30.05.2008 von Schröder & Kalender
Wir sehen nicht, wie der Bär flattert, wir sind in Mainz.
Das Mainzer LiteraturBüro hat uns eingeladen. Heute werden wir im Haus am Dom aus unserem Text: ›Der Bericht des braven Zöllners Sascha‹ lesen und darüber mit Johannes Ullmaier sprechen.
Deshalb bringen wir eine Passage, die wir heute in Mainz nicht lesen werden:
Ein brenzliger Teil unserer Kontrollpflichten war die Inspektion der Waggondächer. Stand ein Zug auf dem Kontrollgleis, mußten wir zuvor beim Kontrollturm beantragen, daß sie die Oberleitung abschlüsseln. Ein Zöllner lief dann auf den Waggondächern entlang und guckte in die Luken. Mir war immer mulmig, wenn ich diese Arbeit machen mußte, denn ich ging neben der Starkstromleitung her, die lief auf der Höhe meiner Knie. Ich konnte bei diesen Kontrollgängen nie vergessen, daß es mal einen Kollegen erwischt hatte. Aus irgendeinem Grunde war die Oberleitung doch nicht abgestellt gewesen, während er… weiter lesen
29.05.2008 von Schröder & Kalender
Der Bär flattert in nordöstlicher Richtung.
Das Mainzer LiteraturBüro hat uns eingeladen. Am Freitag, den 30. Mai, werden wir im Haus am Dom aus unserem Text: ›Der Bericht des braven Zöllners Sascha‹ lesen und darüber mit Johannes Ullmaier sprechen.
Deshalb bringen wir heute eine Passage, die wir natürlich in Mainz nicht lesen werden:
Rausschmisse gab es nicht nur aus politischen Gründen. An der Westgrenze wurde mal eine ganze Schicht abgelöst, weil die Zöllner im größeren Stil Waren für sich abgezweigt hatten. Im kleinen Stil machten wird das manchmal auch. Wenn in der Nachtschicht keine Zigaretten mehr da waren – damals hat man ja noch geraucht –, fragten wir den nächsten Lkw-Fahrer: »Hast du mal eine Schachtel Zigaretten?« Aber selbst da mußte man sehr vorsichtig sein, sonst geriet man schnell in eine Abhängigkeit. Zum Beispiel hatte ein Kollege von einem Fahrer zu Weihnachten eine Flasche Metaxa… weiter lesen
28.05.2008 von Schröder & Kalender
Der Bär flattert in südwestlicher Richtung.
Das Mainzer LiteraturBüro hat uns eingeladen. Am Freitag, den 30. Mai, werden wir im Haus am Dom aus unserem Text: ›Der Bericht des braven Zöllners Sascha‹ lesen und darüber mit Johannes Ullmaier sprechen.
Deshalb bringen wir heute eine Passage, die wir natürlich in Mainz nicht lesen werden:
Mein zweiter Hund Bobby machte Probleme, Mit ihm würde ich in diesem Zustand nicht die Abschlußprüfung bestehen, das war klar. Also mußte ich ihm sein Fehlverhalten abgewöhnen und blieb sechs Wochen länger in der Hundeschule. Ich wollte ihn unbedingt so weit bringen, daß ich ihn nach Zinnwald mitnehmen konnte, und verschob meine geplante Urlaubsreise zum Bergsteigen in die Hohe Tatra. Zwei Ausbilder mußten notgedrungen auch in der Hundeschule bleiben – sie hätten natürlich gern Urlaub gemacht. Wir arbeiteten gemeinsam daran, Bobby in den Griff zu kriegen.
Bei der Abschlußprüfung gab es dann einen… weiter lesen
27.05.2008 von Schröder & Kalender
Der Bär flattert in südwestlicher Richtung.
Wir fuhren gestern mit der U7, drei junge Mädchen standen im Gang, jedes spielte mit dem Handy, sie giggelten und zeigten sich gegenseitig ihre SMS-Nachrichten, dabei fiel einem Teenager das Telefon runter, Abdeckungen und Akku sprangen heraus. Das Mädchen setzte ihr Handy wieder zusammen und schimpfte: »Alles Schrott!« »Ja, alles Schrott!«, echote ihre Freundin und ließ auch ihr iPhone auf den Boden scheppern. Als es in viele Teile zerfiel, quietschten alle drei laut und bogen sich vor Lachen. »Alles Schrott!« »Alles Schrott!« Auch das dritte Handy knallte auf den Gang und wurde danach wieder zusammengesetzt. »Alles Schrott!« »Alles Schrott!« Barbara murmelte: »Wenn das die Eltern wüßten!« Eine Matrone uns gegenüber nickte vielsagend. Und Jörg meinte: »Da kann sich die Stiftung Warentest ’ne Scheibe von abschneiden.« Erstaunlich, daß der Schrott nach dieser Aktion noch funktionierte.
(BK / JS)
23.05.2008 von Schröder & Kalender
Der Bär flattert in nordöstlicher Richtung.
Unserem aufmerksamen Subskribenten Manuel Hessling verdanken wir den folgenden Hinweis zur neuen Folgen von ›Schröder erzählt‹ mit dem Titel ›Eitelkeit auf Eitelkeit‹:
»Kempowski schreibt unterm Datum vom 12. November 1991 in seinem soeben posthum veröffentlichten Tagebuch Somnia: „Wellershoff sagte, Jörg Schröder sei damals ein unglaublich geltungsbedürftiger Mensch gewesen. (Ich lese gerade wieder [Schröders Buch] Siegfried). Besaß ein Schloß und einen handzahmen Leoparden. KF [Kempowskis Sohn Karl-Friedrich] hat ihn auf der [Frankfurter Buch-]Messe mal angesprochen, da war er ganz vernünftig.“ (S. 454)« (mehr)

Manchmal begann der Tag mit einer Kratzwunde.
(WK / MH / BK / JS)
22.05.2008 von Schröder & Kalender
Der Bär flattert in südöstlicher Richtung.
Warum weint die Frau rechts? Lebt sie etwa nicht gern in ihrem Körper?

(BK / JS)
21.05.2008 von Schröder & Kalender
Der Bär flattert schwach in östlicher Richtung.
Im Jahr 1970 berichtete mir Otto Jägersberg, der damals manchmal als Scout für die Olympia Press tätig war, von einem Pornoalbum aus bürgerlichem Schweizer Nachlaß. Es handelte sich um Fotos aus der Zeit der Jahrhundertwende, und wer annimmt, man habe damals ›sauberer‹ gelebt, der irrt.
Ich bat den Autor, die Fotos auf Verlagskosten zu kaufen, wir veröffentlichten sie mit einem Vorwort von Göran Göransson – ein Pseudonym, das Otto Jägersberg … weiter lesen
19.05.2008 von Schröder & Kalender
Der Bär flattert in östlicher Richtung.
Auf vielfachen Wunsch bringen wir als Ergänzung zum Fall ›Havemann‹ unsere Erzählung zur Produktionsgeschichte von Florian Havemanns Buch ›Auszüge aus den Tafeln des Schicksals aus der Folge von ›Schröder erzählt‹ mit dem Titel ›Sieben Sachen‹.
Und so geht’s weiter: Daß dieser späte Futurismuswälzer von Florian Havemann ein Flop werden würde, stand für mich außer Frage. Da half auch der Schmonzettentext des ›Merkheft‹-Dichters Bertel Schmitt nicht, irgendwie ahnten die Zweitausendeins-Kunden wohl: Das kann nicht das richtige Buch für mich sein. Und wirklich, noch nie und wahrscheinlich niemals wieder ist ein Titel so schlecht im »Versand der zweiten Kultur« verkauft worden. Ich glaube, nur dreihundert von den fünftausend Exemplaren gingen weg. So entstand das bis dato teuerste und unrentabelste Buch bei Zweitausendeins.
Sehr bald, um die lästigen flopgemahnenden Paletten aus den Augen und dem Lager zu bekommen, wollte Lutz Kroth die ›Tafeln des Schicksals‹… weiter lesen
16.05.2008 von Schröder & Kalender
Der Bär flattert heute nicht.
Soeben erhielten wir Post von einem Subskribenten im Staatsdienst, der deshalb nicht genannt werden möchte. Aber der Mehrwertsteuer-Beschiß bei McDonald’s & Co. muß einfach an die große Glocke!
Einen sonnigen Morgen wünsche ich Ihnen beiden.
Wie man heutzutage so schön über Österreich sagt: “Einmal ist Zufall, aber beim zweiten Mal….”
Also eine zweite e-mail und aus gutem Grunde. Vielleicht wissen Sie es schon, aber evtl. ja auch nicht.
1. McDonald´s
Gestern abend habe ich im Fernsehen etwas gelernt. Doch, das gibt es.
Also: Warum wird man bei Donald´s immer gefragt: “Zum Mitnehmen oder zum Hier-Essen?”
Na?
Damit sie einem eine Papiertüte mitgeben können?
Oder aus statistischen Gründen?
Evtl, aber das ist nicht der Hauptgrund.
Wenn man dort isst, gilt der Laden als Restaurant. Es sind also 19% Mehrwertsteuer fällig. Wenn man das Essen mitnimmt, zählt McDonald´s zu den Lebensmittelhändlern, mit 7%… weiter lesen
15.05.2008 von Schröder & Kalender
Der Bär flattert in südöstlicher Richtung.
Auf vielfachen Wunsch bringen wir als Ergänzung zum Fall ›Havemann‹ unsere Erzählung zur Produktionsgeschichte von Florian Havemanns Buch ›Auszüge aus den Tafeln des Schicksals aus der Folge von ›Schröder erzählt‹ mit dem Titel ›Sieben Sachen‹:

Zum Berliner Beziehungsgeflecht gehörte auch Anne Duden, die bis 1979 im Rotbuch Verlag arbeitete. Damals war sie mit Christian Schultz-Gerstein befreundet, wir trafen uns oft gemeinsam. Von ihr kam der Hinweis, mich um Florian Havemann zu kümmern, ein junges Genie, von dem ich unbedingt ein Buch machen müsse. Ich verabredete mich mit ihm im ›Ciao‹, dem Italiener gegenüber der Schaubühne am Lehniner Platz. Florian brachte seinen Freund Thomas Brasch mit, beide waren sie Kinder prominenter Väter: Havemann regimefeindlicher Professor, Brasch regimekonformer Staatssekretär. Beide Söhne waren wegen ihrer Abkunft hochrangige DDR-Dissidenten und saßen gemeinsam drei Jahre im Knast, bevor sie in den Westen gingen. Florian schrieb nach… weiter lesen