30.06.2009 von Helmut Höge
- Gestern – Heute – Morgen
In Westerlin führten angeblich 1985/86 die Bhagwan-Jünger, die sich in einer Disco am Lehniner Platz trafen – wenn sie nicht gerade im “Flieger” nach Poona saßen, das erste “Flugzeugspiel” ein, das auch so genannt wurde. Was man heute als “Schwarmbildung” bezeichnen würde, hieß damals “Schneeballsystem”: Jeder der 3000 DM einzahlt – und mitspielt, muß etwa vier neue Mitspieler gewinnen, die wiederum je vier neue gewinnen usw. Dadurch rückt man im Flugzeug, so lange es funktioniert, stetig nach vorne, bis man im Cockpit sitzt – und viel Geld kassiert. Das Gewinnfieber erfaßte bald die halbe Kudamm-Scene. Der Inhaber eines Lampengeschäfts vis à vis des KaDeWe war es irgendwann leid, ständig um Geld oder zum Mitspielen angehauen zu werden, er annoncierte in der taz: “Teilnehmer an Flugzeugspielen werden bei uns nicht mehr bedient!” Die taz veröffentlichte daraufhin 1987 eine Recherche über das Thema:
Dichter “Flugverkehr” herrscht… weiter lesen
26.06.2009 von Helmut Höge
Hier noch mal die ganze LPG-Episode schriftlich:
20. November 1989
Sabine Vogel und ich sind heute bereits um 9 Uhr früh in Richtung Potsdam losgefahren. Kurz hinter Babelsberg fragten wir einen Traktoristen, der auf einem riesigen Feld alleine pflügte, nach dem Weg zur nächsten landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft. Er schickte uns nach Saarmund, wo es zwei LPGen gab: eine für Tier- und eine für Pflanzenproduktion. Letztere besaß eine eigene Tankstelle und der Tankwart zeigte uns den Weg zum Verwaltungsgebäude der LPG “Florian Geyer – Tierproduktion”. Dort landeten wir schon bald am t-förmigen Konferenztisch des Vorsitzenden. Nach einer ca. einstündigen Diskussion (“Was haltet ihr von der Wiedervereinigung?”) wurde zwischen uns und dem Vorsitzenden Kärgel sowie seiner Kadeleiterin Elke und dem Produktionsleiter Schmidt (genannt “der Lange”) ein “Potsdamer Abkommen” geschlossen: die LPG würde sich in den nächsten Tagen beim Rat des Kreises, Abteilung “Arbeit und Löhne” (Frau Noack) um eine Arbeitserlaubnis für uns zwei… weiter lesen
26.06.2009 von Helmut Höge

Das Objekt in Fahlhorst wird aufgelöst. Egon und Brigadier Erwin treiben die letzten Rinder zum Lastwagen, der sie nach Saarmund bringt.

Egon posiert hier für einen Zeitungsphotographen noch einmal vor dem Chrustschowschen Offenstall, bevor auch diese Rinder nach Saarmund kommen.

Aber das Leben muß weiter gehen. Hier besuchen einige aus der LPG gerade eine von der Treuhandchefin Birgit Breuel ausgerichtete Ausstellung über das segensreiche Wirken ihrer Behörde, der Treuhandanstalt, in den sogenannten fünf neuen Ländern – auf dem ehemaligen Defa-Gelände in Babelsberg.

Einige andere ehemalige LPG-Mitarbeiter haben sich ein Schlauchboot gekauft und vergnügen sich damit auf dem Badesee nahe Saarmund und Fahlhorst.
26.06.2009 von Helmut Höge

Das Verwaltungsgebäude er LPG, früher das Gutshaus, über der Tür sieht man noch das Wappen des ehemaligen Gutsbesitzers.

Der Badesee nahe Saarmund und Fahlhorst. Die Plastik im Vordergrund hat man nach den Märzwahlen 1990 entfernt.

Diese Zeit der Wirren nutzte der ehemalige Buchhalter der LPG, um sich im Wald in der Nähe des Sees eine Sommerhütte zu bauen.

Und Kälberpflegerin Petra heiratete zünftig – in Tschechien, die LPG hatte immer gute Kontakte nach dorthin gehabt.
26.06.2009 von Helmut Höge

Trotz aller Pläne und Projektediskutierereien mußte die Arbeit weitergemacht werden. Die Rinder warteten darauf, gefüttert zu werden. Derweil sanken die Fleischpreise von Tag zu Tag, weil immer mehr LPGen ihre Tierbestände auflösten, mindestens reduzierten.

Und wieder mal gab der rumänische Trecker seinen Geist auf. Ein paar Dörfer weiter fand eine Verkaufsschau mit Massey-Ferguson-Traktoren statt. Anschließend schwärmte der Vorsitzende der Saarmunder Pflanzen-LPG: “Was waren das für schöne Maschinen. Damit würde meinen Traktoristen die Arbeit wieder Spaß machen.”

Wegen der ganzen “Umbrüche” um uns herum waren Sabine Vogel und ich ein bißchen urlaubsreif geworden. Wir nahmen uns ein paar Tage frei (da wir sieben Tage in der Woche arbeiteten standen uns die zu) – und fuhren in die Wesermarsch. Dort setzten wir mit der Fähre über – und Vogel fütterte die Möven. Das tat ihr wie immer gut.

Anschließend besuchten wir noch Freunde im oberhessischen Vogelsberg. Dort wohnt… weiter lesen
26.06.2009 von Helmut Höge

Die von der LPG an der Fahlhorster Dorfstraße gebauten Wohnhäuser und die Feuerwehrgarage. In der Mitte Egons Haus. Dahinter befindet sich die kleine Schweinemast.

Im Inneren der Schweinemastanlage.

Als auch in unserer Brigade das Start-Up-Fieber um sich griff, überlegte man, ob man nicht auch dieses alte Waagehäuschen samt Waage hinter den Mastställen irgendwie produktiv nutzen könnte.

Ebenso dieses Ungetüm, das einst zur Melioration benutzt wurde und nun seit Jahren schon hinter den Stallungen vor sich hin rostete: Was ließe sich damit anfangen?
26.06.2009 von Helmut Höge

Als wir aus Suhl zurückkamen fand in Fahlhorst die erste Demonstration statt, die jemals dort stattgefunden hat – und zwar gegen die dortige große Schweinemast, die stank und das Grundwasser mit der darin anfallenden Gülle verseuchte.

Eine in der Nähe von Saarmund lebende Gemeindeschwester hatte die Proteste, an denen sich etwa 50 Dorfbewohner beteiligten, mitorganisiert.

Egon posiert für den “Zeit”-Photographen an der Gartenpforte. Sein Grundstück grenzt direkt an die kleine Schweinemast in Fahlhorst, die jedoch ebenfalls stinkt. Das stört ihn jedoch weniger als einige bauliche Mängel, deretwegen er immer mal wieder den LPG-Vorsitzenden ansprach, denn sein Haus hatte die LPG einst gebaut und es gehörte ihr auch. Man bot Egon an, es für wenig Geld zu kaufen, er lehnte jedoch ab – und wollte stattdessen, das die LPG endlich einige Reparaturen ausführte. Das geschah jedoch nie, Egon wurde darüber zu einem Querulanten.

Hier zeigt er dem… weiter lesen
26.06.2009 von Helmut Höge

In der Rindermast-Brigade hilft gelegentlich auch noch ein Rentner aus. Er war schon Knecht beim Gutsbesitzer gewesen und bewältigte immer noch die schwersten Schubkarren. Hier holt er gerade Getränkenachschub für uns aus dem Dorfkonsum, der von Ines geleitet wird. Sie ist mit Michael aus unserer Brigade verheiratet.

Die Frau eines Mitarbeiters aus der LPG-Verwaltung, der sich als erster selbständig machte – und zwar mit dem Vermakeln von Bootsanlagestellen.



Auf der Jahreshauptversammlung der Produktionsgenossenschaft, die im Hochzeitssaal der Gaststätte des Nachbardorfes stattfindet, bekommt nicht nur unsere Brigade eine Prämie, sondern einzelne Mitarbeiter auch noch Präsentkörbe.

Vogel und ich fuhren nach dieser Veranstaltung, auf der der LPG-Vorsitzende Kärgel wiedergewählt wurde, nach Suhl – zum letzten “Bauerntag”. Dort hielt der westdeutsche Bauernpräsident von Heeremann eine Rede – in der er den LPGen nur den Charakter einer “Übergangslösung” zubilligte, außerdem müssten die einstmals Bodenenteigneten ihr… weiter lesen
26.06.2009 von Helmut Höge

Kurz vor der Mittagspause im Sozialraum. Das Essen wird von einer Gaststätte im Nachbardorf zubereitet und zu uns gebracht.

Händewaschen vor der Mittagspause. Diese beiden Aushilfsrinderpfleger entließ die LPG-Verwaltung – ohne nähere Begründung. Aber zu dem Zeitpunkt war das alte sozialistische Arbeitsgesetz noch in Kraft und die Volkspolizei auch noch, die daraufhin die Wiedereinstellung der zwei erzwang. Daraufhin kamen sie zu uns nach Fahlhorst.

Brigadier Erwin (im blauen Kittel) hat tonnenweise Brot aufgetrieben, das wir nun an die Rinder verfüttern. Vorher muß es aber noch zerheckselt werden. Während einer Pause scheint Vogel den anderen in der Futterscheune irgendeine Westgeschichte zu erzählen. So sieht es jedenfalls hier auf dem Bild aus.

Danach ging die Arbeit des Zerkleinerns der Brote weiter.
26.06.2009 von Helmut Höge

Egon und Petra verteilen Heu im Kälberstall.

Dieses Plakat hing in unserem Sozialraum.

Später wechselten wir es gegen dieses aus der chinesischen Kulturrevolution aus, das uns Dr.Seltsam geliehen hatte. Leider vergaßen wir es mitzunehmen, als wir in der LPG aufhörten.

Michael hat sich beim Zusammenschieben des Mists in der Mitte des Hofplatzes festgefahren und wird von einem Traktorfahrer der benachbarten Pflanzen-LPG rausgezogen.