30.07.2010 von Helmut Höge
“…So weit Deutschland reicht, verdirbt es die Kultur. Ich war verurteilt zu Deutschen. Wenn man von einem unerträglichen Druck loskommen will, so hat man Haschisch nötig.” (Friedrich Nietzsche, Ecce Homo, 1884)

Outdoor-Hanfgarten. Photo: uni-kassel.de

Indoor-Hanfgarten. Photo: tagblatt.ch
Falk T. hat sich für beides entschieden: In seiner Neuköllner Parterrewohnung steht ein kleiderschrankgroßer “Grow-Room” und auf dem Dach einige große Kübel – für seine Hanfpflanzen. Oben wachsen sie langsam aber umsonst und unten schnell aber teuer. Das Wichtigste an der “Home-Box”, mit einem Quadratmeter Grundfläche, ist die 400 Watt Natriumdampflampe. Dazu kommt noch ein Ventilator, ein Luftbefeuchter, eine Zeituhr und ein Kohlefilter (gegen den Geruch). Die weiblichen Samen, die er für 10 Euro das Stück per Post aus Holland bezieht, keimen bei ihm in Erde. Dazu braucht es noch verschiedene Kunstdünger. Während der Wachstumsphase benötigen die Pflanzen 18 Stunden Licht täglich, in der Blütephase 12, danach absolute Dunkelheit.… weiter lesen
29.07.2010 von Helmut Höge
Dass jede Neueröffnung einer Starbucks-Caféfiliale quasi automatisch eine weitere No-Go-Area nach sich zieht, weiß man inzwischen. Was aber ist mit den Arealen, auf denen diese US-Kaffeehaus-Kette sich garantiert nicht ansiedelt?
Heute: Oberschöneweide

Übersichtskarte. Photo: quartiersmanagement-berlin.de
“Landete der gewöhnliche Oberschöneweider doch mal im Ehebett statt in der Gosse, ging es der Frau, dem Kind und der Wohnungseinrichtung an den Kragen,” schrieb Karsten Otte in der BZ-Serie “Mein-Kiez-Tagebuch”, das er 2004 als Buch unter dem Titel “Schweineöde” veröffentlichte. Der dortige, an der Verbesserung des “Images” von Oberschöneweide interessierte Unternehmerstammtisch, meinte dazu 2005 (in der taz): “Alles erstunken und erlogen!”

Übersichtsphoto (im Hintergrund der wiederaufgebaute “Kaisersteg”. Photo: spree2011.de
Wahr war: In dem einst größten Industriegebiet Berlins, wo zu DDR-Zeiten über 30.000 Menschen arbeiteten, hatte die Treuhandanstalt ganze Privatisierungsarbeit geleistet. Von den sechs Großbetrieben – “Metallhütten und Halbzeugwerke”, “Institut für Nachrichtentechnik”, “Transformatorenwerk”,”Kabelwerk Oberspree”, “Werk für Fernsehelektronik” und “Batteriewerk”- überlebte dort… weiter lesen
27.07.2010 von Helmut Höge

Photo: fensterzumhof.eu
Ein Schriftsteller ist jemand, der Probleme mit dem Schreiben hat. Das kann man leider von den meisten Autoren nicht sagen, zumal wenn sie auch noch “fürs Fernsehn” arbeiten und erst recht, wenn sie professionell journalistisch arbeiten.
Aus den USA kommen neuerdings immer mehr Lehrangebote für “Kreatives Schreiben” über uns. Das Problem liegt dabei schon im Begriff, denn Künstler und also auch Schriftsteller sind das Gegenteil von “Kreativen”. Mit “Kreative” bezeichnet der ehemalige US-Arbeitsminister Reich die sogenannten intellektuellen “Problemlöser und -finder”, die zu den 1/5 der Weltbevölkerung gehören, die, so meint er, von der neuen Wirtschaftsordnung wirklich profitieren. Gemeint sind mit dieser neuen “kreativen Klasse” Werber, Programmierer, Designer, Unternehmer, Webseiten- und TV-Programmgestalter z.B.. Daneben ist “Creative” auch der Name eines “weltweit führenden Anbieters von Digital-Entertainment-Produkten für den PC und das Internet”. Als Index für den Aufstieg der “kreativen Klasse” gilt dem US-Soziologen Florida zufolge der Anteil von Schwulen… weiter lesen
26.07.2010 von Helmut Höge

Der ostfriesische Hauptkommissar Enno Behrend studierte seine TO-Akten vornehmlich im Restaurant nach einem Matjesgericht.

Die eigentliche Aktenführung überließ er seiner langjährigen Mitarbeiterin Margret Engel, geborene Siederbohm.
1. Eine Akte anlegen und sie führen
Büttner: “Krimis können durchaus eine Lehrfunktion Richtung Polizei haben.”
Lehmann: “Auch Polizisten lesen Krimis.”
Scherer: “Und Krimiautoren studieren die Polizei, ihre Akten und was sie sonst von ihnen und ihrer Arbeit in Erfahrung bringen können – bis hin zu dem Handbuch speziell für Kriminalschriftsteller: “Von Arsen bis Zielfahndung”, das der Polizeihochschul-Dozent Manfred Büttner und die Krimiautorin Christine Lehmann kürzlich veröffentlichten.”
Hochheimer: “Im Endeffekt ist das ein geschlossener Kreislauf, oder?”
Gerade berichteten die Intelligenzblätter FAZ über den in den Ruhestand getretenen schwedischen Polizeikommissar Wallander so, als wäre Nelson Mandela gestorben. Dabei handelt es sich um eine fiktive Person – in den Krimis des Autors Henning Mankell – ein… weiter lesen
22.07.2010 von Helmut Höge

Glückwünsche zum neuen Heim!
Es gibt eine “Erste legale Hausverlosung” (“www.berlin-hausgewinn.at”). Das “at” deutet bereits darauf hin, dass dieses neue “Glückspiel” aus Österreich über uns gekommen ist. Dort verlost u.a. eine “Trudi” auf “winyourhome2day” eine “Finca” auf Mallorca. Warum? “Es sind zigtausende welche sich mühsam ein Eigenheim mit Hilfe von Hypotheken und entsprechender Absicherung durch aufgezwungene Nebenprodukte finanziert haben und nun, weil sie vielleicht den Arbeitsplatz verloren, wegen Krankheit nicht arbeiten können oder durch den großen Druck die Familie auseinandergerissen wurde, dann die Raten nicht zahlen können…” Und weil die Zwangsversteigerung des Hauses durch “ihre” Bank derzeit nicht einmal alle ihre Schulden tilgt, heißt laut Trudi “die Lösung: Verlosung!”
In Deutschland war ein solches Verfahren der Inbesitznahme (“Gewinnen Sie Ihr Traumhaus!”) bisher verboten, aber ihr hiesiger Durchsetzer, Herr Kellner, bekam dann doch eine Genehmigung vom Brandenburgischen Innenministerium. Es ging ihm konkret um eine “Hausverlosung südlich von Berlin”. Das Objekt… weiter lesen
21.07.2010 von Helmut Höge

Der neue Chefermittler. Photo: muenchen-tv.de
Die Ermittler in den deutschen Kriminalromanen sind meistens Polizisten: also die Leiter der regionalen Mordkommission und ihre Mitarbeiter. Hierzulande muß die Staatsanwaltschaft auch bei einem Verdächtigen/Angeklagten ihn Entlastendes ermitteln lassen, in den USA ist dies Aufgabe seiner Anwälte, die dafür Detektive engagieren. Die polizeilichen Ermittler heißen dort ebenfalls “Detectives”.
Private Detekteien gibt es in Deutschland so gut wie gar nicht, und die wenigen haben einen üblen Ruf und werden nicht ernst genommen. Indem also in den hiesigen Regionalkrimis quasi notgedrungen meistens polizeiliche Ermittler, auch Fahnder genannt, die Rolle der (US-)Privatdetektive übernommen haben und damit in den Romanen die Hauptrolle spielen, wird sozusagen automatisch die Staatsgewalt vermenschelt. Diese Ermittler sind z.B. fast immer so eingebunden in den Fall, dass ihre Frau langsam aber sicher sauer wird und damit droht, sie zu verlassen. Dieses immer gleiche Bullen-Beziehungsschema langweilt auf Dauer. Auch in seinen Subvarianten: Er denkt,… weiter lesen
20.07.2010 von Helmut Höge

Bandenbildung. Photo: myspace.com
Vorweg:
In der Reihe “E.T.A. Hoffmann Krimi” veröffentlichte der Stuttgarter Gmeiner-Verlag” einen Roman der Bamberger Linguistdozentin Friederike Schmöe: “Januskopf”. Ich las ihn im Rahmen eines selbstgestellten Forschungsauftrags über “Regional-Krimis. Die Hauptfigur in Schmöes 2007 veröffentlichtem Text ist eine Privatdetektivin in Bamberg namens Katinka Palfy. Viele Regionalkrimi-Autoren, nicht nur Frauen, lassen ihre “Fälle” von einer Privatdetektivin, Journalistin oder Polizeihauptkommissarin ermitteln.
Katinka Palfy ist in “Januskopf – ihrem sechsten Fall” – einem Mörder auf der Spur, der Hoffmanns “Elixiere des Teufels” in die Realität (der Region Bamberg) einzubilden (“nachzuspielen”) versucht. E.T.A. Hoffmann war ab 1808 Theaterdirektor in Bamberg. Ein Denkmal erinnert dort noch heute an ihn: Ein Mann mit einem großen Hut auf dem Kopf und einem Kater auf der Schulter, letzteres eine Anspielung auf Hoffmanns Erzählung “Lebensansichten des Katers Murr”. Auch Schmöes Privatdetektivin besitzt einen Kater, er wird bei ihr allerdings nicht zum Ich-Erzähler. Der Jurist… weiter lesen
17.07.2010 von Helmut Höge
1. Einige beispielhaft gesetzte Zaunpfähle
“Im wirt gewinket mit der stangen” (Ulrich von Türheim, “Willehalm von Orlens”, 1238)

Nachbarn erhöhen gemeinsam den Zaun zwischen sich. Photo: seeste.de
In und um Berlin sind wahre “Zaunkriege” ausgebrochen. Der Grund: Der Staat verkauft ganze Seen und die neuen Besitzer zäunen sie ein, so dass die in der Nähe Wohnenden nicht mehr im See baden und angeln oder am See spazieren gehen können. Damit wird ein Gewohnheitsrecht gebrochen – und das wird nicht ohne Widerstand hingenommen. Nachts werden Zäune entfernt oder Löcher in die Zäune gemacht, so dass man hindurchkriechen kann. An manchen Seen, so z.B. am Liebenberger See, halten die neuen Besitzer des “Seeschlosses”, die Deutsche Kreditbank (DKB), die Zudringlinge statt mit einem Zaun durch “Security”-Kräfte von der Seenutzung ab. In und um Potsdam, wo um den Zugang zu den privatisierten oder teilprivatisierten bzw. verpachteten Seen am Heftigsten… weiter lesen
12.07.2010 von Helmut Höge


Die Ermordung Detlef Rohwedders im Fernsehen
“Die kriminelle Phantasie blüht im niedersächsischen Drochtersen-Hüll”, überschrieb das Hamburger Abendblatt einen Artikel über die “Deutsche-Krimi-Straße” am 2,3 Kilometer langen Rönndeich im Kehdinger Land – zwischen Elbe und Oste gelegen. Dort leben sage und schreibe 20 Krimiautoren. Sie haben schon fast 150 Regionalkrimis veröffentlicht. “Der Trend zum Lokalen kommt den deutschen Krimiautoren entgegen,” meint die Journalistin Susanne Mischke aus Holtensen am Deister lapidar. Sie hat selbst bereits über 300.000 Exemplare von ihren bisher 21 Romanen verkauft, einige wurden ins Holländische, Portugiesische und Chinesische übersetzt.
Auf einer Webseite, die mit den am Rönndeich lebenden Krimiautoren und ihren Werken wirbt, heißt es: “Das außergewöhnlich starke überregionale Echo hat dazu ermutigt, das Konzept ‘Krimiland’ zu entwickeln.”
In ihrer Magisterarbeit “Der Regionalkrimi im Westen von Deutschland. Poetik und Entwicklung eines Genres” (2008) schreibt Silke Leuendorf: Der Krimi ist ein literarisches Prosawerk, das die Geschichte der… weiter lesen
11.07.2010 von Helmut Höge

Photo: kircheonline.de
“Die ganzen RAF-Bücher sind Krimis,” meinte Michael Sontheimer kürzlich im “Brecht-Zentrum”, wo er sein neues Buch vorstellte: “Natürlich kann geschossen werden. Eine kurze Geschichte der Roten Armee Fraktion”. Der Untertitel gemahnte an den berühmten geschichtsverklitternden “Kurzen Lehrgang der Geschichte der KPDSU(B)”. Diese “kurze Geschichte” (von der Redaktion einer Kommission des Zentralkomitees der KPdSU erarbeitet und 1938 veröffentlicht) “wurde in der Sowjetunion und nach dem Zweiten Weltkrieg auch in den kommunistischen Staaten des sozialistischen Lagers wichtige Grundlage der politischen Bildung und des Geschichtsverständnisses,” schreibt Wikipedia.
Und da die RAF-Buchvorstellung im Brecht-Zentrum an der Chausseestraße neben den Hegel- und Brecht-Gräbern, gleichsam hinter ihrem Rücken, stattfand, war man natürlich auch noch an die Brechtschen Lehrstücke erinnert, insbesondere an “Die Maßnahme”, das die terroristische Politik einer kleinen klandestinen Gruppe zum Thema hat. Zuletzt führte Frank Castorf dieses Lehrstück an der Volksbühne auf, wobei er es mit Heiner Müllers “Mauser” vermantschte. Auf… weiter lesen