31.05.2010 von Helmut Höge
Im vorangegangenen Blog-Eintrag ging es um den “Sharholder Value” – den Wert der maritimen Unternehmen für die Kapitalbesitzer. Hier jetzt nun eher um ihren Wert für die Beschäftigten.
Infolge der Finanz- und Wirtschaftskrise und ihrer Auswirkung auf das Schifffahrtsgeschäft lagen 2009 zwischen 800 und 1000 Schiffe ohne Fracht in irgendwelchen Häfe oder auf der Reede vor Anker, allein in Deutschland waren es 30, darunter in Bremerhaven ein irakischer Frachter, der dort seit dem ersten Golfkrieg bereits liegt.
Bei vielen solcher “abandoned ships”-Fälle sind die betroffenen Seeleute “gestrandet”, d.h. sie bleiben auf dem Schiff zurück – ohne Heuer, Nahrungsmittel, Heizung etc. Aufmerksame Teile der Bevölkerung kümmern sich um sie, aber auch die Caritas, die internationale Seeleute-Gewerkschaft ITF und ver.di.

Wartepoller für Seemannsfrauen

Wartepoller für den Schiffsarzt

Poller-Wartung. Photos: Peter Grosse
Etwas anders entwickelte sich die Hilfe für die gestrandete Mannschaft eines in dem irischen Hafen Dundalk… weiter lesen
30.05.2010 von Helmut Höge

Poller auf dem Weg zum Schiff!
Wenn der “Spiegel” von “Küstendenkern” redet, dann meint er in aller Regel die Hamburger Kaufleute – und leider nicht die Bremer Seeschiffahrtsforscherin Heide Gerstenberger. Der Unterschied zwischen den beiden besteht darin, dass die Wissenschaftlerin materialistisch der Wirklichkeit auf der Spur bleibt – bis zum Schwarzen unter den Fingernägeln, während die ersteren sich in immer dünnere Luft reindenken (ihre Geschäfte mehr und mehr von der materiellen Produktion abheben). Wie hat man sich das einigermaßen konkret vorzustellen?
Für Bertold Brecht war der “Tui – der Intellektuelle dieser Zeit der Märkte und Waren. Der Vermieter des Intellekts.” Beginnen wir mit TUI.
Das Touristikunternehmen TUI AG hieß ursprünglich Preussag. Diese ging aus der 1923 gegründeten “Preußische Bergwerks- und Hütten-Aktiengesellschaft” hervor, die ihrerseits durch die Umwandlung der “Preußischen Montanindustrie” in ein Staatsunternehmen entstanden war. 1997 wurde die Preussag durch den Verkauf der Salzgitter AG und der Übernahme… weiter lesen
28.05.2010 von Helmut Höge

Kunst, Poller oder produktive Arbeit? Die Schweiz im Mai.
Arbeit und Kunst
Die erste Eintragung über “Genossenschaften” findet man in diesem blog am 24.7.2008. U.a. hieß es darin:
Um den Gedanken von gemeinschaftlich geführten Betrieben zu verbreiten – und gleichzeitig ihre Produkte vorzuführen, finanziert der Brüsseler Dachverband, die “Konföderation für Produktivgenossenschaften, Sozialgenossenschaften und andere Formen mitarbeiterkontrollierter Unternehmungen” (CECOP) und vor allem der Dachverband “Cooperatives Europe” eine Art Leistungsschau europäischer Produktivgenossenschaften – in Berlin (Neukölln), Budapest, Dunaujvaros und Usti nad Labem. Den Produkten sieht man die genossenschaftliche Herkunft nicht an, deswegen wird die Verkaufsausstellung ab dem 23. September 2008 flankiert von Filmen, Diskussionen und Dokumentationen über die Produzenten. Die Genossenschaften tageszeitung und Junge Welt sind quasi natürliche “Medienpartner” dieses auch von dem EU – Programm “Kultur 2007-2013″ sowie von der Bundeskulturstiftung, dem Kulturamt Neukölln, dem ungarischen Ministerium für Kultur und dem tschechischen Ministerium für Kultur geförderten… weiter lesen
27.05.2010 von Helmut Höge

Dieser Poller in Bamberg hatte anfangs – 2001 – eine perfekte mimetische Beziehung zum Baum aufgebaut, aber dann wuchs dieser einfach weiter. Da war irgendwann guter Rat teuer.
Vergangenheitsgeschäfte
Der Religionswissenschaftler Mircea Eliade erzählte einmal folgende Geschichte: Sein Bukarester Professor besuchte Berlin und ging in eine Vorlesung des schon lange emeritierten Theodor Mommsen. Dieser sprach im überfüllten Audimax der Humboldt-Universität über das Athen der ersten Philosophen: Wo sich wer mit wem getroffen und was sie dabei besprochen hatten. Eliades Professor saß in der hintersten Reihe. Als der Vortrag zu Ende und der Appplaus verklungen war, blieb er noch eine Weile ergriffen im Saal. Der Universitätsdiener kam und half Mommsen, seine Sachen zusammenzupacken, anschließend geleitete er ihn aus der Universität und bis vor seine Haustür. Eliades Professor folgte den beiden. Mommsen, der sich im alten Athen quasi wie in seiner Westentasche auskannte, war nicht mehr imstande, in… weiter lesen
26.05.2010 von Helmut Höge
Die F.R. berichtete gestern – unter der Überschrift “US-Regierung droht BP”, dass die amerikanische Regierung sich notfalls gegen den Konzern, für den die Bohrturm-Havarie schon bald “existenzbedrohend” werden könnte, entscheiden werde, das “Leck” mit und von anderen Ölfirmen “endgültig stopfen” zu lassen, da BP außer einer beschwichtigenden Pressearbeit fast so gut wie nichts zur Bekämpfung der Ölpest im Golf von Mexiko bisher beigetragen habe.
Am Ende des F.R.Artikels wird noch kurz erwähnt:
“Unterdessen bot der Iran den USA erneut Hilfe an. Es sei keine große Sache, das Leck am Bohrloch zu schließen, sagte ein hochrangiger Manager der nationalen iranischen Ölbohr-Gesellschaft.”
Das “erneut” in dieser Meldung bezog sich auf eine Reuters-Nachricht vom 3.Mai:
TEHRAN, May 3 (Reuters) – An Iranian state company offered on Monday to help in preventing a vast oil slick that is moving towards the coast of the United States, the Islamic Republic’s old foe, from causing an… weiter lesen
18.05.2010 von Helmut Höge
Im Urlaub gefunden:

Auf indianisch getrimmter Touristen-Poller (Kanada)
1. Die Wahrheit halluzinieren
Der Begründer der Nationalökonomie Adam Smith war sich sicher: “Geschäftsleute des gleichen Gewerbes kommen selten zusammen, ohne dass das Gespräch in einer Verschwörung gegen die Öffentlichkeit endet…” Der englische Moralphilosoph skizzierte damit eine ökonomische “Verschwörungstheorie” – in Form eines “intellectual guess”, der sich seitdem mit jeder öffentlich-gerichtlichen Ahndung einer “verbotenen Kartellabsprache” oder eines “Geschäftsabschlusses durch Bestechung” erhärtet.
Die “Verschwörungstheoretiker” sind in aller Regel aber erst einmal auf sich selbst angewiesen, d.h. auf die Veröffentlichung ihrer Argumente, um immer mehr Anhänger für ihre Theorie zu finden – bis dahin, das immer mehr Leute diesen “intellectual guess” nach und nach zu erhärten versuchen, was nichts anderes heißt, als der “Wahrheit” zum Durchbruch zu verhelfen. Dies geschah z.B. mit dem “11.September 2001″, den hierzulande Mathias Broeckers als von den USA bzw. der CIA selbst inszeniert begriff –… weiter lesen
16.05.2010 von Helmut Höge

Alter Reli-Poller in der Eifel – nicht um den Verkehr, sondern um heidnische Götter abzuweisen. Photo: Peter Grosse
Zwei Frankfurter Frauen allein gegen die Mafia
In der SPD-Brandenburg kommt es immer wieder zu Konflikten zwischen den von unten neuanfänglich Hochdrängenden und den von oben zu versorgenden Leistungsträgern. Dabei macht sich auch ein Gender-Konflikt bemerkbar. In Frankfurt/Oder, wo die Partei etwa 100 Mitglieder hat, wovon die Hälfte halbe Karteileichen sind, sagte es eine Genossin so: “Alle Frauen werden hier mürbe gemacht; die haben da nichts mehr zu melden, höchstens als Alibifrauen noch.”
Die politische Karriere von Angelika Schneider könnte dafür typisch sein. In der Wende engagierte sie sich in der ostdeutschen Betriebsräteinitiative, die sich 1991 gegen die Treuhand-Abwicklungspolitik gegründet hatte. Sie war damals Betriebsrätin des Halbleiterwerks Frankfurt/Oder (HFO). 1995 hatte die von ihr mitgegründete “Auffanggesellschaft” (BQSG) für die Entlassenen von der Treuhand den Auftrag bekommen, die HFO-Gebäude abzureißen. Einige Hunderte… weiter lesen
14.05.2010 von Helmut Höge

“Die Stadt, der Poller und der Müll, ” schreibt der Photograph Peter Grosse zu diesem Bild.
Dieser Kampf geht weiter. Denn der potentielle Bebauherr des Geländes – der Westberliner Architekt Reinhard Müller, “Gasometer-Müller” auch genannt – denkt sich immer wieder was Neues aus, auch neue Freunde.
Dabei sieht es derzeit eigentlich so aus, dass er, der ein immer größeres Rad drehen wollte, jetzt doch lieber eher kleine Brötchen backen will:
Erst trat er als Vorsitzender der von ihm gegründeten Firma “Stiftung Denkmalschutz Berlin” zurück, dann war zu erfahren, dass seine Stiftung das 2007 als “Schnäppchen” erworbene Stadtbad Oderberger Straße im Prenzlauer Berg verkaufen will – ein 1902 von Ludwig Hoffmann erbautes “bedeutendes Zeugnis städtischer Badekultur”.
Ebenso erfuhr man dann, dass er seinen Firmensitz in der Kurfürstenstraße verlassen möchte, das stand jedenfalls in einer Anzeige von Engel & Völkers am 23.4.2010 in der F.A.Z. 5,7 Mio. Euro will… weiter lesen
11.05.2010 von Helmut Höge
Mit Londoner Lottogeldern finanzierte Kunst/Poller-Reihe. Photo: Peter Grosse

Mit Berliner Lottogeldern finanzierte Kunst/Poller-Reihe (auf dem Flughafen Tempelhof). Photo: Antonia Herrscher
Tamara Ernst, die nicht weit vom Heinrichplatz wohnt, hatte eines Tages sechs Richtige im Lotto, auf der Lotto-Quittung, die allein zählt, standen jedoch andere Zahlen als die auf ihrem Schein. Statt eines dicken Geldgewinns wurde daraus schließlich eine Verurteilung wegen Betrugs.
Tamara Ernst ging ebenso erbost wie entsetzt in Berufung – durch alle Instanzen. Sie bestätigten jedoch bloß das erste amtsgerichtliche Urteil. Tamara Ernst legte dagegen beim Verfassungsgericht “Beschwerde” ein, das ein Rechtsanwalt ihr für 2000 Euro schrieb, sie kam auch pünktlich in Karlsruhe an, leider vergaß er in der Eile die Unterlagen – so dass der Verfassungsrichter Udo di Fabio die Annahme der Beschwerde leichten Herzens verweigern konnte.
Inzwischen hatte sich die Moskauerin Tamara Ernst derart in die (juristische und technische) Materie eingearbeitet,… weiter lesen
11.05.2010 von Helmut Höge

“Aus der Pollerforschung,” schreibt der Photograph Peter Grosse zu diesem Photo eines japanischen Hinweisschildes, das der Herstellung eines friedlichen Miteinanders von Rauchern und Nichtrauchern dient.
taz: Herr Wroblewsky, Sie haben kürzlich Ihren Briefwechsel mit dem Kreuzberger Bezirksamt wegen des Rauchverbots in Ihrem “Café Jenseits” als Buch veröffentlicht. Finden Sie die Bürokratie lustig?
Clement de Wroblewsky: Nein, die Bürokratie ist etwas Mühseliges. Wenn ich aber innerhalb von sechs Wochen vom Ordnungsamt fünf Bußgeldverfahren übergebraten bekomme, bleibt einem nur Galgenhumor. Existenzielle Bedrohungen sind nicht lustig. Und das war hier, nach dem Karlsruher Urteil über die Rauchergaststätten, der Fall. Die Senatsverwaltung hat hartnäckig versucht, das Urteil umzufrisieren, Kellner, Gäste und Wirte in Haftung zu nehmen, und ich durfte monatelang Einspruch auf Einspruch an das Amt schreiben. Das endete in einem Schlagabtausch, der grotesk, literaturwürdig und über weite Strecken erheiternd ist. Man kann bitter, man kann auch lustig dazu sagen.… weiter lesen