30.04.2011 von Helmut Höge

Plakat der Berliner Autonomen für den 1.Mai. Photo: revolutionärer-erster-mai.de
»Sei mir gegrüßt, Damaskus, du Blumenreiche, du Königin der Düfte, du Augenlicht des Weltantlitzes, du Jungfrau der Feigen, du Spenderin aller Freuden und du Feindin alles Kummers!« (Karl May in “Von Bagdad nach Stambul”)
“Die Araber machen nicht für Geld mit, aber für Damaskus.” (T.E.Lawrence in “Die 7 Säulen der Weisheit”)
In Südostasien hat man immer gedacht, wenn man dort die 1.Mai-Demonstrationen und Schlachten mit der Polizei im Fernsehen sah: Dort geht es richtig ab; die Kreuzberger verstehen noch zu kämpfen…wir dagegen…alles Feiglinge. Erst die Augenzeugenschaft vieler 1.Mai-Besucher von dort klärte sie darüber auf, dass es sich dabei im Vergleich zu den Aufständen bei ihnen eher um ein Kinderspiel handelte.
Heuer finden die “1.Mai-Krawalle” (Bild-Zeitung) zum ersten Mal zeitgleich mit einigen größeren Aufständen statt – vor allem in Arabien. Da das schon Wochen zuvor so gut wie klar war,… weiter lesen
29.04.2011 von Helmut Höge
Gestern beim “Palästinenser” sagte der Wirt, dass die “Versöhnung” von Hamas und Fatah auf Druck sowohl der Jugendbewegung im Inneren als auch der Aufstände im Nahen Osten und im Maghreb (Westen auf Deutsch) zustande kam. Ob zum Guten oder Schlechten der palästinensischen Jugend- und Frauenbewegung, ließ er offen. Ebenso, ob man hierbei überhaupt schon von einer Bewegung reden kann.
Die iranische Literaturdozentin Azar Nafisi, schrieb ihren Studenten an der Universität von Teheran im Herbst 1979 – einem “entscheidenden Moment in der Geschichte des Iran” – als erstes ein Zitat von Theodor Wiesengrund Adorno an die Tafel:
“Es gehört zur Moral, nicht bei sich selber zu Hause zu sein.”
Heute würde die in den USA lebende Schriftstellerin Azar Nafisi vielleicht sagen/schreiben: “Last night Adorno safed my life.”
In ihren “Erinnerungen”, die sie in Englisch veröffentlichte: “Reading Lolita in Tehran” (Lolita lesen in Teheran) geht es vor allem um eine Gruppe von… weiter lesen
27.04.2011 von Helmut Höge
In einem Nebensatz quasi erfährt man aus der Tagespresse, dass auch in Beirut seit Wochen schon demonstriert wird. Hier gegen die Religions-Quotierung bei den Parlamentssitzen. Auch in Portugal wird seit einigen Tagen gegen die Regierung demonstriert.
In Mauretanien ist es umgekehrt so, dass die Regierung nach wochenlangen Protesten jetzt gewaltsam gegen die Demonstranten vorgeht. Sie fordern den Rücktritt des Präsidenten, der sich 2008 an die Macht geputscht hatte. Die Kluft zwischen reicher arabischer Elite und verarmter afrikanischer Bevölkerung hat sich seitdem jedoch nicht verändert.
Die FAZ berichtet heute, dass aus den von Wikileaks veröffentlichten Guantanamo-Dokumenten hervorgeht, dass das Terrornetzwerk “Al Qaida” nach den Anschlägen vom 11. September 2001 weitere Angriffe in den Vereinigten Staaten geplant hatte.
Bereits Ende 2001 hatte Mathias Bröckers auf “Telepolis” über “Al Quaida” geschrieben:
Was machen eigentlich die “Schläfer”? Wurde uns nicht in den Tagen nach dem Anschlag mit der Verschwörungstheorie “Bin Ladin” auch die seines… weiter lesen
26.04.2011 von Helmut Höge

Pakistanische Nuklearwaffe. Photo: kleinezeitung.at
Aus Pakistan heute wieder Nichts Neues:
Vier Tote bei Bombenanschlägen auf Busse der pakistanischen Marine. Polizei – Ein Toter bei Bombenanschlägen in Pakistan. Mindestens 16 Tote bei Anschlägen in Pakistan. USA betrachten pakistanischen Geheimdienst als Terrororganisation.(dpa)
“Eine 2002 von mehreren Männern vergewaltigte Pakistanerin will weiter gegen die vorzeitige Freilassung ihrer Peiniger durch das Oberste Gericht des Landes vorgehen. Sie habe mit ihrer Familie und Freunden besprochen, erneut Berufung einzulegen, sagte Mukhtar Mai am Sonntag der Nachrichtenagentur AFP in Meerwala in der nördlichen Provinz Punjab. Das Oberste Gericht hatte am Donnerstag Mais Berufung gegen die vorzeitige Freilassung von fünf Männern abgelehnt, die sie im Jahr 2002 im Auftrag eines Stammesrats vergewaltigt hatten. Der Rat hatte die Vergewaltigung damals als “Strafe” für eine vermeintliche Beziehung des zwölfjährigen Bruders des Opfers zu einer Angehörigen eines rivalisierenden Stammes angeordnet.
Der Fall hatte weltweit für Aufsehen gesorgt, weil das Opfer… weiter lesen
25.04.2011 von Helmut Höge

“Arabische Nächte”. Photo: gutenberg.org
Seit drei Monaten breitet sich der Aufstandsvirus in Arabien und darüberhinaus aus. Es geht vor und zurück. Wenn man sich die Geschichte der arabischen Länder ankuckt, dann war sie von Beginn des Islams an eine Aufeinanderfolge von Aufständen, die jedoch, so sie siegreich waren, zumeist nur ein neues korruptes Regime an die Macht brachten. Der Westen hat daraus eine ganze Subanthropologie des islamisierten Arabers gemacht – die Edward Said auf den bitteren Begriff des “Orientalismus” gebracht hat.
Der Arabist Hartmut Fähndrich, verantwortlich für die “Arabische Literatur” im Schweizer Lenos-Verlag, schreibt in der Neuen Zürcher Zeitung zu Ostern:
“Von «Modern Egypt», den Reflexionen des einstigen britischen Generalgouverneurs in Ägypten, Evelyn Baring bzw. Lord Cromer, bis hin zu «Versiegelte Zeit» des derzeit in Jerusalem und Leipzig lehrenden Historikers Dan Diner und Hunderten weiterer Werke über die Muslime wurde es immer wieder festgeschrieben: Der homo islamicus , der… weiter lesen
23.04.2011 von Helmut Höge
Das österlich verbummelte Berlin, viele Einwohner sind verreist, dafür sind noch mehr Touristen angereist, steht in starkem Kontrast zu den sich immer noch oder wieder ausbreitenden Aufständen anderswo. Und doch flimmert unterhalb dessen so etwas wie Nervosität auf – einerseits mobilisieren die Autonomen zur 1.-Mai-Demo, u.a. mit einem schönen roten Plakat auf dem sich ein großes arabisches Schriftzeichen befindet – das Wort für Tahrir oder für Aufstand vielleicht? Andererseits alarmisiert die Boulevardpresse schon mal kräftig im Vorabbereich gegen eine machtvolle 1.Mai-Demonstration.
Auch die Springerstiefelpresse ist von den Arabischen Aufständen enthusiasmiert worden, aber auf ihre – reaktionäre – Weise. Seit Anfang der Woche dröselt die BZ die linke Scene, vornehmlich Kreuzbergs, auf – namentlich und mit Photos sowie Graphiken, die dieses militante “Netzwerk” veranschaulichen sollen. Mehrere Betroffene haben bereits Klage erhoben gegen bestimmte ihnen zugeordnete “Fakten”. Für die BZ kristallisiert sich dieses schon Al-Quaida ähnelnde Terror-Netzwerk zunächst in 61 im… weiter lesen
21.04.2011 von Helmut Höge
Ähnlich wie schon seit langem in Nordirland und im Libanon, wo die Segregationen entlang der Religionszugehörigkeit verlaufen, soll es nun auch in Nigeria sein, wo die Christen im Süden und die Moslems im Norden des Landes leben. Al Dschasira schreibt dazu heute:
“President Goodluck Jonathan was re-elected this week with more than 59 per cent of the vote, and his victory promptly touched off unrest across the country’s northern areas. More than 200 people have been killed and countless others injured during days of rioting, much of it in Kaduna state, where protesters burned photos of the incumbent president and set churches on fire. Nigeria is largely divided between a Christian south and a Muslim north; Jonathan is a Christian.”
Einige linke Zeitungen tendieren bereits dahin, die libyschen Rebellen in Benghasi als halbe Muslimbrüder abzutun und das Gaddafiregime als halbwegs modernes Bollwerk gegen den westlichen Imperialismus anzusehen. AFP meldet aus… weiter lesen
20.04.2011 von Helmut Höge
Wie sich die orientalischen und okzidentalischen Geheimdienste gleichen:
die taz von heute meldet:
Innensenator Ehrhart Körting (SPD) hat sich für eine Neubewertung des “Islamismus” eingesetzt. Der Begriff sei wissenschaftlich verfehlt, schreibt Körting im Vorwort des Berliner Verfassungsschutzberichtes 2010, der am Dienstag vorgestellt wurde. Weder Katholizismus noch Hinduismus oder Buddhismus würden in der öffentlichen Wahrnehmung mit Extremismus in Verbindung gebracht, sagte Körting. Nur bei Islam und Islamismus gebe es diese Gleichsetzung.
Aktuell geht der Verfassungsschutz von 450 gewaltorientierten Islamisten in Berlin aus, 40 mehr als im Vorjahr. Das bedeute aber nicht, dass ihre tatsächliche Zahl gestiegen sei, so Schmid. Vielmehr habe ihr Amt einen besseren Einblick in die hiesige Hisbollah bekommen und daher die Zahl nach oben korrigiert.
Die Gefahrenlage schätzt Körting nach wie vor hoch ein. Anders als im November gebe es aber derzeit “keinerlei Hinweis auf konkrete Anschläge”. Insgesamt habe sich der islamistische Terrorismus seit 2001 vollkommen verändert.… weiter lesen
19.04.2011 von Helmut Höge
Die taz trifft sich heute zu einer Sondersitzung über die arabischen Aufstände. Was ist mit den anderen islamischen Ländern – d.h. was geht dort vor sich? Hier die letzten Meldungen von den verschiedenen Nachrichtenagenturen aus so ziemlich allen Ländern, in denen eine Mehrheit islamischen Glaubens ist. Diese Nachrichten sind fast ausschließlich schrecklich, aber das kann auch an den westlich-christlichen Agenturen liegen, die sie geliefert haben:
Indonesien:
In Indonesien sind bei einem Selbstmordanschlag in einer Moschee mindestens 26 Menschen verletzt worden. Der Attentäter habe sich zu Beginn des Freitagsgebets in einem Gebetsraum des Polizeihauptquartiers der Stadt Cirebon in der Provinz West Java in die Luft gesprengt, teilte die Polizei mit. Der in schwarz gekleidete, bisher nicht identifizierte Attentäter, der Ende 20 war, hatte selber an dem Gebet teilgenommen. Durch die Explosion wurden mehrere Polizisten, darunter auch der örtliche Polizeichef, verwundet.
Zuletzt waren im Juli 2009 bei Selbstmordanschlägen auf… weiter lesen
18.04.2011 von Helmut Höge

Photo: bento-bernd.blogspot.com
In einem Vortragstext von Antonia Herrscher zur “Schleierdebatte”, der von Frantz Fanons Essay “Algerien legt den Schleier ab” bis zu Christina von Brauns und Bettina Mathes’ jüngster Studie “Verschleierte Wirklichkeit – die Frau, der Islam und der Westen” reicht, ist von einer Aktion der französischen Ehefrau des Algerierschlächters General Massu die Rede: Sie veranstaltete mitten im blutigen Befreiungskampf der Algerier gegen die Franzosen auf dem Marktplatz von Algier eine öffentliche “Entschleierung” der algerischen Frau. “Wenn wir die Frauen gewonnen haben – haben wir den Kampf gewonnen,” so bezeichnete Edward Said diese Aktion innerhalb der Anstrengungen der Franzosen, das Land zu pazifizieren.
Wenn hier und jetzt wiederholt davon die Rede war, dass die arabischen Frauen das “historische Subjekt” der Aufstände und der Demokratiebewegungen in den Ländern des Nahen Ostens und des Maghreb sind, dann klingt darin noch der General Massu quasi in den Mund gelegte Satz von Said… weiter lesen