“Ich verehre ihn nicht nur nicht, ich verachte ihn. Schmidt ist ein Bescheidenheitsprotz, der öffentlich Erbsensuppe predigt und heimlich Subventionswein trinkt. Will sagen: Dieser an Geschwätz-Diarrhoe leidende Ersatz-Hindenburg benutzt den Apparat des Bundeskanzleramtes, immerhin steuerbezahlte Leute, als seien sie seine persönlichen Domestiken. Nach einer internationalen Konferenz wurde von ihm jüngst der Satz „Rollt mich hier raus“ kolportiert, mit dem er seine Bodyguards anherrschte, als seien sie sein privater Pflegedienst. Das sind sie aber nicht. Warum nimmt er sich das also heraus? Ist er was Besseres als die anderen? Nein. Er ist ein gescheiterter Politiker und ein Angestellter eines Zeitungsverlages. Nichts anderes.”
(Fritz J. Raddatz über Helmut Schmidt in einem, nun ja, erstaunlichen, beinah sensationellen Interview mit der FAZ)
Mit Dank an Daniel, Stefan und Markus!
Schmähkritik-Archiv:
* 500 Folgen Schmähkritik – Das Archiv (1): Musiker,… weiter lesen
Archive for Oktober, 2012
1. Peace – California Daze

Die junge britische Band Peace ist neben den Savages (siehe unsere Songs des Monats Juni) und Palma Violets (siehe unsere nächsten Songs des Monats…) die spannendste neue Gitarrengruppe des Königreichs. Wo die einen Siouxsie & The Banshees und die anderen den Libertines huldigen, präsentieren Peace auf ihrer “Delicious”-EP einen erstaunlichen Genre-Mix. Auf dem zehnminütigen Binary Finary – Cover “1998″ erwecken sie die gute alte Madchesterzeit zu neuem Leben, wohingegen “California Daze” exakt so klingt wie es der Name verspricht: psychedelischer Sonnenbrennpop, der Big Star und Teenage Fanclub genauso ins Gedächtnis ruft wie die zweite Hälfte von “Abbey Road” der Beatles. Meine anfängliche Skepsis der Band gegenüber hat sich in sonniges Wohlgefallen aufgelöst. Das, meine Lieben, ist ein Hit.
In Zeiten der Kanalvielfalt und des programmierbaren Festplattenrecorders kann man sich bei ein wenig Beschäftigung mit dem TV-Programm tatsächlich ein schönes, frei empfangbares Filmprogramm zusammenstellen. Ein Film pro Tag:
Montag, 29.10.
Das unsichtbare Mädchen, ZDF 20.15

Dominik Graf ist von allen deutschen Regisseuren der beste Grenzgänger zwischen Kinoleinwand und Fernsehbildschirm. Nach seiner formidablen Serie “Im Angesicht des Verbrechens” ist er im Spielfilm “Das unsichtbare Mädchen” wieder mit dem damaligen Hauptdarsteller Ronald Zehrfeld vereint. Die SZ war von der Erstaustrahlung mehr als begeistert: “Das Wichtigste aber ist, mit welcher Härte dieser Film erzählt wird. Keine Figur ist eindeutig, keiner nur gut oder böse, so wie man es sonst aus deutschen Krimis gewohnt ist. Moralische Fragen interessieren nicht, hier schläft sich eine junge Polizistin mit ihrem Chef nach oben, hier verprügeln sich Tanner und seine Kollegin Evelin Fink… weiter lesen

Fast zehn Jahre ist das Debüt der Düsseldorfer Band Kiesgroup bereits alt. Vor allem mit ihrem Zweitwerk “Gladbach oder Hastings” konnte die Band für einiges Aufsehen sorgen, waren doch “Die Strokes” und “Dieter und Jane” kleine, feine Indiepunkknaller, die mit Texten wie „Gehst du noch ein Stückchen mit mir / ich muss noch schnell zur AOK / und frag dort nach der Freistellung / für meine Psychopharmaka“ glänzen konnten. Das neue Album “Shantychrist” ist herrlich wild und dermaßen all over the place, dass selbst ein 20-minütiges-Hörspiel am Ende keinen mehr verwundert. Dazu noch das hässlichste Cover des Jahres, Punk!
Am Samstag spielen Kiesgroup im Berliner Schokoladen mit unserer liebsten Coverband, Boy Division. Ein Pflichttermin!
* Die drei besten Punksongs/-singles?

1) U.K. Decay – Dresden
2) PIL – Low Life
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Der britische Guardian schreibt zu “Two Weeks, One Summer”, der Ausstellung neuer Damien-Hirst-Gemälde in der White Cube Gallery in London:
“The last time I saw paintings as deluded as Damien Hirst’s latest works, the artist’s name was Saif al-Islam Gaddafi. A decade ago the son of Libya’s then still very much alive dictator showed sentimental paintings of desert scenes in an exhibition sponsored by fawning business allies. Searching for some kind of parallel to the arrogance and stupidity of Hirst’s still life paintings, I find myself remembering that strange, sad spectacle.
(…)
This is the kind of kitsch that is foisted on helpless peoples by Neros and Hitlers and such tyrants so beyond normal restraint or criticism they believe they are artists. I am not saying this to be cruel. There is a real analogy: Hirst like an absolute ruler must be utterly surrounded… weiter lesen

An diesem Samstag findet in der fränkischen Metropole zum zweiten Mal das Nürnberg Pop statt, ein Innenstadtfestival analog des Reeperbahnfestivals in Hamburg oder des SouthBySouthwest in Austin/Texas, das dank seiner süddeutschen Lage mit gleich zwei österreichischen Acts als Knallern aufwarten kann: Gustav und Kreisky-Sänger Austrofred werden neben Gravenhurst und Team Me die Headliner geben.
Wir haben mit dem Organisator David Lodhi gesprochen – und verlosen 2×2 Karten für das Nürnberg Pop.
Interessenten bitte Mail an ihle.christian at googlemail.com
Popblog: Das Innenstadt- und Clubbühnenfestival Nürnberg Pop gibt es jetzt im zweiten Jahr. Wie seid ihr auf die Idee gekommen, in der Rock-Im-Park-Stadt ein so völlig anderes Musikfestival auf die Beine zu stellen?
David Lodhi: Zwei aus unserem Dreierteam, Thomas Wurm und ich, haben mit unserer Band Wrongkong 2010 auf dem Reeperbahnfestival in Hamburg gespielt. Wir waren fasziniert… weiter lesen
Trailershow 10/12: Studio Braun mit Fraktus, Gangster Squad mit Ryan Gosling, ein Carrie-Remake, Zero Dark Thirty über Osama Bin Laden
von Christian Ihle“Trailer sind der perfekte Film. Sie sind Versprechen, die niemals gebrochen werden.”
(Jean-Luc Godard)
Vier Filme, auf die man sich freuen kann:
Fraktus (Regie: Lars Jessen, u.a. “Dorfpunks”)

1. Stil, Satz, Sieg:
Ein deutsches Techno-Spinal-Tap von Studio Braun!
2. Darum geht’s:
Fraktus sind die vergessenen Heroen der Neuen Deutschen Welle und mit ihrem palaisschaumburgigen Avantgardepop auch die Begründer des deutschen Techno. Doch Streit und die berühmten “künstlerischen Differenzen” sorgten Mitte der 80er für den Bruch der Band, jedes der drei Mitglieder ging eigene Wege und ist jetzt entweder Trash-Disco-DJ auf Ibiza oder Copyladenbesitzer in Hamburg. Die Dokumentation spürt die drei Frakti auf und begleitet sie auf ihrem Weg zum Comeback, kommentiert und unterstützt von Alex Christensen (U 96), HP Baxxter (Scooter),… weiter lesen

Im Frühjahr veröffentlichten Die Türen ihr Alphabet-Album und haben nun mit einer schönen Idee nachgelegt: zehn Künstler aus dem Türen-Dunstkreis wurden gebeten, sich eines Songs dieser Platte anzunehmen und ihre eigene Version zu zimmern. Das Coveralbum ist Ende September erschienen und wir haben den Türenkopf Maurice Summen gebeten, sich sozusagen zu revanchieren und uns wiederum seine Lieblingssongs der beteiligten Künstler zu nennen:
Locas in Love – Teleshop
Für mich ist diese Band eben nicht nur eine gewöhnliche Indierock-Band,
sondern ein Gesamtkunstwerk.
Hier wird das Private zur Musik -
Und jedes Produkt Kunstvoll verpackt.
Ein schönes Beispiel: Dieser eigens produzierte Werbefilm für das Locas in Love- “Winter”-Album mit einer vollkommen unerwarteten, tollen Schlussperformance.
Besser geht es nicht – nur anders!


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Seinen 10. Geburtstag feiert in dieser Woche übrigens “Up The Bracket” von The Libertines.
Oder um es mit Blurs Graham Coxon zu sagen:
“It was a bomb of discomfort, mischief, anger and pride. One of the best albums ever made.”

Zitat aus der NME-Titelgeschichte über die Albumentstehung. Sehr lesenswert, mit die amüsantesten zehn Seiten, die in diesem Jahr in einem Musikmagazin stehen dürften.

In der britischen Tageszeitung The Guardian spricht Alanis Morrissette über ihren ersten Platte und erzählt wie sie durch Deutschland die Schlümpfe kennengelernt hat. Auch ‘ne Erinnerung:
What was the first song you ever bought?
The Smurfs All Star Show by The Smurfs. That was the title of the album and the song. I was five and we were living in Germany, and I believe The Smurfs originated in that area. I still have the record on my shelf in my living room. I haven’t played it in a while because I don’t have a record player. I should get it digitally transferred.

