vonandreas bull 02.08.2021

taz Hausblog

Wie tickt die taz? Das Blog aus der und über die taz mit Innenansichten, Kontroversen und aktuellen Entwicklungen.

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Die Quartalszahlen über die verkauften Auflagen im hiesigen Zeitungsmarkt zeigen weiter eine fatale Kontinuität des Verfalls. In unrühmlich treibender Rolle sehen wir dabei die immer noch quantitativ bedeutendsten Wettbewerbsteilnehmenden. Anlass für den fokussierten Blick ist die Meldung aus der Geschäftsführung von Springers Weltgruppe, den Umfang der Werktagsausgabe der Tageszeitung Die Welt montags bis freitags um etwa ein Drittel zu reduzieren. Dafür soll dann bereits samstags eine Teilauflage der Wochenzeitung Welt am Sonntag (WamS) erscheinen, am Sonntag dann der aktualisierte Rest.

Abgesehen davon, dass Die Welt schon seit vielen Jahren, wenn nicht sogar eigentlich schon immer damit experimentiert, als vollkommen aus der Zeit gefallenes Organ der Vergangenheit ihr Erscheinen wirtschaftlich irgendwie zu rechtfertigen, ist dieser Schritt aus unserer Sicht eine folgerichtige Reaktion auf die Veränderungen der Nutzungsgewohnheiten der Zeitungslesenden. Der Rückgang der Nachfrage macht sich in der gesamten Branche besonders unter der Woche und bei den Einzelverkäufen am ­Kiosk, am Bahnhofsbuchhandel und aus den Verkaufsregalen der Supermärkte bemerkbar. In den letzten fünf Jahren hat sogar die taz montags bis freitags fast 5 Prozent ihrer Verkaufsauflage verloren. Und würden davon nicht knapp 20.000 inhaltlich identische Exemplare in der App und im ePaper gelesen, läge der Verlust bei 28 Prozent. Dramatische Werte allemal.

Mehr Zeit für die Lektüre

Unsere Beobachtung legt nahe, dass die vom Verlagsmanagement der Branche eingeleiteten Korrekturen vor allem den Samstag als Markt der näheren Zukunft einschätzen. Die Sonntagsausgaben der Zeitungen, die als verkaufsfördernden Aspekt die Ergebnisse der Fußballbundesliga kannten, leiden unter den Nutzungsvorteilen der online publizierten Medien und unter Transport- und Zustellproblemen in jenen vielen Gebieten der Republik, in denen sich keine lokalen Sonntagszeitungen etabliert haben. Vor allem die überregionalen Zeitungen entdecken mit ihren Samstagsausgaben nun auch diese Leserinnen und Leser. Und werden vermutlich ihre Verkaufsstrategie entsprechend anpassen.

Für die taz sind diese Veränderungen nicht neu. Schon immer haben unsere treuen Lesenden berichtet, dass sie am Wochenende mehr Zeit mit der Lektüre verbringen. Unter der Woche werden zunehmend die in App und ePaper digital vertriebenen Zeitungen genutzt, derzeit immerhin von 43 Prozent. Die taz am wochenende wollen dagegen gut 70 Prozent unserer Lesenden auf Papier gedruckt bekommen.

Am liebsten ist es uns übrigens, wenn sie beides kombinieren, also werktags die Digitaz und am Wochenende ihre taz zusätzlich auf bedrucktem Papier. Denn dadurch bleibt von den Erlösen am meisten für die Arbeit der Redaktion übrig. Und wenn unsere Annahmen stimmen und sich der Zeitungsmarkt weiter auf den Samstag konzentriert, kann dort auch die analoge Zustellung der Zeitungen in Zukunft als gesichert gelten.

Von Andreas Bull, Geschäftsführer der taz. An dieser Stelle erörtert er in loser Folge die wirtschaftlichen Gegebenheiten unseres Medienhauses.

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