Archive for September, 2006

29.09.2006 von Schröder & Kalender
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Making of Pornography (14)

von Schröder & Kalender

Wir sind in Köln und wissen daher nicht, wie der Bär flattert.

Und so geht’s weiter mit den aufhaltsamen Dreharbeiten zum Pornofilm ›Colt & Köcher‹ in freier Natur: Endlich startete unsere kleine Karawane, fünf Wagen: ich mit dem Jaguar vorneweg Richtung Schlüchtern, Beitlich mit meinem alten großen BMW hinterher, dann die Filmer, Frau Löffelholz. Bei Schlüchtern ging es links ab, jetzt kennen wir die Gegend ja, wahrscheinlich Richtung Freiensteinau oder Birstein, Kaffs – damals böhmische Dörfer für mich. Wir fanden den Jagdaufseher, einen, wie er im Buche steht, aber nicht in einem Vogelsberger, sondern in einem aus dem Spessart: schwarze Augenklappe, grüner Hotzenplotzhut auf echtem Basaltschädel. Also ein Jagdgehilfe und Depp, der mit einer grauhaarigen Vogelsbergerin in einem Hexenhäuschen wohnte. Wir waren ihm von Lindemann avisiert worden, und er fuhr mit uns zum vorgesehenen Drehort. Eine wunderschöne Wiese, leichter Abhang, ein typisches kleines Vogelsbergtal, unten murmelte ein Bächlein, an dessen… weiter lesen

28.09.2006 von Schröder & Kalender
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Außerordentlich und obszön – Bildertausch (1)

von Schröder & Kalender

Wir sind in Köln und wissen daher nicht, wie der Bär flattert.

Zur Kölner Ausstellung ›Außerordentlich und obszön. Rolf Dieter Brinkmann und die POP-Literatur‹ haben wir zahlreiche Bilder, Fotos und andere Materialien eingeliefert. Dem MÄRZ Verlag ist in der Ausstellung ein eigener Raum gewidmet. Für die Zeit, in der die Leihgaben in Berlin an den Wänden fehlen, hat uns der Fotograf Martin Eberle einige Arbeiten ausgeliehen. Diese werden wir in den nächsten Wochen in einer ›blog exhibition‹ vorstellen, kontrastiert von unseren Kölner Exponaten.

POP-Vignette.jpg
Das Plakat zur Ausstellung sowie die begleitenden Drucksachen entwarfen Barbara Kalender und Jörg Schröder. Ausstellung: Kunsthaus Rhenania, Bayenstrasse 18, 50678 Köln, vom 29.09 – 19.11.2006, Freitags: 18 – 22 Uhr, Samstags und Sonntags: 12 – 18 Uhr.

P1000179.jpg
›Das Hemd von Rolf Dieter Brinkmann‹ (Acryl auf Leinwand) hat der Maler Henning John von Freyend 1970 gemalt. Er war… weiter lesen

27.09.2006 von Schröder & Kalender
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Der Nachbar sagt: Ich war’s nicht

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert immer noch in östlicher Richtung.

Soeben erreicht uns eine Mail von Ronald Steckel. Was sind wir froh, daß sich der Anfangsverdacht in Rauch aufgelöst hat. Wir bitten tausendmal um Entschuldigung! Und werden nie wieder einem Eintrag im Netz blindlings trauen.

So steht es noch immer bei Google:
»(Stand: 05.09.2006) Enthält Titel, AutorInnen, Dauer und Signatur …
Reise zum Tod, Die – Das kurze Leben des Schriftstellers Bernward Vesper (1938-1971), Vesper, … Die – Eine Radio-Komposition von Ronald Steckel, 53 Min. …
www.univie.ac.at/theater/php/audiothek/Katalog.htm«

Vielmehr werden wir in Zukunft nur noch nach eingehender Autopsie urteilen. Jedenfalls ist Ronald Steckel wirklich sehr nett, wir hätten vermutlich nicht so freundlich reagiert. Er schrieb:

»lieber Jörg Schröder,
nun sind wir schon seit geraumer zeit nachbarn, nachdem ich seit jahrzehnten leser Deiner bücher bin und der märz-verlag überhaupt
eine nicht unwesentliche rolle in meiner sozialisation gespielt hat. Pieper… weiter lesen

27.09.2006 von Schröder & Kalender
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Leider gut

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert in östlicher Richtung.

Victor der Zivilisationsästhet kann natürlich kochen. Was heißt natürlich? So natürlich ist es wieder nicht! Wir kennen eine Menge Leute, die gern über das Kochen reden und sogar manchmal darüber schreiben, es aber überhaupt nicht können, sondern nur ständig Kochsendungen im TV an sich vorüber rauschen lassen. Woran man die erkennt? Sie laden einen vorsichtshalber nie zum Essen ein, und zwar nicht aus Geiz, sondern wegen mangelnder Routine.

Victor gehört also nicht zu dieser Spezies. Zwar ißt er als Hagestolz täglich in einem gewissen Restaurant in der Meinekestraße. Aber wenn es ihn überkommt, dann setzt er sich auf seine zwanzig Jahre alte HD und blubbert mit 1495 Kubik zu Märkten, auf denen es Gutes gibt. Vorgestern hatte er Lust mit uns eine Lammkeule zu verzehren. Um 19:30 Uhr war Einlaß in der Bleibtreustraße, um 20:00 Uhr stand das Ding auf dem Tisch. Fünf Stunden… weiter lesen

26.09.2006 von Schröder & Kalender
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Verdächtiger Nachbar

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert in nördlicher Richtung.

Eigentlich wollten wir uns nur bei Werner Pieper bedanken, denn er hatte uns ›Die Mauer. Die größte Wandzeitung der Welt‹ als CD geschickt, weil der Autor Ronald Steckel auch in der Wexstraße wohnt, zwei Eingänge neben uns, er in Nummer 31, wir in 29. Obwohl ich Ende der 60er oft in Berlin war und in den gleichen Kreisen verkehrte, hatte ich Steckel persönlich nie kennen gelernt, sondern nur bei gelegentlichen Gesprächen mit Bernward Vesper von ihm gehört. Später war mir dann als Herausgeber der ›Reise‹ sein Name wieder aufgefallen, Bernward Vesper erwähnte ihn kurz in seinem Manuskript.

Barbara und ich hatten dann schon vor längerer Zeit die ›Mauer‹ gehört, 1983 hatte Steckel jedes Wort und jeden Satz notiert, den irgend jemand auf die Mauer geschrieben hatte. Wolfgang Neuss las, flüsterte, schrie diese Sentenzen in seiner unnachahmlichen Art. 1984 sendete RBB – Sender freies… weiter lesen

24.09.2006 von Schröder & Kalender
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Im Storch

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert in nördlicher Richtung.

Im Restaurant Storch in Schöneberg: Josefine Geier hatte zum Geburtstagsessen eingeladen. Der Patron Volker Hauptvogel, ein freundlicher Bonvivant, setzte sich zu uns an den Tisch. Er erzählte, daß er Schriftsetzer gelernt habe und als junger Mann begeistert von meiner ›Acid‹-Typographie und März-Gestaltung gewesen sei. Dann redet er von seinem Leben in der linken Bewegung. Er war auch Sänger der Kreuzberger Punkband DAS MEKANIK DESTRÜKTIV KOMANDÖH, einen seiner Hits sang er mir leise ins Ohr.

Mit in der Runde: Christa, eine Softwareprogrammiererin und -Managerin der ersten Stunde; Andreas, Pathologe im Institut der DRK Kliniken Westend, wo Gottfried Benn als junger Arzt begann; sowie der Kurator und Kunstjournalist Matthias Reichelt, Josefines Lebensgefährte, sie selbst arbeitet bei verdi, und natürlich Barbara.

Zum Schluß stellte Volker uns einen seiner berühmten hauchdünnen Elsässer Flammenkuchen mit Apfelscheiben auf den Tisch.

(BK / JS)

23.09.2006 von Schröder & Kalender
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Making of Pornography (13)

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert immer noch auf halbmast in nördlicher Richtung.

Ab 10 Uhr wieder auf Topp.

***
Und so geht’s weiter mit der schwierigen Suche nach Darstellern für den Pornofilm ›Colt & Köcher‹: Das Kopierwerk Atlantik-Film akzeptierte das Brocksche Gutachten, ›Die Schüler‹ waren bereits in Arbeit, ein Prospekt wurde gedruckt. Die Kameraleute Boldt und Hehn begannen über weitergehende Beteiligungen an den Verkaufserlösen nachzudenken, wollten in meinem Pornokonzern die erste Filmgeige spielen, aber keiner wollte sich natürlich namentlich nennen lassen. Es gab dann Versuche der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften, die Produktion zu stoppen, es gab Strafanträge, dem allem entzogen wir uns mit List, ›Die Schüler‹ liefen blendend. ›Sexokratie‹, so bemüht das auch daherkam, wurde genauso gut verkauft. Es kam nur darauf an, daß alle Varianten darin vorkamen. Ich bemühte mich ständig, den Standard zu erhöhen, mein nächster Plan sah vor, einen Film außen zu drehen, ich wollte den Vogel abschießen mit diesem Film, der dann auch im Vogelsberg gedreht wurde. Uve Schmidt und ich entwickelten ein Szenario, das ›Colt und Köcher‹ hieß, die Message bestand darin, daß ein Trapperpärchen ein Indianerpärchen ausbeutet: ›Colt und Köcher oder Die Ausbeutung‹. Mit den einfachen dramaturgischen Mitteln des Stummfilms sollten höchste Handlungsdichte und erotische Faszination erreicht werden, der Trapper greift nach seinem Colt, der Indianer hebt den Schild vom Boden auf, die Indianerin schnürt das Mieder der Trapperin, wie es von Lessing im ›Laokoon‹ gewünscht ist.

coltundköcher2.jpg

Dazu mußten wir uns auf vier Spieler beschränken. Bazon Brock konnte noch aus dem vollen schöpfen mit drei Pärchen und einer Lehrerin. … weiter lesen

22.09.2006 von Schröder & Kalender
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Staatstrauer bis zur Bürgermeisterwahl

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert auf halbmast in nördlicher Richtung.

Heute Mittag fragten wir die Bedienung vom Getränkepavillon im Volkspark Schöneberg, warum der Bär auf dem Rathausturm auf halbmast flattert. »Wat, uff halbmast flattert der? Wees ick jarnich.« Ein junger Äthiopier, der Laub recht, hört interessiert zu, sagt aber nichts. Wir gehen die paar Schritte bis zum Rathaus. Vor dem Portal stehen Sicherheitsleute, einer weiß Bescheid: »Staatsakt im Deutschen Bundestag für seinen ehemaligen Präsidenten Rainer Barzel.« Als wir wieder am Pavillon vorbeikommen, fragt die Bedienung: »Na, wissenset nu?« Bevor wir antworten können, schaltet sich der Äthiopier ein: »Bestimmt weil Berlin noch keinen Bürgermeister hat – wie bei der Papstwahl.«

(BK / JS)

20.09.2006 von Schröder & Kalender
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Making of Pornography (12)

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert in östlicher Richtung.

Und so geht’s weiter mit den klandestinen Dreharbeiten zum Pornofilm ›Sexokratie‹: Ob Svensson uns nachsetzte? Er löste sich auf geheimnisvolle Weise in Luft auf, dachte ich damals. Erst ein paar Jahre später wurde mir klarer, was es mit der Food-Schiene auf sich hatte, als Werner Klemming beschloß, sich nach Norditalien zu verkriechen, und mir vorher seine Malik-Sammlung verkaufen wollte. Beiläufig erzählte er mir von seiner Lehrzeit in Bechers Nachkriegs-Weizenkontor. Aber erst nachdem Hans Dieter Heilmann den Bericht des ollen Biss über die Budapester Verhandlungen neu herausgab, über Kastner, Eichmann, Becher, 1985, und da auch erst zwei Jahre später, dämmerte es mir endlich, mit welchem Netzwerk diese Hilfsorganisation auf Gegenseitigkeit die zweite Republik überzogen hatte. Da paßt mal ›Netzwerk‹, die neudeutsche Metapher für jedwede Gruppengemeinheit und lobbyistische Abstauberei. Ja, warte doch ab! Es verknüpft sich schon noch.

Erst mal waren wir wieder in Frankfurt, Beitlichs Nase wurde bald rosiger, aber er machte mich noch wochenlang verrückt mit seiner Schwedenparanoia. Ich dachte mir, die können mich mal, beauftragte Rechtsanwalt Riemann, einen Brief zu schreiben, daß ich als linker Verleger wegen der ungewöhnlichen Geschäfte, die Svensson und seine Geschäftspartner angedeutet hätten, von der Gründung der projektierten Aktiengesellschaft absehen müsse. Nach diesem Brief habe ich von den Typen direkt nichts mehr gehört. Was die Filmkopien anging, war ich so klug als wie zuvor. Da, gänzlich überraschend, meldete sich das Atlantik-Filmkopierwerk aus Hamburg, sie seien nun möglicherweise doch bereit, erotische Filme zu kopieren, jedoch nur unter der Voraussetzung, daß ihnen ein Gutachten vorgelegt würde, welches sie juristisch freistellt, ein Gutachten von ausgewiesenen Wissenschaftlern, daß es sich bei unseren Filmen nicht um strafwürdige Pornographie handelt. Ein ungewöhnliches Zusammentreffen, diese plötzliche Bereitschaft von Atlantik-Film nach unserem Schwedenabenteuer, kann aber auch Zufall gewesen sein.

Nun ging die wunderbare Geschichte mit Konsul Breckwoldt los. Der erste Film war gedreht, das Gutachten für seinen ›Schüler‹-Film hatte sich Bazon Brock selbst geschrieben. Ich konnte also darangehen, das nächste Œuvre vorzubereiten. Es sollte eine Eigenproduktion von Uve Schmidt und mir werden, Rainer Boldt hatte seinen Freund Roland Hehn als Kameramann empfohlen. Der Film trug den Titel ›Sexokratie‹, ein Lehrfilm, in dem die Grundrechte des Grundgesetzes mittels erotischer Metaphern erklärt wurden: »Die Würde des Menschen ist unantastbar« oder »Die Kunst ist frei«. Jeder dieser Leitsätze – ja, stimmt schon, dumpf – wurde in einer Szene ausgespielt, ein erotischer Vulgär-Stanislawski, dafür mußten vier Leute gefunden werden.

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Rosi hatte bereits zugesagt, eine vollbusige Frau mit dunkelbraunen Haaren, der wir aber stets eine lockige blonde Mittellanghaarperücke nach Landfrauenart verpaßten. … weiter lesen

18.09.2006 von Schröder & Kalender
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Der Polizist und Deutschland

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert in nördlicher Richtung.

Eigentlich nur konsequent, daß in der Gebärdensprache der Gehörlosen für Deutschland und für den Polizisten die gleiche Gebärde benutzt wird.

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(BK / JS)