vongnu 09.08.2020

GNU – Literarische Grotesken

Damals wie Heute das zynische Lächeln über die menschliche Irrfahrt. | © Fabian Fox Fotografie

Mehr über diesen Blog
Das Tierreich ist sehr hässlich. Allein, das ich erkenne, ist das nicht schon, das Bessersein.
Es liegt auch nur daran, was aus einer Situation gemacht wird.
Wir nehmen an, ich fahre Achterbahn. Liebevolles Dekor, hunderte Nebelmaschinen.
Wow und erst die Lichter, das sind schöne Lichter. Kneif einfach die Augen zusammen und du bist im wahrsten Rummel der Gefühle.
Jeder ist Fotograf. Ein Künstler. Hässlich ist Subjekt. Es liegt nur an der Perspektive. Das ist alles. Ich bin auf mich allein gestellt und das da ist mein Objektiv.
Ich muss die Zeit abpassen, den richtigen Moment, warten, anlegen, das Licht einfangen – nicht zu lange warten, der richtige Moment ist nur kurz da – nicht zögern, anlegen, ruhig bleiben, tief Luft und abknipsen – ich habe es gefangen.
Lila Abendrot. Lila ist Rausch. Die dicken Schornsteine schmökern gemächlich, eigentlich hat das was richtig friedliches, wie der Opa, der nach seinem langen Lebensabend, die lange aufgehobene Kubanische herauskramt. Ja, das sind die zarten Schafswölkchen. Unschuldig und rein. Feierabendsonne. Und dann die ganzen Wägen mit den unbekannten Gesichtern. Eigentlich ist es toll, wie viele Menschen doch auf einen Fleck sein können und jeder hält das große Schweigen aus. Keine Phrasen. Das ist doch richtige Verbundenheit, so auf Metaebene. Wir fahren alle in die gleiche Richtung. Der Linienstrom hin- und zurück. Also haben alle das gleiche Ziel im Endeffekt, nur die Wegestrecken weichen zuweilen etwas deutlich voneinander ab.
Ich kneife die Augen zusammen und erkenne in den Scheinwerfern etwas, das Stimmung erzeugt. Jahrmärkte sind verwunschene Orte. Seitenblick – links, rechts. Der Schrott, der sich häuft sind auch nur die Bauklötze, das Zementpulver, der Mörtel. Doch freundlich, da farbenfroh und bunt.
Als ich angekommen bin, ganz beseelt, möchte ich gerne noch eine Runde mit der Zauberbahn drehen. Aber Genügsamkeit, wie bei Oma, die sagt, nicht die ganze Schokolade auf einmal essen.
Ich fliege über den Asphalt, die Sonne zieht die Wolkendecken über ihr hübsches Gesicht und ich sehe die groben Linien im Asphalt. Sie kommunizieren in abstrakten Tribals. Das ist ein gutes Omen, ich sehe sehr viel. Was sie ausdrücken wollen und für Bettgeschichten parat haben, weiß ich nicht. Sehen mmmh – verstehen mhmhmh. Es hat irgendetwas mit unserem Erbe zu tun, so viel weiß ich heute, vielleicht ein andermal. Naszca.
C. S. und C. M. im telekinetischen Zwiegespräch.
_Schön, dass du da bist.
_Danke, dass du auf mich Acht gibst.
_Hast du mir etwas zu sagen?
_Ich weiß nicht, nein. Ich bin einfach Auto gefahren. Fingerübung.
_Es ist ein schmaler Grad.
_Danke, ich habe C. S. geschaffen, weil ich im Aufgebrachtsein eine ruhige Minute hatte und ich es jetzt nicht mehr weiß. Willkür trifft es auch ganz gut.
_Ja ich weiß.
_Ja, ich weiß, dass du das weißt, aber vielleicht nicht alle. Vielleicht bereue ich diese Nummer jetzt auch schon sehr. Dieser ganze krude Atomkarussell-Kram dreht sich doch allmählich echt im Kreis. Und dieser universelle Universumszeugs, ist zwar vielfältig, doch reproduziert sich im Kern, ist austauschbar, wie vielleicht alles.
_Es ist ein schmaler Grad.
_Der Selbstgesprächeffekt. Bisher hatte ich nur ein einziges Interview, doch ich glaube, man selbst nimmt sich dann doch härter ins Gericht, als es die Presse zu tun imstande ist.
_Bereust du?
_Reue hin oder her. Jetzt ist es dafür eigentlich zu spät.
_Wie würdest du C. M. definieren?
_Eine ermüdende Kunstdiskussion, wie so vieles immer, das Wesen der Kunst und so. Es gibt ein paar Jungs, die finde ich im Grunde nicht schlecht, doch diese ewigen Vergleiche mit der weiblichen Ästhetik, etc. Man lehnt es ab, doch es holt einen ein und man fabriziert ein deutungsgeschwängertes Fragment mit massig Selbstreferenzen. Ich drehe mich im Kreis. Wer ist schon übriggeblieben. Oder das was? Ich zähle die Finger meiner Hand. Oh, ich habe zehn, zwei Fäuste.
_Ein Kreis ist die Grundlage von zwei Kreisen, mal zwei.
_Zu sehr abgedriftet. Meine Selbstanalyse.
_Früher warst du lustig.
_Ich glaube schon. Meine Selbstanalyse. Eigentlich traurig, sozusagen ein Sinnbild des menschlichen Scheiterns, eine Metapher des Irrsinns, aber mit einer angebrachten Portion Selbstironie. Eigentlich kann man über meine alltagsphilosophischen Lebensbeichten nur lachen. Die Leute amüsieren sich über einen einfachen Mann, dem das, mit dem er konfrontiert wird, einfach zu groß ist, aber der trotzdem nicht einknickt und unablässig weiter Antworten sucht. Die Leute amüsieren sich über mich selbst, weil sie sich, im Dort, im sich sehen.
_Ist das abhanden gekommen?
_Ja scheinbar.
_Ernsthaftigkeit?!
_Die Angleichung und das Festhalten an den falschen Antworten. Krude Theorien zeugen zwar von einem offenen Geist, der Glaube an das, dass vieles vorstellbar ist, doch irgendwann schließt sich der Kreis und komplex und furchtbar einfach und simpel reichen sich die Hand.
_Auch eine Erkenntnis in sich.
_Natürlich, ja doch, ich fürchte eine, die nur mit entsprechender Leere einhergeht. Mystizismus ist ein weißer Raum, der mit Nebel verhangen ist und daher kommt diese deutungsgeschwangere Treiben, doch wenn sich das irgendwann legt, wenn man zu lange im verborgenen rumstochert, dann merkt man, dass da eigentlich doch gar nichts ist. Und das prunkvolle Gemach ist nur ein leerer, weißer Raum und somit eigentlich alles in allem sehr enttäuschend.
_Es ist ein schmaler Grad.
_Zwischen Selbstverlag und Offenbarung. Ich glaube es liegt auch an der literarischen Qualität, also das der Mystizismus dort verharrt, wo er stagniert. Das Vorwort ist meist noch vielversprechend, doch dann wird es dünn. Dagegen ist das Doktorantendeutsch schon beeindruckend, ob floskelbehaftet oder nicht. Die Schulzeit hinterlässt eben doch so ihre Spuren.
_Wir brauchen noch einen Titel. Irgendetwas destruktives!
_Ich habe mich beschrieben. Das reicht.
_Klare Prämissen. Das wird alles, mehr gibt es nicht. Ich werde keine Beichte abgeben. Nenne es Avantgarde, ist es nicht, nur Stimmung und das graue Wetter da draußen. Du kennst mich z. B., andere nicht. Man muss zwischen den Zeilen lesen.
_Vielleicht hätte Cripr Clean das Potenzial ein dystopischer Weltroman zu werden, so im Sinne von 1984. 2048 ist unsere Zahl. Mir gefällt diese überwältigende Synchronizität, die zwischen unseren Jahrhunderten liegt.
_Und?
_Konjunktiv. Es bleibt dabei.
_Er muss das letzte Wort haben.
_Richtig.

Die Gedankenmaschine ballert auf den Beat. Die Gedankenmaschine steckt im Sand. CUT-UP. Ok, FUCK OFF.

Alles auf den Kopf gestellt. C. S. (vielleicht Charles Superlative) ist der doppelte Gegenläufer von C. M. SUPERB. Die eigentliche namenlose Seele, die als zweifelter Eremit, seine Stimme gegen die Verdammnis und das Exil auf der Hasenschartenenklave erhoben hat, könnte theorethisch C. M. (vielleicht Charlie Manello), also der doppelte doppelte Gegenläufer von C. S. sein. Wie auch immer.
Es existiert nur ein Text. Mehr werden wir nicht finden können.

Eine Einführung in das Kommende:
Es beginnt mit einer Geschichte eines Mannes. Dieser Mann hat auch einen Namen, doch wird im folgenden nur als der Mann bezeichnet, um die Erinnerung seiner Hinterbliebenen nicht zu schmerzen, scherzen – schändigen.
Also der Mann, er hieß Frank, natürlich nur in der Annahme. Die Entindividualisierung entfremdet uns zu sehr. Das wollen wir nicht. Wir müssen uns emotional in seinem Spiegelbild wiederfinden. Es geht weiter. Die letzten Monate kamen ihm wie irgendein blassphemischer Alptraum vor. Sein Saft stand mitten in der Blüte und dann kamen plötzlich diese unerklärlichen Schmerzen. Frank wusste nicht, ob er jetzt wirklich krank war, anderseits fühlte er sich nicht gut. Es bereitete ihm keine Freude aus dem Haus zu gehen und er war zwei Monate krankgeschrieben, trotz passabler Ergebnisse in den medizinischen Untersuchungen. Als er dann wieder auf der Arbeit war, wurde es auch nicht besser, er konnte einfach diesen einen einfachen Job nicht mehr ausführen. An irgendetwas zerschellten seine gesamten Bemühungen. Es fühlte sich nicht komisch im Kopf, ganz im Gegenteil. Wenn er wüsste, was es war, dann würde er den bitteren Saft tunken, der auf dem Arzneizettel stand. Aber dieser ungewisse Zustand, des Anders als Zuvor seins, des Anders als Zuvor fühlens. Frank war schon immer impulsiv. Er gehörte zu jener Gattung Mensch, die das Leben nicht unbedingt, als ein abgeschlossenen Kreis, als das Leben, als diesen einen Moment, diese eine Chance begreift. Viel eher machte er sich nicht großartig Gedanken um sowas. Er war im Moment hier und mehr gab es nicht zu sagen. Wenn er sich überhaupt den Kopf über solche Dinge zerbrach, würde er das Leben viel eher als eine Station, als eine Phase klassifizieren, auf die zweifelsohne eine weitere Episode folgen würde. Nach eins kommt zwei. Das ist naturgesetzt, das ist Mathematik. Alles was hier passiert, unterliegt der Schwerkraft. Das würde nicht mal einer mit Gesetzen oder einer Neuschreibung der Geschichte ändern können. Frank ging zu seinem Vater. Der war früher Großwildjäger, ein großer Trophäensammler, wie sein Sohn es jetzt sein sollte. Die Wand war voll mit den prächtigen Geweihen der erlegten Gazellen, man sah kaum die vergilbte Tapete mehr. Franks Vater döste, er war jetzt kein Jäger mehr, sein Vermögen hatte er längst seinen Sohn vererbt. Er bemerkte Frank nicht. Frank sah den alten Mann, wie er auf der geleckten Ledercouch schnarchte. Verdammt, dachte er dabei und fragte es sich, wie es nur soweit kommen konnte und ob dies auch seine Zukunft beinhaltete. Er dachte, dass er nur ablenke, vielen Dank, aber dann doch Nein Danke. Gerade war es wieder besonders schlimm.
Er hetzte die Treppenstufen hinauf, ging zum Tresor des Jagdvaters und holte die doppelläufige Schrotflinte, zog durch und klatschte ohne mit der Wimper zu zucken, seine Hirn zu den Wildschweinhäuten. Eine Trophäe mehr an der Wand. Franks Vater schreckte auf, es war also wieder so weit. Er eilte die Treppe hinauf, um sich zu rüsten. Falls Frank vor dem Ableben überhaupt noch etwas dachte, dann war es, dass er sich keine Gedanken gemacht hat. Wie zuvor erwähnt, er begriff das Leben eben nicht, als Leben, sondern wenn überhaupt als Station. Da sich Gedanken nicht aussperren lassen und schneller sind als der Schatten, bekommen sie ihre fleischigen Lippen durch jedes Schlüsseloch, um noch einen schnellen Gedankenblitz abzuschießen. Wenn Frank einen solchen gehabt hätte, hätte er so etwas wie, es kann ja nur besser werden oder haaah, das hätten sie nicht gedacht, da werden sie jetzt Augen machen, gedacht.. Vielleicht ließ das auch, denn annähernd feixenden Gesichtsausdruck auf Franks Lippen erklären, denn man ihm noch ablesen konnte, als man die luftleere Haut wie eine Latexmaske von der Wand abzog.
Vielleicht hatte Frank ja auch recht und irgendwie ging es ja doch wirklich weiter und er war auf der Bewusststeinsstufe eins nach oben gehüpft und hatte die Prüfungskommission hierzu übers Ohr gehauen und gerade mal das Leben verkürzt und vorzeitig übersprungen. Wenn dies so wäre, wir alle wissen es nicht, dann wäre er jetzt sicherlich auf den the next step.

Auf dem Kopf gestellt. C. S. ist der doppelte Gegenläufer von C. M. – S U P E R B. Es existiert nur ein einziger Text.
Manifesto dell´´amore del sogno
Traum oder Realität? Keine Frage der Schönheit! Es ist identisch. Wir leben in einem Fächerbild von hunderten Realitäten, in welcher wir uns gerade vorzugsweise fortbewegen, ist unsere, alleinige Entscheidung.
Unser Bewusstsein existiert  in unserem Gedankenschloss. Es gibt hier einen eindeutigen Zwist. Der verschiedene Realitäten überlappen sich zugegebenermaßen, doch es gibt eine entscheidende Diskrepanz dazwischen, solange diese vorhanden ist, wird es niemals eine Einheit der verschobenen Welten geben.
Die Sprache kann vieles, ermöglicht vieles, obgleich sie auch nicht die Erwartungen der Sehnsucht, gänzlich erfüllen kann. Die Sprache ist Wahrheit und Lüge zugleich. Sie hat die Fähigkeit, Gedanken zu fixieren, das zu bannen, was andernfalls, wie Sternschnuppen durch die endlichen Weiten des Bewusstseins zieht. Der reine Gedanke verflüchtigt sich oft zu schnell, um ihn mit anderen teilen zu können. Alles, was wir demnach aus diesem Stadium festhalten, ist ein Zerrbild, eine Kopie, mal besser, mal schlechter. Wie hoch ist der Ausschuss, während die Schreibmaschine läuft? Wie hoch ist die Variable, der Tribut, den die soziale Beachtung einfordert?
Es ist egal, was da war, kann bis auf weiteres nicht wirklich vergehen. Energie besteht fort, so auch die Gedanken. Wir werden sie nicht finden, doch irgendwann tauchen sie unverhofft auf, vielleicht auch erst im Übergang zur nächsten Realität.
Schrift – Wort auf Papier, sie hat die Möglichkeit, den Gedanken zu bändigen, eine gesunde Distanz zu schaffen, zu dem Verwerflichen, das nicht für die Sinne anderer bestimmt ist.
Darüber zu lesen, so ist Literatur, doch zumeist etwas sehr Persönliches, doch im Auge des Betrachters, geschaffene Kunst. Fremd und Frei und manchmal synchron zum eigenen Weltbild. Die Wahrheit wird zur Lüge, wenn die Schrift, das Alibi zur Begründung des vermeintlich Verwerflichen wird. Der falsche Idealismus ist oft der einzige Anteil und das Mindestmaß an Kreativität, das ihr innewohnt. Sie hebt den Autoren hoch, er gibt sich als etwas aus, das er nicht ist. Ein leeres Versprechen und eine falsche Rührigkeit des missverstandenen Außenseiters sind gute Voraussetzungen für hochdotierte Literaturpreise. Komplexe und Unsicherheit sind ein sicheres Fundament, das sich im Umkehrschluss in Arroganz und letzten Endes in den Gefallen und die Beachtung einer kleinen, unbedeutenden Gruppe Intellektueller verwandeln lässt. Wir werden selbst die schlechte Fotokopie eines Götzenbildes und beten den nächst größeren an, trotzdem darüber froh, dass das eigene Ich zumindest  in geringer Auflage vervielfältigt wird. Die Absurdität ist, sobald die Vervielfältigung startet, wird die Reinheit des Gefühls relativiert und auf den Kopf gestellt – Gegensätze und Widersprüchlichkeiten vereinen sich.
Neben unseren literarischen Wunschbild und der Erschaffung eines besseren Seins, stellt sich die Frage, was ist die Liebe. Und wo existiert dieses Ding und kann, befreit von der intellektuellen Arroganz, die oft auf Charakterschwächen und Komplexen beruht, aufblühen? Einwand; wir schreiben über unsere Probleme, die wir in einer unserer vielfältigen Realitäten, die gemeinhin auch als die eine Realität, das echte Leben bezeichnet wird, nicht lösen konnten, daraus schöpfen wir Selbstvertrauen.
Zurück zur Frage: Was ist die Liebe?
Das Marode etwas, das in Tagträumen lebt. Dort haben wir die Freiheit uns auszutoben. Wir können nicht an unseren eigenen Zwängen scheitern. Die wahre Freiheit gibt es nur in Gedanken. Wir können uns nur dort vollständig verwirklichen. Wir schaffen Welten, die keinerlei Kompromisse bedürfen oder im Joch einer meinungsgenormten und trendbestimmten Gesellschaft stehen. Manche haben sich komplett aufgelöst, sozusagen aufgehört zu existieren, sie leben in der Phantasmagorie. Wir wissen es bei vielen nicht, ihnen fehlt die Fähigkeit sich mitzuteilen.

Über den Einakter der Gruppe Sogno
Wir sind das Kollektiv. Wir sind die Schläfer. Alerta. Alterta.
Camera Obscura. Das ist unser Effekt. Wir stellen alles auf den Kopf. Reden über Menschen. Heute keine Politik.
Alerta. Alerta.  Menschen, wir haben die Politik der Verdrossenheit aus unserem Leben gemacht. Ich denke, sie bildet uns ganz gut ab. Und ein anderes.
Damit, dass euch auch allen klar ist. Wir machen Theater und wir sprechen das alles chorisch,  weil Theater; dort macht man das so. Wir sind der Chor der Gottlosen. Ziel wird es sein, dieses Manifest auf der Bühne zu zeigen.
Uns gibt es nur im Traum, ja?! Stellen sie sich vor, sie haben die Augen geschlossen, sie können uns gar nicht sehen, ich schnipse mit denen Fingern und wische mit der flachen Hand dicht über ihre Visage. Vielleicht ein Lufthauch, vielleicht. Ich schnipse wieder. Sie sehen mich nicht. Phantasmagorie. Phantasmagorie (nochmal, weil das Wort so schön klingt). Also alles nur Einbildung. Wir versprechen ihnen, wir machen Kunst, aber solche, die keiner sieht. Das ist auch nicht weiter schlimm. Es gibt prämierte Kunst, die auch keiner von ihnen sieht. Kunst für Kunstschaffende lässt sich außerhalb von Subventionen nicht amortisieren. Wir sind der Chor der Gottlosen. Ihr Billett und unsere Erlöse sind ihre Synapsen. Reden wir nicht weiter über solche Dinge, das sind Elemente der Marktwirtschaft, der Pfeil geht weiter zu unserer Gesellschaft und schon machen wir wieder politisches Theater.
Diese Form der Spiritualität lässt sich nicht mit Marx in Einklang bringen, da Religionen, auch gemeinhin das Opium des Volkes sind. Ein Stein bleibt ein Stein und eine Straftat, viele Steine sind wiederum ein politischer Akt.
Es gibt heute keine Klassen mehr, trotzdem sind viele in den Ketten eines gefräßigen Systems, einen menschengemachten, unzubändigen Homunkulus, der sich verselbstständigt hat. Wir können die Ketten nun gewaltsam öffnen, vielleicht liegt ein Stein im Verließ oder wir können ihnen unbemerkt entschweben. Nur in der Annahme, dass es verschiedene Realitäten gibt. Rein hypothetisch jetzt und angenommen, alle täten dies, so wären wir in einem utopischen Tagtraum und das System würde merken, dass niemand mehr mitspielt. Es wäre nicht existent. Knacken wir mit den Steinen und wollen es absetzen, so schwören wir im sogleich die ewige Treue und machen uns zu seinen ewigen Jüngern. Das ist der Blutzoll den wir entrichten müssen und werden. Wir lernen aus der Geschichte. Den Jüngern des Systems geht es am schlimmsten von allen, erst denken, sie allmählich so wie es, sehen so aus, reden so, bewegen sich so und sind es dann doch noch. Doch das System kann nur einen Meister und viele Schüler erdulden, andernfalls wird der Absolutismus aufgehoben. Ein Monopol ist stärker als die Oligarchie. Wobei diese auch durchaus wirkungsvoll ist. Es sind ja die Herolde des Systems, die für uns in Erscheinung treten, während das große Ganze schwer zugänglich bleibt. Also beseitigt das System seine jungen Paladine bevor diese zu stark werden. Dies passiert meist mit den Panzerdivisionen der führenden Gewalt. Korrekt. Zuweilen richtet auch ein Schüler über sein Lehrmeister, regional begrenzt. Doch die sind dann meist noch schlimmer, die haben noch die Energie und den Elan um anzupacken, das Codebuch wird jedoch penibel weiter fortgeführt, stellenweise ergänzt und die gleichen Phrasen werden mit Synonymen chiffriert, das mutet dann als neue Sprache an. Zurück zur Grauzone.
Was die wenigsten wissen, ist das vermutlich tausende Realitäten im Laufe eines Menschenlebens sterben. In wie vielen Träumen geht der personalisierte Avatar baden und wir wachen ganz erschrocken in unserer eigenen Pisse auf und sind verduzt darüber, das wir noch leben.
Das ist die Grauzone. (interzone)
Nächster Schlaf. Wir können es nochmal besser machen, wieder. Chance vertan.
Träume töten, jeden Tag, wieder, töten wir unser besseres Gedankenbild, das wir zu entwerfen glaubten.

Anzeige

Wenn dir der Artikel gefallen hat, dann teile ihn über Facebook oder Twitter. Falls du was zu sagen hast, freuen wir uns über Kommentare

https://blogs.taz.de/gnu/morphin-superlative/

aktuell auf taz.de

kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.