Archive for Juni, 2011

30.06.2011 von Christian Ihle
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Everybody Was In The French Resistance …Now!

von Christian Ihle

In keinem Land der Welt ist der Band Art Brut so viel Begeisterung entgegengebracht worden wie in Deutschland. So wundert sich selbst der gemeine Engländer immer noch, dass Art Brut – Sänger Eddie Argos sogar den Sprung auf das Titelbild des deutschen Rolling Stone geschafft hatte.
In der Zwischenzeit mag es ruhiger um Argos und die Art Brut geworden sein, aber untätig war Eddie keineswegs. Nicht nur dass seine Hauptband bereits Album Nummer Vier dieser Tage veröffentlicht und er nach Berlin umgezogen ist, nein, sogar noch eine Nebenband hat Argos aus der Taufe gehoben. Die etwas umständlich, wenngleich zutreffend betitelte Band „Everybody Was In The French Resistance… Now!“ besteht aus Eddie und der Multiinstrumentalistin Dyan Valdés, die hauptberuflich wiederum bei den amerikanischen Indierockern von The Blood Arm tätig ist. … weiter lesen

29.06.2011 von Christian Ihle
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5 Songs mit den Arctic Monkeys

von Christian Ihle

arctic monkeys

Vor ein paar Wochen ist das vierte Album der Arctic Monkeys, der einst größten Band Englands, erschienen.

Ein guter Anlaß, auf die Monkeys-Karriere zurückzublicken, und die Top-5-Songs der Band aus Sheffield zu wählen:

5. Cornerstone

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Album Nummer 3, “Humbug”, war der Sound einer Band, die in ihrem eigenen Allerwertesten verschwindet. Als wäre es nicht genug, die größte Band des Landes zu sein, musste man auch noch von der Rock-Aristokratie auf der anderen Seite des Atlantik Anerkennung abholen. Das von Josh Homme produzierte Album ist sicherlich ein statthafter Versuch, eine Weiterentwicklung zu zeigen – aber leider auch über weite Strecken öde und beraubt die Arctic Monkeys ihrer beiden größten Stärke: der Dringlichkeit in der Musik und des Witzes in den Texten. Cornerstone war dennoch ein Highlight, das aufgezeigt hat, dass auch die neuen Arctic Monkleys noch künstlerisch relevant sein können – auch wenn die Single mit der desaströsen Chartperformance von Platz 94 in der britischen Hitparade ein böser Flop war.

4. Bet You Look Good On The Dancefloor

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Bet You Look Good On The Dancefloor ist vielleicht nicht ihr bester Song (selbst auf dem Debüt sind “Mardy Bum” und “When The Sun Goes Down” sicherlich mindestens gleichwertig), … weiter lesen

28.06.2011 von Christian Ihle
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Claudia Pechstein wechselt in den Radsport.

von Christian Ihle

Eine der erstaunlicheren Meldungen dieses Sportsommers handelt von Claudia Pechsteins Wunsch, die Sportart zu wechseln und bei Olympia 2012 im Radsport anzutreten. Abgesehen von der grundsätzliche Absurdität hinsichtlich der Vorbereitungskürze kann man natürlich nur sagen…

Claudia Pechstein wechselt in den Radsport? Das nenn ich konsequent.

27.06.2011 von Christian Ihle
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Ansgar Brinkmann: Der weisse Brasilianer

von Christian Ihle

Wenn ein Fußballprofi nach dem Ende seiner Karriere eine Biographie veröffentlicht, hat er normalerweise eine Weltmeisterschaft gewonnen (Franz Beckenbauer) oder wenigstens eigenhändig eine WM verloren (Oliver Kahn). Ansgar Brinkmanns größter Erfolg ist dagegen eine deutsche Jugendmeisterschaft mit selig Bayer Uerdingen.

ansgar brinkmann

Dass Brinkmann dennoch interessant genug erscheint, sein Leben erzählen zu dürfen, liegt daran, einer der oft vermissten “Typen” im deutschen Fußball zu sein. Dass er dazu noch stolz seinen Spitznamen “Der weiße Brasilianer” trägt und zu Zeiten, als die Zweite Liga noch unter dem Kosenamen “Klopperliga” firmierte, spielerischen Glanz in die unwahrscheinlichsten Ecken Deutschlands brachte – Osnabrück! Gütersloh! – macht ihn tatsächlich zu einem bemerkenswerten Fall.

Aber sind wir ehrlich: der einzige Grund, warum Brinkmann seine Karriere in Buchform präsentieren darf, ist seine außergewöhnliche Eskapadenschlagzahl. … weiter lesen

25.06.2011 von Christian Ihle
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Schmähkritik (420): Formel-1-Fahrer Nico Rosberg über Frauen-Fußball

von Christian Ihle

“Man schaut doch auch Paralympics – Menschen, die nicht ganz so große Leistungen bringen können, aber unter sich ist es trotzdem spannend.”

(Nico Rosberg in einem Interview auf die Frage, ob er sich Spiele der Frauen-Fußball-Weltmeisterschaft anschauen werde)

Edit: Nico Rosberg nimmt auf seiner eigenen Homepage zu den “Anfeindungen” Stellung und präsentiert eine Mitschrift seiner Presserunde, die beweist, dass nicht nur die Formel-1-Fahrer, sondern auch die Formel-1-”Journalisten” sexistische Volltrottel sind. “Das geht auch vize-versa”, fürwahr:

Das Presse-Gespräch im Wortlaut:

Journalist A: Nico, kann ich einmal eine Nicht-Formel-1-Frage stellen?
Nico: Ja.
Journalist A: Die Fußball-WM beginnt am Wochenende, weißt du das?
Nico: Natürlich weiß ich das. Die Frauen-Nationalmannschaft wird doch von Mercedes-Benz gesponsert. Das stimmt doch, oder? Ich verfolge das natürlich auch. Ich werde vor dem Fernseher stehen, wenn sie im Finale sind.
Journalist A: Würdest du dich auch für Frauen interessieren, wenn sie nicht von Mercedes gesponsert werden?
Nico: Jaja.
Journalist B: Du siehst aber erst im Finale zu?
Nico: Wahrscheinlich erst im Finale, vielleicht gucke ich auch Halbfinale. Ich glaube aber erst das Finale.
Journalist A: Fragen wir einmal anders herum: würdest du eine Formel 1 akzeptieren, in der nur Frauen fahren – so quasi als Neben-Formel-1-? Was hätte das für eine Bedeutung für dich?
Nico: Nur Frauen…
Journalistin: Also eine Frauen-Formel-1?
Journalist A: Ja, eine Frauen-Formel-1, so wie es jetzt eine Frauen-Fußball-WM gibt.
Nico: Boah, was soll ich jetzt darauf antworten?
Journalist A: Das ist ja die kritische Frage, was soll ich mit Frauen-Fußball anfangen? Oder was soll ich überhaupt mit Frauen-Sport anfangen?
Journalist C: Frauen überhaupt?
Journalist: Nein, nein, nein. Aber verstehst du die Frage: was hat Frauen-Sport überhaupt für eine Berechtigung?
Die Gruppe: Boah!!!
Journalist D: Jetzt outet sich hier aber jemand.
Journalist A: Ich will doch beim Sport die denkbar beste Leistung erleben. Wenn eine Frau von der Grund-Konstitution her weniger Leistung bringen kann, interessiert mich das schon nicht. Nicht weil sie eine Frau ist, sondern weil die Leistung nicht Spitze ist…
Journalist C: Hast du einmal Männer-Kunstschwimmen gesehen?
Journalist A: Das geht ja auch vize-versa.
Journalist im Hintergrund: Ich glaube, das haben einmal zwei Schwuchteln versucht…
Nico: Aber es gibt doch auch Paralympics, die man sich auch ansieht. Das ist doch so, dass dort ein Mensch nicht die ganz große Leistung bringen kann, aber unter sich sind sie alle ähnlich und deswegen ist es trotzdem spannend.
Journalist A: Sehr guter Einwand.
Journalist im Hintergrund: Frauen sind eigentlich grundsätzlich behindert.
Journalist A: Gute Einwände kommen nur, wenn Fragen pushy waren. Ja. Jetzt schreiben wir: Rosberg findet Frauen-Fußball wie Paralympics.
(Allgemeines Gelächter)
Nico: Tja, wenn man es richtig machen würde… tja.
Journalist A: Ne, ne.

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24.06.2011 von Christian Ihle
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My Favourite Records mit Feeder

von Christian Ihle

feeder

Die letzten Überlebenden der britischen Gitarrenexplosion der Mitt/Spät90er? Feeder sind neben Ash und den Manic Street Preachers eine der wenigen Bands, die immer noch unterwegs ist, nachdem schon so viel Zeit ins Land gezogen ist, dass die meisten anderen bereits wieder zurückkehren!

Feeder gehörten – ähnlich wie Ash – allerdings nie zur Brit-Pop-Mannschaft, sondern hatten immer mehr amerikanischen Pop-Punk- bis Foo-Fighters-Einfluß zu verzeichnen. Auch auf ihrem neuen Album hat sich daran nichts geändert…

* Your three favourite Punk singles/songs?

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** The Sex Pistols/ Anarchy In The UK
** Ramones/ Blitzkrieg Bop
** The Clash/ London Calling

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* A record that will make you dance?

Village People

* Your favourite song by Pete Doherty?

Pete who?

* The best “new” band right now? … weiter lesen

23.06.2011 von Christian Ihle
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Schmähkritik classic: Autoren vs. Autoren – “That’s not writing, that’s typing.”

von Christian Ihle

Die amerikanische Kulturseite Flavorwire hat die 30 schönsten Beleidigungen der Literaturgeschichte zusammengestellt – und zwar nach dem Prinzip Bitchfight, also Autor vs. Autor.


Lesenswert in Gänze
, hier ein paar Highlights:

* Truman Capote über Jack Kerouac:
“That’s not writing, that’s typing.”

* Friedrich Nietzsche über Dante Alighieri:
“A hyena that wrote poetry on tombs.”

* Vladimir Nabokov über Fjodr Dostojewski:
“Dostoevky’s lack of taste, his monotonous dealings with persons suffering with pre-Freudian complexes, the way he has of wallowing in the tragic misadventures of human dignity — all this is difficult to admire.”

* Vladimir Nabokov über Ernest Hemingway:
“As to Hemingway, I read him for the first time in the early ‘forties, something about bells, balls and bulls, and loathed it.”

* H. G. Wells über George Bernard Shaw:
“An idiot child screaming in a hospital.”

* Lord Byron über John Keats: … weiter lesen

22.06.2011 von Christian Ihle
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Kaboom (Regie: Gregg Araki)

von Christian Ihle

Kaboom

1. Der Film in einem Satz:

This is the way the world ends.
This is the way the world ends.
This is the way the world ends: Not with a whimper but a bang.

2. Darum geht‘s:

Der junge bisexuelle Collegestudent Smith tagträumt von seinem Surfer-Dude-Zimmergenossen bis er rüde von als Tieren verkleideten Sektenmitgliedern, die sich die Vernichtung der Erde zum Ziel gesetzt haben, aus seinen Phantasien gerissen wird.
Im Folgenden haben wir Plottwists bis der Boden raucht, sexuelle Interaktionen bis das Bett dampft und hübsche Menschen, wohin das Auge blickt während uns Regisseur Gregg Araki die Joy-Division- und New-Order-Referenzen nur so um die Ohren haut.
“Kaboom” ist auch tatsächlich so kurzweilig und begeisternd … weiter lesen

21.06.2011 von Christian Ihle
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Schmähkritik (419): der Tatort “Im Abseits” zur Frauen-Fußball-WM

von Christian Ihle

“Etwas Schlimmeres hat man lange nicht gesehen: Der Ludwigshafener Event-PR-Gemache-”Tatort” steht die ganze Zeit da, wo sein Titel ihn hinstellt – “Im Abseits”.
(…) so hölzern wie der real existierende DFB-Boss hat noch kaum ein Telefonteilnehmer eine Todesbotschaft entgegen genommen, und fast wünschte man, als Zwanziger an die versammelte Tischrunde tritt und “Fadime ist tot” sagt, Herbert Reinecker hätte diese Folge noch schreiben können – dann hätten die um Bestürzung bemühten Bierhoff und Löw wenigstens antworten können: “Tot?”
(…)
Die Trainerin spricht derweil zu und über ihre Spielerinnen, die Gefahr laufen “zu der” (sicest!) amerikanischen Profiliga zu wechseln, in Sätzen, für die sie am DSF-Fußballstammtisch samt Phrasenschwein “dereinst” (Thomas Mann) arm geworden wäre (“Das Spiel lief an ihr vorbei”).

Drehbuchautor Jürgen Werner agiert wie ein Heckenschütze auf gesellschaftlicher Problemwildjagd: Draufhalten, Treffer. (…) Werners Drehbuch macht eine Schwalbe nach der anderen und pfeift sich selbst danach Elfmeter. Es ist zum Heulen. Denn: Was fällt Werner zu Frauenfußball ein? Richtig, Sexyness und Migrantentöchter. Und was fällt Werner zu Migrantentöchtern ein? Richtig, Ehrenmorde.

Werner ballert durch die deutsche Wirklichkeit, als handelte es sich um eine Thilo-Sarrazin-Diktatur, in der unter Androhung von lebenslänglichem Heizungabdrehen-bei-gleichzeitigem-Pulloverentzug immer nur alles mit allem kurzgeschlossen werden darf. (…) Kopper (Andreas Hoppe), der schon in der Vergangenheit als hoffnungslos zurückgebliebener, dafür aber selbstgewisser Modernisierungsverlierer auf sich aufmerksam gemacht hatte, läuft in diesem diskursiven Hauen und Stechen zu Hochform auf (“Ich bin kein Rassist, aber”) und zeigt jovial seine eigene Westliche-Werte-Überlegenheit vor: “Wir haben Gesetze in diesem Land, an die muss sich halten, egal welche Hautfarbe oder Glauben er hat.” Das haben Grundgesetz, BGB und StVO doch alles nicht verdient.”

(Matthias Dell in Der Freitag)

Edit: auch Alexander Gorkow in der Süddeutsche Zeitung war wenig erbaut:

“Frauenfußball, ein Mord an einer türkischen Spielerin, schlechte Dialoge und dann auch noch ein Auftritt der Theater AG des DFB – der “Tatort” mit Kommissarin Lena Odenthal gerät zu einem regelrecht hirnverbrannten Event. (…)

Ulrike Folkerts redet im Presseheft von der Vorherrschaft der Männer im Fußball und davon, dass eine Quote aus Brüssel auch hier “eine schöne Idee” wäre. (Hä? Gemischtgeschlechtlich? Unterlasse Sie die Vertraulichkeiten!) Auch verrät sie, dass DFB-Präsident Theo Zwanziger bei Kaffee und Kuchen die Idee zu diesem Tatort hatte. Und dann wird das gleich mal umgesetzt? Seid ihr noch dicht?

Zur Strafe erhält Zwanziger einen Gastauftritt in diesem ARD-Beitrag zur Frauen-WM, gemeinsam mit Löw, Bierhoff und Steffi Jones. Dieser Gruß der Theater AG des DFB gehört zum Peinlichsten in der Geschichte der Sendereihe. Ohne die Laienspielschar wäre die Folge nur verschwitzt und normalsehrschlecht – so aber gerät sie zum regelrecht hirnverbrannten Event. Irre, diese Selbstauslieferung an die Mätzchenhaftigkeit, das alles von Filmleuten, die nicht einen guten Dialog in 90 Minuten zustande bringen. Eine quotenstarke Totalkapitulation.”

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20.06.2011 von Christian Ihle
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Samuel L Jackson und “Go The Fuck To Sleep”

von Christian Ihle

Will der kleine Balg mal wieder nicht schlafen? Dann rein mit der von Samuel L Jackson vorgelesenen “Go The Fuck To Sleep” Gutenachtgeschichte:

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(und hier in der langen Version)