Archive for November, 2006

30.11.2006 von Schröder & Kalender
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Manieren bei Aldi

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert in östlicher Richtung.
Manchmal läuft man vom Drehkreuz am Eingang bis zur Kasse mit anderen Kunden gemeinsam die Regale entlang. Es gehört dann etwas Geduld dazu, dem temporären Einkaufspartner nicht ins Gehege zu kommen, wenn man abwechselnd die Waren abgreift. Gestern schob eine sehr fette, muffige und schlampig gekleidete Frau den Wagen vor sich her. Sie war so dick, daß sie den Gang voll ausfüllte, das Gehen bereitete ihr Mühe. Sie tat mir leid, ich wich ihr aus, so gut ich konnte. Am Kassenband stand sie dann hinter mir, beim Auslegen meiner Sachen sah ich sie kurz an, da lächelte sie, wollte sich wohl bei mir bedanken für meine Rücksichtnahme, druckste herum und sagte dann: »Scheißwetter heute, wa?!«

(BK)

29.11.2006 von Schröder & Kalender
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Hermann Nitsch und sein Orgien Mysterien Theater

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert in östlicher Richtung.
Hermann Nitsch hat uns zur heutigen Ausstellungseröffnung der ›Orgien Mysterien Theater‹-Retrospektive in die Nationalgalerie eingeladen. Weil ich (Barbara) meine Erkältung an Jörg weitergegeben habe, gehen wir beide nicht aus dem Haus und werden also von der Vernissage nicht berichten. Stattdessen erzählen wir etwas aus der Vorgeschichte zum ersten Buch von Hermann Nitsch:

Cover-Nitsch2.jpg
Bazon Brock empfahl mir, mich mit Hermann Nitsch zu beschäftigen, der damals noch kein Buch veröffentlicht hatte. Wenn man die schrille Diskussion in den 90er Jahren um seine Städel-Professur in Frankfurt verfolgt hat, obwohl der Mann doch inzwischen ein Weltkünstler war und seine Bilder Hunderttausende kosten, weißt du, was 1969 los war. Da galt Nitsch noch als perverser Künstler und seine Aktionen wurden von Staatsanwälten verfolgt.

Ich hatte mich für den Aktionismus bislang nur vage interessiert und Manuskripte von Mühl abgelehnt, weil sein Typus mir unangenehm… weiter lesen

28.11.2006 von Schröder & Kalender
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Making of Pornography (24)

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert in nördwestlicher Richtung.
Und so geht’s weiter: Noch gravierender aber als auf Heinrich Böll war die Wirkung des ›Stern‹ auf den Richter für Handelssachen am Landgericht Frankfurt. Es gab einen Rahmenvertrag mit Maurice Girodias, in dem vereinbart war, daß Tantiemen an ihn gezahlt werden zur Verteilung an die amerikanischen Autoren – eigentlich normal. Nun war wegen des großen Aufsehens, das die Olympia Press Deutschland erregte, unsere Erfolgsgeschichte auch an die Ohren dieser Schriftsteller gedrungen, denen Girodias zwar Tantiemen für die Originalausgabe in den USA gezahlt hatte, aber nicht für die deutsche Lizenz. Die Autoren veranstalteten deshalb Demonstrationen vor dem Büro der Olympia Press New York, um auf sich aufmerksam zu machen: ›Auch Pornoautoren müssen leben!‹, stand auf ihren Transparenten. Es häuften sich die Briefe des Ehepaars Abrams an mich, das waren die Verfasser des Buches ›Barbara‹, ihr Pseudonym war Frank Newman, und weiterer zwanzig Autoren. Girodias schrie zusätzlich aus New York, London, Mailand, Istanbul oder von den Bahamas nach höheren Abschlagszahlungen auf jene Tantiemen, die er den Autoren vorenthielt, und würzte seine Fernschreiben mit herzzerreißenden Sprüchen wie: »authors cry!«

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Unser Umsatz war in den ersten Monaten steil nach oben … weiter lesen

26.11.2006 von Schröder & Kalender
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Die Bettenparty

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert schwach in nördlicher Richtung.

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Brief an Petra Plättner am 4. März 2002:

Liebe Petra,
wir möchten es nicht versäumen, Dir mitzuteilen, was Du und andere Marbacher Persönlichkeiten gestern nacht in Barbaras Traum erlebt haben:

Die Eingangstür befindet sich im Badezimmer, die Besucher betreten unsere Wohnung im Gänsemarsch. Das Badezimmer hat statt des Spiegelschranks einen Durchblick zur Küche. Dort stehen Jörg und ich und begrüßen per Zuruf die Gäste. Anschließend feiern wir eine Bettenparty – ohne libidinös Aktivitäten. Bald ist das Haus voller Gäste, die in Doppelbetten liegen, Champagner trinken und handgemachte Pralinen und Trüffel essen. In einem Doppelbett unterhält sich Ulrich Ott mit dem ehemaligen Regierungspräsidenten von Bayerisch-Schwaben Herrn Dörr über Eisenbahnen und das Verwaltungssystem in Bayern. Mathias Michaelis trägt einen Sherlock-Holmes-Pelerinenmantel und hat seine Pfeife im Mund. Er will ein Foto von Ulrich von Bülow machen. Der liegt auf zwei zusammengeschobenen samtroten gepolsterten Empirehockern,… weiter lesen

25.11.2006 von Schröder & Kalender
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Rotspon mit Kodein

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert in nördlicher Richtung.

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Seit einer Woche bin ich erkältet, zwei Tage lag ich im Bett, jetzt arbeite ich wieder und laufe schniefend und bellend durch die Wohnung. Bei Reizhusten empfehle ich Kodein! Also haben am Dienstag Miss le Bomb »and other lovely ladies« im King Kong Club verpaßt. Am Donnerstag hatte uns Bernd Feuerhelm »zum abhotten« ins Kastanienwäldchen eingeladen, ging och nich. Am Samstag werden wir die Verbrecher-Verlags-Fete verpassen – wie immer im Festsaal Kreuzberg. Die freundlichen Verleger, wir sind ja in einigen Verbrecher-Anthologien vertreten, feiern den Verlagsgeburtstag.

die Verbrecherverleger.jpg
Nur gestern abend haben wir nicht absagt, wir hatten Besuch von unserem Freund und Rechtsanwalt Albrecht Götz von Olenhusen. Als er anrief und vorbeikommen wollte, habe ich ihn gewarnt, aber er meinte, er sei auch erkältet. So haben wir bei Hirsch mit Rotkohl die Keime ausgetauscht und der Rotspon schmeckte auch nach Kodein.

(BK)

23.11.2006 von Schröder & Kalender
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Making of Pornography (23)

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert in nördlicher Richtung.

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Und so geht’s weiter mit einem P.E.N.-Kongreß in Nürnberg, das Tagungsthema hieß ›Wer hat Angst vor Pornographie?‹:

Auf dem Rückweg fuhr ich mit der Familie nur bis Nürnberg, blieb allein dort, ich wollte zur PEN-Tagung, das Tagungsthema hieß ›Wer hat Angst vor Pornographie?‹. Horst-Dieter Ebert vom ›Spiegel‹ hatte mir den Tip gegeben, dort aufzutauchen, ich war ja in Sachen Pornographie auch als Lobbyist tätig, es ging schließlich immer noch um die ›Freigabe‹. Die Meistersingerhalle war überfüllt, die Leute saßen auf dem Boden, die Diskussion mußte in die Wandelgänge übertragen werden. Präsident war Heinrich Böll, und auf dem Podium saßen Walter Jens, Werner Ross, mein ehemaliger Französischlehrer in Bonn, und einige andere unentwegte Debattierer. Aus dem Saal sollte mitdiskutiert werden. Ebert hatte für uns einen Platz in der ersten Reihe reserviert, neben mir saß Gabriele Henkel, die sich in der Bewegungszeit in jedes Kulturereignis einmischte, das irgendwo en vogue war. Es konnte gar nicht links und schrill genug zugehen, bis ihr Konrad so etwas strikt verbot.

Das jetzt nur als Volte, um klarzumachen, daß Gabriele Henkel sich damals geradezu manisch fortschrittlich gebärdete und in der Meistersingerhalle natürlich auch über Pornographie ein Wörtchen mitreden wollte. Die Veranstaltung begann, und Heinrich Böll posaunte vom Podium, ich traute meinen Ohren nicht — was erzählt er da? Er betete Petschulls ›Stern‹-Artikel über den Pornokönig runter wie auswendig gelernt. Anhand dieses Pornokönig-Bösewichts — Böll nannte mich nicht beim Namen, aber fixierte mich, ich saß ja nur ein paar Meter unter ihm —, anhand dieser »hemdsärmeligen Figur, die sich auch noch etwas darauf einbildet, daß sie kein guter Mensch sei und auch keiner werden wolle«, machte er seine Abscheu vor Pornographie klar, begleitet von rotbäckchenhafter Akklamation des Werner Ross und des Gummischuhgesichts Walter Jens. Derselbe Jens, der 1968 für mich zusammen mit seiner Frau Inge ein dreißig Seiten langes euphorisches Gutachten schrieb in Sachen ›Geschichte der O‹, was ja nun mal ein veritabler pornographischer Roman ist. Das glaubst du nicht? … weiter lesen

22.11.2006 von Schröder & Kalender
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Deutsche Hymne – Türkische Version

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert schwach in nordöstlicher Richtung.

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Diese schöne Einigkeit ünd Recht ünd Freiheit hat Povl von seiner Reise aus Dubai, Katar und Abu Dhabi mitgebracht. So geht es doch auch!
Neue Deutsche Hymne.mp3

(unbekannter Sänger / Povl / BK / JS)

21.11.2006 von Schröder & Kalender
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Ein schöner Konsul im Hause Unseld

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert in nördlicher Richtung.

Die Wahnsinnsakrobaten des Feuilletons überschlagen sich mal wieder in Sachen Suhrkamp. Allen voran der rasende Literaturreporter Eberhard Rathgeb. Er besuchte in Hamburg den Suhrkamp-Möchtegern-Manager Claus Grossner und schrieb darüber am Samstag in der FAZ eine ganze Seite voll: Wie Grossner Arnulf Conradi anrief, der hatte gerade in Sylt am Vogelherd gesessen und wie einst Herr Heinrich auf die Berufung zum Suhrkamp-Kaiser gewartet. Dann brachte Grossner angeblich »Ziehsohn« der verblichenen Gaga-Gräfin Dönhoff den alten Hochstapler-Trick: Er verschwand im Pressehaus angeblich um mit einem Geschäftsführer der ZEIT zu konferieren, während Rathgeb sich im kalten Hamburger Wind die Beine in den Bauch trat – natürlich hatte Grossner in der Kantine nur eine Tasse Kaffee getrunken. Der schöne Konsul Weyer hätte es nicht besser machen können! Das spielen sie im FAZ-Theater: »Den Untergang des Hauses Unseld« als Farce.

FAZ-21-11.jpg

(BK /JS)

20.11.2006 von Schröder & Kalender
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Außerordentlich und obszön – Bildertausch (12)

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert in östlicher Richtung.
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Das Bild ›Hella / März‹ malte Berndt Höppner als Pendant zu ›Doris / März‹, welches wir als Cover-Illustration für Gunter Rambows Fotobuch benutzten. Höppner war Mitglied der Kölner Künstlergruppe Exit, die eng mit Rolf Dieter Brinkmann, Ralf Rainer Rygulla und Rolf Eckart John zusammen arbeitete. Die Bilder von Exit zeigte Uwe Husslein erstmalig in der Kölner Pop-Ausstellung im Zusammenhang mit Brinkmanns literarischer Produktion. Höppners Illustrationen wurden neben ›Doris‹ für zwölf weitere März-Titel benutzt darunter Ken Kesey, ›Einer flog über das Kuckucksnest,

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Paulus Böhmer, ›Aktionen auf der äußeren Rinde‹ und Hermann Peter Piwitt, ›Das Bein des Bergmann Wu‹. Berndt Höppner (1941 in Chemnitz geboren) ist Professor an der Hochschule für Gestaltung und Kunst Zürich, er lebt in Biel. … weiter lesen

19.11.2006 von Schröder & Kalender
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Pornostreik! Eine Antwort

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert in nördlicher Richtung.

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Was will der alte Flittchenforscher Helmut Höge mit seiner Geschichte vom Pornostreik der taz-Frauen eigentlich bezwecken? Sollen die Frauen jetzt gegen den “Pornoverleger” Jörg Schröder und andere Blogger, die das Thema historisch-kritisch beleuchten, streiken? Eine ziemlich plumpe Intrige, aber wenn er das Kriegsbeil ausgraben will, kann er es haben. Hier also ein Text über den Frauenfreund Höge aus ›Schröder erzählt: Ausländer, Behinderte, Andersdenkende‹:

Bei unserem nächsten Besuch in Berlin erzählte uns Sabine Vogel eine Geschichte über ihren Freund Helmut, von der sie sich nicht so schnell erholte. Kurz nach unserer gemeinsamen Kneipennacht war sie nach New York geflogen, um dort ein Stipendium wahrzunehmen. In der Zwischenzeit lebte Helmut Höge allein in Berlin – dachte sie. Statt dessen hatte ihr Freund in ihrer Abwesenheit seine Flittchenforschung intensiviert und mit einer vietnamesischen Prostituierte angebändelt. Die war mit ihrer Tochter bei Helmut eingezogen, also in Sabines… weiter lesen