vonChristian Ihle 30.07.2020

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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Courting – David Byrne’s Badside

Die ganz junge Liverpooler Band Courting (noch kein einziger physischer Release auf discogs verzeichnet) zeigt auf „David Byrne’s Badside“ besten Britpop, wie ihn Blur in ihrer Parklife-Zeit so wunderbar aufspielten.
Passend dazu, dass auch Courting wie damals Damon Albarn den Blick auf ihre Landsleute richten und ein wenig schmeichelhaftes Portrait des britischen Spießers zeichnen: ““​’David Byrne’s Badside’ has nothing to do with the Talking Heads frontman, it’s about class tourism and the casual racism that exists in Britain today. It’s a portrait of the type of person who votes UKIP and wants to close our borders yet promises they’re not a racist. The type of person who says to buy British yet owns a Porsche. We also really just wanted an excuse to have a saxophone solo.​”

Night Shop – Hello Take Me Anywhere

Dass Justin Sullivan seit Jahren mit Kevin Morby arbeitet, hört man seiner neuen Single „Hello Take Me Anywhere“ durchaus an. Es ist dieser Jonathan-Richman-Rock, den Morby etwas muskulöser spielt und der hier auf Sullivans Night Shop -Single wieder nervöser, unsicherer wird und mit sehr schönen Lyrics-Zeilen aufwartet wie „I got the sorrows of young Werther but I ain’t that young“ und „But me, I got a dream, I’m gonna go real far. Gonna be the singer in a dimly lit bar. And every night I’m gonna sit and wonder where you are.“

Josephine Foster – I’m A Dreamer

Dank eines Soundtrack-Einsatzes in der Netflix-Serie „End Of The Fucking World“ ist dieser Josephine-Foster-Song von 2013 gerade als 7inch-Single wiederveröffentlicht worden. Alter, zerbrechlicher Singer-Songwriter-Country, der dank Fosters geisterhaft schwebender Stimme immer etwas in Richtung Psych-Folk schielt. Die neu geschriebene b-Seite „All Glow Now“ ist nicht minder bezaubernd:

Sofia Portanet – Racines

Neben dem verspäteten Neue Deutsche Welle Hit „Wanderratte“ (vor gut eineinhalb Jahren hier schon einmal Song der Woche) gefällt mir auf Sofia Portanets allseits gefeiertem , gerade erschienenen Debütalbum der Albumcloser „Racines“ besonders gut. Ein Chanson, das die in Frankreich aufgewachsene Deutsch-Spanierin von der heute doch recht in Vergessenheit geratenen Avantgarde-Folk-Sängerin Catherine Ribeiro gecovert hat:

Pure X – Fantasy

Fast vergessen hatte ich Pure X, die 2011 ihr tolles Debütalbum „Pleasure“ veröffentlicht hatten, das aus CSNY-Roots und Shoegaze-Dream-Pop erwuchs. Nach sechs Jahren Pause folgt nun Album Nummer vier und die Single „Fantasy“, sie mich aufs schönste an die leider verloren gegangene San-Francisco-Band Girls erinnert.

Lewsberg – Through The Garden

Aus Rotterdam kommt die niederländische Post-Punk-Band Lewsberg und ist in ihren repetitiv minimalistischen Gitarrenfiguren nah dran an einer europäischen Entsprechung der Parquet Courts. Insbesondere auf der „Through The Garden“-Single findet sich die amerikanische Post-Punk-Tradition wieder, die vom beharrlich insistierenden Garagenrock der Modern Lovers und der frühen Velvet Underground sich genährt hat.

Silverbacks – Dunkirk

Mit den Fontaines D.C. und The Murder Capital scheint man das Post-Punk-Kapital der irischen Hauptstadt entdeckt zu haben: mit Silverbacks ist die nächste vielversprechende Debüt-Band aus Dublin am Start. Silverbacks wurden von der Noise-Rockisten (und Idles-Favourites) Girl Band früh unter die Fittiche genommen: die ersten Singles produzierte Girl Band Bassist Daniel Fox und gemeinsame Touren wurden ebenfalls bestritten. Das Album erreicht nicht ganz die Dringlichkeit der angesprochenen irischen Kollegen, aber vor allem die Single „Dunkirk“ mit ihren spindeligen Gitarren, die an The Cures „Killing An Arab“ erinnern, überzeugt voll.

X – Alphabetland

Beinah überraschend überzeugend ist die späte Rückkehr der Los Angeles Punkheroen X gelungen. Ihre neue Platte greift direkt zurück auf die frühen, in ihrer Vereinigung von Punkhärte und Rockabilly-Gitarre irre einflussreichen X-Alben wie „Los Angeles“ und „Wild Gift“ und vergisst die späteren Proto-Alt.Country-Alben der späten 80er. Deutlich besser als die meisten Punk-Rückkehrer jener ersten Generation.

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