Archive for September, 2006

30.09.2006 von Helmut Höge
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Hausmeisterkunst (9)

von Helmut Höge

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Mehr Mühe gab sich einer der Hausmeister auf dem Borsiggelände in Tegel – beim Bau seines Pollers, sein erster. Dazu schweißte er zwei Eisenstangen zusammen, strich sie weiß an und steckte sie in eine leere Blechtonne, die er mit Beton auffüllte. Sie wurde vor dem Parkplatz für Mitarbeiter der Abteilung Vertrieb aufgestellt – um den Lieferverkehr zurück zu halten, der auf dem schmalen Parkplatz immer wieder Schwierigkeiten beim Wenden hatte – und dort außerdem nichts zu suchen.  Als die alte Borsig-Immobilie zu einem blitzblanken “Einkaufsparadies” umgewandelt wurde, stand der sinnlos und zudem unansehnlich gewordene Poller im Weg – und wurde neben dem Parkplatz Nummer 15 abgestellt, der einst für die Chefsekretärin Rosemarie Fieting reserviert war, die  stets mit einem Mercedes-Cabriolet zur Arbeit fuhr und gerne große Hüte trug.  Sie sah wie ein Liz-Taylor-”Lookalike” aus, behaupten ihre Freunde noch heute.

30.09.2006 von Helmut Höge
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Hausmeisterkunst (8)

von Helmut Höge

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Der Hausmeister der Amerika-Gedenkbibliothek in Berlin-Kreuzberg hatte bei der Realisierung seines Pollerprogramms leichtes Spiel, wie man so sagt: Erst erbat er sich von den Kollegen im Tiefbauamt ein halbes Dutzend Füße für mobile Verkehrshinweise und dazu noch eben so viele weiße Ständer. Nachdem diese angeliefert worden waren, kaufte er gegenüber bei Karstadt (jetzt Domäne) zwanzig Meter Plastikketten und zwölf Halter, mit denen er dann den Parkplatz der AGB  abpollerte – um so Plätze für die Mitarbeiter-PKWs zu reservieren. Die diesbezüglichen Hinweisschilder hatten anscheinend nicht ausgereicht.

30.09.2006 von Helmut Höge
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Funken als Schicksal

von Helmut Höge

Als ich nachts mit dem 129er-Bus von der taz nach Hause fuhr, kam ich mit einem freundlichen jungen Mann ins Gespräch, der aussah wie ein angloamerikanischer Verteidiger der freien Welt: mehr als gutgenährt, leicht  angetrunken und komisch konservativ ausstaffiert, dazu noch mit Akzent Deutsch sprechend. Und er war, obwohl aus Neukölln stammend, tatsächlich so ein Intellektueller, der im “Security-Business” tätig ist, wie er mir verriet, wobei ich ihn sofort bedauerte, weil ich dachte, er sei als Wachmann tätig – ein beschissener, unterbezahlter Job, bei dem man allen Grund hat, sich zu besaufen. Er hatte jedoch Anglistik an der Humboldt-Uni studiert, und sich dann in Nordirland sowie in Wales auf “Security” spezialisiert. Nun arbeitete er in einem Berliner “Thinktank” der Rand-Corporation, wo er sich Gedanken um die “Flugsicherheit” machte. Der Konzern Rand-Corporation wurde kurz nach dem Krieg von hohen US-Militärs gegründet und ihr erster Auftrag (vom Verteidigungsministerium) bestand darin, Vorschläge über… weiter lesen

29.09.2006 von Helmut Höge
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Hausmeisterkunst (7)

von Helmut Höge

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Ähnlich wie in Tegel wollte auch hier der Hausmeister eines kleinen Ärztehauses in Frohnau nur mal eben auf die Schnelle einen Verteilerkasten auf dem Patientenparkplatz vor dem Umgefahrenwerden schützen – und umwickelte dazu den bereits von der Bewag zum Schutz des Verteilerkastens aufgestellten Eisenbügel mit rotweiß-gestreifter Klebefolie. Nachdem diese von einem PKW teilweise zerfetzt worden war, stellte er noch einen PVC-Pilon auf der anderen Seite des Verteilers auf. Und nachdem auch der mehrmals übersehen wurde, “opferte” er schließlich noch ein altes Warndreieck, das er auf den Verteiler stellte, damit einem das ganze auch im Rückspiegel sofort in die Augen sprang. Die Urbanisten sprechen in diesem Zusammenhang von einer Tendenz zu Pollerensembles, d.h. ein Poller zieht stets weitere Poller an: Nur weil z.B. die BRD so überpollert war, bestand die DDR nach 89 darauf – d.h. die neuen Verkehrspolitiker und Tiefbauämter dort – dass die ganzen über den “Aufschwung Ost”… weiter lesen

29.09.2006 von Helmut Höge
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Hausmeisterkunst (6)

von Helmut Höge

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Der Hausmeister bzw. Platzwart einer Kleingartenanlage in Berlin-Tegel wollte 1986 nur mal eben einen blechummantelten Betonpoller in einer Kurve aufstellen, die gerne geschnitten wurde. Seitdem ist er damit beschäftigt, ihn immer wieder mit weiterem Beton von außen zu stützen – und zusätzlich noch regelmäßig weiß anzustreichen, damit man ihn als Autofahrer auch im Dunkeln rechtzeitig sieht, wenn man die Kurve wie gewohnt schneidet.

29.09.2006 von Helmut Höge
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Im Selbstdarstellungswahn

von Helmut Höge

Eben bekam ich eine Reklamemail, die damit begann, dass der Absender meinte, meine Webpage bekäme nicht genug klicks, sie könnte viel mehr haben, wenn ich ihn damit beauftragen würde, eine bessere zu gestalten. So habe ich ihn jedenfalls verstanden. Sein Werbetext für diese “Botschaft” war ellenlang. Nun habe ich aber gar keine Webpage – und fände das auch zu eitel, abgesehen davon besitze ich überhaupt keine Elektronik, in meinem Haushalt gibt es bisher nur Elektrik (acht Glühbirnen, einen Kühlschrank, einen Rasierapparat und einen Diaprojektor). Das ist jedoch eher ein Luxus, den ich mir leisten kann, weil man mir in der taz freundlicherweise einen Schreibtisch zur Verfügung gestellt hat, seit dem Aushilfshausmeisterblog habe ich sogar einen Monitor mit Lautsprechern und dazu einen schnelleren Rechner vor mir auf den Tisch gestellt bekommen.

Es gibt aber noch mehr gegen die elektronische Selbstdarstellung zu sagen.

Bei der Zerschlagung bzw. Privatisierung der bisherigen Wirtschaftseinheiten und… weiter lesen

28.09.2006 von Helmut Höge
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Hausmeisterkunst (5)

von Helmut Höge

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Diese zwei Verkehrsabweiser installierte das Gartenbauamt vor der Einfahrt zu einer Kleingartenanlage in Berlin-Spandau, die vornehmlich von Siemens-Mitarbeitern belegt war. Dazu gehörte auch ein leitender Ingenieur namens Decker und ein Herr Schimanski vom Siemens-Kabelwerk. Letzterer wurde dann Platzwart der Kleingartenkolonie, was eine Art Schonplatz war – ihn aber zugleich vor der Arbeitslosigkeit rettete, da das Kabelwerk irgendwann abgewickelt wurde – und nun eine Top-”Eventlocation” ist, die seit 2003 von der Firma “Bread & Butter” vermarktet wird. Als Ingenieur Decker sich von seiner Frau “entfremdete”, zog er in seine Laube ein. Dazu mußte er fortan mit seinem PKW samt Anhänger des öfteren bis vor sein Gartentor fahren, um irgendwelche Gegenstände ab- oder aufzuladen. Und jedesmal – besonders im Winter – ärgerte er sich über diese zwei Poller des Gartenbauamts, die man zwar rausheben konnte, aber nur unter Mühen und speziell bei Kälte, indem man sich dabei die Finger abfror. So… weiter lesen

28.09.2006 von Helmut Höge
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Hausmeisterkunst (4)

von Helmut Höge

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Mobil sind auch diese drei Poller von Gerd Rohloff, der Hausmeister eines Gewerbehofes in der Nähe des Fehrbelliner Platzes ist. Hier sollen sie die Mitarbeiter abhalten, auf dem Hof zu parken (die taz hat zu dem selben Zweck eine abschließbare Schranke installiert), damit stets genug Platz für den Warenanlieferungsverkehr da ist. Die Hausverwaltung wies Rohloff an, sich dazu was einfallen zu lassen, er sollte jedoch – im Gegensatz zur taz,  deren Schranke 1500 Euro kostete und bei jeder Reparatur noch mal mindestens 150 Euro  – möglichst kein Geld dafür ausgeben. Also besorgte er sich drei alte Autoreifen, füllte sie mit Beton und stellte jeweils einen 1 Meter 50 hohen Holzstempel da rein.  Diese Rohloff-Poller werden nun morgens, bevor die ersten Mitarbeiter kommen, vor die Hofeinfahrt gestellt – und wenn die ersten Lieferanten anrollen, wieder an die Seite gerückt.

28.09.2006 von Helmut Höge
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Hausmeisterkunst (3)

von Helmut Höge

Bei meiner Pollerforschung habe ich mich nicht speziell mit den Poller-Unikaten von Hausmeistern befaßt, aber sie erregten dann doch ziemlich schnell – ab etwa 1990 – mein Interesse. Einen etwas anderen Weg ging zur gleichen Zeit der Künstler Dida Zende, der sich auf Pilonen konzentrierte – das sind diese kleinen rotweißen Spitzhütchen aus PVC (in der DDR waren sie aus Gummi), die man bei Unfällen und Ähnlichem aufstellt. Zende kam darüber auf Verkehr und Kunst. Seit ein paar Jahren betreibt er die “Freie Internationale Tankstelle” (FIT) in der Schwedter Straße 262 (Berlin- Prenzlauer Berg), wo regelmäßig Kunstaktionen stattfinden, die derzeitige heißt “Autopoesie & Lichthupen”.

Kürzlich besuchte eine Verkehrs-Kommission aus Nowosibirsk Berlin. Sie wunderten sich über die vielen Poller in der Stadt – Verkehrsabweiser von ihnen bzw. ihren Dolmetschern genannt. Es gab hier einmal einen FDP-Abgeordneten, der sich dem Kampf gegen die “Verpollerung der Innenstadt” widmete. Er wußte, welche Bezirks-Tiefbauämter die… weiter lesen

27.09.2006 von Helmut Höge
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Kulturrevolution

von Helmut Höge

Wir bereiten uns schon mal auf die Diskussion im Anschluß an die Vorpremieren des Films “Taxischwestern” von Fang Yu – im Club der polnischen Versager und im taz-café – vor. Der Genosse Semler hat sich dafür aus der Stabi gleich eine ganze Batterie von Harvard-Chinoiserien ausgeliehen. U.a. “The Unknown Cultural Revolution – Educational Reforms and their impact on China’s Rural Development” von Dongping Han New York/London 2000. Das Buch behandelt einen Aspekt, der auch immer in den Diskussionen über die chinesische Kulturrevolution zu kurz kommt: Man redet immer über die armen gebildeten Jugendlichen, die zu  Millionen aufs Land geschickt wurden,  aber kaum oder nie über die armen Bauern, die sie  ertragen  und  oft sogar ernähren mußten.  Schon gar nicht wird  – wie in dem Buch -  thematisert, dass die Bauern auch was von diesen ganzen “Intellektuellen” hatten -  d.h. was lernten. Angeblich soll ihnen das bereits mit Beginn der Privatwirtschaft… weiter lesen