vonMarkus Szaszka 08.03.2021

Der Nirgendsmann

Markus Szaszka - polnisch-österreichischer Streuner und Schriftsteller - schreibt über die Herausforderungen unserer Zeit und Romane, die zum Nachdenken anregen. Stets auf der Suche nach dem guten Menschen. #nichtsmussbleibenwieesist

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Welcher Umstand wäre in einer schnelllebigen, veränderungsreichen, verwirrenden Welt notwendig, damit wir als Individuen und als Gesellschaften wieder zu Atem kommen können?

Damit wir uns besinnen können, ob das, was wir ansteuern, wirklich das ist, was wir wollen.

Wir eilen und nehmen uns keine Pausen, um zu reevaluieren, ob es überhaupt notwendig ist, zunehmend ungeduldiger aufs Gas zu steigen.

Wieso rasen wir eigentlich so schnell? Was ist das Ziel? Kann es sein, dass wir tatsächlich zu einer derart verkommenen Spezies degeneriert sind, die ohne Rücksicht auf Verluste wächst, nur um des Wachstums willen.

Ein Glück, dass nichts bleiben muss, wie es ist, denn der globale Schuh drückt aktuell gleich an mehreren Stellen, und zwar ganz heftig, also sollten wir pausieren und die Steinchen ausklopfen, damit wir danach entspannter, mit einem besseren Gefühl und zufriedener weitergehen können.

Wir wissen mittlerweile, dass unendliches Wachstum nicht möglich ist. Und somit hat sich der Kapitalismus langsam, aber sicher ausgelebt. Was er jetzt noch zu leisten vermag, ist weiterhin umzuverteilen, den Armen noch mehr zu nehmen und den Reichen noch mehr zu geben – eine Art asozialer Robin Hood.

Wie die Zukunft aussehen wird, weiß ich nicht, aber sicher ist, dass radikales Schrumpfen dazugehören wird, falls wir in Richtung einer besseren Gesellschaft streben möchten.

Konsumdiät ist das Stichwort und Die Wirtschaft muss schrumpfen! der Slogan der Stunde. Aber es wird nicht einfach werden, von unseren leidigen Konsumsüchten loszukommen.

Wer weiß, vielleicht erfinden die schlauen Forscher dieser Erde so etwas wie eine Minimalismus-Pille. Diese könnte uns unter Umständen vor einer vertrockneten Welt retten, auf der es nur mehr Nahrungsmittel für einen Bruchteil der Menschen geben wird.

Die Zeit läuft uns davon, aber nur deshalb, weil wir sie vor uns hertreiben.

Es ist ein Jammer.

Wir bräuchten jemanden, der uns ein Bein stellt, damit wir hinfallen und endlich damit aufhören, gedankenlos zu rasen. Doch nicht einmal eine Pandemie hat das geschafft – jetzt liegt es definitiv an uns.

Schwierig wird es, als Menschheit besser zu werden, sich individuell zurückzunehmen, für andere.

Zweifelsohne; vernünftig wäre es.

Verzicht macht glücklicher als Konsum.

Geben macht glücklicher als Nehmen.

Sich in den Dienst einer Sache zu stellen macht glücklicher als überhandnehmende Selbstzentriertheit.

Eine Revolution des Inneren wäre notwendig – eine Revolution der Menschlichkeit – falls wir die großen Katastrophen verhindern möchten, auf die wir zu galoppieren.

Wie lange wollen wir noch den Raubtierkapitalismus und seine bestialischen Gefährten Prekarisierung und Klimawandel reiten?

Jetzt heißt es absteigen und einkehren, in eine warme Stube, beim Kamin und einem kühlen Bier die Füße hochlegen und entspannen, die Arbeit niederlegen und das Geld als Brennstoff verwenden.

Lange genug sind wir ihm nachgelaufen. Es ist an der Zeit, dem lieben Geld die Bedeutung zu nehmen. Heutzutage sind es ohnehin nur noch Zahlen, die zwischen Computern hin und her geschickt werden und die Ungerechtigkeiten auf diesem Planeten schüren.

Denken wir uns etwas Neues aus.

Denken wir uns etwas Besseres aus.

Denken wir uns etwas Humaneres aus.

***

#nichtsmussbleibenwieesist

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