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vonChristian Ihle 08.01.2009

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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La Roux

la roux

Es ist schon eigenartig: die erste Hälfte der 80er mag die am meisten auf die Schippe genommene jüngere Vergangenheit sein und doch vergeht kein Jahr, in dem nicht wieder eine Handvoll junger, brillanter Talente sich genau an diesem Sound orientiert. La Roux sind dabei nicht wie „I Lust You“ (Neon Neon) oder „Crimewave“ (Crystal Castles) im letzten Jahr an den kühlen Kraftwerk beeinflussten Sounds von Human League interessiert, sondern zielen mehr auf großen Mitt80er-Pop für die Tanzfläche:

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* Quicksand
* Fascination

Little Boots (Indiepedia)

Little Boots

Wir haben sie bereits die neue Kylie, die bessere Robyn, die britische Annie genannt und wir sehen keinen Grund, davon abzurücken. Im Gegenteil: ein erster Liveauftritt hat nicht nur bestätigt, dass die junge Britin auch live eine beeindruckende Bühnenpräsenz besitzt, sondern vor allem auch noch genügend noch nicht veröffentlichter Songs, die allesamt auf dem Niveau der fantastischen „Stuck On Repeat“ oder „Meddle“ sind. Das kann eigentlich gar nicht nicht funktionieren.
Little Boots veröffentlicht übrigens seit Monaten beständig auf youtube Coverversion oder eigene Songs, die sie in ihrer Wohnung gefilmt hat – immer einen Blick wert.

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* Meddle
* Stuck On Repeat
* Mathematics

Music Go Music

music go music

Ah, die Definition von Guilty Pleasure haben Music Go Music im Gepäck! Die erste Veröffentlichung war gleich ein unverschämter Anschlag auf alle Popsinne, dem man sich nur noch wehrlos ergeben konnte. A-Seite „Light Of Love“ verheiratete 70s-Pop mit 60s Harmonien nur um auf der absolut unwiderstehlichen B-Seite „I Walk Alone“ noch einen drauf zu setzen: Gloria Gaynor, die Pet Shop Boys in ihrer Mitt-80er-HiNRG-Phase, „I Feel Love“ und das Studio 54 in 3:34 Minuten. Sicher, mehr gay wäre es auch nicht, nackt durch San Francisco zu rennen und dabei „I am what I am“ zu singen, aber wie sollte man diesem Song widerstehen?

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* I Walk Alone (MySpace)
* Light Of Love (mp3)

The BPA

bpa

Bei dem Hintergrund ist BPA natürlich der denkbar einfachste Tipp: hinter der Brighton Port Authority verbirgt sich Norman „Fatboy Slim“ Cook und er wendet den alten Chemical Brothers Trick an: alles was gut, jung oder schön ist, bekommt Gastsängerrollen. Den Anfang machte „Toe Jam“ mit Dizzee Rascal und David Byrne of Talking Heads Fame – und vor allem jenem Videoclip – und für die folgende Single „Seattle“ hat er Popblogs Liebling Emmy The Great eingeladen. Wie immer bei Norman Cook wandeln seine Songs auf dem schmalen Grat zwischen unerträglichen Nervensägen und unwiderstehlichen Ohrwürmern.

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* Toe Jam

VV Brown

vv brown

Das klingt natürlich schon sehr kalkuliert: nachdem Amy und Duffy den 60ies Soul mit modernem Pop verbunden haben, könnte man der Jugend ja die 50ies nahe bringen – solange man eine junge Sängerin und moderne Produktion darüber legt. Aber – und es mag meiner Vorliebe für 50s Rock’n’Roll und Doo-Wop geschuldet sein – es funktioniert, zumindest für den quick Fix. Und kredibler als Katy Perry, die sich nur das Outfit geklaut und sonst nicht verstanden hat, ist es allemal.

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* Crying Blood
* Quick Fix

Kid Cudi

kid cudi

Da sich Kanye West offensichtlich entschlossen hat, das Rappen an den Nagel zu hängen und sich lieber unablässig von Kollege Autotune featuren zu lassen, freut es doch, dass er seinen Nachfolger gleich selbst mitgebracht hat: Kid Cudi, der nicht nur bei Kanyes Label unter Vertrag steht, sondern auch Teile seines letzten Albums mitgeschrieben hat. Sein „Day & Night“ ist ein hervorragender Rapsong, dessen Beats manchmal an die Cool Kids erinnern:

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* Day ’n‘ Night

Kid Sister

kid sister

Kids und Kanye-Kollaborateure wohin man blickt! Auch Kid Sister hat Verbindungen zu Raps zweitem Megastar: nicht nur ist sie amourös mit dessen Tour-DJ verbandelt, nein, der Meister selbst gab bei Kid Sisters „Pro Nails“ den Gaststar. Auf ihrem Debütalbum in 2009 wird sowohl Kanye als auch Estelle gefeaturt, an der Produktion sollen Spank Rock und Pharrell beteiligt gewesen sein.

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Anöhren!
* Pro Nails (featuring Kanye West)
* Control
* Family Date (featuring David Banner)

form

form

Weiter weg von Pop könnte der deutsche Rapper form gar nicht sein, denn er macht „frauenverherrlichenden Minderheitenrap für Leute über 18, weil ihn von den Kindern keiner checkt“ wie er in dem wunderbaren Track „Das Geben eines Ficks in Zeiten der Keinfickgebung“ erzählt. Angenehm altmodische Beats und intelligente Texte sind beim zumeist eher traurigen Zustand des deutschen Raps eine schöne Überraschung – und solang er nicht am Zug ist, nimmt er eben den Bus.

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* Das Geben eines Ficks in Zeiten der Keinfickgebung
* Der größte Hit der Achtziger

(beide Songs auf Der größte Hit der 80er EP kostenlos zum Download)
Anm.: form hat bereits zwei „Unalben“ veröffentlicht.

Weitere Folgen:
1: Singer/Songwriter für 2009
3: We heart MGMT
4: Britische Gitarre
5: US Gitarre für 2009
6: Willkommen im Untergrund in 2009

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