Das er ein Mann der Superlative ist, wussten wir schon immer. Nun haben wir es aber auch schwarz auf weiß. Nun kommt der Comandante en Jefe ins Buch der Rekorde. Fidel Castro hält nämlich nicht nur den Rekord der längsten Rede aller Zeiten, sondern auch der meisten gescheiterten Attentate – 638 sollen es sein. Doch ein bißchen Recherche wäre schon schön.
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Vergangenheitsaufarbeitung in der Karibik
31 Jahre terrorisierte Rafael Leonidas Trujillo Molina die Dominikanische Republik. 50.000 Menschen fielen dem Regime des Diktators zum Opfer, der im Mai 1961 einem Attentat erlag. Fünf Jahrzehnte später streitet man im Urlaubsparadies über den richtigen Umgang mit der blutigen Vergangenheit.
Ein Beitrag von Brigitte Kleine in Zusammenarbeit mit Hans-Ulrich Dillmann in ARD, Sonntag, den 26. Juni 2011 um 23 Uhr
http://www.daserste.de/ttt/beitrag_dyn~uid,gxwec2cimgqvc9ob~cm.asp
Ich holte ihn in Genf vom Bahnhof ab, fuhr ihn jeden Tag vom Hotel zur Konferenz, begleitete ihn abends zu Empfängen, und am freien Sonntag spazierten wir durch Chamonix. Wie ein Außerirdischer kam er mir in der Schweiz vor, in seiner Windjacke und auf dem Kopf das Barett mit Kommandantenstern. Er wirkte schüchtern, ironisch, aber man spürte gleich seine Autorität…
… erinnert sich Jean Ziegler an Ernesto “Che” Guevara, der dem “helvetischen Kleinbürger” schließlich einen guten Rat gab.
Dass der streitbare Schweizer nicht nur zornig, sondern auch sehr humorvoll sein kann, zeigt er in diesem äußerst lesenswerten ZEIT-Interview.
Foto: dpa
Am Mittwoch (24.11.) ist Sergio Valech in Santiago de Chile im Alter von 83 Jahren gestorben. Valech, katholischer Bischof im Ruhestand, hatte sich nach dem Putsch 1973 im Kampf für die Menschenrechte verdient gemacht. Von 1987 bis 1992 leitete er die Vicaría de la Solidaridad, eine Einrichtung der Kirche, die Opfern von Menschenrechtsverletzungen rechtlichen und menschlichen Beistand leistete (mehr hier). In dieser Funktion weigerte er sich standhaft, von der Vicaría gesammelte Daten der Militärjustiz zu überlassen. Die Regierung von Ricardo Lagos ernannte ihn später zum Vorsitzenden einer Kommission, die schwere Menschenrechtsverletzungen, insbesondere Fälle von Folter, in den Jahren der Diktatur untersuchte – nach ihm auch “Valech-Kommission” genannt. Im Jahr 2004 legte sie ihren Bericht vor: ein Dokument von kaum zu überschätzender Bedeutung für die Aufarbeitung der jüngsten chilenischen Vergangenheit (neben dem “Rettig-Bericht” von 1991, der die Todesopfer des Pinochet-Regimes auflistete).

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Jetzt wird’s heftig: nach dem Abgang des Botschafters in Argentinien, Miguel Otero, zeigen sich in Chile immer mehr Verwerfungen zwischen den ewiggestrigen Apologeten der Diktatur und den Vertretern einer halbwegs modernisierten Rechten, die in Wertefragen liberal argumentiert und nicht so gern mit Pinochet in einem Atemzug genannt werden möchte. Unangenehm für Präsident Sebastián Piñera ist die Tatsache, dass sich im allerneuesten Gerangel zwei ihm sehr nahestehende Politiker beharken: sein Innenminister Rodrigo Hinzpeter und sein älterer Bruder José Piñera.
Letzterer, einst Arbeitsminister unter Pinochet, hatte jetzt der argentinischen Zeitung Perfil gegenüber gesagt, der wahre Verantwortliche für das Militärregime sei Salvador Allende: Der sozialistische Präsident habe sich, obwohl demokratisch gewählt, zum Tyrannen gewandelt und die Demokratie gefährdet. Übrigens habe das vor Allende schon mal einer gemacht: Adolf Hitler (Merke: Nazivergleiche sind kein Alleinstellungsmerkmal deutscher Debatten.)
Wem das gar nicht gefiel, war Innenminister Hinzpeter. Im Nachrichtensender Radio Cooperativa… weiter lesen
Keine zwei Monate hat er sich auf seinem Posten gehalten: Miguel Otero, im April von Präsident Sebastián Piñera als Botschafter im Nachbarland Argentinien eingesetzt, hat am Dienstag sein Rücktrittsgesuch eingereicht, das von der Regierung in Santiago umgehend angenommen wurde. Gestolpert ist der fast 80-Jährige über seine stramm reaktionären Ansichten, insbesondere eine Apologie des Putsches und der Pinochet-Diktatur. Für Piñera bedeutet die Abdankung seines Parteifreunds eine weitere Blamage nach diversen unglücklichen Personalentscheidungen (wie zuletzt im Fall Iván Andrusco).
Was war passiert? Der Jurist Otero, renommierter Anwalt und in den Neunzigerjahren Senator für die rechte Partei Renovación Nacional, hatte sich geärgert, weil die argentinische Tageszeitung Clarín anlässlich seiner Ernennung eine recht ätzendes Porträt verröffentlicht hatte – das Porträt eines enthusiastischen Putschisten, der in leitender Funktion an der Universidad de Chile Razzien gegen linke Dozenten und Studenten mitverantwortete, später an der demokratisch nicht legitimierten Gesetzgebung der Militärjunta mitwirkte und sich… weiter lesen
Sebastián Piñera hat kein gutes Händchen fürs Personal: Nachdem im März die Ernennung eines regionalen Verwaltungschefs zurückgezogen werden musste, weil dieser mutmaßlich mit der Colonia Dignidad verstrickt war, ist jetzt der Chef der Gendarmería zurückgetreten. Der Ex-Polizeigeneral Iván Andrusco leitete Chiles uniformierte Justizvollzugsbeamte nur 22 Tage lang. In einem am Freitag vegröffentlichten Schreiben beklagte er eine “Hetzkampagne”, die angeblich nicht einmal vor Morddrohungen Halt gemacht habe.
Sicher ist: Mit drei brutalen Morden wird Andrusco selbst in Verbindung gebracht – dem sogenannten Caso Degollados vom März 1985. Damals waren drei Mitglieder der im Untergrund agierenden Kommunisten entführt worden, man fand sie am nächsten Morgen mit aufgeschlitzten Kehlen in der Nähe des Flughafens. Der Fall schlug derart hohe Wellen, dass wenige Monate später sechs Angehörige des polizeilichen Geheimdienstes Dicomcar zu lebenslänglichen Freiheitsstrafen verurteilt wurden. Polizeigeneral und Junta-Mitglied César Mendoza musste seinen Posten räumen.
Andrusco gehörte damals der Dicomcar an und… weiter lesen
Man sollte der chilenischen Rechten dankbar sein: Ihre Fraktionen im chilenischen Abgeordnetenhaus haben mit den Ex-Christdemokraten der PRI gegen eine Umbenennung des Flughafens von Santiago in Aeropuerto Internacional Pablo Neruda gestimmt. Es waren 44 Stimmen gegen 38 von Vertretern der Concertación, den drei Kommunisten sowie zwei Abgeordneten der rechten RN, die es offenbar doch nicht für eine so schlechte Idee hielten, den Heimatflughafen von LAN Airlines auf den Namen des chilenischen Dichterfürsten zu taufen. Die Initiative war im Jahr 2004 von Abgeordneten der Concertación auf den Weg gebracht worden.
Die sind jetzt natürlich sauer: “Die Rechte hat ideologische Vorurteile und will nicht verstehen, dass Figuren wie Neruda Weltbürger sind”, befand der sozialistische Abgeordnete Alfonso De Urresti, der die Vertreter der rechten Allianz für Chile aufforderte, sich endlich “weiterzuentwickeln”. Natürlich kam die Attacke postwendend zurück: Eine “kleingeistige Debatte” sei das, fand der Fraktionschef der rechten UDI, Patricio Melero:… weiter lesen
Pünktlich zur bevorstehenden Oscar-Verleihung schickt uns Martin Brauer aus Argentinien einen Text über den Film “El secreto de sus ojos”, der als “bester fremdsprachiger Film” nominiert ist:
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Wenn an diesem Sonntag in Hollywood der rote Teppich ausgerollt wird, wird die Welt erfahren, ob der Film „Das Geheimnis ihrer Augen“ den zweiten Oscar für einen argentinischen Film nach „Die offizielle Geschichte“ (1986) erhält.
Es gibt viele Berührungspunkte zwischen beiden Filmen: Zum einen beleuchten beide die dunkelste Vergangenheit Argentiniens, die Repression in den siebziger Jahren. Zum anderen war die Drehbuchautorin von „Die offizielle Geschichte“ die erste Professorin von Campanella, dem Regisseur von „Das Geheimnis seiner Augen“.
Ein Anliegen des Films ist es, den Abschnitt der argentinischen Geschichtsschreibung zu beleuchten, der eine klare Trennlinie zwischen der Präsidentschaft Isabel Peróns und dem Militärputsch im März 1976 zieht, als ob bis unmittelbar zu diesem Zeitpunkt alles in bester Ordnung gewesen… weiter lesen
Die apokalyptischen Bilder aus Haiti verdecken eines: Der westliche Teil der Insel Hispaniola war nicht immer ein “Katastrophenland”.
Der weiße Fluch
von Eduardo Galeano
Am ersten Tag diesen Jahres wurde die Freiheit 200 Jahre alt. Keiner hat es bemerkt, oder beinahe keiner. Einige Tage später bekam Haiti, das Geburtstagskind, ein wenig Platz in den Medien. Nicht aufgrund des Jahrestages der universellen Freiheit, sondern wegen eines Blutbads, das schließlich zum Sturz des Präsidenten Aristide führte.
Haiti war das erste Land, in dem die Sklaverei abgeschafft wurde. Allerdings schreiben die bekanntesten Enzyklopädien und die meisten Lehrtexte England diese historische Ehre zu. Es stimmt, dass das Weltreich, das zuvor Weltmeister im Sklavenhandel war, eines Tages die Meinung änderte; doch die Abschaffung durch die Briten geschah 1807, drei Jahre nach der Haitianischen Revolution, und sie war so wenig überzeugend, dass England 1832 die Sklaverei noch einmal verbieten musste.
Die Negierung Haitis ist nichts… weiter lesen






