“Memorex” – die Pille für alle, die an gesellschaftlichem Gedächtnisschwund leiden. Als solcherart verpackte “Medizin” brachten die Keiko-Fujimori-Gegner in den letzten Tagen die Übeltaten des Fujimori-Regimes der 90-er Jahre wieder in Erinnerung.
Wenn man allerdings verstehen will, warum die Peruaner heute die Wahl zwischen zwei Präsidentschaftskandidaten der Extreme haben, dann reicht eine geringere Dosis Memorex: auf den Tag genau vor zwei Jahren kündigte sich im Massaker von Bagua bereits an, dass im neuen Wirtschaftswunderland Peru einiges faul ist.
Zur Erinnerung: die Indigenas des Amazonastieflandes hatten monatelang gegen die von Alan García vorgesehenen neue Eigentumsregelung des Amazonasgebietes protestiert. Der peruanische Staat wollte die Gemeinschaftsrechte der Indigenas einschränken, um einfacher Schürf- und Bohrrechte an in- und ausländische Investoren vergeben zu können. Protest heisst in Peru meist die Blockade einer der grossen und wenigen Überlandstrassen. So blockierten vor zwei Jahren auch die Indigenas die Strasse zu einem für die Hauptstadt wichtigen… weiter lesen
Archive for the ‘Gesellschaft’ Category
Ich holte ihn in Genf vom Bahnhof ab, fuhr ihn jeden Tag vom Hotel zur Konferenz, begleitete ihn abends zu Empfängen, und am freien Sonntag spazierten wir durch Chamonix. Wie ein Außerirdischer kam er mir in der Schweiz vor, in seiner Windjacke und auf dem Kopf das Barett mit Kommandantenstern. Er wirkte schüchtern, ironisch, aber man spürte gleich seine Autorität…
… erinnert sich Jean Ziegler an Ernesto “Che” Guevara, der dem “helvetischen Kleinbürger” schließlich einen guten Rat gab.
Dass der streitbare Schweizer nicht nur zornig, sondern auch sehr humorvoll sein kann, zeigt er in diesem äußerst lesenswerten ZEIT-Interview.
Foto: dpa
Der ehemalige chilenische Formel-1-Pilot Eliseo Salazar, Teilnehmer der diesjährigen Dakar-Rallye durch Chile und Argentinien, ist schon am vergangenen Dienstag mitsamt seinem Hummer aus dem Wettbewerb ausgeschieden, angeblich wegen Problemen mit der Schaltung. Ein im Netz kursierendes Video lässt er grobe Orientierungsprobleme vermuten.
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PS: Am Donnerstag starb während der 11. Etappe in Argentinien (Chilecito-San Juan) ein 42 Jahre alter Einheimischer beim Zusammenstoß seines Kleinlasters mit dem Toyota-Team Eduardo Amor/Horacio Alejandro Fenoglio (Argentinien). Er ist das 60. Todesopfer in der Geschichte der Rallye. Der Mann aus Tinogasta war Landarbeiter, er hinterlässt Frau und Kinder. Die beiden Rallye-Fahrer erlitten keine ernsthaften Verletzungen.
Kubas Wirtschaft wird privater. Mit der angekündigten Entlassung von einer halben Million Staatsangestellert wird der Privatsektor auf der Insel zu einem wichtigen Wirtschaftszweig – und das ist durchaus gewollt.
Chile hat sein Bergmann-Wunder: 17 Tage nach dem Einsturz einer Gold- und Kupfermine im Norden des Landes gibt es Gewissheit, dass alle 33 unter Tage vermissten Arbeiter am Leben sind. Eine Sonde, die nach mehreren gescheiterten Versuchen am Sonntag den Schutzraum traf, in dem die Männer vermutet wurden, kam mit einer handschriftlichen Notiz zurück. Die Freude der Angehörigen, die seit mehr als zwei Wochen bei dem Bergwerk kampieren, ist unbeschreiblich.
Präsident Sebastián Piñera hat das “Wunder”, von dem nun alle sprechen, voll ausgekostet: Obwohl die Nachricht von dem gelungenen Kontakt bereits die Runde gemacht hatte, verkündete er vor Ort mit Überschwang (“Viva Chile, Mierda!”) die frohe Botschaft, den Zettel der Verschütteten in der Hand: “Dies hier kommt aus den Eingeweiden der Erde, es ist eine Botschaft unserer Bergleute, die sagt, dass sie leben und vereint darauf warten, ans Sonnenlicht zurückzukehren und ihre Familien in die Arme zu… weiter lesen
In La Paz geht’s dieser Tage viel ums Wasser: Zum Weltwassertag gestern organisierte die Stadtverwaltung eine Wasser-Messe, auf der man sich an diversen Ständen über den verantwortungsvollen Umgang mit dem Element informieren konnte. Dazu interpretierten Musikgruppen aus dem Umland Lieder über’s – genau! – Wasser.
Wasser ist ein immer wichtigeres Thema im Hochland von Bolivien. Die Millionenstädte La Paz und El Alto beziehen ihr Trinkwasser aus Talsperren, die hauptsächlich aus Gletscherabflüssen gespeist werden. Diese Gletscher schmelzen, bedingt durch den Klimawandel, rapide: Zwischen 1997 und 2004 haben die Gletscher nach Angaben der UN etwa 25 % ihrer Masse verloren, einige deutlich mehr: Der Milliuni-Gletscher oberhalb der gleichnamigen Talsperre, ist seit 1997 um 68 % geschmolzen. Experten meinen, dass schon bald neue Quellen erschlossen werden müssen, um die Versorgung der Städte mit Trinkwasser sicherzustellen.
Auch auf dem Land im Altiplano spüren die Menschen die Folgen des Gletscherrückgangs, wie das… weiter lesen
Ein paar Schlussfolgerungen, 12 Tage nach dem Erdbeben in Chile.
1. Auch 8,8 Grad Richter können eine Michelle Bachelet nicht erschüttern. Bei der letzten Adimark-Umfrage nach dem Beben kommt die heute scheidende Präsidentin auf sagenhafte 84 Prozent Zustimmung zu ihrer Regierungsführung. Das war nach den Ereignissen post terremoto nicht unbedingt zu erwarten. Offensichtlich honorieren die Chilenen, dass Bachelet von der Naturkatstrophe und ihren Auswirkungen sichtlich bewegt war – und nach bestem Wissen und Gewissen versucht hat, die Lage in den Griff zu bekommen. Auch wenn das nicht so recht funktioniert hat. Der Politikwissenschaftler Patricio Navia meint deshalb: In ein paar Wochen ist der Schutt weggeräumt, erst dann wird man sehen, ob auch die ehemalige Präsidentin strukturelle Schäden erlitten hat.
2. Chile war auf ein Erdbeben nicht vorbereitet – jedenfalls nicht auf so eines. Obwohl Geologen längst mit einem größeren Beben… weiter lesen
(Bilder aus Concepción, Lota, Lebu, Coronel und Curanilahue)
Auf dem Weg zum Supermarkt spricht der intendente im Radio. Der regionale Regierungschef lädt die Bürger von Puerto Montt dazu ein, sich solidarisch mit dem Rest des Landes zu zeigen, der vor exakt 50 Jahren mit der verwüsteten Hafenstadt ebenso solidarisch war. Der intendente hat sich eine griffige Formel ausgedacht: ALP. Das heißt agua, leche, pañales – Wasser, Milch und Windeln. Warum nicht Mehl, Öl oder Zucker gesammelt werden, weiß ich nicht, vielleicht sammeln das andere Städte. Bei “Jumbo” kaufe ich drei Kilo Milchpulver, fahre auf dem Rückweg bei der Abgabestelle vorbei und bin einer der ersten Spender. Man filmt mich.
Überhaupt: Wer sollte eigentlich spenden, wieviel und warum? Natürlich helfe ich gern, Solidarität ist wichtig. Aber haben die betroffenen Regionen, hat die Zentralregierung keine Lebensmittellager für den Katastrophenfall? Chile ist ja nicht Haiti, in normalen Zeiten ist hier nicht Unterernährung ein verbreitetes Problem,… weiter lesen














