vonChristian Ihle 10.03.2016

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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Nachdem dank „Verschwende Deine Jugend“ die deutsche (Post-)Punk-Ära der späten 70er, frühen 80er endlich ihren verdienten Platz im Rampenlicht erhalten hatte und die Hamburger Schule in den 90ern sowieso als zentraler coming-of-age-Soundtrack einer ganzen Generation gelten dürfte, ist es schon verwunderlich, dass die Jahre dazwischen, also die gute Seite der 80er, zumeist komplett übersehen werden.

Die von Carsten Friedrichs (Superpunk, Liga der gewöhnlichen Gentlemen) zusammengestellte Compilation „Falscher Ort, Falsche Zeit“ wirft nun endlich ein Licht auf all die großartigen, völlig vergessenen Bands der 80er, die sich von Paul Wellers Bands The Jam und Style Council genauso beeinflussen ließen wie von den Dexys, Orange Juice oder den britischen c86- und Mod-Sounds, die Rough Trade in der ersten Hälfte der 80er veröffentlichte.

Auch wenn die Bands wenigen sofort etwas sagen dürften, verstecken sich einige große Namen der deutschen Indie-Geschichte dahinter. Family 5 ist die Gruppe, die Peter Hein damals urplötzlich direkt nach Fehlfarbens Jahrhundert-Album „Monarchie und Alltag“ mit Xao Seffcheque gründete, Die Antwort ist Bernd Begemann und Huah! die alte Band von Knarf Rellöm (in der auch Mense Reents (Goldene Zitronen, Die Regierung) und Bernadette La Hengst mitspielten).

A propos Begemann und Bernadette La Hengst: das eigentliche Epizentrum der Musik dieser Compilation liegt natürlich in Bad Salzuflen und beim Fast Weltweit – Label, auf dem Begemann, Hengst, die Sterne und Jochen Distelmeyer ihre ersten Platten veröffentlichten. Der große unbesungene Held ist aber dann doch Michael Girke, dessen Band Jetzt! die wohl große, verschollene Gruppe des Landes ist. Hier sind Jetzt! mit „Vielleicht Menschen“ vertreten, aber der eine oder andere dürfte „Kommst Du mit in den Alltag“ kennen, das der alte Weggefährte (und zeitweilige Jetzt!-Background-Sänger) Jochen Distelmeyer auf Blumfelds „Old Nobody“ coverte.

Neben den großen Namen (haha!) wie Jetzt!, Huah! und Family 5 kann man aber auch etliche ganz neue Entdeckungen machen. Die Top 6 der Compilation (soweit im Netz auffindbar, etliche der enthaltenen Lieder sind nämlich weder auf Spotify noch Youtube):


1. Jetzt! – Vielleicht Menschen (mehr zu Jetzt!: hier!)


[youtube]https://www.youtube.com/watch?v=5-Jf9SvbdT4[/youtube]


2. Hermann’s Orgie – Hamburg


[youtube]https://www.youtube.com/watch?v=45eqlFFckcQ[/youtube]


3. Huah! – Was soll ich mit der Welt, wenn ich dich nicht hab?


[youtube]https://www.youtube.com/watch?v=7y4Zo47C9iI[/youtube]


4. The Venue – Wien ist anders


[youtube]https://www.youtube.com/watch?v=P5j5p_FUsek[/youtube]


5. Family 5 – Du wärst so gerne dabei


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6. Painted By Numbers – Lied für Werner Enke


[youtube]https://www.youtube.com/watch?v=qkTeScXVvi4[/youtube]

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