Erpressung, Kapitulation, München 2.0: Die ersten Reaktionen auf den vagen Friedensplan von US-Präsident Trump zeugten von Unverständnis, aber auch von Wut und Panik. Wieder einmal, so schien es, sei EUropa übergangen worden.
Doch so einfach ist es nicht. Der ukrainische Präsident Selenskyj wußte offenbar schon lange von den amerikanisch-russischen Gesprächen, die dem 28-Punkte-Plan zugrunde liegen. Sie gefielen ihm nicht, deshalb blockte er alles ab.
Auch Kanzler Merz war nach einem – unwidersprochenen – Bericht der “Berliner Zeitung” eingeweiht. Doch obwohl er sich gern in einer “Führungsrolle” sieht, hat er geschwiegen. Merz hat nicht einmal versucht, einen Gegenplan zu entwerfen.
Das einzige, was Merz und die EU vorweisen können, ist das (bisher uneingelöste) Versprechen, die Ukraine weiter kriegstüchtig zu machen. Dieses Versprechen folgt einem simplen Denkmuster.
“Erstens: Russland schwächen. Zweitens: die Ukraine unterstützen.” So beschrieb die EU-Außenbeauftragte Kallas den europäischen “Plan”, der in Wahrheit keiner ist.
Dies spricht nun auch Trump-Vize J.D. Vance aus: “There is a fantasy that if we just give more money, more weapons, or more sanctions, victory is at hand.“
Vance spricht von einer “Fantasy”, einer Wahnvorstellung. Ich sprach in diesem Blog von “Realitätsverlust”.
Dieser Realitätsverlust zeigt sich nicht nur an der Reaktion auf den Trump-Plan, sondern auch in der Leugnung der Fakten “on the ground”: Russland ist militärisch in der Offensive, die Ukraine kann eigentlich nur noch verlieren.
Nimmt man noch hinzu, daß die EU jeden Schritt von Selenskyj abhängig macht, der selbst durch Korruptionsaffären massiv geschwächt ist, so hat man die Gründe beisammen, warum EUropa zum Spielball der USA und Russlands geworden sind.
Die Europäer laufen den Ereignissen in Washington und Kiew nur hinterher, über einen eigenen Plan verfügen sie fast vier Jahre nach Beginn des Krieges immer noch nicht…