse, dann ist es dringend angebracht, sich Sorgen zu machen – zumal niemand zu bemerken scheint, wie daneben Caspers Sprachbilder sind.
(…)
Die Musik zu all dem klingt so aufgeblasen, angepasst und sauber, dass Herbert Grönemeyer und Xavier Naidoo es nicht besser machen könnten. „Casper schaut über den Rand der HipHop-Welt hinaus und löst auch jenseits der Genregrenzen Begeisterung aus“, hat ein Kritiker befunden und damit ganz nebenbei die Beliebigkeit der Musik entlarvt.
(…)
Er hätte genügend Möglichkeiten gehabt zu protestieren, aber er gefällt sich lieber in der Rolle der Passivität, ist empört von den großen Zumutungen dieser Zeit. Für die Stimme des deutschen Wutbürgers wurde noch eine Besetzung gesucht. Eine, die nur spricht, nicht denkt oder handelt. In schöner alter „Einer muss es ja mal sagen“-Manier.

„Der Oberton ist vielleicht Möchtegern-Revoluzzertum. Das gebe ich auch zu“, sagt Casper. In seinem Video lässt er einen „schwarzen Block“ gegen Polizisten aufbegehren, bedient sich radikaler Codes. Mit einer Niedlichkeit, die man im freundlichsten Fall als Naivität deuten kann, werden dort junge Menschen in ein politisiertes Kostüm gesteckt. Das Video hat so viel politisches Potenzial in sich wie das Tragen eines Palästinensertuches von H&M.

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In einem anderen Interview plaudert Casper über den umstrittenen Rapper Fler, der damals „Schwarz Rot Gold, Hart und Stolz“ rappte. „Es ist doch vollkommen klar, dass der Typ kein Nazi ist. Mir gefiel, dass er trotzdem den Mut hatte, sich ins Feuer zu stellen.“ Sich selbst und seine Freunde, bezeichnet er übrigens als „nette deutsche Jungs“. Naiv, im besten Falle.“

(Laura Ewert in der WELT)

Inhaltsverzeichnis:
* Teil 1: Alle Schmähkritiken über Bands, Künstler und Literatur
* Teil 2: Alle Schmähkritiken über Sport, Politik, Film & Fernsehen


Mit Dank an Björn!

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kommentare

  • Ich finds fies das sie so über ihn herzieht er ist ein sehr guter Rapper . Sie übertreibt total und aus dem atkel lässt sich schlisen das sie sich Casper nicht mal angehört .

  • Nich cool , das ist total fies sie hat sich das album warscheinlich nicht mal angehört das ist total übertriben : Er ist ein wirklich guter rapper . Ich finde casper total toll !!!

  • Manchen kann mans aber auch nicht recht machen. Würde Casper über Bitchez, Koks und Goldketten rappen wärs doof, wenn er über Depressionen und Jugendrevolution rappt ist es noch viel dümmer…

    Aber der Vorwurf das Casper bewusst Mainstreammukke macht ist einfach nur (sorry) strunzdoof.
    Der Junge war mit seinem letzen (ersten) Release noch nichtmal in den Charts! Er galt bloss als Geheimtipp für alle die bei Hip Hop auch mal was über Lebensgeschichten von abgefuckten Menschen hören wollten und zwar keine aus den Projects. Von den meisten Hiphop-fans wurde er höchstens als schwuchtel abgetan oder ignoriert.
    Nach eigener Aussage konnte er weder glauben, dass er bei Amazon nach der Ankündigung auf eins war noch dass er das dann auch in den Charts geschafft hat.
    Daher ist die Aussage, dass er “Zu viele Scheiß-Bands, zu viel Hype!” singt obwohl er jetzt wohl zum Mainstream gehört (was ich eher bezweifel) und seinen eigenen Hype hat einfach falsch. Den Text hat er VOR dem album geschrieben also auch OHNE hype! Und nur weil er jetzt seinen eigenen hype hat, heisst das noch lange nicht, widerspricht er damit seiner eigenen Zeile noch lange nicht….

    und der artikel ist einfach nur müll. unfassbar schlecht recherchiert. einmal ohne vorwissen angehört und sich seinen teil gedacht/ dazu erfunden.

  • Die Welt mag ein wirklich schlechtes Blatt sein, die Kritik ist aber leider wirklich sehr treffend formuliert . Ich halte das ganze auch für aufgeblasenen Revoluzzerscheissdreck ohne Substanz. Trotzdem ist die Platte toll produziert und bringt an manchen Stellen wirklich Spass zu hören. Ich warte aber weiter auf eine Platte die den Zeitgeist einfängt.

  • Diese Kritik ist mit jeder Zeile unangebracht und unsinnig. Es klingt nach jemanden der das Album nicht einmal gehört hat und sich mit hip hop kaum auskennt und befasst! Ich persönlich bin auch kein Profi für dieses Genre, aber was ist das für eine Aussage :“ein Pädagogikstudent kann keinen Hip Hop machen“ !? Jeder kann Hip Hop machen! Hip Hop ist nicht die Musik der Verlierer die sich als Gewinner darstellen wollen. Was ist mit Künstlern wie Blumentopf oder Samy Deluxe? In ihren Texten geht es nicht nur um Drogen, Sex, dass Ghetto, usw.
    Und wo bitte finden man an Casper „Hipstermode von vorgestern“? Wenn man nicht in der heutigen Zeit veranakert ist und selbst irgendwann, irgendwo hängen geblieben ist, dann würde man so etwas schreiben, aaber sonst ist auch diese Aussage nicht nach vollziehbar…

  • War ja nur eine Frage der Zeit (oder der Welt, hahaha) bis das Casper-Bashing losgehen kann. Abgesehen von KIZ und Prinz Pi fand ich die deutschsprachige Rapszene in den letzten Jahren eher so gähn. Casper bringt frischen Wind rein. Ich finde ein paar Songs auf dem Album absolut genial, ein paar schon arg schmonzettig. Dummerweise ist Casper so ein Typ, den man augenscheinlich unglaublich scheiße finden oder bedingungslos in den Himmel heben muss, weswegen man in nächster Zeit wohl öfter auf viel zu bemühte Verrisse oder viel zu bemühtes Abgehype stoßen wird. Yo!

  • Die Welt ist doch auch eine absolutes Drecksblatt… Nichts anderes als die Bild.

    Und die Kritik ist lächerlich und unangebracht. Casper eckt natürlich an, aber die genialen Lyrics von Michael X oder XOXO finden keine Erwähnung. Wer Fehler an Menschen finden die ohnehin polarisieren,findet immer etwas.

    Allein schon dieser Satz: „ein Pädagogikstudent kann keinen Hip Hop machen. Hip Hop ist die Musik von Verlierern, die sich als Gewinner darstellen und nicht umgekehrt. Casper stilisiert sich als verletzlicher Außenseiter und ist sich nicht zu schade, die Scheidungskind-Karte zu spielen. Er macht HipHop für die Studi-VZ Fraktion, daher auch der Albumtitel “XOXO”, eine Abkürzung, die in der lustlosen Internet-Sprache für “Küsschen” und “Umarmung” steht“ regt mich einfach nur auf…

    Zunächst mal hat er das Studium ohne Abschluss geschmissen. Er ist also auch kein Student, also auch kein Gewinner (Logik???) Mit XOXO ist einfach die Internetgeneration angesprochen,aber doch nicht die Studi-VZ Fraktion.

    Vielleicht sollte Frau Ewert eher über Mode schreiben. Andererseits: wenn sie schon American Apparel als out bezeichnet (Unisex Farben werden nie out sein… zudem trifft die ökologisch korrekte und fairtrade Attitüde den nerv der zeit) wär das vielleicht auch nicht so das wahre.

  • ich find immer alles doof, wenns in die charts kommt, weil ich bin so gaar nicht mainstream!!!

    denkt mal drüber nach.

  • Und ALLE so: Yeah!
    Grönemeyer und Xavier Naidoo scheinen auch mir die richtigen Koordinaten zu sein.
    Dass mit solch humorlosen und pseudo-emotionalen Lyrics schon ganz andere Spinner die Spitze der Charts gestürmt haben: geschenkt.
    Dass Casper mit seinen A-A-Pullovern nicht das Rapper-Klischee bedient: gut so.
    Aber dass er sich in „Die letzte Gang der Stadt“ mit den Worten „Zu viele Scheiß-Bands, zu viel Hype!“ scheinbar von all der anderen Grütze da draußen abhebt und dabei doch gar nicht bemerkt, wie er selbst längst Teil des beliebigen, glatten Mainstreams ist: unverzeihlich!
    Glücklicherweise lehrt die Vergangenheit, dass die Charts auch nur eine Momentaufnahme sind und man sich in naher Zukunft nicht mal mehr an seinen Namen erinnern können wird.
    Und jetzt alle: Zu viel Hype!

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