Die zehn besten Alben 2008

10. Santogold: „Santogold“ (Indiepedia)
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Santogold war 2008 überall. Von Jay-Z zu N.E.R.D. und Julian Casablancas riss sich jeder um die New Yorkerin. Überall war sie auch auf ihrem Album unterwegs. Santi White streifte so viele Genres auf ihrem Debüt, dass man lediglich den Black Metal Knaller vermissen wollte. Aber auch so bekamen wir von M.I.A.-Stuff („Creator“) zu Indierock („Lights Out“), Pop-Punk („You’ll Find A Way“) und Hip-Hop-Reggae („Shove It“) alles was wir wollten – und mehr. Höhepunkt war natürlich der Besuch in den 80ern via „L.E.S. Artistes“, das auch nach gut 15 Monaten nichts von seiner Wucht und Würde verloren hat.

Charts:
UK: 26 / D: – / US: 74

Im Popblog: I Predict A Riot in 2008: Pop

9. Hot Chip: „Made In The Dark“ (Indiepedia)
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Das schwierige zweite Album? Das ist ein Kinderspiel gegen das, was Hot Chip vor sich hatten. Mit den ersten beiden Alben wurde zunächst in den einschlägigen Kreisen Ruhm und Ehre erspielt bis die Singles des Zweitwerks bei Kritikern weltweit derart durch die Decke gingen, dass diese englischen Nerds auf einmal die heißeste Band des Planeten waren. Komm da mal mit einem neuen Album um die Ecke! Umso höher ist es Hot Chip anzurechnen, dass „Made In The Dark“ so gut geworden ist – ohne sich dabei auf die Blaupause bewährter Hits wie „Over & Over“ zu verlassen. „Made In The Dark“ war ein Soulalbum für den Dancefloor, endlich eine durch und durch elektronische Platte, die Herz, Hirn und Humor hatte und keineswegs nur den Tanzdrang bediente. Hot Chips „Mensch Maschine“.

Charts:
UK: 4 / D: 34

8. Johnny Flynn & The Sussex Wit: „A Larum“
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In seinem bisherigen Leben war Johnny Flynn hauptsächlich Schauspieler und so wurde seinem Folk-Debüt-Album sofort eine gewisse fakeness unterstellt, was natürlich ein Vorwurf ist, der an Irrelevanz kaum zu überbieten ist. Es ist die Gallagher-Schule: du musst arbeitslos und working class sein, um über die Härten des Lebens singen zu dürfen. Ach was, um überhaupt singen zu dürfen.
Unsinn, wie Johnny Flynn beweist. Seine Darstellerherkunft kommt ihm auf „A Larum“ sogar entgegen, da er sich ganz seiner Rolle als herumziehender Folksänger aus dem letzten Jahrhundert ergibt und dabei mit wunderbar altmodischer Instrumentierung seine Geschichten von Barkeepern erzählt, die George Best ähneln (und dann den Song „Wayne Rooney“ nennt…). Höhepunkt ist und bleibt aber neben dem Tom Waits nicht unähnlichen „Hong Kong Cemetary“ vor allem „Tickle Me Pink“, das im Jahr zuvor bereits in einer akustischen Solo-Version erschienen war, nun aber dank der backing vocals mit dem mitreissendsten Refrain des Jahres aufwarten konnte: „Pray for the people inside your head / for they won’t be there when you’re dead“.

7. 1000 Robota: „Er Nicht Du Nicht Sie Nicht“ (Indiepedia)
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(1000 Robota – Hamburg brennt. Nicht auf der LP enthalten)

Es gibt so vieles, das man an 1000 Robota scheiße finden kann. Die Arroganz der Jugend, den bescheuerten Bandnamen, die selten dämlichen Blogeinträge von Sänger Anton Spielmann oder seine nicht minder dümmlichen Bühnenansagen … aber eben nicht diese Platte, nicht diese Songs. Ein singuläres Ereignis in der deutschen Musiklandschaft. Mit viel Mühe kann man noch die Ratinger Hof – Clique als Vergleichsgröße heranziehen, aber ansonsten gibt es niemanden hierzulande, der wie 1000 Robota klingt.

Charts:
UK: – / D: –

6. Love Is All: „A Hundred Things To Keep Me Up At Night” (Indiepedia)
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Dass das Popblog der so ziemlich weltgrößte Love-Is-All-Freund ist, dürfte kein Geheimnis sein. Vor zwei Jahren haben die Schweden demzufolge auch mit weitem Abstand unsere Album-des-Jahres-Krone gewonnen und dass die Nachfolgeplatte „nur“ auf Platz 6 landet, mag bestenfalls der Kritik geschuldet sein, dass „A Hundred Things To Keep Me Up At Night“ wie eine Neuauflage des goldenen ersten Werkes klingt. Aber dennoch: Love Is All haben es geschafft, ihre Unbändigkeit zu bewahren und klingen in keiner Sekunde reifer, abgeklärter, sondern machen immer noch den gleichen Lärm, der nie besser als einst im NME beschrieben wurde: „This sounds like the members of Bikini Kill, Madness, Phil Spector’s Wall Of Sound and Nation Of Ulysses got together on the Muppet Show and sang the best song ever written – backwards! Then the crazy spastic deaf genius that recorded it put all the microphones down a toilet while a dog (wearing shades) jumped all over the mixing desk, pissing wildly with excitement.”

Charts:
UK: – / D: nicht veröffentlicht

5. Vampire Weekend: „Vampire Weekend“ (Indiepedia)
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Nicht unbedingt eine Band, die man gleich ins Herz schließt, die aber dafür durch nicht zu leugnende Konsistenz in Sachen Songwriting überzeugt. Andere Bands schreiben so viele potentielle Singles nicht einmal in ihrer ganzen Laufbahn wie die New Yorker Grammatik- und Architekturfanatiker in die 34 (!) Minuten ihres Debütalbums zu packen vermochten. Chapéau, die Herren.

Charts:
UK: 15 / D: 87 / US: 17

4. Crystal Castles: „Crystal Castles“ (Indiepedia)
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Wie Glasvegas eine Band, die gehasst oder geliebt wird – obwohl allein „Crimewave“ jeden zu letzterem treiben sollte. Neben dem eher untypischen „Crimewave“ überraschte aber, wie gut dieser 8-Bit-Bastard auf Albumlänge funktionierte. Und das mit einer an Größenwahn grenzenden 16-Songs-Spielzeit! Aber: Ohne Hybris eben auch kein großer Pop!

Charts:
UK: 47 / D: –

3. No Age: „Nouns“ (Indiepedia)
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Shoegaze-Punk? Ambient-Punk? Keine Ahnung, aber die Heirat zweier völlig unterschiedlicher Ideen gelang No Age auf ihrem Debütalbum sogar noch besser als nach den ja sowie schon großartigen Singles erwartet. Instrumentale Ambient-Stellen wechseln sich mit unverständlich geschrieenen Punk-Momenten ab und so wirkte die Mutter aller Indie-Genres – egal wie oft schon totgesagt – frischer und aktueller denn je. Punk’s not dead. Er lebt jetzt nur in Los Angeles.

Charts:
UK: – / D: –

Im Popblog: I Predict A Riot in 2008: Wilkommen im Untergrund

2. Glasvegas: „Glasvegas“ (Indiepedia)
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Die einzige britische Gitarrenband, die in diesem Jahr wirklich der Erwähnung wert war. In England polarisierten die Schotten wie niemand sonst, aber dieser eklektizisistische Genre-Bastard hatte die Hymnen die wir suchten, die Texte, die wir hören wollten und den Style, den wir missten. „It’s My Own Cheating Heart That Makes Me Cry“ wäre der Song des Jahres, hätten wir uns nicht schon letzten Herbst Hals über Kopf in ihn verliebt. So verweisen wir an seiner Statt auf „Daddy’s Gone“, „Go Square Go“, „Geraldine“ und – natürlich – den Albumopener des Jahres „Football & Flower Tops“.

Charts:
UK: 2 / D: nicht veröffentlicht

Im Popblog: I Predict A Riot in 2008: Brit Guitar

1. Laura Marling: „Alas, I Can’t Swim“ (Indiepedia)
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Für Freunde der britischen Hegemonie in Sachen Popkultur war es ein enttäuschendes Jahr. Wo waren die Libertines, die Monkeys, die Franz Ferdinands mit denen man jede Diskussion abwürgen konnte? All das, wofür die Insel musikalisch gemeinhin bekannt ist, war dieses Jahr absent. Das Leid linderte aber die Welle junger Singer-SongwriterInnen von Emmy The Great bis Johnny Flynn, von denen wiederum Laura Marling das Album des Jahres schrieb. Ihr „Alas I Can’t Swim“ war der klassische Fall einer jener Platten, die nach ordentlichem Beginn Monat um Monat immer wieder ihr Auflegen einforderte und so Song um Song zum Soundtrack des Jahres werden ließ. Von “Crawled Out Of The Sea” bis zum hidden track “Alas I Can’t Swim”, von “My Manic & I” zu “The Captain And The Hourglass” entwickelte sich Hit um Hit. Laura Marlings Potential wird auch deutlich, wenn man ihre Außeralbumaktivitäten betrachtet. Drei anderen Bands hat sie bisher ihre Stimme als Gastsängerin geliehen und bei jeder einzelnen ist der „featuring Laura Marling“ – Song der Höhepunkt des jeweiligen Albums: „Young Love“ (Mystery Jets), „5 Years Time“ (Noah & The Whale) und „Suspicious Eyes“ (The Rakes).

Doch zurück zum Album des Jahres: würde man nicht wissen, dass die gute Laura gerade 17 war, als dieses Album veröffentlicht wurde – man würde es um alles in der Welt nicht glauben wollen. Reif vor ihrem Alter – was muss das für eine Bürde sein, in so jungen Jahren bereits solch ein Album zu schreiben? Oder wenn Sie erst angefangen hat, welche Wundertaten mögen noch kommen?

Charts:
UK: 45 / D: –

Im Popblog: I Predict A Riot in 2008: Singer/Songwriter

Ebenfalls empfehlenswert 2008:

11. Yeti: „The Legend Of Yeti Gonzales“
12. Little Joy: „Little Joy“
13. The Kills: „Midnight Boom“
14. Scott Matthew: „Scott Matthew“ (I Predict A Riot in 2008: Singer/Songwriter)
15. Pascow: „Nächster Halt gefliester Boden“
16. Black Kids: „Partie Traumatic“ (I Predict A Riot in 2008: Pop)
17. Kings Of Leon: „Only By The Night“
18. Ja, Panik: „The Taste & The Money“
19. Get Well Soon: „Rest Now Weary Head You Will“ (I Predict A Riot in 2008: aus deutschen Landen)
20. The Walkmen: „You & Me“
21. Fucked Up: „The Chemistry Of Common Life“
22. Mountain Goats: „Heretic Pride“
23. XX Teens: „Welcome To Goon Island“ (I Predict A Riot in 2007: Großbritannien)
24. The Long Blondes: „‚Couples'“
25. Metronomy: „Nights Out“

und 2007?

1. The Good, The Bad & The Queen – The Good, The Bad & The Queen
2. Die Türen – P-O-P-O
3. LCD Soundsystem – Sound Of Silver
4. Babyshambles – Shotters Nation
5. Tocotronic – Kapitulation
6. The White Stripes – Icky Thump
7. Jamie T – Panic Prevention
8. The Cribs – Men’s Needs, Women’s Needs, Whatever
9. Friska Viljor – Bravo!
10. The Rakes – Ten New Messages

mit Text? hier

und 2006?

1. Love Is All – 9 Times The Same Song
2. The Strokes – First Impressions of Earth
3. Two Gallants – What The Toll Tells
4. The Rapture – Pieces Of The People We Love
5. Die Goldenen Zitronen – Lenin

mit Text? hier

Kommentare (7)

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  4. von spar ja wohl auch nur bis 2007.

    mein 2008 sah anders aus, hm.

  5. ja, das finde ich auch ein bisschen, eh, ärgerlich, dass mein liebster 1000Robota song von Finkenauer geschrieben wurde.
    zu den vergleichen: Von Spar ist schon wahr. man mag dann 1000Robota als eine jugendlichere, leichter verträgliche version Von Spars sehen.

  6. (ausgerechnet eine Coverversion, also)

  7. Nochmal zu 1000 Robota: Ich höre da Tocotronic, Mediengruppe Telekommander, Bierbeben, Von Spar etc. pp.
    Was allerdings stimmt: „Ich blicke an dir vorbei“ ist locker der beste deutsche Trennungssong des Jahres.