Trennung von Kirche und Staat!

Der Bär flattert in nördlicher Richtung.

Da Daniel Erk vom Hitler-Blog offensichtlich gegenwärtig nicht online ist, hier eine Meldung zu einer Aktion, die uns aus München erreichte:

Wir haben nicht nur den Papst gesehen

Heute Morgen um 11 Uhr versuchten die beiden Aktionskünstler Georg Ledig und Wolfram Kastner vom Alten Rathaus der bayerischen Landeshauptstadt aus durch die Innenstadt zu gehen. Beide sahen zwei Persönlichkeiten der Weltgeschichte ähnlich. Ledig war in einen dunklen Anzug gewandet, besaß eine schwarze nicht zu bändigende Tolle, die ihm in die Stirn fiel und hatte unter der Nase eine schwarze Rotzbremse, ein kleines Bärtchen, angebracht. Die Ähnlichkeit war nicht zwingend, aber naheliegend. Ledig blickte ernst, wie man es von einem Weltpolitiker verlangt, in die Runde und verbreitete damit eine Anmutung, die durchaus Distanz gebot; niemand fühlte sich so recht motiviert, mit diesem Herrn zu sprechen.

foto1.jpg
Ganz anders Kastner. In seinem weißen, langen Ornat und mit dem kleinen weißen Käppchen auf dem ehrwürdigen Haupt schien er längst vergangenen Zeiten entstiegen. Ganz offenbar stand hier ein katholischer Kirchenfürst, der mit seinen gütigen Augen die Passanten freundlich anblickte und mit immer wieder ausholend einladender Geste signalisierte, ich bin bei euch, wer glaubt, ist nie allein.

Einige der zahlreich anwesenden Touristen, die den Ort wegen des vom Rathausturm klingenden Glockenspiels frequentiert hatten, waren erfreut, den Papst schon jetzt zu sehen. Vor allem aber japanische Gäste nahmen mit Vergnügen die Gelegenheit wahr, den Papst zu fotografieren. Er wird die Diavorträge in ihrer Heimat bereichern.

Ledig und Kastner wollten mit ihrer Aktion auf ein oft und immer wieder angesprochenes Anliegen aufmerksam machen. Was sich die Deutschen immer noch bieten lassen, käme für selbstbewusste Franzosen oder Italiener niemals in Frage: Die Verschwisterung von Kirche und Staat. Ledig und Kastner fordern Trennung von Kirche und Staat. Und dazu hatten sie ein Flugblatt verfasst.

In diesem wiesen sie im besonderen darauf hin, dass es 1933 zwischen den Nazistaat und der katholischen Kirche zu einem bis heute gültigen Reichskonkordat kam, in dem der Staat der Kirche zahlreiche Rechte einräumte. Dass die Kirche nicht zuletzt deshalb dem Nazistaat wohlwollend zur Seite stand, ist verständlich.

Noch bevor sich der Spaziergang der beiden Herren in Bewegung setzen konnte, wurde ein dritter Beteiligter, der dieses Flugblatt verteilen wollte, von Staatsorganen rüde zu Boden geworfen, seine Flugblätter wurden beschlagnahmt, er verhaftet und in Handschellen abgeführt. Die Verteilung des Flugblattes wurde amtlich untersagt.

Nach längerem Hin und Her und Diskussionen mit Behördenvertretern konnten sich Herr Ledig und Herr Kastner endlich in Bewegung setzen. Ihr Weg führte die Dienerstraße hinunter. An der Ecke Diener- und Schrammerstraße versuchte wiederum ein inzwischen vierter Beteiligter die noch unentdeckten Reste des Flugblattes an einige wenige Passanten zu verteilen. Auch hier erfolgte stante pede eine Beschlagnahme und Verhaftung.

Foto2.jpg
Ein zufällig vorbei kommender älterer Passant rief laut: „Wegen solcher Dinge bin ich aus der DDR abgehauen, wegen Bevormundung, Polizeiwillkür, Zensur und Spitzelei. Aber hier ist es ganz genauso. Um keinen Deut besser!“ Der Passant ging schimpfend seines Wegs. In der Gruppe um Ledig und Kastner schienen sich mehr Staatsdiener zu befinden als „Bevölkerung“. Einer von ihnen gab ununterbrochen den momentanen Standort der Gruppe an die „Zentrale“ weiter. Nichts geschah, ohne dass es sofort registriert wurde.

Der Zug marschierte nun gemessenen Schritts in das Polizeipräsidium in der Ettstraße. Herr Ledig sah ernst in die Runde, Herr Kastner grüßte freundlich. Auf dem Weg ins Präsidium zeigten sie sich gegenseitig Sehenswürdigkeiten der Residenzstadt, so mit Blick in die Pacellistraße das Erzbischöfliche Ordinariat oder die sich am Promenadeplatz befindliche Deutsche Bank. Die die beiden Herren begleitenden Polizeikräfte passten ihr Schritttempo an.

Leider wurde der Zutritt zum Polizeipräsidium nur zwei den Zug begleitenden Journalisten erlaubt. Herr Ledig und Herr Kastner hätten es begrüßt, dass, wenn sie den polizeieigenen Paternoster nach oben fahren, wie sie zu wünschen bekundeten, ein Fotograf diesen historischen Moment für die Nachwelt festhält.

Foto3.jpg
Noch wissen wir nicht, was die zur Zeit laufenden Gespräche auf höchster Ebene ergeben. Zu welchen Ergebnissen werden Herr Ledig, Herr Kastner und die leitenden Beamten im Polizeipräsidium kommen?

6. Dezember 2006, 15.28 Uhr
Günther Gerstenberg

Foto4.jpg
Das Flugblatt ›Trennung von Kirche und Staat!‹ kann man bei Wolfram P. Kastner, Institut für Kunst und Forschung, Schellingstr. 117, 80797 München anfordern.

(GG / BK / JS)

Kommentare (16)

Die E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.

*

  1. Deshalb ist auch die Küche in Frankreich, wo Kirche und Staat getrennt sind, so miserabel …
    Ach Rolf, ich verstehe Deine christliche Trauer. Aber einmal müssen wir alle loslassen. Sogar die letzten 1500 Jahre. Und dann stellen wir fest, wie leicht doch alles wird. Endlich!

  2. Wer die Christen und ihre Religion gleich welcher Couleur als Anhänger eines alten Aberglaubens abtut, der hat es wahrlich nicht schwer , Trennung von Kirche und Staat zu fordern wie in dieser Showaktion, in der alles, kräftig gewürzt, in einen Topf geworfen wird.
    Wer sie aber sieht als Bestandteil und Triebkraft unserer Gesellschaft, die sich 1500 Jahre miteingebracht hat, der wird verstehen, dass die vollständige Trennung von Kirche und Staat dem Versuch gleicht, das Salz aus einer Suppe zu entfernen.

  3. Tja, Dirk, da hast Du vielleicht zu tief ins Glas gekuckt, bevor Du Deinen Beitrag geschrieben hast, oder?

    Hier mal eine kleine Richtigstellung:

    – Fundamentalistische Islamisten gibt es bei uns im weiß-blauen Freistaat nicht. Sonst würden wir selbstverständlich gegen sie antreten. Übrigens: Gegen jemanden zu demonstrieren, der am anderen Ende der Welt rumgurkt, ist nicht besonders sinnvoll und nicht gerade mutig.

    – Den von Dir angesprochenen „tobenden islamistischen Mob“ hat es nur in der BLIND-Zeitung und in der Glotze gegeben. Die paar hundert Schwachköpfe, die im Iran gegen die harmlosen Mohammed-Karikaturen demonstrierten, sind von ihrem Wissen und ihrem Verständnis her wahrscheinlich die selben Dumpfbacken wie Du.

    – Militante und vor allem politisierende Christen gibt es in Bayern genug. Da weißt Du nun wirklich nicht Bescheid. Aber dass wir von ihnen gemeuchelt werden wollen, dass unsere Redaktion in Schutt und Asche gelegt werden soll, wie Du vermutest … nö!! Dazu ist das Leben viel zu schön.

    – Gerade weil die Christen nicht „intellektuell in der Steinzeit verharren und nicht Keulen schwingend in der Welt herummissionieren“, sind sie äußerst erfolgreich. Ihr Anspruch, über die Grenzen ihrer Institution hinaus Einfluß auf die Politik zu nehmen, kannst Du besonders drastisch in den USA erleben.

    Mein Eindruck von Dir: Du haust um Dich, ohne von irgendetwas eine Ahnung zu haben. Schade! — Und lies doch mal ein Buch!

  4. was für ein Beitrag….
    Bei den Massenmeueleien wegen den „Ach-SOOO-Bösen“ Mohammed-Karrikaturen den Schwanz eingeklemmt und nun die Keule ausgepackt.
    Mir ist klar, das die TAZ besagte kindliche Karrikaturen abgedruckt hat,
    Pressefreiheit im Angesicht der eskalierenden Gewalt mal ganz prinzipiell zu thematisieren, da war dann nichts mehr außer peinlicher Mutlosigkeit imAngesicht des tobenden islamistischen Mobs.

    Deshalb nun aber selbst auf den Zorn Gottes in Form von militanten Christen zu hoffen, die idealerweise vor laufenden Kameras Eure Redaktion in Schutt und Asche legen…ich glaube, da könnt Ihr lange warten.

    Als von Christen gemeuchelte Redaktion in die Geschichtsbücher einzugehen, dieser Traum wird wohl nie in Erfüllung gehen.
    Den Christen kann man sicher viel vorwerfen, aber den Vorwurf, intellektuell in der Steinzeit zu verharren und wild Keulen schwingend in der Welt herumzumissionieren, diesen Vorwurf müssen sich mit Sicherheit andere Religionen zueigen machen.
    Da hätten wir z.B. diese Religion des Friedens….

  5. Pingback: Kill More People

  6. Pingback: Who said that I wasnt right? » Blog Archive » Trennung von Staat und Kirche

  7. Pingback: Molkerei auf der Bounty

  8. „Blödsinn“ hat folgendes geschrieben:
    „Habt ihr eigentlich mal darüber nachgedacht, wieviel die Kirche in Deutschland für Hilfebedürftige tut?“

    Nicht die Kirche tut viel für Hilfebedürftige, sondern engagierte Menschen tun es über die Kirche. Die Kirche kassiert dabei ihre „Provision“. Und die ist nicht eben bescheiden. Die Mehrheit zahlt ihre Kirchensteuer im guten (aber leider falschen) Glauben, „es wird schon für einen guten Zweck sein“.
    Wenn ich hilfebedürftigen Menschen helfen will, dann suche ich mir dafür eine Hilfsorganisation aus, die ihre ganze verfügbare Energie auf dieses Ziel richtet – und die nicht, wie die Kirche, den größten Teil ihrer Energie darauf ver(sch)wendet, einen alten Aberglauben zu pflegen.

  9. Verehrter Kommentator, der Du meinst, die eitlen Künstler würden Blödsinn verzapfen.
    1. Hitler war Katholik, bis zum Schluss.
    2. Hitler hat dann zusätzlich seinen Glauben transzendiert. Er sah sich selbst als Jesus, der sein Volk in das verheißene „tausendjährige Reich“ führt. Dass er hier auch taktisch vorging, ist doch klar.
    3. Die Kirche tut uneigennützig nichts für die Hilfsbedürftigen: „Solang das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt.“
    4. Auf Grund auch des Konkordats hat die katholische Kirche in allen gesellschaftlichen Sphären in Bayern einen ungeheuren Einfluss. Sie entscheidet immer mit, wer politische Karriere macht, wer Professor an der Universität, wer Abteilungsleiter im Fernsehen wird etc. etc. Es geht hier einfach nur um Macht.
    5. Katholiken haben es einfacher als Agnostiker oder Atheisten. Letztere müssen immer vor sich selbst bestehen können, ihre ethische Instanz liegt ausschließlich in ihnen, Katholiken aber können beichten, dann müssen sie Buße tun und dann wird ihnen vergeben. Verbrecherkarrieren fangen immer christlich an.
    6. Sogar die in der Mehrzahl katholischen Italiener sind stolz darauf, Kirche und Staat getrennt zu haben. Die Deutschen sind so ziemlich die letzten in Europa, die diesen unseligen Anachronismus immer noch tolerieren.
    7. Glaubst Du noch oder denkst du schon?

  10. herr oder frau blödsinn: es geht bei der aktion darum, die im grundgesetz festgeschriebene trennung von kirche und staat zu vollziehen. wenn sie kein problem damit haben, dass der staat sich von den christlichen kirchen vereinnahmen lässt, ist das ihr ding. in diesem land leben aber genug menschen, die das nicht wollen. und das grundgesetz gibt ihnen recht.

    @admins: wenn dieser beitrag nicht innerhalb von 30 sekunden freigeschaltet wird, schreie ich laut „zensur!“.

  11. Hallo Blödmann, zwischen Ihrem Kommentar und dem Gemecker wegen der nicht sofort vollzogenen Freischaltung lagen eine Minute und vier Sekunden. Ist Ihnen eigentlich klar, daß selbst Blogger manchmal was anderes zu tun haben, als Kommentare subito zu lesen und blitzartig freizuschalten? Und kleine Frage am Rande: Was würde Jesus zu solcher Ungeduld sagen?
    Fragen die sanftmütigen Schröder & Kalender

  12. und zur zensur..:
    ihr beitrag wartet auf freischaltung..ihr seid doch echt mal traurig lächerlich..

  13. habt ihr eigentlich mal darüber nachgedacht, wieviel die Kirche in Deutschland für hilfebedürftige tut? ich finde ihr seid leute, die sich aufregen der aufregung wegen und der aufmerksamkeit erhuschen..in wie weit, wäre denn eine trennung nötig? ihr und der flugzettel geben darüber keinerlei auskunft..
    hat Hitler nicht selbst gesagt, dass er kein Christ ist? er wollte doch die gesellschaft zu den germanischen götter hin wenden..und die Bibel entjüdisieren..kann es euch in den sinn kommen, dass er das aus taktischen gründen tat, da in der bevölkerung der glaube viel zu gefestigt war? ich sage nicht, dass der Vatikan in meinen augen nicht reformbedürftig ist..aber weiter kann man auch nicht sagen, dass ein prozess stattfindet es zu tun, den ihr mit eurer aktion nun wirklich nicht vorantreibt..und zur zensur: Gott sei Dank gibt es in einer Demokratie Grenzen..und dass ihr grenzwertig vorgegangen seid, war doch totale absicht..in meinen augen könnt ihr es doch bitte der Polizei leichter machen in dem ihr gleich mit Neonazis marschiert, damit die steuergelder nicht verschwendet werden! denn sie sehen sich ja auch so schrecklich zensiert..ihr tickt doch echt nicht mehr richtig! und ja..ich finde unsere christlichen Werte richtig..und finde, dass ich kein problem damit habe, wenn sie vom Staat vertreten werde oder darin einfließen..was habt ihr an Jesus Aussagen auszusetzen???

  14. Pingback: Hitler-Blog » Blog Archive » Kleinstadt der Bewegung (II)

  15. Nein, einen laizistischen Staat – den haben wir nicht… Beschämend, wie die Staatsorgane unsere Freiheitsrechte und die Meinungsfreiheit mit Füßen treten! Ich selber werde von der Bremer Staatsanwaltschaft schon seit Juli 2005 wegen „Verunglimpfung des Islam“ mit einem Ermittlungsverfahren verfolgt. Mir wird „hohe Geldstrafe“ angedroht. Ich hatte in meinem Religionsforum (www.religionsforum-wogeheichhin.de) (als Administrator) einen antiislamischen Beitrag begrüßt, mit der Absicht, die Diskussion über den Koran zu forcieren. Ich bin im Juli von der Staatsanwaltschaft mit einem Durchsuchungsbefehl überfallen worden, meine Wohnung wurde durchgefilzt – alles wege einer verbalen antiislamischen aktion in einem Forum im Internet…
    Wir Agnostiker und Atheisten müssen für die Abschaffung des § 166 StGB eintreten und deutlich aufzeigen, wie sehr unser Staat die Freiheitsrechte unterdrückt, wenn es denn um die hei-hei-heilige Religion geht! Und Atheisten geht es um die WAHRHEIT und AUFRECHTIGKEIT!

    Gisbert Zalich

  16. Mehr solcher Aktionen bitte! Eine entsprechende Verfassungsänderung ist längst überfällig.
    Ein gläubiger Christ (der sich nicht in der Kirche einsperren läßt)