28.05.2009 von Helmut Höge
Das muß den Facility-Management-Wissenschaftlern gefallen! Die Süddeutsche Zeitung meldet heute:
“Seit Baubeginn waren nie mehr als drei Mann Besatzung permanent an Bord der ISS. Nach dem Unglück der Raumfähre Columbia Anfang 2003 befanden sich übergangsweise sogar nur zwei Besatzungsmitglieder an Bord. Wissenschaftliche Arbeit konnte auf der Station deshalb bislang nur eingeschränkt geleistet werden. Mindestens zwei der drei Astronauten waren stets rund um die Uhr damit beschäftigt, den Flugbetrieb der Raumstation aufrechtzuerhalten. Das soll sich mit dem Start der sogenannten “Expedition 20″ ändern – die Hausmeister im All sollen endlich als Wissenschaftler arbeiten können. Nun könne mit der Arbeit in den Laboren erst richtig begonnen werden, freut sich Nicole Stott, die künftige ISS-Flug-Ingenieurin.”
Ein Besatzungsmitglied bleibt jedoch Hausmeister – allerdings in leitender Funktion:
“Diese Entscheidung haben alle internationalen Partner einmütig im Multilateral Crew Operations Panel (MCOP) getroffen, einem Gremium, das über die Verteilung der Crew-Zeiten auf der ISS wacht. Von seiner… weiter lesen
27.05.2009 von Helmut Höge
Nach 1933 brachten die Emigranten aus Deutschland und Österreich, die in der US-Filmindustrie einen Job fanden, die Pollerkultur der Hausmeister aus ihren Heimatländern nach Hollywood, d.h. sie erzählten den Amerikanern von diesem merkwürdigen Phänomen, das im zentraleuropäischen Raum immer wichtiger wurde. Eine zeitlang wurde damit dann auch in den Studios experimentiert. Das nachfolgende Bild zeigt einen Sperrholzpoller, an den sich ein Schauspieler lehnen und dabei seine optimale Position finden sollte, d.h. eine, die ihm und dem Poller quasi wesensgemäß ist. Instinktiv, d.h. gewohnheitsmäßig, lehnte er sich jedoch eher an die Hauswand als an den Poller, der ihn in dieser Haltung quasi von der Wand wegdrückte, also eher im Weg stand als ihm eine neue – europäische – Warteposition im öffentlichen Raum zu ermöglichen. Dies hing mit dem unterschiedlichen Begriff von männlicher “Lässigkeit” diesseits und jenseits des Atlantiks zusammen.

Das zweite Photo zeigt das darauffolgende Experiment, das ebenfalls schief ging:… weiter lesen
26.05.2009 von Helmut Höge
1. am 2.5. stellte ich einen Text über Wassili Grossmans Kriegstagebuch in den blog, das 2007 auf Deutsch unter dem Titel “Ein Schriftsteller im Krieg” veröffentlicht wurde. Grossman scheint derzeit, was ich begrüße, Konjunktur mindestens in Deutschland zu haben, denn soeben erschien noch ein Buch von ihm auf Deutsch: “Tiergarten”. Es enthält 15 Aufsätze und ein Nachwort von Franziska Thun-Hohenstein. Sie entstammt einem alten DDR-Slawistengeschlecht und ist heute sozusagen die Slawistin vom Dienst im Zentralinstitut für Literatur- und Kulturforschung (ZfL), außerdem Herausgeberin der Bücher von Warlam Schalamow.
Der Aufsatz von Wassili Grossman, der für den Buchtitel gewählt wurde – “Tiergarten” – fängt quasi da an, wo sein Buch “Ein Schriftsteller im Krieg” aufhört – nämlich mit seinem und der Roten Armee Einrücken in Berlin. Der Kriegsberichterstatter Grossman wandert durch die zerstörte Stadt, durch den Tiergarten und den Zoologischen Garten, wo er mit einem der Wärter spricht, der den… weiter lesen
22.05.2009 von Helmut Höge

Jackson Pollock am Poller (Photo:P. Grosse)
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Joseph Beuys vorm Poller (Photo: P. Grosse)
Während die FM-Wissenschaft mir harsch vorwirft, ich hätte keine Ahnung vom Paradigmenwechsel zwischen Hausmeisterei und Facility Management, bemüht sich die “Financial Times” darum, mich behutsam darüber aufzuklären:
Facility-Management – Chancen für Generalisten und Spezialisten
(von Richard Haimann)
Verschiedene Ausbildungswege führen ins Facility-Management. Es geht auch ohne akademischen Abschluss. Mit dem stets mürrischen Hausmeister alter Schule hat der Job aber nichts mehr zu tun.
Wer nicht zur Branche gehört, fragt sich oft, was ein Facility-Manager eigentlich tut. Häufig wird immer noch an den schlecht gelaunten Hausmeister gedacht, der mit seiner Werkzeugkiste durch die Gebäude schleicht oder an Putztrupps, die Waschräume unter Wasser setzen und Papierkörbe leeren.
Dabei geht es heute um wesentlich mehr, was auch kaufmännisches und technisches Wissen und Organisationstalent voraussetzt. Schließlich soll ein Gebäudemanager wissen, wie Immobilien unter ökologischen und… weiter lesen
22.05.2009 von Helmut Höge
Am 18.Mai starb der Zürcher Psychoanalytiker Paul Parin.
Er wurde 92 Jahre alt. Seine ethnopsychoanalytischen Bücher, die er zusammen mit seiner Frau Goldy und seinem Freund Fritz Morgenthaler schrieb, waren in der Studentenbewegung quasi Pflichtlektüre. In den letzten 15 Jahren veröffentlichte er vor allem Erzählungen. Antonia Herrscher und ich interviewten ihn im Sommer 2008 – über “Jugoslawien” und die dortige “Partisanenkrankheit”.
1948 hatte er, der zuvor als Arzt bei den “Tito-Partisanen” gearbeitet hatte, einen psychiatrischen Bericht über die in Jugoslawien nach dem Krieg bei demobilisierten Partisanen massenhaft aufgetretene “Partisanenkrankheit” veröffentlicht. Es war seine erste wissenschaftliche Veröffentlichung und diese Krankheit bezeichnete er in seinem Aufsatz als hysterische bzw. epileptische “Kampfanfälle”. Sie bedeuteten für ihn das Gegenteil einer “Kriegsneurose”: Während diese den davon heimgesuchten vor weiteren Fronteinsätzen quasi schützt, legte jene nahe, dass der oder die an ihr Erkrankte nicht mit dem Kämpfen aufhören kann bzw. will. Das betraf damals etwa 120.000… weiter lesen
20.05.2009 von Helmut Höge
1. Monster vom “Quarkstern”
“Sie können den Stern aber nicht sehen. Er ist wie das Herz einer Blume ohne Herz.” (André Breton, Nadja)
“‘Die Reise zum Quarkstern’ – kennt das noch jemand? Der Titel ist zwar blöd, aber das Buch war Klasse,” schreibt Anny in einem Internet-Forum. Und Christoph fragt: “Hat jemand den DDR-Film ‘Die Reise zum Quarkstern’ gesehen? Googeln hat mir nicht weiter geholfen.” Man findet dort aber Näheres zum “Quarkstern”, der auch “Seltsamer” genannt wird und aus freien Quarks besteht: Es ist der Endzustand eines Sterns – bevor dieser sich in ein Schwarzes Loch verwandelt, wobei extrem viele Neutrinos frei werden. Das Röntgenobservatorium der NASA entdeckte 2002 einen solchen “Seltsamen”, den es “RXJ1856.3-3754″ nannte. Mithin handelte es sich bei dem DDR-Quarkstern um eine halluzinierte Wahrheit – lange vor seiner empirischen Wahrnehmung. Um nicht zu sagen – zu fragen: War nicht auch die DDR ein “Seltsamer”/”Quarkstern,… weiter lesen
15.05.2009 von Helmut Höge

Der “Facility Manager” (Hausmeister früher genannt) eines Bürohauses in der Kreuzberger Oranienstrasse leistet geradezu vorbildliche Arbeit: Wenn er mal wieder einen Müllcontainer bestellt hat, holt er sofort zwei ausrangierte “Becherspenderpoller” aus Plastik aus seiner Kellerwerkstatt, um jenen mit diesen abzusichern. Foto: Antonia Herrscher, von der auch der Name für die Poller stammt.
Für FM-Studenten sei noch mal auf das Seminar der Pollerfotografin Stefanie Peter über den polnischen Untergrund hingewiesen, das im FU-Institut für Slawistik stattfindet. An anderer Stelle wurde in diesem Zusammenhang bereits auf den “politischen Untergrund” hingewiesen, der in Polen eventuell bis heute Bedeutung hat, wobei dieser natürlich immer wieder auch ins Ökonomische lappt. Man kann den “ökonomischen Untergrund”, der auch “schwarzer Sektor” oder “informelle Ökonomie” genannt wird, jedoch auch ebensogut sozusagen rein für sich betrachten:
Der “ökonomische Untergrund”, das sind all jene Transaktionen, die der Staat nicht abschöpfen kann, von denen er nicht einmal etwas weiß, die… weiter lesen
15.05.2009 von Helmut Höge
“Wir waren ein Kollektiv/Doch plötzlich lief irgendwas schief!” (aus einem Lied der Berliner Narva-Arbeiterinnen)
Am Sonntag findet in der Hamburger Kampnagel-Fabrik im Rahmen seines Festivals “Kollektive aller Länder” ein “open space” über alte und neue “Kollektive” statt. Während die “Genossenschaften” außer Mode gekommen sind, klingt das Wort “Kollektiv” seltsamerweise immer noch oder schon wieder attraktiv, d.h. es wird gerne für Gruppenprojekte, welcher Art auch immer, verwendet . Ich habe vier Kollektiv-Phasen bisher “durchlebt”: 1. die Alternativbetriebe, ab den Siebzigerjahren, bis hin zu den “Landkommunen”, bei denen es um unternehmerische, jedoch gemeinschaftlich begonnene Wirtschaftsprojekte ging, sie nannten sich auch “Betriebe ohne Chef”. Arbeit und Leben sollten dabei ungetrennt sein. Dieser Anspruch wich jedoch mehr und mehr einem realistischen Geschäftssinn. Der Hamburger Historiker Arndt Neumann hat diese Entwicklung in seinem Buch “Kleine geile Firmen” prägnant nachgezeichnet. Die Alternativbetriebe waren als Verein, GbR oder GmbH registriert – wenn überhaupt. Aus Vereinen hätten… weiter lesen
08.05.2009 von Helmut Höge

Dieses Photo schickte uns der Hausmeister der in Zürich ansässigen US-NGO “Europe Watch”, Micky Kowalewski. Es zeigt seine Frau auf dem höchsten Poller des Markusplatzes – oder wo auch immer. Micky vergaß zwar nicht, Peter Grosse, der das Photo dann weiterleitete, mitzuteilen, in welcher Stadt und auf welchem Platz seine Frau für ihn posiert hatte im Urlaub, aber da sie in jeder Stadt und auf jedem Platz, den sie während ihres diesjährigen Europa-Trips besichtigten, auf einen Poller steigen mußte, um sich von Micky ablichten zu lassen, kamen sie hinterher durcheinander – und hoffen nun, dass einer, der das Photo hier sieht, ihnen (und uns) weiterhelfen kann – mit der Identifizierung des Platzes.
Eigentlich müßte man fortan bei diesen und ähnlichen “Werken” von FM-Kunst sprechen, auch Micky nennt sich FMler. Er hat zwar nicht “Facility Management” studiert – bedauert das aber inzwischen. Über den FM-Studiengang in Zürich/Winterthur schickte er uns… weiter lesen
08.05.2009 von Helmut Höge

Soll diesem Riesenpoller etwa auch Sitz und Stimme in Latours “Parlament der Dinge” zukommen? mag sich der Hafenmeister Linus Thurnball (52) aus Newport gefragt haben, als man ihn zu dem 90 Seemeilen weiter südlich angeschwemmten Ungetüm schickte, damit er dessen Entsorgung bzw. Verschrottung in die Wege leite – und er etwas hilflos vor dieser neuen Aufgabe stand. Photo: Peter Grosser.
Ich starrte derweil ebenso ratlos auf den nachfolgenden Text, den anscheinend kein Holzmedium haben wollte – nur Absagen. Schließlich gab ich mir einen Ruck und sagte: Scheißdrauf! stell ich ihn eben nahezu honorarfrei ins Netz, d.h. in diesen albernen blog. Jetzt kommt es auch nicht mehr drauf an – und dieses internet hat schon größeren Mist geschluckt:
Rechtzeitig zum Darwinjahr 2009 verkündete die Verwaltung des Nationalparks “Galapagos-Inseln”, dass sie das Naturschutzgebiet noch mehr als bisher schützen wolle, nicht zuletzt um den Tourismus zu fördern. So soll u.a. der Fischfang… weiter lesen