vonChristian Ihle 15.11.2013

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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Eric Pfeil ist seit diesem Jahr nicht nur einer der besten Musikjournalisten des Landes, sondern hat auch den Sprung auf die andere Seite des Grabens gewagt und steht nun selbst auf der Bühne. Von Pfeils Liedermacherqualitäten konnten wir uns beim Reeperbahnfestival selbst überzeugen: Auf seinem Debütalbum finden wir Singer/Songwriter-Pop, der an die allerorten hochgeschätzte Band Erdmöbel, gekreuzt mit Funny van Dannen, erinnert

Desweiteren möchten wir die Gelegenheit nutzen und auf Eric Pfeils Pop-Tagebuch hinweisen, das einige Zeit als Blog bei der FAZ veröffentlicht wurde, nun aber beim Rolling Stone Unterschlupf gefunden hat.

Da Eric Pfeil zudem – ihm unbekannterweise – auch seit Jahren beständiger Lieferant für unsere Schmähkritik-Rubrik (am Ende des Fragebogens übrigens alle seine Kritiken, die bisher Aufnahme in den Schmähkritik-Kanon gefunden haben) war, freuen wir uns, ihn nun auch in unserem zweiten wiederkehrenden Popblog-Feature zu begrüßen:



* Die drei besten Punksongs/-singles?


Dazu müsste man eigentlich Punk definieren. Ist Punk die Selbstermächtigung des Dilettanten? Die hohe Kunst der Vereinfachung? Irgendetwas mit Irokesenfrisuren und Nietenjacken? Eine Bewegung mit langweiliger Musik?
Lieder mit höchstens drei Akkorden? Ich wähle mal drei Punk-nahe Stücke …


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** Undertones – „Teenage Kicks“
** Jacques Dutronc – „Et moi et moi et moi“
** The Modern Lovers „Roadrunner“


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* Ein Song, der Dich immer zum Tanzen bringt?


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Adriano Celentano – „Prisencolinensinaiciusol“


* Der interessanteste „neue“ Künstler ist?


Hahahahahahaha. Tschuldigung. Keine Ahnung. In Ermangelung einer Idee denke ich mir jemanden aus: Elvis Monroe. Eine Frau, kein Mann, wobei: So genau weiß man das auch nicht. Tochter eines Nigerianers und einer Italienerin. Macht eine seltsame Mischung aus Küchenliedern, psychedelischem Rumba, genuesischem Volkslied und HipHop. Platz 3 auf der Hotlist des Eric-Pfeil-Anzeigers …


* … und was ist so großartig an diesem Künstler?



„… dass es ihr gelingt, Vergangenheit und Zukunft wie das Gleiche klingen zu lassen“.


* Deine liebste deutschsprachige Textstelle?


„Manchmal ist da ein Hauch von Herbst / Wenn so ein Tag im Dunst versinkt /
Man hat wohl dies und das getan / Jedoch im Grund den Tag vertan / Und das
Herz wird so schwer“.



(„Manchmal“ von Jean-Claude Pascal)


oder

„Und ich wär‘ hier so gerne zu hause / Denn die Erde ist mein Lieblingsplanet /
Doch ich werde hier nie so zu hause sein / Wie die Freunde der Realität“.



(„Freunde der Realität“ von Funny van Dannen)

* Der beste Musik-Journalist/Schreiber überhaupt?


Ich mag es ja am liebsten, wenn Leute, die nicht hauptsächlich mit dem Thema befasst sind, über Musik schreiben. Insofern: … vielleicht Elke Heidenreich.


* Der beste Song über Revolte, Aufruhr und Revolution?


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Ich muss zwei nennen, tut mir leid:
** Soft Boys – „I Wanna Destroy You“
** Dylans „Maggie’s Farm“.


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* Der beste Song, den Du je geschrieben / aufgenommen hast?


Ein Lieblingssong vom aktuellen Album heißt „Soul (für Lucio Battisti)“. Mein unveröffentlichtes Lieblingslied heißt „Königsmörder“.


* Peter Hein, Rio Reiser oder Jochen Distelmeyer – und warum?


Alle drei haben ihre Qualitäten, wobei Peter Hein definitiv derjenige der drei Gentlemen ist, mit dem ich am liebsten mal in einem Aufzug steckenbleiben möchte.


* Das beste Buch über Musik?





Bob Dylan „Chronicles“. Ist aber auch ein sehr gutes Buch über Möbel.


* Das schlimmste Künstler-Interview, das Du führen musstest?


Eine Herausforderung an die eigene Sittlichkeit stellt es dar, wenn sich ein halbwegs verhasster Künstler als sympathisch herausstellt, was oft genug vorkommt. Das ist oft viel aufreibender als eine Rock-Diva, die wild schreiend durchs Hotelzimmer tobt. Bislang war aber auch alles glimpflich. Ich hatte mal ein sehr anstrengendes Gespräch mit Blixa Bargeld, bei dem ich dem Mann nicht beibiegen konnte, dass er nicht Englisch mit mir sprechen muss.

Der Künstler aber wollte partout nicht davon lassen. Ein ulkiger Kerl, aber nicht „schlimm“ …



* Die am meisten überschätzte Band/Künstler?


Ach, ich sehe das alles nicht mehr so eng. Ich habe Probleme mit Musik, in der ich keinen Humor finde, davon gibt es eine Menge. Dies gesagt, muss man allerdings hinzufügen: Es gibt auch blöde Musik MIT Humor. Was ich, glaube ich, sagen will: Ich mag Placebo nicht besonders.


* Der beste Song in diesem Jahr dagegen ist?


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Dieser Robin-Thicke-Hit oder „Stoned and Starvin“ von Parquet Courts.


* Die beste deutsche/deutschsprachige Platte?





„Charles Aznavour – Das Beste auf deutsch“


* Die beste Platte aller Zeiten?





Adriano Celentano – „La Robe Che Ha Detto Adriano“



Alle Schmähkritiken von Eric Pfeil:


* #10: Virginia Jetzt!
* #14: Travis
* #283: William Fitzsimmons
* #350: David Garrett und Prince
* #411: Culcha Candela
* #547: Steve Hackett (Genesis)


Eric Pfeils Debütalbum ist bereits erschienen:


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