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vonChristian Ihle 12.01.2009

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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Es gibt zwei Zeichen dafür, dass eine Band ein Jahr beherrscht hat. Einmal natürlich die überwältigende Dominanz in den Jahrescharts aller möglichen Musikmagazine oder in der verzeifelten Suche von Medien und Industrie nach den neuen XY.
2008 war das Jahr von MGMT – kein Wunder also, dass eine handvoll neuer Bands schon mit dem Mühlstein „Die neuen MGMT“ durch die Manege getrieben werden…

Amazing Baby

amazing baby

Die logischen Nachfolger sind wohl Amazing Baby, die wie die beiden Neo-Hippies von MGMT ebenfalls aus New York stammen und sich ebenso unverblümt am opulenten Gitarren-Sound der 70er bedienen.
Amazing Baby haben sogar eine Spur mehr Prog-Rock-Einflüsse (und leider auch weniger dieser lustigen, unwiderstehlichen Keyboardmelodien, mit denen MGMT noch jeden herumbekommen haben) und wurden von Carl Barât in unserem Blog als beste neue Band bezeichnet. Benötigt etwas Geduld, wächst aber zugegebenermaßen…

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* Head Dress
* Pump Your Brakes (download)

Hockey

Hockey

Ebenfalls aus den USA, aber aus Portland/Oregon, stammen Hockey.
Hockey würde man in anderen Jahren als die neuen Killers, die poppigeren LCD Soundsystems oder – wenns ganz dumm kommt – als die neuen Bravery bezeichnen. 2008/09 aber ist MGMT-Jahr, also gibt es keine Widerrede: die Pop-MGMT, was natürlich Quatsch ist. Egal wie, egal was, „Too Fake“ ist jedenfalls ein Hit, den vor einigen Jahren vielleicht noch Hot Hot Heat in ihrer besten Zeit geschrieben hätten.

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* Too Fake

Passion Pit

passion pit

Der Bastardsohn aus MGMT und Hot Chips letztem Album? Songwriter Michael Angelakos tut sein bestes, um diese Vision Wirklichkeit werden zu lassen, auch wenn er selbst von Giorgio Moroder und Randy Newman als Haupteinflüssen spricht – aber wer will sich auch schon die neuen MGMT und die neuen Hot Chip schimpfen lassen?
„Sleepy Head“ jedenfalls erweckt wie die besten Pop-Electro-Tracks eine Euphorie, dass man unablässig die Hände zum Himmel werfen möchte und teilt sich mit MGMT-Songs wie „Kids“ Gestampfe und das Prinzip der einfachen Melodie, das am Ende des Tages immer gewinnt.

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* Sleepy Head

Blikk Fang

Andrew MGMT

Sind auf gewisse Weise tatsächlich die neuen MGMT, da sie zur Hälfte aus MGMT und zur anderen aus Of Montreal bestehen, was in bestimmten US-Indiekreisen bestimmt zu Zungeschnalzen, Händereiben, Pitchfork-refreshen und sonstigen körperlichen Vorfreudetätigkeiten führen dürfte. Darf man den ersten Höreindrücken glauben, bewegt sich MGMTs Andrew VanWyngarden ein Jahrzehntchen nach vorne und macht es sich mit Of Montreals Kevin Barnes in den frühen 80ern bequem. Der bisherige Arbeitsstil wurde von einem Of Montreal Bandmitglied hübsch beschrieben: „Kevin will think of an absurd title and tell Andrew to write a song… and then he does! And vice versa. But now it will be more collaborative.“

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* Just A Little Judas Tonic (anhören)

Virgin Tongues

Virgin Tonuges

Zugegeben, musikalisch haben die Wahlberliner aus den USA, Virgin Tongues, wenig mit MGMT gemein. Dafür sehen aber zwei Drittel der Band derzeit aus, als wären sie in Brooklyn durch das MGMT-Casting gefallen und aus Frust nach L.A. gefahren, um sich dort die ausrangierten Klamotten von Mötley Crüe überzuwerfen. Überhaupt Mötley Crüe: auch hier musikalisch wieder ein Holzweg, aber Gehabe und Attitude nimmt schon viel von deren gelebtem Rock’n’Roll-Klischee auf.
Angenehm, dass die Virgin Tongues zwar noch so schlimm nach Glam-Metal aussehen wollen, aber doch nie so klingen – sondern vielmehr einen Sound in der Tradition von Brian Jonestown Massacre, den Velvets und dem US-Psychedelic-Pop der End60er verfallen sind.

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* Six Feet Underground

Weitere Folgen:
1: Singer/Songwriter für 2009
2: Pop/Hip-Hop für 2009
4: Britische Gitarre
5: US Gitarre für 2009
6: Willkommen im Untergrund in 2009

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