Archive for the ‘Album des Monats’ Category

23.12.2010 von Christian Ihle
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Album des Monats November – Platz 1: Girls – Broken Dreams EP

von Christian Ihle

girls broken

Es mag viel erstaunliches an den Girls, der Zweimannband aus San Francisco, geben, aber letzten Endes überrascht doch immer am meisten, dass die scheinbare Simplizität von Songs und Lyrics nicht etwa dazu führt, dass man sich schnell verliebt, aber wieder überdrüssig wird, sondern dass Girls das Gegenteil eines Onenightstands sind. Wie schon beim Debütalbum gilt für die recht überraschend erschienene EP wieder: neben den sofort als Hits zu identifizierenden Songs wachsen die ursprünglich nur als Füllermaterial angesehenen Lieder mit jedem Abspielen weiter, so dass wir erneut ein in sich geschlossenes, verdammt gutes und – das ist eben das überraschende – Woche um Woche besser werdendes (Mini-)Album bekommen haben.

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Wer bisher nur die drei großen Girls-Songs „Lust For Life“, „Hellhole Ratrace“ (unsere Songs des Jahres 2009) sowie „Morning Light“ kennt, wird vom recht kontemplativen Sound vielleicht überrascht sein. Wer allerdings die b-Seiten der erwähnten Singles bereits gehört hat, weiß, wo diese EP herkommt. Durchgehend ruhige Stücke, mal wie bei „Heartbreaker“ zart countryfiziert wie ihre Cover-Version des Skeeter-Davis-Klassikers „End Of The World“ („Morning Light“ b-Seite), mal wie beim wundervollen „Thee Oh So Protective One“ mit versteckten Doo-Wop- und Brill-Building-Einflüssen, die man auch auf dem Burt-Bacharach-zitierenden „Life In San Francisco“ („Lust For Life“ b-Seite) schon vernehmen … weiter lesen

22.12.2010 von Christian Ihle
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Album des Monats November – Platz 2: Blue Angel Lounge – Narcotica

von Christian Ihle

Schon das ursprünglich selbstveröffentlichte Debüt der blutjungen Burschen aus dem Westen Deutschlands sorgte für einiges Erstaunen – wie oft finden wir auch hierzulande Bands, die sich am dronig-psychedelischen Ende von Velvet Underground abarbeiten und dabei nicht auf die Schnauze fallen?

Mit „Narcotica“, ihrem zweiten Album, machen Blue Angel Lounge nun einen Sprung wie man ihn zuletzt bei The Horrors verfolgen konnte. Einen Sprung um ein Jahrzehnt, einen Sprung aus dem Epigonentum in ein neues, vielschichtigeres Ich, mit beiden Beinen auf einem dicht geknüpften Referenzteppich landend. 1967 ist nicht mehr die alles beherrschende Jahreszahl bei Blue Angel Lounge, sondern ebenso die ausgehenden 70er Jahre – jene dronig-psychedelische Wärme der Velvet Underground wird nun mit der klirrenden Kälte von Post-Punk-Einflüssen verbunden.

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Dass Anton Newcombe, Mastermind von Brian Jonestown Massacre, helfende … weiter lesen

13.12.2010 von Christian Ihle
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Album des Monats November – Platz 3: Let’s Wrestle – In The Court Of The Wrestling Let’s

von Christian Ihle

Die zweitbeste verspätete Veröffentlichung des Jahres, meine Damen & Herren! Bereits im Sommer 2009 waren wir vom Album der britischen Lo-Fi-Schrammler Let’s Wrestle so begeistert, dass wir es zur Platte des Monats (Originalreview siehe weiter unten) machten – und ein halbes Jahr später auf Platz 6 unserer Endjahrescharts führten.
Keinen Deut schlechter ist seitdem das Originalalbum geworden, das immer noch wunderbar verschrobene Lyrics mit brüchigem Gesang über wobbeliges Gitarrengeschrammel singt – und es dennoch Song um Song schafft, dabei eine Eingängigkeit zu produzieren, die nicht mehr los lässt.

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Auch wenn es lange gedauert hat bis sich eine deutsche Plattenfirma Let’s Wrestle erbarmt hat, muss man dennoch ein großes Kompliment an das Full Time Hobby – Label hinterherschieben: sozusagen als Verspätungsentschuldigung gibt es im Gegensatz zur britischen Originalveröffentlichung als zweite CD die Sammlung aller vor dem Debüt veröffentlichten Singles und EPs. Eat this, Deutsche Bahn! … weiter lesen

11.11.2010 von Christian Ihle
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Album des Monats Oktober – Platz 2: Jens Friebe – Abändern

von Christian Ihle

Jens Friebe mag immer noch auf einem genuinen Indielabel veröffentlichen, hervorragend vernetzt ist er allemal. Zunächst als Autor für das Kölner Musikmagazin Intro tätig, konnte er seinen Plattenvertrag bei Alfred Hilsbergs ZickZack-Label der Legende nach durch persönliche Fürsprache Jochen Distelmeyers und dessen Weitergabe eines Demotapes an Hilsberg ergattern.

Friebes älterer Bruder Holm ist Mitglied der in Berlin und im Internet äußerst umtriebigen “Zentralen Intelligenz Agentur” (unter anderem Betreiber des Blogs “Riesenmaschine”), in deren Dunstkreis auch Jens Friebe immer mal wieder auftaucht. Auch Jens Friebe ist in der Zwischenzeit dank einer Sammlung von taz-Kolumnen zum Buchautor (“52 Wochenenden”) geworden, zudem als “fester Aushilfsschlagzeuger” bei der Berliner Band Britta.

friebe abändern

Bei soviel Nebentätigkeiten nimmt es nicht Wunder, dass die Abstände zwischen seinen Soloalben immer länger werden. Seit seinem letzten musikalischen Lebenszeichen unter eigenem Namen sind jetzt auch schon geschlagene drei Jahre vergangen. Lass mich Dein ,Plus Eins’ sein, Baby, tonight! singt Jens Friebe auf seinem nunmehr vierten … weiter lesen

04.11.2010 von Christian Ihle
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Album des Monats Oktober – Platz 1: Christiane Rösinger – Songs Of L. & Hate

von Christian Ihle

Es ist ein schlecht gehütetes Geheimnis: Ja, Panik sind derzeit die beste deutschsprachige Band der Welt. Nach ihrem phänomenalen „The Angst & The Money“ – Album vom letzten Jahr ist es schön, in der japanikfreien Zeit ein halbes neues Album der Österreicher vermelden zu können, hat doch Panik-Mastermind Andreas Spechtl die neue Platte der Grande Dame des deutschen Indiepop, Christiane Rösinger (Britta, Lassie Singers), instrumentiert und die Musik geschrieben, während Rösinger sich ganz auf ihre Texte konzentrieren konnte.

Rösinger

So klingt „Songs of L. and Hate“ tatsächlich wie eine Kreuzung aus Ja, Panik – Demotapes und Rösingers Britta-Zeit. Dabei tritt das Frenetische von Spechtls Hauptband in den Hintergrund und werden seine Lieder zu closing time – Stücken in verrauchten Bars, die immer wieder das Songwritertum der späten 60er, frühen 70er zitieren – wie überhaupt die ganze Platte vor Referenzen nur so überquillt. Der Albumtitel bezieht sich auf das epochale Leonard-Cohen-Album „Songs Of Love & Hate“ (1971), das Cover stellt originalgetreu Bob Dylans „Bringing It All Back Home“ – mit Spechtl im roten Ganzkörperanzug! – nach (1965) und Rösinger textet erfolgreich „These Days“ von Nico (1967) in unsere Sprache um.

Dass sie sich entschieden hat, im Vergleich zum Cohen-Albumtitel ausgerechnet das „Love“ zu kürzen, ist kein Zufall. Hass und Desillusion sind die Treibstoffe des Albums, Liebe dagegen nur soweit wie sie unweigerlich zu Enttäuschungen führen wird.
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09.08.2010 von Christian Ihle
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Album des Monats Juli / Platz 1: Sleigh Bells – Treats

von Christian Ihle

Im Sommer des Lo-Fi krönt sich eine Band zu Königen, von denen man es nicht unbedingt erwartet hatte. Wo The Drums ordentlich abliefern ohne ganz zu begeistern, Best Coast etwas hinter den Erwartungen bleiben und die Smith Westerns IMMER NOCH NICHT in Deutschland veröffentlicht wurden, schleichen sich Sleigh Bells von hinten an und fetzen ein Album auf den Tisch, das den Mund offen stehen lässt.
Wieder zeigt sich: Einfachkeit rult.

Die Zweipersonenband erinnert … weiter lesen

29.07.2010 von Christian Ihle
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Album des Monats Juli / Platz 2: Dan Sartain – Dan Sartain lives

von Christian Ihle

sartain

Selten hat ein Cover-Artwork so wenig zur darin steckenden Platte gepasst! Bei Album Nummer 1 präsentierte sich Dan Sartain noch mit einem Galgenstrick um den Hals, was durchaus mit dem ins Nichts blickenden, rauhen Garagenrock gut korrespondierte. Die countryesque zweite Platte zeigte ihn mit zum Kopfschuß angesetzter Pistole. Umso verwunderlicher, dass nun die Rückkehr zu den Rockwurzeln mit einem Hochglanzfoto verbunden wird.

Dabei ist der legitime Nachfahre der White-Trash-Ikone Hasil Adkins wieder in der Garage angelangt: Eine flache Produktion, schnelle, trockene Riffs, kein Vertuen, deutlich weniger Johnny-Cash-Songwriting als noch beim Vorgängerwerk. Die wenigen Ausflüge in andere Genres, wie der Gary-Glitter-Glamrock-Stampfer “Voo-Doo”, gelingen weit weniger gut als im klassischen Sartain-Soundgewand auftretende Garagenknaller der Marke “Walk Among The Cobras”, dessen “Pt. 4″ auch wieder auf das Debütalbum zurückverweist, auf dem die Cobra-Teile 1-3 erschienen waren. Ganz im Jürgen-Wegmann-Style erweist sich hier Sartain als… weiter lesen

26.07.2010 von Christian Ihle
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Album des Monats Juli / Platz 3: Tokyo Police Club – Champ

von Christian Ihle

Den Nimbus der Zuspätgekommenen werden Tokyo Police Club wohl leider nicht mehr so ganz ablegen können. Gegründet hat sich die kanadische Band im Jahr 2005 – und da war Bloc Party’s “Silent Alarm” bereits erschienen und hatte die Rockwelt nachhaltig beeinflusst. Dieses Standing werden sich die vier Twens unter Garantie nicht so schnell verdienen können, was aber auch vollkommen in Ordnung ist. Das Zweitwerk “Champ” macht nämlich durch die Bank so viel Spaß, dass man den Gedanken an Rock-Avantagarde und Pop-Revolutionen schnell vergisst.

TPC

Vier Jahre ist die “A Lesson in Crime”-EP nun schon alt, mit der die Bübchen auf sich aufmerksam machten. Die Hits von damals – … weiter lesen

19.07.2010 von Christian Ihle
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Album des Monats Juni / Platz 1: Television Personalities – A Memory Is Better Than Nothing

von Christian Ihle

„People think that we’re strange“ singt Dan Treacy über sich und seine Weggefährten auf dem neuen, xten Album der Television Personalities und keine Frage, ja, die Leute denken tatsächlich, Treacy ist ein komischer Kauz, ein Drogenwrack, dessen Songs schon auf Platte auseinanderfallen, von ihren Livedarbietungen ganz zu schweigen.

TVP Memory

Aber wir, die ein Faible, ein Herz, für die Gebrochenen der Popkultur haben, die einem Peter Perrett allen Unsinn verzeihen, weil er „Another Girl Another Planet“ geschrieben hat, die Peter Doherty trotz allem immer noch für den Songwriter seiner Generation halten, die immer wieder den sonderlichen Onkel aus Manchester, Mark E. Smith, ob seiner bizarren Auftritte hochschätzen, wir sehen in Dan Treacy den Übervater all der komischen Käuze, die es – dem Musikgott sei’s gedankt – noch in der glatt gebügelten, durchgestylten Popwelt des Jetzt gibt.

Treacy war schon Außenseiter als er ein großes Ding war. Als er 1978 seltsam verschrobenen Beinah-Akustik-Punk schrieb und dabei die Hipster und Wochenendpunks in „Smashing Time“ oder „Part Time Punks“ verlachte, als alle Nietengürtel dieser Welt nicht härter, nicht mehr punk sein konnten als Treacys brutales, dabei immer skizzenhaftes Sezieren von Szenegewohnheiten. Als ihn der eh nie wirklich große Erfolg verließ, machte Treacy trotzdem weiter. Immer weiter, egal ob Herz gebrochen, im Heroin schwimmend oder im Gefängnis sitzend. Und schuf dabei immer wieder diese Augenblicke der herzergreifenden Gebrochenheit, wenn die Echtheit des Moments dich aus der Vinylrille geradezu anschreit. … weiter lesen

13.07.2010 von Christian Ihle
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Album des Monats Juni / Platz 2: The Drums – The Drums

von Christian Ihle

“We only write about two feelings: one is the first day of summer when you and all of your friends are standing on the edge of a cliff watching the sun set and being overcome with all of your hopes and dreams at once. The other is when you’re walking alone in the rain and realize you will be alone forever.”

Schöner hätten die Drums diese Sätze nicht untermauern können als mit ihren ersten beiden richtigen Veröffentlichungen. War die Summertime EP noch eine musikalische (wenn auch zuweilen nihilistische) Zelebrierung der Sonnentage, so bringt das Debütalbum die dunklen Seiten mit Vehemenz in den Vordergrund. “Best Friend” eröffnet das Album und während man noch fröhlich die beschwingte Melodie mitsingt, merkt man dass es sich um einen Nachruf handelt (“You are my best friend, but then you died / When I was 23 and you were 25″). Es ist ein Schock, wie meisterhaft die jungen Amerikaner es verstehen, Melancholie und Lebensfreude gleichzeitig zu verbreiten.

drums

Musikalisch inspiriert von Joy Division, den frühen The Cure und New Order sowie Beat Happening gelingt ihnen diese bizarre Kombination aus Trauer und Freude auf musikalischer Ebene. … weiter lesen