vongnu 08.09.2021

GNU – Literarische Grotesken

Damals wie Heute das zynische Lächeln über die menschliche Irrfahrt. | © Fabian Fox Fotografie

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Ausgangsszenario

Software Luna. Eine Einführung nebst der reflexiven Analyse der Gründer*innen der Agentur des Glücks. Wir geben zu Protokoll.

Das Social Café war und ist die Opiumhöhle des 21. Jahrhunderts. Irgendwo und irgendwas zwischen Fahrstuhlmusik und Fastfood-Kette.

Hochleistungsrechner synchronisieren die Nutzer*innen mit der Software ISC. Immersion – Social-Cloud, umgangssprachlich auch als Software Luna, nach den unbekannten Herausgebern und dem Programmierstudio der Applikation benannt.

Die Erde wurde und wird um eine weitere Dimension erweitert. Das virtuelle Dreamland. Keine Bad-Trips, es gibt keine schlechten Träume mehr. Keine Angst vor dem Erwachen.

Es gilt:

Erstrebenswert ist die Überbrückung des Adjektives „AUTONOM“, jenen Zustand, in dem die Nutzer*innen ihr Nutzungsverhalten als solches selbst definieren. 

Die so genannten Social Spaces waren die Zugangsstationen in das virtuelle Dreamland. Diese konnte man in allen Städten vorfinden. Wenige Jahre später präsentierten die Entwickler*innen allerdings schon ihr nächstes Update: Die Pocket-Version für den heimischen Rechner.

Fortan:

Unbegrenzte Möglichkeiten.
Eine Droge mit ähnlichem Suchtpotenzial muss erst noch erfunden werden. 

Die Zuwachsraten waren exponentiell. Nach der Arbeit, nach der Schule gingen sie on.  Rush-Hour zwischen 17:00 und 03:00 Uhr. Manche Familien begegneten sich nur noch dort, in der virtuellen Welt. Die Antwort auf die Herausforderungen, die das Leben auf einem zerstörten Planeten mit sich brachten.

Realitätenflucht 2.0. 

Wir können alles sein, was wir uns wünschen. 

Die Menschen erstellten ihren Avatar, verbanden sich mit den Sensoren und liefen durch Wolken aus Zuckerwatte und sirupartiger Träume. 

Die Zeit tropft. Die Party, die nie endet. 

Wer kriegt jetzt noch Kinder?????? Was ist aus dieser verdammten Zivilisation geworden??????

Der Rausch, das Eintauchen und die Versenkung. 

Immer tiefer. 

Die Avatare haben keine Makel. 

Wir haben keinen Makel. Die Menschen.

Keine Ungereimtheiten der Natur. Alle sind nach ihrem selbstdefinierten Willen perfekt. 

Es gibt keine Kriege, keine Konflikte. Wenn ein Paradies existieren sollte, dann kommt ihm ISC verdammt nahe. 

Der scheinbar einzige Makel ist der Tod der Charaktere in ISC. Es gibt diesen üblichen Respawn-Effekt aus den Computergames nicht. Einfach Freeze und Standbild von der Position aus, in der man in das digitale Nirvana übergetreten ist. 

So, als ob Sie nie vergessen sollten, dass Sie nur dieses eine Leben hatten. Die einzige Spielregel, die aus irgendeiner perfiden Psychologie heraus etabliert wurde – funktioniert.  

Es gibt nicht viele Möglichkeiten sich in diesem Game umzubringen. AUSSTEIGEN!!!

Der wachsende Energiebedarf, der mit der stetig wachsenden Verbreitung von ISC einhergeht ist eines der Hauptprobleme des neuen Systems. Die ausgedehnte Rush-Hour sorgt für zahlreiche Spitzenlasten, die das gesamte System zum Absturz bringen könnten. Die Unmengen an Daten, die erhoben und generiert werden und jeden Schritt der Nutzer*innen dokumentieren, werden auf riesigen Servern abgelegt. 

Da es kaum mehr möglich ist, diese Server zu kühlen, wurden die gigantischen Speicherwerke tief im Ozean versenkt. Ausgediente Bohrinseln im Polarmeer wurden umfunktioniert. Pipelines pumpen fortan nicht nur Schmelzwasser, sie führen auch Glasfaserkabel zu den entlegensten Nicht-Orten der Erde. 

„Das Studio Software Luna ist Gott?!“
Liegt in den Servern der Schlüssel unserer Zukunft?????

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