vonhausblog 21.06.2022

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Von Ole Schulz

Sollte die taz radikale Forderungen jüngerer Klimaaktivist:innen unterstützen? Oder müssen wir raus aus unserer Blase, um gesellschaftliche Mehrheiten im Wettlauf gegen die Klimakrise zu finden? Über diese Frage gingen die Meinungen in der Vorjury des taz Panter Preises durchaus auseinander.

In dem fünfköpfigen taz-internen Gremium trafen dieses Jahr Expertise und Kreativität aufeinander: Mit Ressortleiter Kai Schöneberg und der Redakteurin Susanne Schwarz war das „Wirtschaft und Umwelt“-Ressort doppelt vertreten. Dazu kamen der junge Klimahub-Redakteur Enno Schöningh, Chefreporter Peter Unfried und mit der ehemaligen Chefredakteurin Elke Schmitter, heute beim „Spiegel“, ein Mitglied aus dem Kuratorium der Panter Stiftung.

Ihre Aufgabe war es, gemeinsam sechs Nominierte für den taz Panter Preis zu bestimmen. Dieses Jahr steht er unter dem Motto „Klima für Gerechtigkeit“, es geht also um solidarischen und sozial gerechten Klimaschutz.

Zukunft ohne fossilen Energieverbrauch

Allerdings lief die Bewerbungsphase etwas schleppend an. Wir haben das neben einer gewissen Corona-Müdigkeit auch darauf zurückgeführt, dass das diesjährige Thema schwer zu greifen ist und angesichts steigender Energiepreise zurzeit vor allem der Staat gefragt ist, um soziale Härten auszugleichen, und weniger gemeinschaftliche Projekte wie sie sich normalerweise hauptsächlich für den Panter Preis bewerben.

Zugleich gehen wir davon aus, dass es solch kleine Initiativen, die etwa konkret vorleben, wie eine Zukunft ohne fossilen Energieverbrauch aussehen kann, weiter extrem wichtig dafür sind, eine gesellschaftliche Mehrheit im Kampf für die Klimawende zu gewinnen. Und tatsächlich gingen am Ende der zweimonatigen Bewerbungsfrist wie im Vorjahr wieder rund einhundert Bewerbungen ein, darunter viele tolle und engagierte Personen und Initiativen. Und die Vorjury konnte sich schließlich sogar einigermaßen zügig auf die Kandidat:innen einigen.

Die sechs Nominierten

Das Projekt 500 AKA – 500 Menschen aktiv für Klima- und Artenschutz ist eine ehrenamtliche Naturschutzgruppe in der Stadt und im Landkreis Osnabrück. Seit April 2021 hat sie über 30 öffentliche Termine durchgeführt, bei denen mehr als 700 Personen Blühwiesen, Trockensteinmauern, Vogelschutzhecken, Feuchtbiotope angelegt oder Wald wiederaufgeforstet haben.

René Schuster von der Umweltgruppe Cottbus der Grünen Liga wiederum ist schon seit Jahren in der Lausitz auf vielen Ebenen im Kampf gegen die Braunkohleindustrie aktiv. Schuster hat sich nicht selbst beworben, sondern wurde vorgeschlagen. Seine Tätigkeit sei auch deshalb so bewundernswert, so heißt es in der Bewerbung, weil die gesellschaftliche Stimmung im Osten Deutschlands oft „feindselig gegenüber solchen Aktivist:innen“ ist.

Auch die Mahnwache Lützerath engagiert sich im Kampf gegen den Klimakiller Kohle. Sie entstand im Juli 2020 in der Nacht, als die Hauptverbindungsstraße zwischen den Dörfern vom Garzweiler-II-Betreiber RWE im nördlichen Rheinischen Braunkohlerevier abgerissen wurde. Die Mahnwache Lützerath informiert vor Ort über die Umweltzerstörung durch den Kohleabbau und hat sich schnell zu einem Anlaufpunkt für die Menschen aus der Region entwickelt.

Bio-Einkauf und Ökozid-Gesetz

Der SuperCoop in Berlin-Wedding um die junge Geschäftsführerin Johanna Kühner ist ein Bio-Supermarkt der besonderen Art: Als Genossenschaft gehört er seinen mittlerweile 900 Mitgliedern, die zudem mindestens drei Stunden im Monat im Markt mitarbeiten müssen. Ganz bewusst hat man statt eines bürgerlichen Viertels den proletarisch-migrantisch geprägten Wedding als Standort gewählt.

Die BioBoden Genossenschaft fördert die Bio-Landwirtschaft dadurch, dass sie zum Verkauf angebotenes Land erwirbt – und nach bestimmten ökologischen Kriterien bearbeitet oder verpachtet. Es ist ein Modell, „wo Wirtschaft und Ökologie zusammen gedacht“ werden, wie es in der Bewerbung heißt. Die BioBoden Genossenschaft hat derzeit schon 6.000 Mitglieder.

Peter Emorinken-Donatus bringt indes eine dekoloniale Perspektive mit ein: Der Nigerianer, der seit über 30 Jahren in Deutschland lebt, hat es sich zur „Lebensaufgabe“ gemacht, Shell für sein umweltschädliches Vorgehen in Nigeria zur Rechenschaft zu ziehen; zurzeit bereitet Peter Donatus eine Klage gegen den Öl-Multi vor. Zudem hat er das „Bündnis Ökozidgesetz“ mitinitiiert und ist sein Sprecher.

Ab Ende August werden die sechs Nominierten an drei Wochenenden hintereinander in der taz porträtiert werden. Anschließend folgen die Leser:innen- und die Jury-Wahl. Beide Preise sind mit je 5.000 Euro dotiert – und werden am 12. November feierlich in der taz Kantine verliehen.

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