vonMarkus Szaszka 14.03.2020

Der Nirgendsmann

Markus Szaszka - polnisch-österreichischer Romanautor und Essayist - schreibt über die Herausforderungen unserer Zeit. Stets auf der Suche nach dem guten Menschen. #nichtsmussbleibenwieesist

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Freitag 13.03.20, Manhattan Midtown: Ich darf mich entspannen, nicht nur, weil ich im 21. Stock des AC Hotels in der 40sten West sitze, ein halbes Benzo geschluckt habe und ein leckeres IPA vor mir steht.

Sondern weil ich fähig bin, alleine an jeden Ort dieser Welt zu gelangen und zu tun, was ich will. Knapp 7.000 Kilometer entfernt von der Wiener Steinergasse, wo ich aufgewachsen bin.

Diese Erkenntnis war längst überfällig, nach meiner Scheidung von einer Frau, die ich noch immer liebe. Passt schon. Alles gut.

🖤

Ich denke über meinen 34sten Geburtstag nach, der in drei Tagen sein wird. Es soll das beste Jahr im Leben eines Mannes sein – habe ich zumindest mal in einem Klatschmagazin gelesen. Wir werden sehen. Ich glaub, das wird hinkommen.

Ich überblicke die niedrigen Dächer der Stadt, eingebettet inmitten der Hochhäuser. Sonnenschein und 20 Grad. Meine Stimme ist schwach, der Barkeeper hört mich kaum. Ich war verkühlt. Es spielt How deep is your love von Calvin Harris & Disciples. Auf den Straßen legen die Passanten ihr game face auf – wie sie es hier nennen -, damit sie von niemandem angesprochen werden. Aus den Gullys steigt Rauch und ich frage mich, wieso… ist mir im Grunde aber egal.

🖤

Die Menschen um mich herum haben Spaß hier oben. Neben mir sitzt dieser eine Schönling-Schauspieler, der früher im Kinderfernsehn war und jetzt Muskeln hat. Keine Ahnung, wie er heißt. Scheint nett zu sein. Auch egal.

Auf den Straßen sprechen sie alle über Corona, das Virus. Ein Thema, über das ich gerne scherze, obwohl es mir nicht egal ist – weil ich gerne gut drauf bin.

Ob ich kommende Woche wieder nach Berlin kann, das weiß ich nicht. Wieder: egal.

🖤

Ich denke, ich darf mir solche Späße erlauben. Ich befolge sämtliche Sicherheitsmaßnahmen – optimistisch realistisch. Mehr kann ich nicht tun, mehr will ich nicht tun. Schon gar nicht, jede einzelne Nachrichtensendung zu diesem Thema zu jagen wie ein Sorgen-Junkie. Ohne mich.

Wer das tut, ist nicht schlau, für mich. Aber dafür sind wir Menschen ja bekannt, nicht

🖤

Ach, ich bin schon wieder zu hart mit meiner Tierart. Ich darf nicht vergessen:

Wir sind noch jung, wir sind noch jung, wir sind noch jung.

Jeder tut, wie er kann. Jeder tut, wie er kann. Jeder tut, wie er kann.

🖤

In diesem Sinne; ich liebe euch und hoffe, dass die Angst nicht in gegenseitigem, überbordendem Hass mündet. Untypisch wäre das nicht.

Ach ja: Kauft mein Buch. Der Nirgendsmann von Markus Szaszka

Skurr Skurr

Instagram: @der_nirgendsmann

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