http://blogs.taz.de/popblog/wp-content/blogs.dir/1/files/2018/01/Samuel_Zeller_Fallback.png

vonChristian Ihle 16.07.2015

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

Mehr über diesen Blog

Man möcht gar nicht mehr aufhören, Jubelarien über Ezra Furman zu singen!
Was ist „Perpetual Motion People“ doch für eine tolle Platte geworden: immer leicht durchgeknallt, etwas anstößig, an den Rändern entlang schrammend, aber dennoch bis zum Überfluß voll mit Melodien, wie sie auch Lou Reed circa „Transformer“ nicht besser hinbekommen hätte. Es sind die so gelungen austarierten Widersprüchlichkeiten aus Punkattitude und Popgenie, aus Albernheiten und kämpferischen Texten, die so verblüffen und – wenn wir mal nicht auf die heilige Dreifaltigkeit der 70er mit Lou, Iggy & Bowie zurückgreifen wollen – an den kurzen, aber wunderbaren Höhenflug der Moldy Peaches erinnern, bevor bei Adam Greens Solokarriere dann Quatsch mit Dada verwechselt wurde und das Alberne an die Stelle der Cleverness getreten war.





Seit 2007 veröffentlicht Furman bereits Platten. Zunächst mit fester Band (Ezra Furman & The Harpoons), seit 2011 mit wechselnder Besetzung mehr oder minder solo. Sechs Alben sind so bereits zusammengekommen, so dass Ezras Satz in einem der vielen Albumhöhepunkte „Lousy Connection“ den Nagel auf den Kopf trifft: „I want the universe / god knows I’ve been patient“.

Und natürlich hat er sich das Universum verdient mit Songs, die Queer- und Gender-Issues („Your body is yours at the end of the day / And don’t let the hateful try and take it away / We want to be free, yeah we go our own way and my body was made“) genauso thematisieren wie Gentrifizierung und Social Slumming („Pot Holes“), dies aber musikalisch auf irrwitzige Art als 70s-MOR-Radio-Referenz oder DooWop-Kracher aufbereiten, und dennoch nur ein paar Lieder weiter genauso gut auch den Hank Williams Snr in jedem von uns grüßen („One Day I Will Sin No More“).

Ezra Furman ist Lou Reed in seiner crossdressing Queer-Punk-Phase, der sich Hand in Hand mit der Drama Queen von Conor Oberst auf den Weg in Bowies Rocknroll Suicide macht. Keine Frage: Das bisher beste Album des Jahres. (9/10)


Wenn dir der Artikel gefallen hat, dann teile ihn über Facebook oder Twitter. Falls du was zu sagen hast, freuen wir uns über Kommentare

https://blogs.taz.de/popblog/2015/07/16/album-des-monats-ezra-furman-perpetual-motion-people/

aktuell auf taz.de

kommentare

  • Bin eigentlich sicher, dass das hier war, ich weiß aber auch nicht, wie ich das recherchieren könnte.

    Ansonsten vielleicht einfach mal reinhören, Anspieltips: „No“, „Skipping“, „Club Country“. Ist wirklich groß!

  • Eine schöne Interpretationskette, insbesondere der letzte Absatz.

    Diedrich Diederichsen hat mal in der SOUNDS in ähnlicher Weise The Associates anlässlich ihrer LP „SULK“ in die Bowie-Nachfolge inauguriert. „SULK“ wurde in diesem Blog hier vor einiger Zeit aus mir unverständlichen Gründen als „unhörbar“ bewertet.

    Kam mir nur gerade so in den Sinn.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.