Das Gesprächsthema Nummer eins in Brasilien war in der letzten Woche ein kurzer Werbespot der kultigen Flip-Flop-Marke Havaianas.
Fernanda Torres, die im höchst empfehlenswerten, gefeierten brasilianischen Oscar-Gewinner-Film „Für immer hier“ die Hauptrolle spielte, sagt hier unter anderem, sie wolle nicht mit dem rechten Fuß, sondern „mit beiden Füßen ins neue Jahr starten. Beide Füße in der Tür, beide Füße auf der Straße, beide Füße im Spiel.“ Nichts wirklich Weltbewegendes, spielt die Golden-Globe-Preisträgerin doch nur auf das brasilianische Sprichwort an, wonach ein Start mit dem rechten Fuß Glück bringen soll – und fordert die Zuschauer:innen auf, selber aktiv zu werden und sich weniger aufs Glück zu verlassen.
Doch das Filmchen war ein Stich ins Wespennest, denn die ultrarechte Gemeinde des mittlerweile zu einer 27-jährigen Gefängnisstrafe verurteilten Ex-Präsidenten Jair Bolsonaro fühlte sich angesprochen. Vor allem dessen dritter Sohn Eduardo (Nummer 03), bis vor kurzem Bundesabgeordneter und international aktiver Strippenzieher. Er soll während seines mehrmonatigen Aufenthalts in den USA Donald Trump zur Verhängung eines 50-Prozent-Strafzolls auf brasilianische Exportgüter bewegt haben.
Tage, nachdem er sein Mandat verlor, reagierte Nummer 03 auf Instagram echt empört auf den Torres-Spot („das war kein Zufall“) und rief die Brasilianer zu einem Havaianas-Boykott auf. Die Bolsominions reagierten wie gewünscht, die Aktien der Havaianas-Firma Alpargatas sackten vorübergehend um drei Prozent ab (angeblich werden pro Jahr 250 Millionen Havaianas in aller Welt verkauft). Im südbrasilianischen Brusque verschleuderte der Ladenbesitzer Wilson Santos das Paar Havaianas für einen Real (15 Cent). Santos steht zu seinem Verlust von umgerechnet fast 1400 Euro.
Was sagt uns die tagelange Aufregung in den „sozialen“ Medien Brasiliens, über die Le Monde oder auch die New York Times berichteten? Dass die Bolsonaro-Fans mit einem zumindest angeknacksten Selbstbewusstsein ins Wahljahr 2026 gehen, wo ihr immer noch nicht auserkorener Kandidat Amtsinhaber Lula da Silva besiegen soll. Ein Hoffnungszeichen für Lateinamerika, wo es derzeit wenig zu lachen gibt, immerhin. Auf, mit beiden Füßen ins kommende Jahr!