vonmaggie 11.03.2026

Widerhaken

Literaturkritiken. Oder: ein Versuch, nicht den Kopf zu verlieren, zwischen all den Worten die so herumirren in unserer wundervollen Welt.

Mehr über diesen Blog

Inhalt

Der schmale Roman ist in einem selbstbiografischen Stil geschrieben und fängt direkt mit einer hohen Intensität an. Er erste Teil dreht sich darum, wie der alkoholsüchtige Autor absichtliche Frauen psychisch verletzt und erniedrigt; immer wieder treten auch seine starken misogynen Ansichten zutage. Im zweiten Teil hat der Autor die Alkohol-Sucht überwunden und einen stabilen, gutbezahlten Beruf in Minnesota, indem er sich schnell gefangen fühlt. Die fast jugendliche Aisling aus New York scheint die perfekte Ablenkung. Und das Gefühl, abgelehnt, ja vielleicht sogar getäuscht zu werden ist dem Autor völlig fremd.

Das Buch dreht sich um starke psychische Gewalt und toxische Beziehungen. Der Autor tritt dabei als „unzuverlässiger Erzähler“ auf, der die Geschichte ausschließlich aus seiner Perspektive erzählt und nur sehr bedingt zu Reflexion fähig ist. Das Buch kann vor allem als zeitgenössischer, psychologischer Roman verstanden werden.

 

Zum Autor

Das Buch wurden anonym veröffentlicht und der Autor wird auch anonym in den Verlagen geführt. Online kursiert das Gerücht, dass es sich um den irischen Vivian W. Walsh handelt und das Buch autobiografisch zu verstehen ist; die verschiedenen persönlichen Daten passen aufeinander. Vollständig nachweisbar ist diese Theorie nicht. Abgesehen davon ist nichts über den Autor bekannt, bis auf seine anderen Werke, die teilweise die Erzählung um „Diary of an Oxygen Thief“ weiterführen.

 

Wie man ein Buch berühmt macht

Auf TikTok gibt es eine spezifische Communitiy „BookTok“ welche sich mit Büchern auseinandersetzt. Nichts Besonderes könnte man vielleicht denken, doch sie ist so bekannt, dass physische Buchläden Footer beschriftet mit „BookTok Recommandation“ aufstellen – die Stimme der Communitiy hat großes Gewicht in der Buch-Welt der Gen Y und Z.  Sie verhalf „Diary of an oxygen Thief“ zum Erfolg. Das Buch war bereits 2006 vom Autor selbst veröffentlicht worden – und ab dort begann der Autor eine beispiellose Werbekampagne. Er brachte die Bücher in kleine Buchläden in Amsterdam, Paris und Manhattan; er plakatierte Manhattan mit seinem Buchcover und erstellte sich ein Profil auf einer Datingplattform um das Buch zu vermarkten. Außerdem verkaufte er die Bücher auf der Straße und brachte die Menschen dazu, sich mit seinem Buch zu fotografieren – egal ob sie es kauften oder nicht. Fotos wurden gepostet, geteilt, gehashtaggt. Und irgendwann ging das Buch auf Amazon durch die Decke und verschaffte dem Autor eine richtige, weltweite Distribution durch den Verleger Simon & Schuster.

Das Marketing war sicher an einigen Stellen genauso clever, wie es an anderen Stellen unethisch war. Doch was uns dieser Fall eigentlich zeigt, ist, wie die digitale Welt heutzutage über die Bekanntheit und den Erflog eines Werkes entscheiden kann. Für jedes Buch gibt es Interessenten, man muss sie nur richtig adressieren.


ISBN: 978-1501157851

In diesem und diesem alten Beitrag gibt mehr Details zum Autor und seiner Marketing-Strategie.

Anzeige

Dir hat der Beitrag gefallen? Teile ihn über Social Media. Du möchtest etwas dazu sagen? Weiter unten gelangst du zu den Kommentaren.

https://blogs.taz.de/widerhaken/diary-of-an-oxygen-thief/

aktuell auf taz.de

kommentare

Schreibe einen Kommentar