vonChristian Ihle 02.07.2020

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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Netflix neuer Schlager ist ein amerikanischer Film über die Teilnahme eines isländischen Gesangsduos (Will Ferrell & Rachel McAdams) am Eurovision-Songcontest. Dem Charme dieser Internationalität und fremder Liebe zu europäischen Wunderlichkeiten kann ich mich nicht ganz entziehen, aber Kernproblem von „The Story Of Fire Saga“ ist nun mal das offensichtliche: Eurovision ist in sich schon so absurd, dass eine überspitzte Parodie schlicht nicht landen kann. Was soll sich Will Ferrell in seinem schlichten amerikanischen Gemüt auch ausdenken können, das verrückter ist als die Wirklichkeit dieses paneuropäischen Songwettstreits? Es gilt hier wie immer Bart Simpsons alter Spruch in Homerpalooza über Alternativerockbands mit niederschmetternden Texten: „making teenagers depressed is like shooting fish in a barrel“. Gleiches gilt für Witze über Eurovision. Wo ist die Kunst?

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Überraschenderweise funktioniert für mich aber „The Story Of Fire Saga“ auf einer anderen Ebene ziemlich gut: die Underdog-Story, die anfangs für die LOLs gespielt wird, nimmt mit zunehmender Spieldauer eine Ernsthaftigkeit an, die mich tatsächlich berührt hat. Das liegt zum Großteil an der wunderbaren Rachel McAdams, die ihre Sigrit so straight (no pun intended) spielt, dass ihr Sehnen und Herzschmerz tatsächlich nachfühlbar wird. Das ist eine Bandbreite an schauspielerischem Können (Wollen?) die Ferrell nicht mit einbringt, der weiterhin an seinem Leslie Nielsen der Neuzeit – Denkmal meißelt: mit ernstem Gesicht die absurdesten Szenen herunterspielen. Die Nebenrollen dagegen sind in ihrer Überzogenheit durchaus richtig auf die 12 gespielt: Pierce Brosnan als grummeliger Vater, der lieber einen Fischerssohn statt Schlagersängersprößling hätte und Dan Stevens als russisches Kosaken-Imitat mit freier Brust und Womanzier-Charme, hinter dem sich ein Kleiderschrank der nicht gezeigten Gefühle verbirgt.

Netflix: cinq points

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