Posts Tagged ‘Günter Amendt’

13.03.2011 von Schröder & Kalender
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Der Kämpfer an der Sexfront ist tot

von Schröder & Kalender

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Es ist dunkel, wir sehen nicht, wie der Bär flattert.
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Zum Tod von Günter Amendt


Günter Amendt auf der Buchmesse 1978 (Foto: März)
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Gestern Nachmittag hatten wir noch einen belustigten Beitrag zu Günter Amendts ›Sexfront‹ im Blog  gebracht, jetzt kam die Nachricht ins Haus, dass er bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam.

Er war ein Freund, aber mit seiner ›Sexfront‹ auch der wichtigste Sachbuchautor des März Verlags. Und er hat damit Hunderttausende Menschen lockerer und angstfreier gemacht – nicht nur wir werden ihn also betrauern.

Wir haben eine Reihe Blogs geschrieben, die man hier nachlesen kann.

Die betrübten Gedanken behalten wir für uns, denn: »Lieblich sieht er zwar aus mit seiner erloschenen Fackel! Aber, ihr Herren, der Tod ist so ästhetisch doch nicht.« (Friedrich Schiller)

(FS / BK / JS)

25.08.2010 von Schröder & Kalender
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Sucht PROFIT Sucht

von Schröder & Kalender

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Der Bär flattert munter in östlicher Richtung.
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Günter Amendt und Ulrich Stiehler: ›Sucht PROFIT Sucht. Politische Ökonomie des Drogenhandels‹. Brosch., 188 Seiten. Einbandgestaltung: Jörg Schröder. März Verlag, Frankfurt a. M. 1972 (nur noch antiquarisch erhältlich).
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Die Thesen der Autoren (1972):
1. Es gibt keine Drogenwelle. Das Getöse der Massenmedien ist das Getöse der herrschenden Klasse über die Süchtigkeit der eigenen Kinder.
2. In allen historischen Phasen des Kapitalismus war massenhafter Drogenkonsum Bestandteil der gesellschaftlichen Wirklichkeit.
3. Es gibt keinen Unterschied zwischen Obergrund- und Untergrundkapitalismus. Illegaler wie legaler Drogenhandel unterliegen den Gesetzen und Widersprüchen des Imperialismus.
4. An der Spitze des Drogenkapitals stehen die Monopole der Pharmaindustrie. Ihre Produktoffensiven liegen dem heutigen Drogenkonsum zugrunde.
5. Der Umstieg von einer Droge auf die andere – etwa von Hasch auf Heroin – ist ökonomisch bedingt und liegt nicht in der Beschaffenheit der Droge.
6. Staatliche Anti-Drogen-Propaganda ist Propaganda für die synthetischen Produkte der PhPharmaindustriearmaindustrie.
7. Die zerfallende Subkultur ist Agent des Drogenkapitals. Die Klassenlage der Subkultur ist die eines enteigneten Kleinbürgertums.
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09.05.2009 von Schröder & Kalender
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Sexfront

von Schröder & Kalender

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Der Bär flattert in nördlicher Richtung.
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Sexfront war ein Bestseller, insgesamt wurden von den Original- und Lizenzausgaben im Taschenbuch vierhunderttausend Exemplare verkauft. Über diesen kommerziellen Erfolg hinaus ist Sexfront einer der wichtigsten MÄRZ-Titel, weil dieses emanzipative Buch – anders als traditionelle Sexualaufklärungstraktate – mit Vorurteilen und Verboten aufräumte. Salopp gesagt: Sexfront machte die Achtundsechsziger-Generation etwas glücklicher als es die Generationen davor waren.

Zur Entstehungsgeschichte des Buches haben wir bereits vor zwei Jahren Blogs veröffentlicht:

http://blogs.taz.de/schroederkalender/2007/08/07/sexfront-1/

http://blogs.taz.de/schroederkalender/2007/08/08/sexfront-2/

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08.08.2007 von Schröder & Kalender
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Sexfront (2)

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert in östlicher Richtung.

Wir waren Ende der Sechziger angetreten, die restriktive Gesellschaft zu verändern, aber bereits 1970, als die ›Sexfront‹ erschien, machten sich die rechten Truppen auf den langen Marsch in Richtung Reaktion. Weil gegen die massenhaften Demonstrationen wenig auszurichten war, hatten sich die reaktionären Strategen etwas anderes ausgedacht: Die Bewegung personalisieren! Man inszenierte Rädelsführerprozesse, deshalb saßen 1969 Günter Amendt, Hans-Jürgen Krahl und Karl Dietrich Wolff auf der Anklagebank. Es ging um die Blockade der Societätsdruckerei, hier wurde die ›Bild-Zeitung‹ gedruckt, die mit ihrer Hetze für das Attentat auf Rudi Dutschke verantwortlich war. Ein Demo-Spruch lautete: »›Bild‹ drillte, Bachmann killte!« Die Frankfurter Auslieferung von ›Bild‹ konnte einen Tag lang behindert werden, obwohl die Polizei mit Wasserwerfern und Reitern gegen die randalierenden Studenten vorrückte, die wiederum kämpften mit Steinen und Baulatten, die Transparente wogten: »Zwei, drei Vietnam, fangen wir bei Springer an!«, »Haut dem Springer auf die Finger!«,… weiter lesen

07.08.2007 von Schröder & Kalender
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Sexfront (1)

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert schwach in nördlicher Richtung.

Eines dieser Ereignisse, die dich als Verleger später beglücken, bahnte sich unspektakulär an: Günter Amendt, einer der drei Frankfurter SDS-Zampanos, rief mich Ende Januar 1970 an. Wir waren uns noch nicht begegnet, ich hatte nur mal seinen ›Kinderkreuzzug‹ quergelesen. »Hör mal, Schröder«, sagte er, »Alfred von Meysenbug und ich haben die Idee, ein Buch für Jugendliche über Sexualität zu machen. Darüber sollten wir uns mal unterhalten.« Daß Amendt diesen Vorschlag nicht über den Genossen Wolff an mich herantrug, wunderte mich nicht, die beiden konnten sich nicht riechen. Was weiß ich, welche SDS-internen Querelen dazu geführt hatten. »Treffen wir uns heute abend bei mir zu Hause«, schlug ich vor. Am Bibliothekstisch entwickelten Amendt und Meysenbug ihren Plan: Ein Sexualaufklärungsbuch neuer Art sollte es werden, lustfreundlich, das Gegenteil von dem verzopften Kram, der bisher erschienen war. Sie hatten noch keine Zeile geschrieben, keine Abbildung lag… weiter lesen

31.03.2007 von Schröder & Kalender
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Mach doch, was du willst

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert in westlicher Richtung.

Gestern war im Babylon am Rosa-Luxenburg-Platz Premiere der von der Kulturstiftung des Bundes geförderten Kurzfilme.

Mir (B) hat am besten der Film von Anna Wahle gefallen, in dem Haupt-, Gesamt- und Gymnasialschüler zwischen zwölf und achtzehn erzählen, was sie später werden oder tun wollen. Zwei Freunde wollen Archäologen werden, damit sie immer zusammenbleiben können. Und eine junge Tierfreundin hat sich entschlossen, es doch auch mit den Menschen zu versuchen, denn: »Mit Pferden kann man nicht ins Kino gehen.« So auch der Titel des Films.

Die Regisseurin zeigt in ruhigen Großaufnahmen die Personen, die jeweiligen Erzählungen der Schüler kommen aus dem Off. Eine verkorkste Schönheit steht stumm vor dem blöden Bungalow ihres Papis, der ihr eingeblasen hat, was sie später alles tun und lassen soll. Da kann man nur sagen: Öfter mal wieder Amendts ›Sexfront‹ lesen!
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sexfront1.jpg
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08.10.2006 von Schröder & Kalender
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Making of Pornography (16)

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert in nordöstlicher Richtung.

Und so geht’s weiter mit dem Comic-Roman Lucy’s Lustbuch: Erst mal wieder Alfred von Meysenbug, uns allen ja schon bekannt aus den vorangegangenen Erzählungen, der Mitarbeiter und Gefolgsmann von Günter Amendt, auch Zeichner von ›Sexfront‹, damals in Frankfurt ein scharfer Tunichtgut, politisch und sexual-politisch. 1968 war von ihm im Heinrich Heine Verlag ›Super-Mädchen. Das Ende der Verkäuferin Jolly Boom‹ erschienen. Als Modell für Jolly diente ihm Carla Aulaulu, eine von Rosa von Praunheims Musen, die ganze Clique traf sich oft in der Römerstadt bei einer Künstlermutter. Alfred bot mir für März einen neuen Comic an, er wollte viel Geld damit verdienen, beschrieb das Projekt so: »Das Mädchen Lucy wird zum ›Bravo‹-Girl des Jahres gewählt, das Ganze ist eine Polemik gegen die ›Bravo‹-Generation und den Konsumismus.« Fand ich gut. ›Lucy’s Lustbuch‹ sollte der Titel heißen. Meysenbug hing bei seinen Figuren dem Prinzip der Wirklichkeitsdopplung an. Das mußte so sein, weil er nicht frei zeichnen konnte, er brauchte genaue Vorlagen. Es war deshalb entsprechend kompliziert: Zunächst fertigte er ein Storyboard jeder Szene an, also eine Skizze, dafür mußten seine Freunde und Freundinnen posieren. Die Szene wurde danach fotografiert, und er begann dann erst, das Foto zum Comic umzuzeichnen. Die Hauptdarstellerin des neuen Comics hieß Lucy, gehörte zum Kreis der Frankfurter Boheme-Mädchen, die Pornographie als Befreiung propagierten, wozu auch Diddy Wah Diddy, also Fatima Igrahim, zählte. … weiter lesen