Vor ein paar Jahren besuchte ich einen Vortrag zweier Techno-Produzenten während einer Architektur-Tagung. Die zwei Elektronik-Musiker verglichen den Aufbau eines Techno-Tracks mit der Architektur eines Bauwerks und demonstrierten diese These mit einem Stück, das sie vor den Augen, der meist älteren Herrschaften, komponierten.
Sie legten zuerst das Fundament mit einem rhythmischen Bass-Geräusch an, dann kamen Hi-Hat (Mauern) und Clap-Geräusche (räumliche Abtrennungen und Zimmer) dazu und irgendwann wurde die Melodie dazugebaut, welche die Eigenständigkeit des Songs (Gebäudes) herausstellte. Der Song unterschied sich von allen anderen, weil Einzelteile wohldosiert zusammengebaut wurden. An den richtigen Ecken entstanden Abrundungen oder auch scharfe Kanten. Man wusste, wie viele Stockwerke man will und wie hoch das Haus werden sollte (so zirka dreieinhalb Minuten).
Irgendwie hatte diese Idee Hand und Fuß. Sie bastelten noch ein bisschen an den Feinheiten (Türen, Fenster, Fußbodenheizung, Jacuzzi) und schon war man restlos begeistert. Ich dachte von da an, jede elektronische Platte durchschauen zu können.
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Archive for Juni, 2007
Alle Jubeljahre veröffentlicht das American Film Institute nach aufwändiger Wahl eine Liste der 100 besten amerikanischen Filme aller Zeiten. 1500 Schauspieler, Filmemacher und Kritiker geben dabei ihre Stimme ab.
Natürlich sind solche Listen immer subjektiv, nie allgemeingültig und zumeist ein wunderbarer Anlass endlich mal wieder laut „Nö!“ zu sagen, aber eben auch ein schöner Gradmesser, woraus der filmische Kanon besteht.
Sieger ist – wie bereits bei der letzten Wahl – Orson Welles’ ewiggültiges Meisterwerk „Citizen Kane“. Viel wurde über diesen epochalen Film geschrieben, aber man will nicht müde werden zu erwähnen, dass Welles gerade einmal 26 Jahre alt war, als er das Porträt des fiktiven Medienmoguls Charles Foster Kane drehte. Noch unfassbarer bleibt die Tatsache, dass „Citizen Kane“ zudem Orson Welles’ Debütfilm war: wie bitter muss es eigentlich sein, wenn man mit 26 Jahren mit dem allerersten Versuch etwas erschaffen hat, das dein ganzes restliches Leben, ja, das Kino im allgemeinen, auf ewig überragen wird?
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“Schon auf den ersten Metern werden mir zwei blanke Hintern entgegengestreckt, jemand schreit in Richtung seiner Kumpels: “Nutten-Andi! Wo sind die Nutten?” Aha, Nutten, womöglich auch noch Koks – hier sind wir richtig. Im Pressezelt irren der giraffenähnliche Max Buskohl, Tim Mälzer und Raabs Prügelknabe Elton herum – glamouröser wird es nicht.”
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„Geschlossene Räume interessieren mich einfach nicht!“ – Interview mit Nagel (Muff Potter)
von Christian Ihle & Horst MotorNagel, Autor und Sänger von Muff Potter über Szenen, besondere Konzerte und deren einfache Organisation.
Nachdem man sich mit eurer Musik und deinem Buch auseinandergesetzt hat, stellt sich eine Frage: Bist du ein Getriebener?
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In unregelmäßiger Folge zitiert das Popblog die beiden größten Aphoristiker Großbritanniens, Oasis’ Liam und Noel Gallagher. Des Popblogs Kalendersprüche, wenn man so will.
“When Al-Quaeda start targeting limousines, I’m in trouble. Otherwise I’m pretty safe, I’d say.”
(Noel Gallagher nach den Londoner Terroranschlägen auf Busse und wie sehr er sich von der Situation bedroht fühle)
“Manchmal aber macht Fernsehen einfach nur ratlos und verzweifelt, stumpf und sprachlos. Am liebsten möchte man dann nur noch in antike Schmerzensrufe ausbrechen und sich anschließend auf eine einsame grüne Wiese legen, irgendwo im Schatten eines Olivenbaums, und den Schafen beim Grasen zuschauen.
O Programmverantwortliche, beim Apoll und der Pallas Athene, Ihr seid die Wahnsinnigen unserer Zeit!
(…)
Gülcan, 1, 62 Meter groß, “Deutschlands heißeste TV-Moderatorin”, redet und redet und redet. Dagegen wirkt Verona Feldbusch wie die Insassin eines Schweigeklosters. Gülcan redet über alles und jedes. Über den Wasserfleck an der Decke und die “süße Mami” in Travemünde, über ihren Hund und das Hochzeitskleid, über die Chippendales und die Hochzeitstorte, über die Speisenfolge, Orchideen, Minigolf, ihre Haare, Brötchenholen und noch mal den Wasserfleck.
(…)
Selbst angesichts aller Härten und Abgründe des kommerziellen deutschen Fernsehens ist ein solcher Bilderschwall des puren Nichts der absolute Tiefpunkt. Dass ProSieben dafür auch nur… weiter lesen
In unregelmäßiger Folge zitiert das Popblog die beiden größten Aphoristiker Großbritanniens, Oasis’ Liam und Noel Gallagher. Des Popblogs Kalendersprüche, wenn man so will.
“If I saw an alien I’d tell it to fuck right off because whatever planet he came from they wouldn’t have the Beatles or any decent fucking music. So they can fuck right off, I ain’t going nowhere with them.”
Liam Gallagher
“In den vermeintlichen Sprachbüchern, die unter so lustigen Titeln wie “Der Dativ ist dem Genetiv sein Tod” angeboten werden, kehrt der Oberlehrer in seiner schlimmsten Form zurück – als Agent sozialer Distinktionsmerkmale.”
(Thomas Steinfeld, Süddeutsche Zeitung)
Heute: The Wild Angels (USA, 1966. Regie: Roger Corman)
Tagline: “Their credo is violence… Their God is hate… And they call themselves ‘The Wild Angels’”
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(Bis im Juni endlich Quentin Tarantinos neuer Film “Death Proof” – die eine Hälfte des Grindhouse-Double-Features mit Robert Rodriguez’ “Planet Terror – in die deutschen Kinos kommt, präsentiert der Popblog zu Ehren dieser Hommage an die blutspritzenden B-Movies der 60er und 70er einige der besten Filmplakate und Taglines des Genres.)
Christian Ihle
Im Plattenladen im Mai (3): Manic Street Preachers, Pigeon Detectives, Von Südenfed, The Audience
von Christian Ihle & Horst MotorManic Street Preachers – Send Away The Tigers
Hätte man 1991 in England eine Umfrage gestartet, welche von den heißen Newcomerbands wohl in 16 Jahren immer noch unbeirrt weitermarschieren würde, keiner hätte auf die Manic Street Preachers gesetzt. Zu sehr jetzt, jung, wild, destruktiv, nihilistisch und prätentiös waren die vier Waliser, als dass man ihnen eine Karriere jenseits der 30 hätte prophezeien können.
Viel Wasser ist unter allen Selbstmordbrücken geflossen seit die vier als Clash-Wannabes für erstes Aufsehen (1991) sorgten. Danach waren sie eine britisch-intellektuelle Guns’n’Roses-Kopie (1992), eine Joy Division Wiederkehr (1994), die stolzesten Trauernden der Welt (1996), Brit-Pops elder statesmen (1998) und Punks in der midlifecrisis (2001). Ihr komtemplatives, aber schwächstes Album „Lifeblood“ veröffentlichten sie vor drei Jahren, im vergangen Jahr traten sowohl Sänger James Dean Bradfield als auch Bassist und Texter Nicky Wire mit Soloalben vor die Musikwelt: eines davon war gut (Bradfield), eines versponnen, aber fantastisch (Wire). … weiter lesen