Posts Tagged ‘März Verlag’

12.02.2011 von Schröder & Kalender
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Heringe und Wunder

von Schröder & Kalender

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Der Bär flattert in südwestlicher Richtung.
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Wer sagt denn, dass Namenswitze verboten sind? Dann wäre ja die halbe Kabbala perdu! Heute erreichte uns ein Spam von Mariechen Hering, der Betreff versprach: »9.041,00 € pro Monat ist denkbar!« Und so ging es weiter: »Sie sind immer erreichebar und haben eine Maenge Zeit? Sie moechten Ihre Zeit fuer Ihr Portemonnaie aufbrauchen? Bei … (Mariechen Herings Mailadresse in Rumänien) melden und sich neugirig machen lassen.«

Wir hingegen sind im Moment kaum erreichbar, denn plötzlich hat sich eine realistische Möglichkeit ergeben, den März Verlag neu aufzustellen. Da müssen wir nun nicht zu knapp konferieren, planen, korrespondieren. Näheres demnächst, wenn das Ei gelegt ist. Nur so viel: Bis zur Buchmesse werden 15 März-Titel reloaded, in zwei Jahren sollen dann 60 März-Bücher wieder vorliegen. Wo? In einer März-Edition der Büchse der Pandora, ein Verlag der Digitalakrobaten in Wetzlar, die bereits… weiter lesen

25.01.2011 von Schröder & Kalender
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Dial-A-Poem

von Schröder & Kalender

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Es ist dunkel, wir sehen nicht, wie der Bär flattert.
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Giorno, John: ›Cunt‹. Gedichte. Ausgewählt und mit einer Notiz von Rolf-Eckart John. Aus dem Amerikanischen von Rolf Dieter Brinkmann, Rolf-Eckart John und Ralf-Rainer Rygulla. Originaltitel: ›Cunt‹. 72 Seiten,. Einbandgestaltung: Jörg Schröder mit einem Filmstill aus ›Sleep‹ von Andy Warhol. März Verlag, Darmstadt 1969

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John Giornos ›Cunt‹ lief 1968 fünf Monate lang über Anrufbeantworter, die er von der Architectural League of New York geschnorrt hatte, dazu Texte und Gedichte von Autoren wie Anne Waldman, William Burroughs, Bill Berkson, Allen Ginsberg, Giorno himself natürlich, Ron Padgett, John Perreault, Ed Sanders, Emmett Williams, Peter Schjeldahl, David Henderson, Taylor Mead, Lewis Warsh, simultan über zehn Anschlüsse. Die Bänder wechselten täglich, über eine Million Anrufe wurden in den fünf Monaten, in denen die Aktion lief, registriert. ›Dial-a-Poem‹ war geboren. Auch in der St. Mark’s Church wurden ›Johnny Guitar‹ und ›Cunt‹ aufgeführt. Ein Tonband mit den beiden pornographischen Gedichten spielte ununterbrochen vier Stunden lang über sechs Lautsprecher in der Kirche zum Beispiel Giornos ›Pornografisches Gedicht‹:

»Sieben kubanische  /  Armeeoffiziere  /  im Exil / waren die ganze Nacht / mit mir beschäftigt. / Große / schlanke / geschmeidige / spanische Typen / mit glatten dunklen / muskulösen Körpern / und Haar / wie nasse Kohle / am Kopf / und zwischen den Beinen. / Ich wußte nicht mehr / wie oft / ich von ihnen /  in jeder erdenklichen / Lage / gefickt wurde. / Einmal / standen sie / im Kreis / um mich herum / und ich mußte / von Unterleib / zu Unterleib / kriechen / und an jedem / Riemen lutschen / bis er steif war. / Als ich alle / sieben hoch hatte / schauderte ich / beim Anblick / dieser erigierten Schwänze / die alle verschieden lang / und dick waren / und bei dem Gedanken / daß jeder einzelne / sich in mein Arschloch / schieben würde. / Jeder / von ihnen / kam / mindestens zweimal / und einige dreimal. / Dann setzten sie mich / auf das Bett / kniend / einer fickte mich / in den Hintern / ein anderer in den Mund / während ich / mit jeder Hand / einen wichste / und zwei von den anderen / ihre Latten / an meinen nackten Füßen / rieben / und warteten / bis sie an der Reihe waren / in meine Dose / zu kommen. / Gerade als ich glaubte / sie seien völlig fertig / taten sich zwei / von ihnen zusammen / und fickten mich / gleichzeitig. / Die Stellungen / die wir einnahmen / waren wahnsinnig / aber mit zwei / großen dicken / kubanischen Schwänzen / zur gleichen Zeit / in meinem Arsch / war ich / im Paradies.«

Keine Aufregung, die Übersetzung ist von Rolf Dieter Brinkmann. John Giornos Gedichte erschienen 1969 bei März, damals wurde der Hammer geschwungen. In der St. Mark’s Church hatte Giorno an das Kreuz über dem Altar eine zwei Meter fünfzig hohe Doppellichtsäule montiert. Sie bestand aus je dreißig roten, gelben, blauen und grünen Hundertfünfzig-Watt-Lampen, die an eine Lichtorgel angeschlossen waren. Die Bänke im vorderen Kirchenraum waren rausgeräumt, dafür gab es Sitzkissen, dazwischen drei Dutzend Kerzen. Das Verteilersystem eines Intervallduftdispensors erfüllte die Kirche mit dem Aroma von Schokolade. Der Raum wurde von sechs Tausend-Watt-Scheinwerfer mit orangefarbenem Vorsatz lichtüberflutet. Ein Krug mit LSD-Punsch stand auf dem Tisch neben dem Altar, ein Becher enthielt ein Viertel eines Trips, jeder konnte sich bedienen, zwanzig Liter Punsch wurden ausgeteilt. In der Sakristei neben der Kirche gab John Giorno eine Geburtstagsparty für Anne Waldman mit Beat, Essen, Wein, Haschischsuppe, Haschischgeburtstagskuchen, dazu noch sechshundert Joints. Die Besucher wechselten von der Lesung zur Party, zurück zur Lesung und dann wieder zur Party. Solche Aktionen transportierten  wir  in unsere Republik, wenn auch nur auf Papier. Und Giorno schlief, währenddessen für Andy Warhol in dessen Sechs-Stunden-Film ›Sleep‹. Denn Warhol war noch nicht mit seinem Silkscreen-Bauchladen unterwegs zu allen Hubert Burdas dieser Welt.

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08.01.2011 von Schröder & Kalender
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Das Land der Inca

von Schröder & Kalender

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Der Bär flattert in nördlicher Richtung.
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Im Jahr 1983 gründeten wir die Ravenna Presse im März Verlag, in der herausragende Titel der Buchkunst und der wissenschaftlichen Arcana in bibliophiler Ausstattung geplant waren. Als erstes erschien ›Das Land der Inca‹ von Rudolf Falb. Weitere geplante Titel sind in der Ravenna Presse nicht herausgekommen.

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Falb, Rudolf: ›Das Land der Inca in seiner Bedeutung für die Urgeschichte der Sprache und Schrift‹. Nachdruck der Leipziger Erstausgabe von 1883. Oasenziegenleder mit Goldprägung im Schuber. Aufgebunden wurden 300 von 555 Exemlaren mit Pränumeranten-Verzeichnis. 456 Seiten, (8°). Einbandgestaltung: Jörg Schröder. Ravenna Presse im März Verlag, Herbstein 1984 (nur noch antiquarisch erhältlich).
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Im Jahr 1877 begab sich der angesehene Geologe und Erdbebenforscher Rudolf Falb auf eine Forschungsreise nach Südamerika. Dafür hatte er ein halbes Jahr veranschlagt, zuletzt ging er auf das Hochplateau der peruanischen Kordilleren, um hier Messungen seismischer und vulkanischer Phänomene vorzunehmen.

Falb war von den archäologischen Funden in Cuzco und Tiahuanaco überwältigt. Und bei seiner Begegnung mit den Aimarà-Indianern im Urwald von Bolivien traf ihn wie ein Blitz die Gewißheit: In der Sprache der Inca sind die Belege für die Wurzeln eines einheitlichen Sprachen-Ursprungs in einer Prähistorischen Periode zu finden.

Falb ließ alle weiteren geologischen Pläne fahren und beschäftigte sich fortan fünf Jahre mit seiner Sprachtheorie, lernte drei Indianer-Sprachen, notierte auf tausenden von Folio-Seiten die Belege seiner Forschung zu einer Urgrammatik. Ausgehend von der Aimarà- und Kitschua-Sprache werden wir in Falbs Buch Zeugen von atemberaubenden Beweis- und Analogieketten sprachlicher, symbolischer und mythologischer Art. Wir nehmen teil an genialischen Denk- und Assoziationsakten, lesen z. B. Aimarà, Hebräisch, Griechisch, Ägyptisch, Sanskrit, Latein, Arabisch, Aramäisch, Chinesisch, Französisch, Deutsch, Englisch … Ja, wir können das lesen bzw. hören, auch wenn wir die dazugehörigen Schriftzeichen und Sprachen nicht beherrschen. Denn Rudolf Falb, der dieses Buch … weiter lesen

16.12.2010 von Schröder & Kalender
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Seine Texte werden bleiben

von Schröder & Kalender

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Der Bär flattert in nordöstlicher Richtung.
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Zum Tod von Peter O. Chotjewitz

Foto: Gunter Rambow
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Er kam 1968 aus Rom nach Frankfurt. Uve Schmidt stellte mir seinen Schwippschwager vor. Gunter Rambow hatte Pit im Park der Villa Massimo und an anderen Stätten nackt fotografiert. Das war zu der Zeit, als Emanzipation und Pornographie laufen lernten, im besten Oscar Wilde’schen Sinne also joke and truth at the same time. Bei Rowohlt war die ›Hommage à Frantek‹ erschienen, ›Die Insel‹, seine Berliner Erzählungen, wurden gerade im 6. Tausend verkauft. Wenn er bloß den Literaturbetrieb hätte ernst nehmen wollen!

Statt dessen schlug er mir einen ›Roman‹ vor, in dem Rambows Aktfotos mit angeschwemmten Schuhen und Texten verschränkt werden sollten, was ich sofort akzeptierte. Und so erschien, sehr zum Missvergnügen des Verlegers Joseph Melzer, ein aufwendig produzierter Folioband. Mit solchen Projekten verpulverte ich als Lektor im Melzer Verlag damals die Millionen, die mir die ›Geschichte der O‹ ins Haus gespült hatte. Der ehrbare Linke Jan Süselbeck nimmt Pit in seinem Nachruf noch heute »diese peinliche Selbstinszenierung« übel – das gehört ins Kapitel ›Die Linke und der Humor‹. … weiter lesen

17.11.2010 von Schröder & Kalender
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Apollinaire ist tot

von Schröder & Kalender

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Der Bär flattert in östlicher Richtung.
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Sonnet 37 übersetzt von Rolf Dieter Brinkmann
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Berrigan, Ted: ›Guillaume Apollinaire ist tot. Gedichte, Prosa, Kollaborationen mit Notizen von Tom Clark, Allen Kaplan und Ron Padgett‹. Herausgegeben von Rolf Dieter Brinkmann. Aus dem Amerikanischen von Peter Behrens, Rolf Dieter Brinkmann, Herbert Graf, Rolf Eckhart John, Nils Lindquist und Ralf-Rainer Rygulla. Engl. Brosch., 256 Seiten. Umschlaggestaltung: Typographie von Jörg Schröder mit einer Zeichnung von Henning John von Freyend. März Verlag, Frankfurt a. M. 1970 (nur noch antiquarisch erhältlich).
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20.10.2010 von Schröder & Kalender
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Julia und die Bazooka

von Schröder & Kalender

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Der Bär flattert in südöstlicher Richtung.
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Selbstporträt von Anna Kavan

Anna Kavan wurde 1901 in Cannes geboren, verbrachte ihre Kindheit in verschiedenen europäischen Ländern und in Kalifornien. Sie beendete ihre Ausbildung in England, heiratete und lebte dann in Burma. Hier beginnt sie zu schreiben, trennt sich von ihrem Mann, einem rüden englischen Kolonialbeamten, und ihrem großbürgerlichen Lebensstil. Sie ändert ihren Namen als Schriftstellerin und ihre persönliche Identität von Helen Ferguson in Anna Kavan, der Heldin ihres Romans ›Let me alone‹.

Anna Kavan lebte danach in verschiedenen Ländern Europas, heiratete wieder, die Ehe zerbrach. Einige ihrer Bücher wurden veröffentlicht, mit geringem Erfolg, sie schrieb weiter, auch in Phasen tiefer Depression, ließ sich in Schweizer Kliniken behandeln; sie war schon früh heroinabhängig. Während der Kriegszeit lebte sie in New York, arbeitete zunächst in einer Armee-Psychiatrie, 1942 wurde sie Redakteurin bei ›Horizon‹.

Später lebte Anna Kavan wieder in England, malte, arbeitete als Innenarchitektin und schrieb bis zu ihrem Tode am 6. Dezember 1968. Sie wurde in ihrem Londoner Haus gefunden, in der Hand noch die Spritze, ihre »Bazooka«.
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15.09.2010 von Schröder & Kalender
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Heute knüpfen Frauen ihre Hose vorn

von Schröder & Kalender

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Der Bär flattert in nordöstlicher Richtung.
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Böhmer, Paulus: ›Aktionen auf der äußeren Rinde. 1966 bis 1969‹. Brosch., 160 Seiten, (8°). Umschlaggestaltung: Typographie von Jörg Schröder mit einer Zeichnung von Berndt Höppner. März Verlag, Frankfurt a. M. 1972 (nur noch antiquarisch erhältlich).
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Manches dauert eben etwas länger. Im Jahr 1972 erschien die erste größere Veröffentlichung von Paulus Böhmer im März Verlag. Morgen erhält der 1936 geborene Autor den Hölty-Preis für Lyrik der Stadt Hannover für sein bisheriges Werk »mit dem er eine einmalige Position in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur vertritt«, so der Tenor der Verleihungsurkunde. Anders gesagt: Paulus Böhmer gehört zu den Besten. Wir freuen uns für ihn und gratulieren! Außerdem kann man ja 20.000 Euronen immer gut gebrauchen.
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08.09.2010 von Schröder & Kalender
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Schlachthäuser

von Schröder & Kalender

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Der Bär flattert  in nördlicher Richtung.
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»Wenn ein Buch die Kraft hat, die Welt zum Fleischverzicht zu bekehren, dann ist es Jonathan Safran Foers neues Werk ›Tiere essen‹«, schrieb Christian Geyer vor kurzem im Feuilleton der FAZ. Ein frommer Wunsch! Schon einmal, vor gut hundert Jahren rüttelte ein Buch die Menschen auf, und der Absatz amerikanischer Fleischkonserven fiel ins Bodenlose. Dies geschah nach dem Erscheinen von Upton Sinclairs ›The Jungle‹, der im selben Jahr auf deutsch im Malik Verlag erschien.
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Sinclair, Upton: ›Der Dschungel‹. Werke in Einzelausgaben. Herausgegeben von Dieter Herms. Aus dem Amerikanischen von Otto Wilck. Originaltitel: ›The Jungle‹. Leinen, 484 Seiten, (8°). Umschlaggestaltung: Jörg Schröder mit einer zeitgenössischen Illustration. März Verlag, Berlin und Jossa 1980. 

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Sinclair hatte sich in die Schlachthäuser von Chicago eingeschlichen und berichtete von den dortigen kriminellen Zuständen. Arbeiter mit TBC husteten ins Fleisch, Akkordarbeiter pinkelten in die Rührwerke. Menschen waren in Bottichen ertrunken und wurden eingedost. Präsident Roosevelt lud den 28jährigen Autor zum Lunch ins Weiße Haus ein. Das Ergebnis des Treffens: Zwei Referenten des Präsidenten begaben sich nach Chicago, sie kamen zurück mit einem Bericht, der sämtliche Befunde Sinclairs bestätigte – mit einer Ausnahme: Es gab keine Beweise für Sinclairs Behauptung, dass Arbeiter, die in die Brühkessel gefallen waren, als »Armours Feinschmalz« in den Läden verkauft worden sei. … weiter lesen

25.08.2010 von Schröder & Kalender
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Sucht PROFIT Sucht

von Schröder & Kalender

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Der Bär flattert munter in östlicher Richtung.
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Günter Amendt und Ulrich Stiehler: ›Sucht PROFIT Sucht. Politische Ökonomie des Drogenhandels‹. Brosch., 188 Seiten. Einbandgestaltung: Jörg Schröder. März Verlag, Frankfurt a. M. 1972 (nur noch antiquarisch erhältlich).
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Die Thesen der Autoren (1972):
1. Es gibt keine Drogenwelle. Das Getöse der Massenmedien ist das Getöse der herrschenden Klasse über die Süchtigkeit der eigenen Kinder.
2. In allen historischen Phasen des Kapitalismus war massenhafter Drogenkonsum Bestandteil der gesellschaftlichen Wirklichkeit.
3. Es gibt keinen Unterschied zwischen Obergrund- und Untergrundkapitalismus. Illegaler wie legaler Drogenhandel unterliegen den Gesetzen und Widersprüchen des Imperialismus.
4. An der Spitze des Drogenkapitals stehen die Monopole der Pharmaindustrie. Ihre Produktoffensiven liegen dem heutigen Drogenkonsum zugrunde.
5. Der Umstieg von einer Droge auf die andere – etwa von Hasch auf Heroin – ist ökonomisch bedingt und liegt nicht in der Beschaffenheit der Droge.
6. Staatliche Anti-Drogen-Propaganda ist Propaganda für die synthetischen Produkte der PhPharmaindustriearmaindustrie.
7. Die zerfallende Subkultur ist Agent des Drogenkapitals. Die Klassenlage der Subkultur ist die eines enteigneten Kleinbürgertums.
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18.05.2010 von Schröder & Kalender
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Erweitertes Verlegertum

von Schröder & Kalender

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Der Bär flattert in östlicher Richtung.
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Nach der Trennung von Zweitausendeins wurde das neue MÄRZ-Programm 1982 wieder im Buchhandel angeboten und mit einer Anzeigenkampagne beworben. Der Termin zur Anmeldung eines Standes auf der Frankfurter Buchmesse war verstrichen, also kauften wir bei Koffer Witzel in Frankfurt zwei gelbe Plastikkoffer und besorgten roten und schwarzen Autolack. In Schlechtenwegen schnitten wir eine Schablone mit dem Slogan: »MÄRZ läuft« und für die Rückseite des Koffers: »Hier können Sie bestellen.« Bis tief in die Nacht spritzten wir unterm Dach die schwarzen und roten Schriftzüge, wuschen ein paar Mal die mißlungenen Versuche mit Nitro wieder ab, bis das Ergebnis endlich zufriedenstellend war. Eine Nitroorgie!

Coverentwurf von Jörg Schröder für ›Immer radikal, niemals konsequent‹ unter Verwendung eines Fotos von Isolde Ohlbaum

Mit diesen gelben »MÄRZ läuft«-Koffer schlenderten Barbara und ich am nächsten Tag über die Buchmesse. Das machte Furore, Branchenblätter und Zeitungen berichteten darüber. Von den Koffern hätten wir hundertfünfzig verkaufen können, das neue März-Programm bestellten nur neunzehn Buchhändler. Immerhin erfuhren wir von denen, warum so viele ihrer Kollegen uns aus dem Weg gingen. Denn kurz vor dem Termin, an dem sich Zweitausendeins vertraglich verpflichtet hatte, den Vertrieb der März-Lizenzen zu beenden, überschwemmten sie – die vorher immer strikt auf die Einhaltung des »Nur bei uns!« geachtet hatten – den Buchhandel mit gelben März-Bänden. Es waren sechzehn Titel, also genau die Anzahl von Neuerscheinungen und Nachdrucken, die wir beworben hatten.

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Im Sommer 2010 sollte ursprünglich ›Immer radikal, niemals konsequent‹, in der n.b.k.-Reihe im Walther König Verlag erscheinen. Das Buch über die Geschichte des März Verlags wird nun aber im Februar 2011 bei Philo Fine Arts herauskommen.

Die Publikation war als Begleitband zur März-Ausstellung im Neuen Berliner Kunstverein geplant, die bis zum Januar 2010 lief. Unser Text gefiel dem Kurator Marius Babias zunächst gut, … weiter lesen